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10/01/2009 17.01.13



P. Jaeger: „Bis Mai kann noch viel passieren“






Der israelische Franziskanerpater David Jaeger kann sich gut vorstellen, dass es 2009 zu einem Papstbesuch im Heiligen Land kommt. Das sagte der Nahostexperte, der eine wichtige Mittlerrolle zwischen dem Vatikan und Israel spielt, im Wocheninterview mit Radio Vatikan. Er hoffe, dass bis zum nächsten Mai, dem möglichen Datum einer Papstreise, „noch viel Gutes geschieht, um eine andere, hoffnungsvollere Atmosphäre zu schaffen“. Eindringlich wirbt Jaeger für die längerfristige Schaffung eines eigenen Bistums für hebräisch-sprachige Christen in Israel: „Nur eine hebräisch-sprachige Diözese könnte die Kirche wirklich getreu für Israel interpretieren, und umgekehrt Israel für den Rest der Kirche“, so Jaeger. Gebremst optimistisch zeigte er sich, was die zähen Verhandlungen über Eigentums- und Steuerfragen der Kirche in Israel betrifft: „Alles ist möglich“.
Lesen bzw. hören Sie hier das Interview in vollem Wortlaut.
Was bedeutet die derzeitige israelische Offensive im Gaza-Streifen für einen möglichen Papstbesuch im Heiligen Land?
„Das entscheidet natürlich der Heilige Vater alleine. Jedenfalls haben die bisher unbestätigten Berichte über eine solche Reise immer vom Monat Mai als Reisedatum gesprochen – und zwischen heute und dem kommenden Mai kann noch sehr viel passieren. Ich hoffe, dass noch viel Gutes geschieht, um eine andere, hoffnungsvollere Atmosphäre zu schaffen.“
Was erwarten Sie sich von einer Papstreise ins Heilige Land? Wo liegen die kritischen Punkte?
„Der Heilige Vater ist vor allem Oberhirte und Lehrer der Kirche; darum wird seine Pilgerreise an die Heiligen Stätten unseren Glauben an die Wahrheit der Menschwerdung Gottes betonen. Das ist etwas sehr Nötiges in einer Zeit, in der das Christentum riskiert, als bloße Ideologie gesehen zu werden oder als einfacher Mythos, den es zu dechiffrieren gilt. Auf palästinensischer Seite wird ein Besuch des Heiligen Vaters die Hoffnung beleben auf Freiheit für die Palästinensische Nation in Sicherheit und Würde, auch für die christliche Gemeinschaft in ihrer Mitte. Auf israelischer Seite erwarte ich, dass ein Besuch des Heiigen Vaters die wesentliche Grundlage betont, auf der die Beziehung zwischen der katholischen Kirche und dem Staat Israel ruht: Ich spreche von den schon abgeschlossenen Verträgen und von denen, die es noch abzuschließen gilt zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Staat, für die Freiheit und Sicherheit der Kirche.“
An welchem Punkt stehen die Gespräche zwischen dem Vatikan und Israel über ein Abkommen zu Eigentums- und Steuerfragen? Ist es realistisch, das Abkommen, über das seit über einem Jahrzehnt verhandelt wird, noch vor einer Papstreise abzuschließen?
„Die Verhandlungen gehen weiter, wie jeder den Kommuniqués entnehmen kann, die nach jedem Treffen der Bilateralen Kommission veröffentlicht werden. Alles ist möglich, wenn man den jetzigen Gesprächen genug Zeit gibt und wenn auch weiterhin genug guter Wille gezeigt wird. Das ist ein menschliches Unternehmen, und alles hängt deshalb von den Beteiligten ab.“
Wie bewerten Sie die Friedensappelle des Papstes, u.a. in seiner Neujahrsansprache an das Diplomatische Corps vom Donnerstag?
„Das ist eine äußerst wichtige Erinnerung an die wesentlichen Punkte; die Appelle des Papstes zeigen auch einen großen Realismus, wenn sie hervorheben, dass ein bilateraler Frieden auch einen größeren, regionalen Kontext haben muss.“
Sie sind ein seltenes Exemplar: ein katholischer Priester jüdischer Herkunft und in Israel geboren, mit Hebräisch als Muttersprache. Wo erwarten Sie sich von der Kirche (oder vom Vatikan) noch mehr Verständnis für israelische Standpunkte?
„Jeder von uns Christen, wo auch immer er in der Welt zuhause ist, ist ein Bürger seiner Nation und nimmt Anteil an der Geschichte seines eigenen Volkes. Allerdings ergreift die Kirche, ergreift der Heilige Stuhl in politischen und militärischen Auseinandersetzungen keine Partei, sondern versucht, alle Seiten zu verstehen, und ruft alle dazu auf, die gleichen Rechte und die gleiche Würde der anderen anzuerkennen, um der gemeinsamen Menschlichkeit willen. Konkret gesagt: Natürlich ist es sehr wichtig, zwischen der Kirche und Israel das gegenseitige Verständnis zu fördern. Aber um das wirklich tun zu können, bräuchte man ein klar definiertes kirchliches Subjekt – also ein Bistum oder etwas ähnliches für die hebräisch-sprachigen Christen in Israel. Nur eine hebräisch-sprachige Diözese könnte die Kirche wirklich getreu für Israel interpretieren, und umgekehrt Israel für den Rest der Kirche. Gleichzeitig sollte die Gemeinschaft im Glauben und in der brüderlichen Liebe zwischen der hebräisch-sprachigen Kirche und den arabisch-sprachigen Kirchen der Nachbarschaft für alle Völker in der Region das stärkste Zeugnis dafür sein, dass Christus unser Friede ist – und dass in Christus die Mauer der Feindschaft eingerissen ist. Dass in Christus „die zwei eins werden“. Der Diener Gottes Johannes Paul II. hat mit einer solchen Entwicklung begonnen, als er für die hebräisch-sprachigen Katholiken in Israel einen Bischof ernannte. Doch tragischerweise ist der heiligmäßige Mönch, den der Papst ernannte, schon kurz danach gestorben, und seitdem wartet die Kirche – in der Hoffnung, dass der Heilige Vater einen Nachfolger ernennt. Natürlich ist es allein Aufgabe des Heiligen Vaters, eine solche Entscheidung zu treffen – doch falls beziehungsweise wenn er das tut, dann wird das ein großartiges Geschenk für die Sache des Evangeliums sein, und auch für die Sache des Friedens im Heiligen Land.“
(rv 11.01.2009 sk)


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