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16/11/2008 17.27.35



Italien: Advent beginnt zwei Wochen früher






Wann ist eigentlich erster Advent! Na in zwei Wochen, werden Sie sagen. Stimmt! Aber nicht überall, denn: das gilt nur für die Katholiken, die den römischen Ritus haben, wie die meisten Christen weltweit. In Mailand aber ist es nicht so. Da beginnt der Advent schon an diesem Sonntag, dem ersten Sonntag nach dem Martinsfest. Der Grund dafür ist: In Mailand gibt es eine eigene Liturgie den sogenannten ambrosianischen Ritus.
Er unterscheidet sich in vielen Einzelheiten vom römischen Ritus - und ist der Stolz der Mailänder Diözesanen, erklärt Pater Tarcisio Colombotti OFM. Er ist gebürtig aus der Nähe von Mailand und war lange Jahre Pfarrer einer Pfarrei in Varese.

„Die Diözese Mailand hat immer einen eigenen Ritus gehabt, obwohl das Konzil von Trient die Vereinheitlichung der Liturgie verlangt hat. Unser Ritus wird im ganzen Bistum Mailand gefeiert – in 1200 Pfarreien. Außerdem in 30 Pfarreien des Bistums Bergamo, in 30 des Bistums Novara und im Süden des Tessin in der Schweiz.“
 
So gibt es große Unterschiede beim Stundengebet Es ist komplett anders aufgebaut als im römischen Ritus.

„Beispielsweise beginnen das Morgengebet der Laudes mit dem Benedictus – das im römischen Ritus am Ende steht. Und dann erst werden die Psalmen meditiert. Die Vespern sind sehr reich gestaltet, sie sind aufgebaut wie kleine Osternachtsfeiern. Es gibt immer einen Lucernar-Ritus, bei dem die Kerzen angezündet werden. Am Schluss wird eine Prozession zum Taufbrunnen gemacht wo das Taufversprechen erneuert wird. Dann geht es zurück zum Altar, wo eine Litanei gesungen wird, und dann erst kommen die Fürbitten.“ 
Aber nicht nur das Stundengebet unterscheidet sich. Auch in der Messe ist einges anders. Ein Teil der Gabenbereitung findet schon zu Beginn der Messe statt. Der Friedengruß wird nach dem Wortgottesdienst, also zu Beginn der Eucharistiefeier ausgetauscht. Das Credo folgt auf die Gabenbereitung und nicht vorher. Verwirrend für einen fremden, weiß Pater Tarcisio aus eigener Erfahrung.

„Es gab große Schwierigkeiten, als in den sechzigern Jahren Gastarbeiter aus dem Süden Italiens in den Norden kamen. Die Gläubigen kamen mit dem ambrosianischen Ritus absolut nicht zurecht. Glücklicherweise gab es die Kirchen der Ordensgemeinschaften: Sie gingen dorthin, denn dort wurde der römische Ritus gefeiert. Die Kinder dann haben sich angepasst und integriert.” 
Sechs Wochen Advent statt vier ist natürlich auch was ganz besonderes. P. Tarcisio freut sich, dass jüngst dem Papst neue liturgische Bücher überreicht werden konnten. Die Vielfalt in den Riten sei eine Bereicherung, so der Franziskaner

„Die Unterschiedlichkeit der Riten erklärt sich aus der unterschiedlichen Weise, in der die Gläubigen das christliche Mysterium aufgenommen haben – und die je eigenen Feierform haben sich gemäß der jeweiligen Kultur entwickelt. Diese Identität hat Mailand immer bewahrt.
In der Regel steht am Anfang einer Liturgie ein großer Bischof. In Mailand beispielsweise hatten wir die Gnade, den heiligen Ambrosius als Bischof zu haben. Dieser hat die berühmten ambrosianischen Hymnen verfasst, die in er römischen Kirche unbekannt waren.“

(rv 16.11.2008 mc)


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