Meldungen vom 2.12.2008
- Vatikan gegen Änderung der Menschenrechtscharta -
- Nigeria: „Die Angriffe auf Christen waren geplant“ -
- Lehrverbot gegen US-Jesuiten ausgeweitet -
Verantwortlich: P. Eberhard v. Gemmingen SJ / Stefan von Kempis
Redaktion: Stefan von Kempis
Redaktionsschluss 16.00 Uhr
Die folgenden Texte basieren auf unserer
Nachrichtensendung „Treffpunkt Weltkirche“ täglich um 16 Uhr.
THEMEN DES TAGES:
Vatikan und Homosexuelle: Polemik und Streit
Homosexuellen-Verbände ärgern sich über eine Äußerung von Vatikan-Erzbischof Celestino Migliore. Dabei geht es um die Frage, ob die UNO-Menschenrechtserklärung aktualisiert werden sollte. Frankreich will im Namen der EU durchsetzen, dass der Text, der vor sechzig Jahren verabschiedet wurde, künftig auch die Diskriminierung von Homosexuellen verbietet. Keine gute Idee, meint dazu Migliore, der den Vatikan in New York bei der UNO vertritt.
Natürlich gehört der „Kampf für Respekt und Schutz der Personen zu unserem menschlichen und spirituellen Erbe“, betont Erzbischof Migliore in einem Interview, das am Montag bekannt wurde. Der katholische Weltkatechismus betone in aller Deutlichkeit, „dass jede ungerechte Diskriminierung von Homosexuellen vermieden werden muss“. „Aber“ – so der Vatikan-Diplomat weiter – „das ist hier gar nicht die Frage.“ Und er fährt wörtlich fort: „Hier gibt es jetzt eine Erklärung, die politischen Wert hat und von einer Reihe Staaten unterzeichnet ist. Sie fordert die Staaten und die internationalen Organisationen, die Menschenrechte umsetzen und kontrollieren, dazu auf, neue Kategorien hinzuzufügen, die vor Diskriminierung zu schützen sind. Dabei wird aber nicht berücksichtigt, dass sie im Fall von Adoptionen neue und furchtbare Diskriminierungen schaffen.“ Hinter dieser Bemerkung steht das kirchliche Nein zur Adoption von Kindern durch zwei Partner des gleichen Geschlechts. Und weiter sagt Migliore: „Die Staaten, die die Union zwischen Personen des gleichen Geschlechts nicht als Ehe anerkennen, werden an den Pranger und unter Druck gestellt werden.“
Die Äußerungen des Vatikan-Vertreters bei der UNO stoßen in verschiedenen Kreisen auf Protest. Der frühere französische Kulturminister Jack Lang – ein Sozialist – bekräftigt in einem Interview, die geplanten Änderungen an der UNO-Menschenrechtserklärung zielten vor allem auf mehrheitlich islamische Länder. „Es ist schade, dass der Vatikan denselben Weg einschlägt wie diese Länder.“ Die Haltung des Heiligen Stuhls sei „archaisch“, er sei „in den Händen von Reaktionären und Konservativen, die ihre Macht behalten wollen“. Die öffentliche Meinung in Frankreich werde auf die vatikanische Position „bestenfalls mit Gleichgültigkeit reagieren – und schlimmstenfalls mit Ironie und Sarkasmus“.
Auch in der italienischen Tageszeitung „La Repubblica“ schlagen die Wellen hoch: Ein transsexueller Politiker der Partei „Kommunistische Wiederergründung“ darf erklären, er warte immer noch „auf ein Mea Culpa für die Scheiterhaufen des Mittelalters“, während ein Abgeordneter von Silvio Berlusconis Regierungspartei den Vatikan verteidigt: „Wer will den ausschließen, dass künftig die Gegner von „Homo-Ehen“ vor Gericht gestellt oder persönlich angegriffen werden?“ Hinter Erzbischof Migliore stellt sich auch der christdemokratische Politiker Rocco Buttiglione (UDC). Er präzisiert, die Kirche sage doch gar nicht, dass Homosexualität ein Verbrechen sei. Sie wende sich aber, so Buttiglione wörtlich, „gegen die Initiative einiger europäischer Staaten oder vielleicht auch der Brüsseler Bürokratie, für Homosexuelle einen Sonderstatus zu schaffen“. An seiner kirchennahen Haltung zum Thema Homosexuelle war vor einigen Jahren Buttigliones Berufung in die EU-Kommission spektakulär gescheitert.
