THEMEN DES TAGES:
"Drama des Hungers" - Papst fordert verantwortlichen Lebensstil
Mit eindringlichen Worten hat Papst Benedikt XVI. heute eine Kehrtwende beim "Modell des globalen Fortschritts" gefordert. Grund seien "der Skandal des Hungers, aber auch die Umwelt- und Energie-Notstände", mahnte der Papst beim Angelusgebet vor mehreren tausend Menschen auf dem Petersplatz. Benedikt wies auf das "Drama des Hungers" in den armen Ländern hin und rief dazu auf, "die strukturellen Gründe dafür" auszuschalten. Sie hingen mit der "Führung der Weltwirtschaft" zusammen, "die den größten Teil der Ressourcen des Planeten nur einer Minderheit der Bevölkerung zuweist", so der Papst.
Und wörtlich: "Jeder Einzelne kann und sollte etwas tun, um den Hunger einzudämmen - indem er einen Lebens- und Konsumstil annimmt, der mit der Bewahrung der Schöpfung zu vereinbaren ist, und mit den Kriterien der Gerechtigkeit."
Die Christen lud Papst Benedikt ein, das Kreuzzeichen für sich wiederzuentdecken. Sie sollten den Schöpfer für alles loben: "für Luft und Wasser oder für die Nahrung". Im Vaterunser habe Jesus gelehrt, so der Papst wörtlich, "nicht für mein, sondern für unser tägliches Brot zu beten". Das zeige, dass jeder Mensch für seine Brüder verantwortlich sei.
An seine Landsleute gerichtet sagte der Papst: "Ein herzliches "Grüß Gott" sage ich allen Pilgern und Besuchern deutscher Sprache. In der christlichen Tradition heißt der Sonntag, der erste Tag der Woche, an dem Christus von den Toten auferstanden ist, der Tag des Herrn. Jesus Christus gebührt besonders an diesem Tag unser Lob und Dank. Die Mitfeier der Eucharistie ist daher für uns der Höhepunkt eines jeden Sonntags. Und dieser Gottesdienst ist zugleich Gottesgeschenk: Er bringt uns durch die Gemeinschaft mit Jesus Christus Segen und Heil. Der Herr begleite euch alle an diesem Sonntag und in der neuen Woche!" (rv)
Lehmann: "Debatte um alten Ritus belastet Kirche"
Eine erste Gruppe von deutschen Bischöfen war in den letzten Tagen zum ad-limina-Besuch im Vatikan. Stefan Kempis fragte Kardinal Karl Lehmann, den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, welche Themen den ersten Teil der Visite geprägt haben.
"Diesmal gibt es nicht diese großen Themen. Daher ist es diesmal ein ruhiger und entspannter Besuch, zumindest im Vergleich zum letzten Mal, wo wir kurz vor der Entscheidung zum Ausstieg aus der Schwangerenpflichtberatung standen. Gut, es gibt hier auch immer wieder Anfragen, die sozusagen nach Rom "importiert" werden, sei es, dass sie die Zeitung lesen, sei es das da und dort auch mal Proteste gibt. Wir haben in Deutschland beispielsweise eine Tradition der Laienräte, die wir in Rom mehrmals schon erläutert haben und die über Jahrzehnte immer wieder anerkannt worden ist. Aber ein Bischof hat bei uns selbstverständlich auch das Recht, dass er mehr nach dem Codex von 1983 und den anschließenden Dokumenten das Rätesystem umbaut. Es wäre nur gut, wenn er das einigermaßen im Konsens mit anderen tut, aber das Recht kann man ihm nicht bestreiten."
Hört Rom in diesen Strukturfragen eher zu, oder gibt es auch konkrete Ratschläge?
