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02/07/2007 13.01.48



China: Erzabt Jeremias, „Die Kirche will nicht das System stürzen“






Am Samstag hat Benedikt XVI. den lang erwarteten Brief an die chinesischen Katholiken veröffentlicht. Der Brief ist sehr versöhnlich gehalten, offenbar hofft der Vatikan, die angespannte Lage zwischen chinesischem Staat und Heiligem Stuhl wieder normalisieren zu können. Bis jetzt gibt es noch keine offiziellen Reaktionen von chinesischer Seite, von katholischer Seite ist das Dokument enthusiastisch aufgenommen worden. Wir haben den Erzabt der Benediktinerabtei Sankt Ottilien, Jeremias Schröder, gesprochen, dessen Orden seit Jahren in China aktiv ist. Er ist froh über den Brief, weil er die verfahrene Situation weiterbringen kann:

„Ich weiß, dass die chinesischen Christen auch mit einem gewissen Bangen diesem Brief entgegen gesehen haben, weil sie nicht wussten, was da kommen wird. ‚Wird da vielleicht aus der Ferne unser Leben noch schwieriger gemacht?’ Aber es hat sich schon im Vorfeld abgezeichnet, dass der Papst da einen guten pastoralen Ansatz findet und sehr verständnisvoll über die chinesische Realität sprechen wird. Das hat er jetzt getan, und ich bin sehr froh darüber, weil ich denke, das wird helfen, Dinge in China wirklich weiter zu bringen.“

Der Erzabt ist vor allem erleichtert über die Klarstellung, dass die Kirche nicht in den Staat hineinregieren wolle:

„Das war ganz wichtig und wirklich klug. Ich habe selber noch in Peking vor einigen Monaten gehört, wie mir jemand sagte, ‚Wissen Sie, wir haben hier alle Angst, dass es uns geht wie in der Sowjetunion. Die Sowjetunion ist auseinander gefallen, weil der Papst sich da eingesetzt hat.“ Ich habe dann versucht zu erklären, dass das falsch ist. Der Papst antwortet genau auf diese große Angst, die bei vielen in der Führungsriege in der Volksrepublik China vorherrscht, dass die Kirche eigentlich einen Regimewechsel will. Das ist nicht das katholische Verständnis der Kirche. Die Kirche ist dazu da, den Menschen zu helfen, ihren Lebenssinn zu entdecken und nicht dazu da, politische Systeme umzustürzen.“

Nicht nur mit Blick auf den chinesischen Staat ist der Brief bedeutsam, sondern auch für die Kirche selbst, weil er, sagt Erzabt Schröder,

„die Katholiken untereinander zur Einheit aufruft. Da ist viel Energie vergeudet worden, und es sind Spannungen entstanden, die wirklich Menschen verletzt haben. Der Papst macht deutlich: Alle, die in China in verschiedenen Situationen katholisch sein wollen, sind Teil der katholischen Kirche, und es geht nicht darum, politische Optionen gegeneinander auszuspielen. Ich denke, dass das sehr klug war und hilft, die Energien zu bündeln und die Kirche allmählich zur Einheit zu führen.“

 
(rv 02.07.2007 mc)


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