Der Sprecher des Papstes, Jesuitenpater Federico Lombardi, hat am Montagabend die Position des Vatikans präzisiert. Wer Migliores Interview in Ruhe lese, der finde dort „klare und völlig konsensfähige“ Äußerungen.
„Es will doch keiner die Todesstrafe für Homosexuelle verteidigen, auch wenn einige das jetzt glauben machen wollen. Im katholischen Weltkatechismus sind die Prinzipien aufgeführt, dass die grundlegenden Rechte der Person respektiert werden und dass jede ungerechte Diskriminierung zurückgewiesen werden muss. Das schließt nicht nur die Todesstrafe aus, sondern überhaupt alle strafrechtlichen Schritte, die Homosexuellen Gewalt antun oder sie diskriminieren.“
Aber darum gehe es ja in der EU-Initiative, die Frankreich Mitte Dezember in der UNO-Vollversammlung einbringen will, in Wirklichkeit gar nicht, so Pater Lombardi.
„In diesem Text geht es nicht nur darum, Homosexualität straffrei zu machen, wie man das jetzt überall liest, sondern um die Einfügung einer Erklärung mit politischem Wert. Sie kann sich auf Kontrollmechanismen in einer Weise auswirken, dass jede Norm – nicht nur juristische, sondern auch soziale oder religiöse – jedwede sexuelle Orientierung genau auf die gleiche Stufe stellen müssen. Sonst würde diese Norm als den Menschenrechten entgegengesetzt angesehen. Das kann ganz eindeutig zu Diskriminierung derjenigen führen, die glauben, – um nur mal ein sehr klares Beispiel zu nennen – dass die Ehe zwischen Mann und Frau die grundlegende und ursprüngliche Form des sozialen Lebens ist und deshalb privilegiert werden sollte.“
Es komme ja nicht von ungefähr, so der Vatikan-Sprecher weiter, dass gerade einmal fünfzig Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen sich hinter die EU-Initiative gestellt hätten.
„Hingegen haben sich 150 Staaten nicht dahinter gestellt. Der Heilige Stuhl ist also nicht allein.“ (rv)
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Nigeria: „Angriffe auf Christen waren geplant“
In der Stadt Jos in Zentralnigeria sind die Ausschreitungen vom Wochenende einer gespannten Ruhe gewichen. Aus der Hauptstadt Abuja ist Militär in der Stadt eingetroffen, wo nach einer Kommunalwahl Anhänger gegnerischer Parteien aufeinander losgegangen waren. Nachts herrscht noch Ausgangsverbot; die Gewalt hat nach offiziellen Angaben 200, nach anderen Zählungen an die 400 Todesopfer gefordert. Das Rote Kreuz spricht von mehr als 10.000 Menschen, die aus Angst noch nicht in ihre Häuser zurückkehren. Die Kirche hat bislang beteuert, hinter der Gewalt steckten keine religiösen Motive; doch da ist sie sich jetzt nicht mehr so sicher. Ignatius Ayau Kaigama ist Bischof von Jos. Er sagte uns:
„Wir können nicht klar sagen, was wirklich zu diesen Zusammenstößen geführt hat. Auf den ersten Blick war der Auslöser ein politischer, und wir dachten, dass die Krise sich auch auf die reine Politik beschränken würde. Aber was uns dann zunächst gewundert und dann schockiert hat, ist, dass da Gruppen gekommen sind, um die Kirchen und das Eigentum der Kirche zu zerstören. Da haben wir gesagt: Hier geht es ja gar nicht um Politik, das ist religiöse Gewalt gegen Christen, die geplant und orchestriert worden ist... doch für diese Gewalt finden wir keine vernünftige Erklärung. Wenn Sie mich jetzt also fragen, was hinter der Krise steckt, dann sage ich ehrlich: Keine Ahnung. Ich kann nur sagen, dass aus dem politischen Konflikt unversehens ein Angriff auf die Kirche geworden ist, der zu dieser Lage geführt hat: einer religiösen Revolte.“