"Bis jetzt habe ich von Ratschlägen nichts gehört. Ich glaube, sie wissen, dass sie erst zuhören müssen, zumal bei uns in der Pastoralplanung die Wege der Diözesen – das macht mir manchmal etwas Sorge – eigentlich recht verschieden sind. Das geht bis in die Bezeichnungen hinein, ob das Seelsorgeeinheiten, Pfarrgemeinschaften, Pfarrverbünde und so weiter sind, sodass auch die Orientierung vom einen zum anderen Bistum nicht so einfach ist. Wir machen deswegen im Frühjahr ein zweites Mal dazu eine Studientag. Aber ich glaube, dass man das von hier aus eher erst einmal beobachtet."
Böse gefragt: Ist die deutsche Kirche zu kompliziert, um in Rom verstanden zu werden?
"Nein, im Grunde genommen sind dies einfache Vorgänge. Es bedeutet, dass wir in umfassenderen Lebensräumen existieren, auch durch die kommunalen Planungen, dass man bestimmte Aufgaben, wie Erwachsenenbildung, Firmkatechese usw. abstimmt und besser mit den Nachbarn tut. Das erhöht auch die Qualität in vielen Fällen und das spart auch hier und da Zeit und Kraft. Das sind eigentlich sehr vernünftige und nicht zu komplizierte Dinge."
Spielt "Donum Vitae" bei den Gesprächen im Vatikan eine Rolle?
"Wir haben eigentlich von uns aus das Thema benannt. Ich habe aber den Eindruck, dass man das im Augenblick nicht weiter verfolgen wollte. Wir haben ja am 20. Juli auch eine Erklärung abgegeben, über die Grenzen der Beteiligung von Katholiken, die einerseits Verantwortungspositionen haben in "Donum Vitae", und andererseits verantwortliche Positionen wahrnehmen in den Räten. Für uns ist das zunächst einmal genug, wenn mehr verlangt wird, soll man sich entsprechend melden. Bis jetzt ist das nicht geschehen. Ich habe 1999 beim letzten Ad-Limina-Besuch, wenige Tage vor der Entscheidung über Schwangerschaftskonfliktberatung dem Papst gesagt: ‚Denken Sie bei Ihrer Entscheidung darüber nach, dass es in jedem Fall Einrichtungen geben wird von katholischen Laien, die so weiter beraten, wie wir es bisher gemacht haben, dass das Leute sind, die wir sehr schätzen und mit denen wir Jahrzehnte positiv zusammengearbeitet haben."
Es gibt im Moment viel Gerede in den Medien, dass vielleicht die Feier des alten tridentinischen Ritus erleichtert werden könnte...
"Es hat keinen Sinn, hypothetisch zu spekulieren, was wenn … Es kommt sehr darauf an, aus welchen Motiven das gewünscht wird. Die Unterschriftenlisten, die ich zum Beispiel bekomme, die muss man genau analysieren: Kinder, Mehrfachunterschriften, zwei Drittel außerhalb des Bistums, das ist nicht so ohne weiteres der Wille des Volkes Gottes!"
Könnte so etwas – wenn man es so hoch hängt – die Kirche, wenn nicht spalten, so doch sehr belasten?
"Das ist ja schon geschehen. Meine Erfahrung ist, dass nur bei ganz wenigen Leuten die Ästhetik der Liturgie eine Rolle spielt. Dahinter sind nicht selten doch – auch wenn es meist abgestritten wird – dogmatische Gründe. Zum Beispiel wird die Gültigkeit der Neuen Messe mehr oder weniger in Frage gestellt. Es gibt da und dort ein verständliches Bedauern, dass ein schönes Gebet weggefallen ist. Man muss mit den Leuten vor allem ins Gespräch kommen: Dann sehen sie ein, dass es reicht, wenn hier und da eine solche Messe angeboten wird. Wir finden auch kaum mehr die Priester, die fähig und bereit sind, die Messe im Alten Ritus zu lesen – das kann man sich ja schon altersmäßig vorstellen!"
Wo ist denn das allergrößte Hickhack: beim Ad-Limina-Besuch oder hinter verschlossenen Türen bei der Bischofskonferenz?
