17. November 2009:
Papst an Hilfswerke: „Eingreifen in Politik nein, Einmischen ja!“
Politisches und gesellschaftliches Engagement ja, Politik nein. Das hat Papst Benedikt XVI. an diesem Freitag den katholischen Hilfswerken eingeschärft. Er empfing die Mitglieder der Vollversammlung des Päpstlichen Rates Cor Unum in Audienz. Die Mission der karitativen Dienste und ihrer Mitarbeiter sei zwischen zwei Polen ausgespannt, so der Papst: zwischen der Verkündigung des Evangeliums und der Sorge um den Menschen und das Umfeld, in dem er lebt. „Zwar steht es der Kirche ja keineswegs zu, direkt in die Politik der Staaten einzugreifen, aber die christliche Gemeinschaft kann und darf nicht am Rand stehen, wenn es um die Verteidigung der Menschenrechte und die Förderung von Gerechtigkeit geht.“Der Glaube sei dabei eine reinigende Kraft für die Vernunft, sagte Benedikt XVI. und ging einmal mehr auf das Verhältnis von Glaube und Vernunft ein. Der Glaube befreie die Vernunft von der stets latent vorhandenen Gefahr des Egoismus, des Eigeninteresses und der Macht. (rv 13.11.2009)
Vatikan würdigt Mauerfall
Am Dienstagabend ist in Berlin das zwanzigjährige Jubiläum des Berliner Mauerfalls begangen worden. Mehr als 30 aktive und ehemalige Staats- und Regierungschefs aus aller Welt, Friedensnobelpreisträger und zahlreiche ehemaligen Bürgerrechtler waren anwesend. US-Außenministerin Hillary Clinton und der frühere polnische Präsident Lech Walesa wiesen auf die wichtige Rolle Papst Johannes Pauls II. für das historische Ereignis hin. Der polnische Papst habe zum Sieg über einen „grausamen atheistischen Staat“ beigetragen, betont anlässlich des Jahrestags auch Vatikansprecher Pater Federico Lombardi. (rv. 10.11.2009)
Vatikan veröffentlicht Dokument zu Anglikanern
Am 4. November hat Papst Benedikt XVI. die angekündigte Apostolische Konstitution unterschrieben, die es Anglikanern unter Beibehaltung ihrer Tradition ermöglicht, katholisch zu werden. An diesem Montag wurde diese Konstitution mit dem Titel „Anglicanorum Coetibus“ der Öffentlichkeit vorgestellt. Gemeinsam mit der Apostolischen Konstitution hat Papst Benedikt die ergänzenden Normen in Kraft gesetzt, die die Umsetzung des Dokuments festlegen. Damit ergibt sich ein rechtlicher Rahmen für die Entstehung der geplanten Personalordinariate für ehemalige Anglikaner. Die Regeln legen fest, dass die (noch zu gründenden) Ordinariate zwar direkt der Glaubenskongregation unterstehen. Doch in ihren Aktivitäten und Zulassungen zu den Weihen sollten und müssen sie eng mit den Ortsbistümern zusammenarbeiten. Die ehemaligen Anglikaner sind auch in ihrer pastoralen Arbeit den katholischen Ortsbischöfen unterstellt. Ebenso können katholische Geistliche oder Ordenschristen in den Ordinariaten pastoral arbeiten, aber ebenfalls unter der Leitung des Ortsbischofs. Mit allen diesen Regelungen wird gewährleistet, dass keine Sonderbistümer neben den katholischen Bistümern entstehen (rv. 09.11.2009)
10. November 2009:
Brescia: Papst die Heimat von Paul VI.
Papst Benedikt XVI. hat seinen Pastoralbesuch in Brescia, der Heimat seines Vorgängers Paul VI. (1963-78) besucht.
In der Predigt bei der Sonntagsmesse auf der Piazza Paolo VI. in Brescia ... würdigte Benedikt mit sehr persönlichen Worten den „heroischen Einsatz“ seines Vorgängers im Papstamt. Paul VI. habe die Kirche leidenschaftlich geliebt. Er sei - nach dem Vorbild der armen Witwe aus dem Sonntagsevangelium, die sich ganz hingegeben habe - für eine „arme und freie Kirche“ eingetreten; das sei schon in seiner ersten Enzyklika Ecclesiam Suam vom 6. August 1964 deutlich geworden, so Benedikt XVI. ... Ausdrücklich verwies er auf die Enzyklika seines Vorgängers zum Zölibat der Priester und unterstrich dessen Gültigkeit.
Vatikan: Papst verdammt Doping
Benedikt XVI. verdammt das Doping im Sport. Die Kirche sei für einen Sport, der zur „integralen Bildung der Persönlichkeit“ beiträgt, aber gegen „jede Tendenz, die seine Natur entstellt, vor allem gegen Praktiken, die sogar schädlich für den Organismus sind“, eben das Dopen. Das schreibt der Papst in einem Brief an einen kirchlichen Sportkongreß in Rom. (rv 07.11.2009)
Papst: Messe für verstorbene Bischöfe und Kardinäle
Mit einer Messe in St. Peter hat Papst Benedikt an diesem Donnerstag an alle Bischöfe und Kardinäle erinnert, die im Lauf der letzten zwölf Monate gestorben sind. „Alles bekommt Wert und Sinn, wenn es in der Perspektive der Ewigkeit betrachtet wird“, meinte er in seiner Predigt.