Bei den Pogromen seien auch Priester und Ordensleute ums Leben gekommen. Kirchen und kirchliche Gebäude hätten schwere Schäden erlitten. Der nigerianische anglikanische Erzbischof Peter Akinola sagte einer Londoner Zeitung, die Justiz habe mit Billigung der Regierung nach ethnischen oder religiösen Zusammenstößen noch nie einen der Täter verurteilt. Die Kapitulation der Polizei vor religiöser Gewalt habe zu einer Kultur der Straflosigkeit geführt. Jos ist die Hauptstadt des Bundesstaates Plateau in Zentral-Nigeria und nicht zum ersten Mal Schauplatz blutiger Auseinandersetzungen mit ethnischer und religiöser Färbung. Die Stadt gilt als eine christliche Hochburg; in Nigeria wird schon der Name der Stadt als Akronym für „Jesus our Saviour“ (Jesus unser Erlöser) gedeutet. Bereits im Jahr 2001 war es in Jos zu dramatischen Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen gekommen; damals waren rund 1.000 Todesopfer zu beklagen. Der offizielle Bericht über die Ausschreitungen wurde nie veröffentlicht. Die Kommunalwahlen in Jos vom Donnerstag waren die ersten seit dem Amtsantritt einer Zivilregierung in Nigeria im Jahr 1999. (rv/kap)
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Deutschland: „Priester als Gemeindeworker“
In der Kirche sollten Laien mehr Verantwortung tragen. Das wünscht sich der Geschäftsführer des deutschen katholischen Hilfswerks Adveniat, Prälat Bernd Klaschka. Im Gespräch mit dem Kölner Domradio wies Klaschka auf den veränderten Seelsorgebedarf in Großstadtgemeinden hin. In Städten wie Sao Paolo oder Mexiko-Stadt lebten in manchen Pfarreien mehr als 500.000 Menschen. Da sei es wichtig, auf die Menschen zuzugehen und nicht bloß Einladungen auszusprechen.
Klaschka plädiert für eine „Geh-hin-Kirche“: „Wir bleiben nicht in dem institutionalisierten und strukturell vorgegebenen Raum, sondern verlassen ihn, (…) um die Menschen dort aufzusuchen, wo sie sind.“
Auch in Deutschland, gerade in den Großstädten, seien die Menschen auf der Suche nach Gott. Hier brauche die Kirche Mut, um zu einer „Geh-hin-Kirche“ zu werden. Klaschka spricht in diesem Zusammenhang von dem „Priester als Gemeindeworker“.
Zudem sollte die Kirche sich darauf einstellen, dass Laien mehr Verantwortung tragen können. Klaschka wörtlich: „Ich glaube, wir müssen auch dazu kommen, auf Dauer zu schauen, wie die Kirche Laien beauftragen kann zur Gemeindeleitung.“ – Das Lateinamerikahilfswerk Adveniat rückt in diesem Jahr die Großstadtpastoral in den Mittelpunkt seiner Jahresaktion. (rv)
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DIE NACHRICHTEN:
Vatikan
Vatikan/Katar
Der Heilige Stuhl bittet die internationale Gemeinschaft, angesichts der Finanzkrise die so genannten Millenniumsziele nicht zu vernachlässigen. Die Staaten sollten am Ziel festhalten, die Zahl der Hungernden in der Welt bis 2015 zu halbieren, meinte Vatikan-Vertreter Erzbischof Celestino Migliore am Montag in Katar. Auf einer internationalen Konferenz zur Finanzierung von Entwicklung meinte er wörtlich: „Wenn politischer Wille und Sorge für das Gemeinwohl zusammenkommen, dann sind wir – die Finanzkrise hat es gezeigt – binnen weniger Monate dazu imstande, große Summen zusammenzubringen. Aus den gleichen Gründen sollten wir ebenso viel politischen Willen und Sorge für das Gemeinwohl aber auch aufbringen, wenn es um die Ärmsten und Verwundbarsten geht.“ (rv)
Wir dokumentieren hier die Vatikan-Stellungnahme im englischsprachigen Original