"Nein, die Spannungen in der deutschen Bischofskonferenz werden völlig über- und fehleingeschätzt: Die gibt’s nicht! Es gibt mal da und dort verschiedene Meinungen. Aber es ist nicht so, dass es da feste Fraktionen gibt, die jetzt fest zementiert wären. Sondern da baut sich mal einer auf, mit dem ich bei der nächsten Frage wieder derselben Meinung bin. Es ist nicht so, dass es da Grabenkämpfe gäbe, ich empfinde das als vielleicht als viel leichter, als das offenbar von außen erscheint." (rv)
Christen weltweit am stärksten diskriminiert
Christen sind die weltweit am stärksten von Diskriminierung und Verfolgung betroffene Religionsgemeinschaft. Unter den aus Glaubensgründen Verfolgten machen sie 80 Prozent aus. Das erklärte jetzt die Sprecherin für Menschenrechte der Unionsfraktion im Bundestag, Erika Steinbach. Nach ihren Angaben werden in mindestens 50 von etwa 200 Staaten der Welt täglich Kirchen zerstört, Christen diskriminiert, bedrängt und verfolgt. Das Ausmaß der Unterdrückung reiche von Benachteiligungen im privaten Umfeld und Behinderung von Religionsfreiheit und -ausübung über Bedrängung und Schikanen bis hin zu strafrechtlicher Verfolgung, die nicht selten im Todesurteil ende. Vielfach seien Staaten nicht in der Lage oder nicht willens, ihrer Schutzpflicht gegenüber christlichen Staatsangehörigen gerecht zu werden. In zahlreichen Ländern - darunter Indonesien und Iran - habe vor allem die Radikalisierung des Islam zu einer Unterdrückung einheimischer Christen geführt.
Der Direktor des Internationalen Instituts für Religionsfreiheit, Thomas Schirrmacher, glaubt, dass 75 Prozent aller wegen ihrer Religion Verfolgten in der Welt Christen sind. Bei den aus religiösen Gründen ermordeten Menschen seien es sogar mehr als 80 Prozent, sagte der Bonner Theologe und Menschenrechtler der "Welt am Sonntag". Die Verfolger kommen nach Einschätzung Schirrmachers keineswegs nur aus islamischen Gottesstaaten. Unterdrückt würden Christen auch im kommunistischen Machtbereich, etwa in China, Nordkorea und Vietnam. Der Institutsdirektor zeigte sich beunruhigt darüber, dass bisher religiös neutrale Staaten wie Indien, Malaysia oder Algerien die Religionsfreiheit ihrer Minderheiten massiv einschränkten.
Als einen Grund für die weltweite Christenverfolgung sieht Schirrmacher den Pazifismus vieler Gemeinden. In Indonesien beispielsweise, wo im Schnitt täglich eine Kirche niedergebrannt werde, hätten sich viele Gemeinden entschieden, auf Gegengewalt zu verzichten. Damit würden sie zur "leichten Beute für Islamisten". Nicht unerheblich für die Gewalt sei auch das "phänomenale Wachstum des Christentums außerhalb Europas". Seit 1970 habe sich die Christenheit in Asien und Afrika verdreifacht. (idea/kna)
"Beim Schmäh darf`s nicht bleiben"
Der emeritierte Professor Hans-Bernhard Wuermeling aus Erlangen wendet sich gegen eine Anzeigenkampagne des Sozialamtes der Stadt Wien. Die Behörde bittet homosexuelle und lesbische Paare, sich als Pflegeeltern für Kinder zur Verfügung zu stellen, deren Eltern ihren Pflichten nicht nachkommen können. In einem Kommentar für Radio Vatikan meint Wuermeling: "Allen Schmäh müsste der Kommentator den Ideologen im Wiener Sozialamt sagen und ihre Absicht rügen, auf diese Weise den Homosexuellen und Lesbierinnen sexuelle Gleichberechtigung zu bestätigen und diese in der Öffentlichkeit zu untermauern.
