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11/01/2009 9.34.06



China und der Vatikan – Wochenkommentar von Otto v. Habsburg






Derzeit spielt sich eine bedeutende politische Auseinandersetzung zwischen dem Vatikan und China ab.Während in früheren Zeiten in China starke Verfolgungen stattfanden, und es keine Möglichkeit eines Gespräches zwischen Beijing und Rom gab, hat sich so manches geändert.

Insbesondere seit Papst Benedikt dem XVI. ist hier eine ausgesprochene Enthärtung in den gegenseitigen Beziehungen eingetreten. Und wenn zwei ganz besondere diplomatische Profis wie Vatikan und China aufeinander stoßen, geht die Operation meist professionel.

Schritt für Schritt wird ganz vorsichtig eine zweiseitig diplomatische Annäherung durchgeführt, wobei es geradezu bewundernswert ist, wie von Seiten von Roms sowie Beijing nach den alten, sehr guten und sehr vorsichtigen Prinzipien der Diplomatie von China und vom Vatikan vorgegangen wird. Es ist aber ebenso nicht gänzlich zu übersehen, dass nunmehr eine ständige Änderung in der Atmosphäre zwischen den beiden Mächten festzustellen ist.

So eigenartig es klingen mag, heute kann man spüren, dass die Position der Kirche stärker ist als die von Beijing. Da gibt es zwar die große militärische Macht auf chinesischer Seite. Wohl aber ist nicht zu übersehen, dass mit der von Rom sehr geschickt eingeleiteten Vorgangsweise, es eine Annäherung zwischen Beijing und dem Vatikan gibt, von der man ganz klar feststellen kann, dass Beijing die größeren Konzessionen macht.

Rom ist hier sehr vorsichtig, dass China bei diesen Manövern sein Gesicht nicht verliert. Es gibt gewisse Symbole, über die man nicht spricht. Es gibt aber auch gewisse praktische Schritte, die der Kirche die Erfüllung mancher Wünsche bringen. Das ist ganz besonders der Fall mit dem großen Zuwachs von Katholiken, die heute nicht zuletzt auch im Lichte der schwächer werdenden Sekten festzustellen ist:

Viele Menschen, die heute in China sehr stark nach Religion dürsten, wenden sich viel eher zu Rom als zu den Sekten, was noch vor ein paar Jahren gerade umgekehrt der Fall gewesen wäre.

Gerade die Sekte Falun Gong, die seinerzeit einen großen Zulauf hatte, hat nun sehr an Boden verloren und entwickelt sich immer mehr auf den euro-amerikanischen Raum zurück und verliert damit auch Einfluss bei den Chinesen.

Es ist geschrieben worden, dass diese Lösung zwischen der Untergrundkirche und der sichtbaren Kirche sehr bald zu einem Bruch im chinesischen Katholizismus führen wird. An Ort und Stelle wird man aber viel mehr erkennen, dass dies nicht der Fall sein wird, sondern dass die so genannte patriotische Kirche Lösungen finden wird, durch die es möglich ist, die volle Wiedervereinigung herbeizuführen, Schritt für Schritt, wie es einmal von den Chinesen, aber auch von Rom geplant worden ist.

Hier spielt auch die Politik eine Rolle, die man nicht unterschätzen darf.
China ist sich immer mehr darüber im Klaren, dass es die religiöse Unterstützung braucht, schon wegen der Atmosphäre in seiner Bevölkerung. Der Wunsch nach Wiederfinden der verschiedenen Seiten der christlichen Kirchen ist immer mehr fühlbar.

Es ist daher zu erwarten, dass sehr bald eine Formel gefunden werden kann, in der es möglich sein wird, eine einheitliche katholische Kirche Chinas frei arbeiten zu lassen und die tatsächlich ein tragfähiger Kompromiss zwischen beiden Tendenzen fühlbar werden lässt, der ebenso für die Bevölkerung wie für den Apparat des chinesischen Staates von größter Bedeutung sein wird.

(rv 11.01.2009 mc)


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