Der Vatikan weitet das Lehrverbot für den US-Theologen und Jesuiten Roger Haight. Dem 72-Jährigen werden jetzt auch neue Publikationen untersagt, berichtet die Katholische Nachrichtenagentur. Das Lehrverbot gelte jetzt auch für nicht-katholische Bildungseinrichtungen wie das protestantische New Yorker „Union Theological Seminary“. Dort lehrt Haight seit seiner Emeritierung an der „Weston Jesuit School of Theology“ in Cambridge/Massachusetts im Jahr 2005. Anlass der theologischen Auseinandersetzung sind Kernaussagen in Haights Buch über Jesus Christus von 1999. Darin geht es um die Göttlichkeit und die Auferstehung Jesu, die Dreifaltigkeit und die Frage des Heils für Nicht-Christen. Das Werk, das im Jahr 2000 einen Preis der „Catholic Press Association“ erhielt, beinhaltet nach Auffassung der Glaubenskongregation schwere lehrmäßige Irrtümer. Bereits im Dezember 2004 hatte die damals noch von Kardinal Joseph Ratzinger geleitete Behörde Haight nach fünfjährigen Untersuchungen die Lehrerlaubnis für katholische Theologie bis zur Korrektur der beanstandeten Thesen entzogen. Es wäre die zweite offizielle Lehrbeanstandung des Vatikans unter Benedikt XVI., der die Glaubenskongregation vor seiner Papstwahl über zwei Jahrzehnte leitete. Im März 2007 hatte die römische Behörde Aussagen eines weiteren Jesuiten, des spanischen Befreiungstheologen Jon Sobrino, beanstandet. (kna)
„Gott, den wir an den Rand geschoben haben, ist auf einmal wieder da im öffentlichen Diskurs.“ Darauf hat Kardinal Jean-Louis Tauran aufmerksam gemacht. Bei einer Rede in Rom meinte der Leiter des Päpstlichen Dialogrates am Montag, die religiöse oder auch esoterische Literatur erlebe derzeit geradezu einen Boom; man könne, wie ein Buch von Gilles Képel das tue, geradezu von einer „Rache Gottes“ sprechen. Tauran wörtlich: „Man kann die heutige Welt nicht verstehen, wenn man die Religion außer acht lässt.“ Aber – und das sei „das große Paradox“ – das liege vor allem daran, weil Religion als Gefahr wahrgenommen werde. Der Kardinal fuhr fort: „Tatsächlich sind Religionen sowohl des Besten als auch des Allerschlimmsten fähig: Sie können zur Heiligkeit führen oder zum Mord. Sie können Frieden predigen oder Krieg.“ (rv)
Europa
Deutschland
Bundesjustizministerin Brigitte Zypries hat sich gegen neue gesetzliche Vorgaben für Spätabtreibungen gewandt. „Ich bin eigentlich der Auffassung, dass man gar nichts machen sollte“, sagte die SPD-Politikerin am Dienstag in Berlin. Der federführend von Unionsabgeordneten vorgelegte Gesetzentwurf ziele sogar in die falsche Richtung und erwecke teilweise den Eindruck, als ob eine absehbare Behinderung des Kindes einen Abbruch erlauben würde. Derweil wollte die FDP-Bundestagsfraktion am Dienstagnachmittag über einen eigenen Antrag beraten. Der Bundestag wird voraussichtlich am 18. Dezember mehrere Vorschläge zur Eingrenzung von Spätabtreibungen beraten. Dem soll im kommenden Jahr eine Anhörung folgen. Unionsabgeordnete wollen die Ärzte zu einer Beratung verpflichten und ihnen andernfalls ein Bußgeld androhen. Zudem wollen sie mehr statistische Erfassung von Spätabtreibungen. Eine Gruppe von SPD-Parlamentariern will zwar auch das Schwangerschaftskonfliktgesetz ändern, lehnt aber die Statistik ab. Eine größere Zahl von SPD-Vertretern wendet sich gegen jede Gesetzesänderung. (kna)
Österreich