Doch darf es bei dem Schmäh nicht bleiben, denn die Geschichte hat einen bedenkenswerten Hintergrund. In Wien gibt es nämlich zu wenig Pflegestellen. Die Stadt gibt deswegen von ihren pflegebedürftigen Kindern hunderte in Pflegeheime oder vertraut sie Pflegeeltern außerhalb der Stadt an. Das ist ein Missstand, das Heim sowieso, und die Pflegestelle außerhalb des Stadt deswegen, weil die Kinder außer dem Wechsel der für die sorgenden Menschen auch noch den Wechsel der heimatlichen Umgebung ertragen müssen. Das Argument des Wiener Sozialamts, es wende sich nur aus Not an die Homosexuellen und Lesbierinnen, kann man deswegen, auch wenn es listig ist, nicht einfach abweisen. Aber - und deswegen der Kommentar in Radio Vatikan - man kann und muss dem Argument den Boden entziehen! Wer nicht will, dass Kinder Homosexuellen und Lesbierinnen zur Pflege anvertraut werden, kann sehr persönlich etwas dagegen tun. Nämlich sich hochherzig dazu bereit erklären, ein Kind in Pflege zu nehmen. Dann kann sich das Sozialamt nicht mehr auf Notstand berufen, wenn es seine Sexualgleichmacherei zu Lasten der Kinder in die Tat umsetzen will." (rv)
DIE NACHRICHTEN:
Europa
Deutschland
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fordert eine Revision des Stammzellgesetzes, die die Rahmenbedingungen für deutsche Forscher verbessern soll. Nach ihren Angaben hat die internationale Stammzellforschung in den vergangenen Jahren wichtige neue Erkenntnisse hervorgebracht, vor allem in der Forschung mit humanen embryonalen Stammzellen. Sie habe das Wissen über die Eigenschaften von Stammzellen wesentlich erweitert und präzisiert. Die Wissenschaft in Deutschland könne allerdings zurzeit wegen der gesetzlichen Rahmenbedingungen auf diesem Gebiet nur einen begrenzten Beitrag leisten. Durch die im Stammzellgesetz von 2002 festgelegte Stichtagsregelung und die Strafandrohung seien deutsche Forscher vom Zugriff auf neue Zelllinien und von der Arbeit in internationalen Projekten weitgehend ausgeschlossen. Der Verband hält daher eine Revision des Stammzellgesetzes von 2002 für dringend notwendig.
Die Stellungnahme der Deutschen Forschungsgemeinschaft ist auf ein geteiltes Echo gestoßen. Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) hat dem Vorstoß eine Absage erteilt. Für die Bundesregierung sei der Schutz menschlichen Lebens auch im frühesten Stadium ein Grundsatz, der nicht zur Disposition stehe. Auch der CDU-Abgeordnete Hubert Hüppe kritisierte den DFG-Vorstoß. Das Stammzellgesetz sei ein "Gesetz zur Sicherstellung des Embryonenschutzes", nicht der Forschungsfreiheit zu Lasten des Lebensschutzes.