Gedämpfte Orgeltöne, Husten, Füßescharren – der 82-jährige Papst feiert die Messe zur Erinnerung an verstorbene Nachfolger der Apostel. Er verliest in der Apsis von St. Peter selbst die Namen der unlängst verstorbenen Kardinäle. „Herr, gib ihnen die ewige Ruhe“, singt der Chor. Die Predigt Benedikts kreist um Psalm 122: „Wie freute ich mich, als man mir sagte: Wir gehen zum Haus des Herrn“, heute konsequent aufs himmlische Jerusalem hin ausgelegt. ... (rv05.11.2009)
Kasper fordert Christen zum „Aufwachen“ auf
„Dieses Zeichen eines aggressiven Säkularismus müsste uns aufwecken und dazu bringen, unsere Stimme zu erheben.“ Das meint der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper zum Kruzifix-Urteil. Der italienischen Tageszeitung „Corriere della Sera“ sagte Kasper: „In einigen europäischen Kreisen in Straßburg und Brüssel will man etwas aufbauen, was nicht mehr Europa ist – denn ohne Christentum gibt es kein Europa.“ Christen dürften eine solche „anti-historische Tendenz“ nicht hinnehmen; Kreuze aus Schulzimmern zu entfernen sei „eine Verletzung des Mehrheitswillens“, „erst recht in Italien“. Kasper leitet den Päpstlichen Einheitsrat.(corriere della sera 04.11.2009)
3. November 2009
Vatikan: Zölibat bleibt
Der Zölibat wird auch für die künftigen Seminaristen der anglikanischen Gemeinschaften verpflichtend sein, die zur katholischen Kirche übertreten. Das erklärte Vatikansprecher Pater Federico Lombardi an diesem Samstag in einer Note. Für Priesteramtskandidaten der anglikanischen Gemeinschaften, die aber bereits verheiratet sind, soll jeder Fall einzeln überprüft werden. Prinzipiell soll die Zölibatspflicht auch für sie gelten. Damit wies Lombardi Spekulationen über eine Lockerung des Zölibats für römisch-katholische Geistliche zurück. .. In der Lateinischen Kirche ist der Zölibat vor der Weihe zum Diakon durch den Canon 277 des kirchlichen Gesetzbuchs Codex Iuris Canonici vorgeschrieben. Das gilt auch für Bischöfe und Priester. Einzig in den orientalischen Teilkirchen der katholischen Kirche gilt der Zölibat nur für Bischöfe, die meist dem Mönchsstand entstammen. ... (rv 31.10.2009)
Papst: „Theologie kann weder im Knien noch im Sitzen allein gemacht werden“
„Zwischen Glaube und Vernunft herrscht eine natürliche, in der Schöpfungsordnung begründete Freundschaft.“ Das sagte Papst Benedikt XVI. bei der Generalaudienz, bei der er ganz zum Theologie-Professor auf der Kathedra Petri wurde. Benedikt sprach über die zwei großen mittelalterlichen Strömungen bzw. Arten, Theologie zu betreiben. Bei der einen geht es eher ums Hören, bei der anderen eher ums Analysieren. Ersteres wurde in den Klöstern gepflegt, letzteres in den Städten an den Kathedralschulen, „scholae“ genannt. Papst Benedikt: „Dementsprechend lassen sich zwei verschiedene Modelle des Theologietreibens unterscheiden: die monastische Theologie und die scholastische Theologie. Erstere war vornehmlich eine biblische Theologie, die vom geistlichen Ansatz der lectio divina der Mönche herrührte. Hier schloss das Verlangen nach Gott die Liebe zum Wort, die Durchdringung der Texte der Heiligen Schrift in allen Dimensionen mit ein. Diese monastische Theologie vollzog sich in einer inneren Haltung des Gebets und war ein betendes Hören auf Gottes Wort.“ ´Die scholastische Theologie dagegen verwendet eine andere Methode, nämlich die der Frage, auf Latein: „quaestio“, führte der Papst aus.... (rv 28.10.1009)
Deutschland: Debatte um Piusbrüder betrifft Ökumene
Am Montag haben im Vatikan die Gespräche mit der traditionalistischen Piusbruderschaft begonnen. Der Vatikan sprach anschließend von einer „herzlichen, respektvollen und konstruktiven Atmosphäre“. Man habe die Themen sowie die Marschrichtung für die weiteren Verhandlungen festgelegt. Bei den Gesprächen der kommenden Monate solle es insbesondere um die Bedeutung der Tradition in der Kirche, um die Liturgie, um das Konzilsverständnis sowie um Fragen von Ökumene, interreligiösem Dialog und Religionsfreiheit gehen.
Die Diskussion habe auch ökumenische Auswirkungen, erklärte der Catholica-Beauftragte der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Landesbischof Friedrich Weber. Es stelle sich die Frage, „ob Glaubensfragen zumindest vorübergehend zur Disposition“ stünden, „wenn es um die Überwindung eines Schismas geht“. (rv 27.10.2009)
Papst lobt Renaissance der Bibel
Benedikt XVI. freut sich über das wachsende Interesse an der Bibel und über die vielen Bibelkreise in den Pfarreien. Das sagte er bei einer Audienz zum 100. Geburtstag des Päpstlichen Bibelinstituts. „Dank dem Zweiten Vatikanischen Konzil und seiner Dogmatischen Konstitution ,Dei Verbum´ haben die Menschen viel stärker verstanden, wie wichtig das Wort Gottes im Leben und im Auftrag der Kirche ist. Das hat in den christlichen Gemeinschaften zu einer echten geistlich-pastoralen Erneuerung geführt – vor allem, was die Predigt betrifft, die Katechese, das Theologiestudium und den ökumenischen Dialog.“ (rv 26.10.2009)