Die Jesuiten in Österreich stellen sich ihrer Geschichte und arbeiten das Vermächtnis von Pater Heinrich Abel (1843-1926) auf. Am Dienstag wurde beim Denkmal Abels in der Augustinerkirche eine Zusatztafel enthüllt, die auf den Antisemitismus des Jesuiten Bezug nimmt und diesen verurteilt. Zugleich bekennen sich die Jesuiten zu aufrichtigen und respektvollen Beziehungen zum Judentum. Der charismatische Wiener Jesuitenpater Heinrich Abel organisierte seit 1893 von Wien aus Männerwallfahrten nach Mariazell, die dem Wallfahrtswesen im steirischen Marienheiligtum neue Impulse gaben. Pater Abel galt als hervorragender Redner, zugleich aber auch als lautstarker Antisemit. Die Inschrift der neuen Tafel an der Augustinerkirche lautet wörtlich: „Der Einsatz von P. Heinrich Abel SJ für die Menschen hat seine Zeitgenossen dazu bewogen, ihm dieses Denkmal zu errichten. Seine Äußerungen über die Juden aber waren oft verständnislos, abwertend oder verachtend. Das Zweite Vatikanische Konzil hat erklärt: 'Im Bewusstsein des Erbes, das sie mit den Juden gemeinsam hat, beklagt die Kirche … alle Hassausbrüche, Verfolgungen und Manifestationen des Antisemitismus, die sich zu irgendeiner Zeit und von irgendjemandem gegen die Juden gerichtet haben'. Wir bedauern P. Abels antijüdische Äußerungen und bitten Gott und die Juden um Vergebung. Für die Gegenwart und die Zukunft ist es uns wichtig, eine aufrichtige und respektvolle Beziehung mit dem Volk des Ersten Bundes zu pflegen". (kap)
Das bisherige Bild von Christus muss nicht umgeschrieben werden, eine vermeintliche „Jesus-Sensation“ ist gar keine. Mit diesen Worten wendet sich Norbert Zimmermann, der Leiter eines Archäologen-Teams der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, gegen einen Bericht in einem Wiener Gratisblatt. Zimmermanns Team erforscht seit etwa drei Jahren die römischen Domitilla-Katakomben. Die aus dem 3. und 4. Jahrhundert stammenden Fresken des verzweigten Katakomben-Netzes würden Jesus nie als Gekreuzigten, sondern „nur als fröhlichen Philosophen“ darstellen, hatte das Blatt geschrieben: „Christus war im 3. Jahrhundert als Vollbringer von Wundern bekannt. Erst später hat die Kirche das Bild von Christus als Märtyrer geprägt.“ Es stimmt zwar, so Zimmermann, dass in den frühchristlichen Katakomben Jesus vor allem als Lehrer, guter Hirte bzw. als wundertätiger Jüngling dargestellt werde. Aber auf dem Fehlen von Kreuzesdarstellungen ließen sich keine „Verschwörungstheorien“ aufbauen, denn die Darstellung des leidenden Christus komme erst im 5. Jahrhundert auf – „für die Katakomben zu spät“. In der frühen Phase der Kirchengeschichte sei es der noch nicht etablierten christlichen Gemeinde darum gegangen, neue Anhänger vor allem unter den Armen und Unterdrückten zu finden. Dafür wurde ein „positives Bild von Christus“ gezeichnet, nicht eines, das durch die Darstellung der in der Antike „schmachvollsten Art der Todesstrafe“ mögliche Bekehrte verstört hätte. In einer späteren Phase, als das Christentum als Staatsreligion konsolidiert und „im Glauben gefestigt“ war, kam es nach den Worten Zimmermanns zur theologischen Ausfaltung und künstlerischen Darstellung des leidenden Christus. Dieser verstärkte Blick auf das „Menschliche an Gott“ falle aber erst in eine viel spätere Phase. (kap)
Schweiz
Die Genfer Justiz weigert sich, den Fall Alois Estermann neu aufzurollen. Der Kommandant der Schweizergarde und seine Frau waren 1998 im Vatikan von einem Gardisten ermordet worden. Der Täter beging anschließend Selbstmord; seine Angehörigen hatten eine Wiederaufnahme des Verfahrens beantragt. Die Justizbehörde erklärt, dass „neue Beweise“ nötig seien, um den Fall neu aufzurollen. Da der Mordfall auch nicht auf Schweizer Boden stattgefunden habe, könne auch kein eidgenössisches Gericht darüber befinden, so die Genfer Justiz weiter. (ansa)
Italien