Von kirchlicher Seite warnte der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, vor einem "Einstieg in den Ausstieg aus dem Embryonenschutz". Ein solcher Schritt würde den Geist der vom Bundestag 2002 beschlossenen gesetzlichen Regelung verraten. (alfa)
Schweiz
Die Schweiz hat seit gestern ein eigenes Museum über die Schweizergarde und deren Geschichte. In Naters eröffnete Bundesrätin Micheline Calmy-Rey feierlich das "zentrum garde". Die 1939 gebaute Festung von Naters, die das Museum beherbergt, erinnere an den jahrhundertealten Willen der Schweiz, ihre Sicherheit zu verteidigen. In der ausgemusterten Armee-Festung ist die erste ständige Ausstellung zur Geschichte der Papst-Wache eingerichtet worden. Das "zentrum garde" zeigt historische Relikte aus der Geschichte der Gardisten und stellt auch ihre Beweggründe für den Dienst im Vatikan im Laufe der Zeit dar. Getragen wird das Museum von einer Stiftung. (kipa)
Bewegungen und christliche Gemeinschaften müssen noch besser integriert werden. Dies unterstrichen der reformierte Pfarrer Ruedi Heinzer, Präsident der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Schweiz, und Bischof Amédée Grab, Präsident der Schweizer Bischofskonferenz, am ersten schweizerischen Begegnungstag verschiedener Bewegungen und christlicher Gemeinschaften gestern in Baar. Grab bekräftigte zur nötigen Integration der Bewegungen: "Der Dialog und die Zusammenarbeit zwischen den Bewegungen und den Pfarreien und Diözesen muss weitergeführt werden". Kirchliche Bewegungen dürften nicht mehr mit Sekten in einen Topf geworfen werden"; in dieser Hinsicht seien in den letzten Jahren große Fortschritte erzielt worden. (kipa)
Italien
Die katholische Tageszeitung "Avvenire" hat sich gegen Papst-Satiren im italienischen Fernsehen und Rundfunk gewandt. In einem Leitartikel nennt die von der italienischen Bischofskonferenz herausgegebene Zeitung die entsprechenden Programme "vulgär" und "unterstes Niveau". Es gehöre sich nicht, im Papst einen Mann anzugreifen, von dem man vermute, dass er sich nicht verteidigen werde. "Avvenire" denkt laut über mögliche juristische Schritte nach. (afp)
Großbritannien
Zum ersten Mal tagen die anglikanischen und die katholischen Bischöfe Englands gemeinsam. Das Treffen findet diese Woche in Leeds statt. Der Generalsekretär der englischen katholischen Bischofskonferenz, Andrew Summersgill, spricht von einem "einmaligen Treffen", das in achtzehnmonatiger Arbeit vorbereitet worden sei. Im Mittelpunkt stehen das gemeinsame Gebet, der Dialog und "Überlegungen für die weitere Entwicklung des gemeinsamen christlichen Zeugnisses". Wenige Tage nach der Konferenz wird der anglikanische Primas, Erzbischof Rowan Williams, sich in Rom mit dem Papst treffen. (kap)
Schwerstbehinderte früh geborene Babys sollten nach Auffassung der anglikanischen Kirche von England nicht um jeden Preis am Leben gehalten werden. In schweren Ausnahmefällen könne es angebracht sein, die medizinische Behandlung abzubrechen, heißt es laut Zeitungsberichten vom Wochenende in einer Stellungnahme der Kirche. Beobachter rechnen mit heftigen innerkirchlichen Diskussionen zu diesem Thema. In der vom Bischof von Southwark, Tom Butler, verantworteten Stellungnahme heißt es, die Kirche könne zwar nicht akzeptieren, wenn das Leben eines Babys als nicht lebenswert bezeichnet werde. Dennoch könne es in schwersten Ausnahmefällen angebracht sein, eine Behandlung aus Mitleid abzubrechen. In seinem Bericht führt der Bischof, der stellvertretender Vorsitzender der Kommission für öffentliche Angelegenheiten seiner Kirche ist, in zurückhaltender Form auch das Kosten-Argument an. Das Prinzip der Gerechtigkeit erfordere es auch, nach dem finanziellen Aufwand und den Auswirkungen auf die Rettung anderer Menschenleben zu fragen. In welchen konkreten Fällen eine Behandlung abgebrochen werden kann, sagt die Kirche laut Zeitungsbericht nicht. (kna)
