18/08/2007 17.17.27



Südafrika: AIDS , „Worüber man nicht redet, existiert auch nicht“


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15,2 Millionen Kinder hat AIDS bereits weltweit zu Waisen gemacht. Mehr Kinder als in Deutschland überhaupt leben. Sie schlagen sich alleine durch oder werden von ihren Großeltern aufgezogen. Ein Bericht von Julia Hermann: 14-jährige Mädchen als Oberhaupt der Familie. Sie kümmern sich um 10 Geschwister, kämpfen ums Überleben, beantragen Gelder bei den Behörden. Das ist in Südafrika ander Tagesordnung. Eltern wie auch Großeltern sind an AIDS verstorben. Das Gesetz erlaubt dann diesen Kindern wie Erwachsene zu agieren. Mit allen Rechten und Pflichten, weiß Pfarrer Stefan Hippler zu berichten. Er ist Geistlicher in der deutschen Gemeinde in Kapstadt und arbeitet mit Betroffenen.
„Kinder führen hier Familien. Sie können im Monat eine Zuwendung von ungefähr 800 Rand, also ungefähr 90 Euro beantragen. Damit müssen sie die Familie durchbringen. Wo ich mich selbst manchmal wundere, wie Menschen mit so wenig Geld überleben können. Ich muss allerdings sehen, dass teilweise von diesen 700 800 Rand also 80 90 Euro eine 10 15-köpfige Familien sich einen Monat lang ernähren muss. Es gibt nicht mehr, von daher sind das Überlebenskünstler. Das die Ausbildung auf der Strecke bleibt ist klar. Und damit produzieren wir natürlich schon die Probleme für die nächste Generation.“
Tausende Kinder gehen nicht zur Schule. Das Geld für Stifte, Hefte und Bücher fehlt. Wenn die Großeltern ihre Enkel aufnehmen, sind sie oft mit den Scharen von Kindern überfordert, Körperlich aber auch finanziell.
„Hier in Südafrika existiert normalerweise der Familienverband. Sie haben wenn sie nach KwaZulu Natal gehen, Großeltern, die 10, 15, 20, 25 Kinder betreuen, weil die mittlere Generation weggestorben ist.
Oftmals kommen die Kinder bereits HIV-positiv zur Welt und bräuchten ärztliche Unterstützung. Derzeit erhalten nur etwa zehn Prozent dieser Kinder die Medikamente, die sie dringend zum Überleben benötigten.
„Wir haben in Südafrika ungefähr sechs Millionen HIV-positive Menschen. Wir rechen damit, dass ungefähr 1,5 Millionen davon auf Behandlung müssten. Wir haben zur Zeit nur 300.000 auf Behandlung und sind jetzt schon am Ende desjenigen, was das Gesundheitssystem leisten kann. Daher sieht man, wie groß die Schwierigkeiten sind dahin zu kommen, dass jeder das bekommt was er braucht. Von daher sterben z. B. in Afrika jeden Tag 1000 als Konsequenz von HIV und AIDS.“
Bis 2010 werden weltweit schätzungsweise über 20 Millionen Kinder ihre Mutter, ihren Vater oder beide Elternteile durch die Folgen des HIV-Virus verlieren. Die meisten AIDS-Waisen leben in Südafrika. Hier ist die Immunschwächekrankheit immer noch ein Problem, dass von den Politikern nicht gerne aufgegriffen wird.
„Es hat was mit Sexualität zutun, das Leute sich nicht beherrschen können usw. und von daher haben auch politische Führungspersönlichkeiten ein Problem darüber zu sprechen, weil sie ja wollen, dass man Afrika anders sieht. Gerade in Südafrika ist es so, dass man vor einer Woche die stellvertretende Gesundheitsministerin in die Wüste geschickt hat, der Präsident hat es selbst getan. Sie war gerade diejenige, die so ein bisschen Licht in das Dunkle der politischen Szene gebracht hat und gerade im HIV/AIDS-Bereich versucht hat voranzukommen.“
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