Im September 2009 wird Benedikt XVI. die italienischen Ortschaften Bagnoregio und Viterbo besuchen. Beide Orte befinden sich nördlich von Rom. Bagnoregio ist die Geburtsstadt des Kirchenvaters Bonaventura. Zu Beginn seiner Lehrtätigkeit in Deutschland hatte sich Joseph Ratzinger ausführlich mit der Theologie Bonaventuras beschäftigt. In Viterbo wurde im 17. Jahrhundert die Schul- und Ordensgründerin Schwester Rosa Venerini geboren. 2006 hatte Benedikt XVI. sie heilig gesprochen. (apic)
Spanien
Die Theologie der Befreiung ist eine zeitgemäße Antwort auf soziale Probleme. Das erklärte der Generalobere der Jesuiten, Adolfo Nicolas, gegenüber der Zeitung „El Periodica“ in Barcelona. Sie stelle sich an die Seite der Menschen und schlage mutige und kreative Wege ein, um gegen die große Ungerechtigkeit in Lateinamerika vorzugehen. Nicolas betonte, dass die Befreiungstheologie Zeit brauche, um sich voll entfalten zu können. Dieses Reifen müsse man dieser theologischen Linie zugestehen. (apic)
Slowakei
Das slowakische Verfassungsgericht hat in letzter Instanz entschieden, dass den ungarischen Benediktinern das Schloss Rusovce nicht zurückgegeben wird. Als Begründung für den Schiedsspruch werden Mängel bei der Restitutionsforderung angeführt: Bei der Antragsstellung habe die vom Gesetz geforderte genaue Beschreibung des Grundstücks sowie überhaupt eine genaue Bezeichnung der Immobilie gefehlt. Staatspräsident Ivan Gasparovic begrüßte die Entscheidung des Verfassungsgerichts. Dies sei „eine gute Nachricht für die Slowakei und die Repräsentation des Staates“, so ein Präsidentensprecher. Das nur vier Kilometer von der österreichischen und fünf Kilometer von der ungarischen Staatsgrenze entfernte Schloss soll nach seiner Adaptierung für die Unterbringung von Staatsbesuchen sowie für die Abhaltung von Empfängen, Gipfeltreffen und Konferenzen zur Verfügung stehen. Es soll aber auch als Residenz des slowakischen Staatsoberhaupts dienen, wenn der Präsident nicht in seiner Privatwohnung verbleibt. Der Benediktinerorden will sich nun an den Europäischen Gerichtshof in Straßburg wenden, um seinem Besitzanspruch doch noch durchzusetzen. – Seit der Unabhängigkeit der Slowakei im Jahr 1993 versuchen die ungarischen Benediktiner mit Nachdruck, ihre Rechte geltend zu machen. Dabei wären sie bereit, „die Räumlichkeiten 300 Tage im Jahr der Republik für Repräsentationszwecke zur Verfügung zu stellen“. (kap)
Simbabwe
Die evangelischen Hilfswerke Diakonie Katastrophenhilfe und „Brot für die Welt“ warnen vor einem gravierenden Mangel an Saatgut und Nahrungsmitteln in Simbabwe. Die seit 2002 anhaltende Wirtschaftskrise und die politischen Auseinandersetzungen haben die landwirtschaftliche Produktion weitgehend zum Erliegen gebracht, so die Organisationen. Deshalb hat die Diakonie Katastrophenhilfe 100.000 Euro Soforthilfe bereitgestellt. In den nächsten fünf Monaten erhalten Tausende besonders von der Ernährungskrise betroffene Personen monatliche Lebensmittelrationen, bestehend aus jeweils 10 Kilogramm Mais, 2 Kilogramm Bohnen und einem halben Liter Öl. Um die Versorgung längerfristig zu verbessern, werden außerdem Saatgut für Mais und Hirse sowie Düngemittel an die Bauern verteilt. – Derweil hat eine Cholera-Epidemie in Simbabwe seit August über 470 Todesopfer gefordert. Das teilt die Weltgesundheitsorganisation mit. (pm)
Asien
Nepal
Fast 500 muslimische Frauen haben stärkere Rechte für geschiedene Frauen gefordert. Unterstützt von hundert muslimischen Männern zogen sie an zwei Tagen mit einem Protestmarsch durch die südnepalesische Stadt Nepalgunj. Sie beklagten die fehlende wirtschaftliche Absicherung in der islamischen Gesetzgebung. Geschiedene Frauen blieben der Willkür ihrer Männer überlassen und nach der Trennung oft in Armut zurück. Demnach seien sie in der Regel auf Unterstützung durch ihr Elternhaus angewiesen. In zahlreichen Fällen seien sie zur Prostitution gezwungen, so die Demonstranten. (asianews)