Russland
Die deutschstämmigen Lutheraner in Rußland haben sich gegen eine Segnung homosexueller Lebensgemeinschaften ausgesprochen. "Synodalbeschlüsse, die Segenshandlungen an Homosexuellen zulassen, verändern den Kernbestand von Lehre und Leben der Kirche und tragen zur Zerstörung der Kirche bei", heißt es in einer Resolution, die die Synode der Evangelisch-Lutherischen Kirche Europäisches Russland jetzt in Moskau beschloss. In Deutschland haben mehrere Landeskirchen eine gottesdienstliche Begleitung homosexueller Partnerschaften zugelassen, darunter Rheinland und Berlin-Brandenburg. Andere evangelische Kirchen wie Württemberg und Baden haben Segnungen gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften untersagt. (idea)
Afrika
Sudan
Der Menschenrechts-Koordinator der UNO, Jan Egeland, hat sich in den grausamen Bürgerkrieg im Norden Ugandas eingeschaltet. Egeland traf sich im Südsudan mit der Führungsspitze der Rebellenbewegung "Widerstandsarmee des Herrn" (LRA), die seit Jahren den Norden Ugandas terrorisiert. Nach Angaben der Nachrichtenagentur afp sprach Egeland auch mit John Kony, dem Anführer der sektenähnlichen Terrorgruppe. Kony wird vom Internationalen Strafgerichtshof gesucht. (afp)
Nahost
Irak
Beim Anschlag auf ein Rekrutierungs-Zentrum für Polizisten in Bagdad sind heute 35 Menschen ums Leben gekommen; etwa sechzig Personen wurden zum Teil schwer verwundet. Es ist einer der blutigsten Anschläge in Bagdad in den letzten Monaten. Während in den USA hektisch nach einer neuen Strategie für die Besatzungstruppen im Irak gesucht wird, hat der irakische Ministerpräsident Nouri al-Maliki heute eine "vollständige Kabinettsumbildung" angekündigt. Papst Benedikt hat vor kurzem öffentlich seine Sorge über die Lage der Christen im Irak geäußert. (reuters)
Der Dalai Lama hat sich gegen eine Vollstreckung des Todesurteils an Saddam Hussein ausgesprochen. Der frühere irakische Präsident verdiene wie jedermann eine neue Chance, meinte das geistliche Oberhaupt der tibetischen Buddhisten bei einem Besuch in Japan. Der Dalai Lama meinte wörtlich: "Die Todesstrafe gilt als abschreckend - aber es ist klar, dass sie in Wirklichkeit eine Art Rache ist." (afp)
Libanon
Die Regierung von Ministerpräsident Fouad Siniora steht vor dem Aus. Fünf Minister, die der schiitischen Hisbollah und ihren Amal-Verbündeten nahestehen, haben ihren Rückzug aus dem Kabinett angekündigt. Damit reagierten sie auf das Scheitern von Mehr-Parteien-Gesprächen, von denen sie sich mehr Mitspracherecht in der Regierung erhofft hatten. Präsident Emile Lahoud, der Syrien nahe stehen soll, ließ in einem Kommuniqué wissen, das Kabinett habe seine "konstitutionelle Legitimität" verloren. Die Regierungskrise in Beirut bricht ausgerechnet in dem Moment aus, wo das Kabinett über die Einrichtung eines Sondertribunals gegen die Mörder des früheren Premiers Rafik Hariri beraten will. Viele Libanesen glauben, dass Syrien hinter dem Mord an Hariri stand und deswegen jetzt die Beiruter Kabinettskrise ausgelöst hat, um das Tribunal zu verhindern. (reuters)
Asien
Nepal