Indien
Im ganzen Land wird in den Kirchen an die Opfer des Terrors von Mumbai erinnert. Der Erzbischof von Bophal, Leo Cornelio, schlägt einen „Sonntag des Gebets für die Opfer“ vor. Er nennt die Anschläge von letzter Woche einen „Virus, der versucht, unser Land zu töten“. In Lucknow im Bundesstaat Uttar Pradesh haben Religionsführer darüber beraten, ob ihre Gemeinschaften nicht ein gemeinsames Zeichen gegen Terror setzen sollten – und wenn ja, welches genau. Wichtige Vertreter der islamischen Minderheit in Indien rufen dazu auf, die Attentäter nicht in Indien zu bestatten. Sie sollten dort beigesetzt werden, „wo sie herkommen“, meinte der Leiter einer großen Koranschule Mumbais nach einem Treffen von fünfzig islamischen Organisationen. Nach Angaben der Behörden kamen die Terroristen aus Pakistan. Sie töteten fast 190 Menschen und verletzten mehr als dreihundert. (rv/afp)
Amerika
Vereinigte Staaten
Der scheidende Präsident George W. Bush bedauert, vor dem Irak-Krieg auf falsche Informationen über irakische Massenvernichtungswaffen hereingefallen zu sein. „Das bedaure ich am meisten“, meinte Bush mit Verweis auf das damalige Versagen der US-Geheimdienste in einem Interview. Der Präsident wollte nicht auf die Frage eingehen, ob er den Irak-Krieg auch begonnen hätte, wenn er gewusst hätte, dass Saddam Hussein keine Massenvernichtungswaffen besaß. Bush wörtlich: „Das ist eine interessante Frage. Dafür müsste man neu überdenken, was man getan hat, und das ist etwas, das ich nicht tun kann.“ Der damalige Papst Johannes Paul II. hatte die USA und ihre Verbündeten eindringlich vor einem Einmarsch im Irak gewarnt. (afp)
Kolumbien
Nicht nur linksgerichtete FARC-Rebellen, sondern auch rechtsgerichtete Paramilitärs machen den Kolumbianern das Leben schwer. Eine neue Schätzung spricht an diesem Montag von 10.000 aktiven Mitgliedern in paramilitärischen Gruppen; sie seien in einem Viertel des Landes tätig und hätten Verbindungen zum Drogenhandel. Die Behörden sähen häufig weg oder unterstützten das Treiben der Paramilitärs sogar. Offiziell war die paramilitärische Gruppe AUC 2006 durch ein Friedensabkommen mit Präsident Alvaro Uribe aufgelöst worden; viele ihrer Kämpfer haben sich aber offenbar neu organisiert. (afp)
Nicaragua
Der Erzbischof von Managua, Leopoldo Brenes, beklagt die Entscheidung der USA, alle Hilfen für Nicaragua auszusetzen. „Wir sind ein armes Land und auf Hilfe von draußen angewiesen“, so der neu gewählte Vorsitzende des Zentralamerikanischen Bischofsrates. Die Entscheidung der USA werde „vor allem die Ärmsten im Land treffen“. Hintergrund der Blockade sind die umstrittenen Kommunalwahlen vom 9. November. Bei ihnen kam es offenbar zu massiven Wahlfälschungen zugunsten der Regierungspartei, der früheren Sandinisten. (rv)
Die obigen Texte basieren auf unserer Nachrichtensendung „Treffpunkt Weltkirche” täglich um 16 Uhr. Die Quellen unserer Nachrichtensendung sind u.a. die Agenturen Kna, Kathpress, Ansa, Efe, Afp, Kipa, Reuters, Ap, ADN-Kronos, Upi, Cns, Uca, Misna, Osservatore Romano – die Vatikanzeitung in deutscher Sprache, sowie vatikaninterne Quellen. Der Newsletter ist nur zur persönlichen Information bestimmt. Grundlage für Zitate oder Übernahmen aus unserem Programm kann nicht unser Internetauftritt oder der Newsletter, sondern nur unser Radio-Programm sein. Die jeweils aktuelle Nachrichten- oder Magazinsendung von Radio Vatikan können Sie u.a. auf unserer Internetseite hören.