Die Regierung in Katmandu und die Maoisten-Rebellen wollen ein permanentes Waffenstillstands-Abkommen unterzeichnen. Das kündigte der Leiter des staatlichen Friedens-Komitees heute an. Das Abkommen sei Teil eines umfassenden Friedensvertrags mit den bisherigen Rebellen. Damit konsolidieren sich die Aussichten auf eine Befriedung in Nepal noch mehr. Schon in April nach der weitgehenden Entmachtung des Königs hatten Regierung und Maoisten einen zeitweiligen Waffenstillstand vereinbart. Letzte Woche einigten sich beide Seiten dann darauf, die Waffen der Rebellen unter UNO-Kontrolle zu stellen und den Maoisten bis Anfang Dezember den Eintritt in eine Übergangsregierung zu ermöglichen. (reuters)
Burma
Ein UNO-Vertreter hat sich in Rangun mit Aung San Suu Kyi getroffen. Die Friedensnobelpreisträgerin steht unter Hausarrest, das Regime hat aber den Besuch des UNO-Diplomaten erlaubt und erstmals seit drei Jahren Fotos von einem solchen Treffen veröffentlichen lassen. Ein UNO-Statement erklärte, Aung sei bei guter Gesundheit, bekomme aber nur unregelmäßig medizinische Hilfe. Von den letzten 17 Jahren hat die Oppositionelle zehn unter Hausarrest verbracht. (afp)
Amerika
Kanada
Über 2.300 Delegierte aus hundert Ländern treffen sich ab diesem Wochenende in der Stadt Halifax zu einem Weltgipfel des Mikrokredits. Sie wollen darüber nachdenken, wie man 175 Millionen Familien weltweit aus ihrer extremen Armut befreien kann. Unter den Rednern ist auch Friedensnobelpreisträger Mohammed Yunus aus Bangladesh, einer der Väter des Mikrokredit-Systems. Vor neun Jahren hatten NGOs in Washington einen ersten Mikrokredit-Gipfel organisiert; ihr damaliges Ziel, diese Kredite etwa 400 Millionen Menschen zugute kommen zu lassen, ist inzwischen erreicht worden. (efe)
Nicaragua
Der Alt-Erzbischof von Managua, Kardinal Miguel Obando, hat dem künftigen Präsidenten Daniel Ortega die Leviten gelesen. "Die Demokratie muss sich im Lebensschutz und im Schutz der Rechte aller Bürger widerspiegeln", sagte der Kardinal bei einer Messe in der Kathedrale von Managua in Anwesenheit Ortegas. Friede sei ohne Respekt der von Gott gewollten Ordnung nicht möglich. Mit Nachdruck kritisierte der Alt-Erzbischof die soziale Ungerechtigkeit in Nicaragua. "Nicht nur Terrorismus, Unterdrückung und Morde bedeuten eine Verletzung der Menschenrechte, sondern auch die Existenz extremer Armut sowie ungerechter Wirtschaftsstrukturen, die für diese enorme Ungleichheit verantwortlich sind." (bri/kna)
Vereinte Nationen
Die USA haben gestern mit einem Veto eine Resolution des UNO-Sicherheitsrates gegen Israel zu Fall gebracht. Die Resolution sollte Israel zum sofortigen Rückzug aus dem Gaza-Streifen auffordern und den israelischen Angriff dort verurteilen, dem am Mittwoch fast 20 palästinensische Zivilisten zum Opfer gefallen sind. Das Veto der USA ist vor allem bei der Arabischen Liga auf heftige Kritik gestoßen. In den 61 Jahren des Bestehens der Vereinten Nationen haben die USA 82 Mal ihr Veto eingelegt; dabei ging es häufig um Israel. (reuters)
Die obigen Texte basieren auf unserer Nachrichtensendung "Treffpunkt Weltkirche" täglich um 16 Uhr. Die Quellen unserer Nachrichtensendung sind u.a. die Agenturen Kna, Kathpress, Ansa, Efe, Afp, Kipa, Reuters, Ap, ADN-Kronos, Upi, Cns, Uca, Misna, Osservatore Romano – die Vatikanzeitung in deutscher Sprache, sowie vatikaninterne Quellen. Der Newsletter ist nur zur persönlichen Information bestimmt. Grundlage für Zitate oder Übernahmen aus unserem Programm kann nicht unser Internetauftritt oder der Newsletter, sondern nur unser Radio-Programm sein. Die jeweils aktuelle Nachrichten- oder Magazinsendung von Radio Vatikan können Sie u.a. auf unserer Internetseite hören.