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Meldungen vom 1.7.2008

- Anglikaner: Spaltung noch vermeidbar? -
- Frankreich: Kirche gegen Leihmütter -
- Papst: „Umzug” nach Castel Gandolfo -


Verantwortlich: P. Eberhard v. Gemmingen SJ / Stefan von Kempis
Redaktion: Mario Galgano

Redaktionsschluss 16.00 Uhr
Die folgenden Texte basieren auf unserer
Nachrichtensendung „Treffpunkt Weltkirche“ täglich um 16 Uhr.

THEMEN DES TAGES:

Deutschland: Anglikaner hoffen auf Lösung
Weltweit sorgt der Streit innerhalb der anglikanischen Kirche für Aufregung. Auslöser des Zwists, der immer mehr auf eine Spaltung zusteuert, war vor fünf Jahren die Weihe eines praktizierend homosexuellen Bischofs. Der eigentliche Anlass liegt aber schon mehrere Jahrzehnte zurück, erklärte Dorothee Hahn, Reverend der anglikanischen Kirche, im Interview mit dem Kölner Domradio. Sie ist Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen München. Umstritten sei das Kirchenverständnis der anglikanischen Kirche.
„Das ist das Hauptproblem. Es ist noch verfrüht, von einer Teilung zu sprechen - doch die Fronten sind verhärtet. Es wird nicht leicht, aber als Christin gebe ich die Hoffnung nicht auf. Gott ist ein lebendiger Gott, der auch in der Lage ist, aus dem Tod noch Leben zu schaffen. Dass es schwierig wird, ist aber keine Frage.”
Geklärt werden müsse, was die Basislehren der anglikanischen Kirche sind, die nicht verändert werden dürfen, und bei welchen Lehren die Teilkirchen eine gewisse Freiheit der Ausübung haben können.
„Die autoritären Formen, die von den konservativen Teilkirchen jetzt eingefordert werden, sind bisher nicht Teil der anglikanischen Kirche gewesen. Bei den Anglikanern gibt es den zentralen Begriff der Comprehensiveness. Er bedeutet, bereitwillig bestimmte Abweichungen von der Lehre innerhalb der Kirche zu akzeptieren. Sich nicht zu hundert Prozent auf irgendwas festzulegen, ist ein zentraler Punkt in der anglikanischen Kirche, der nicht außer acht gelassen werden darf.”
Derweil hat der anglikanische Ehrenprimas Rowan Williams die Beschlüsse einer Konferenz traditionsbewusster Anglikaner in Jerusalem als problematisch kritisiert. Der Erzbischof von Canterbury sprach zwar von vielen positiven und ermutigenden Aspekten der dort veröffentlichten Erklärung, wie der Pressedienst der anglikanischen Weltgemeinschaft am Montag meldete. Er mahnte aber, die Risiken der Vorschläge sehr vorsichtig zu überdenken. Sie seien in vielerlei Hinsicht problematisch. Die in Jerusalem versammelten anglikanischen Bischöfe hatten in Jerusalem einen unabhängigen Bischofsrat gebildet. (domradio/kna/rv)
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Frankreich: Kirche besorgt über „Leihmütter-Gesetz”
Leihmütter sollen in Frankreich legal werden. Der Pariser Senat hat einen entsprechenden Gesetzesvorschlag jetzt verabschiedet. Damit dürfen Frauen, die keine Kinder haben können, den Bauch einer anderen Frau sozusagen „ausleihen”. Dies ist bereits in einigen anderen Ländern erlaubt. Die katholische Kirche Frankreichs ist darüber entsetzt. Der Präsident der bischöflichen Familienkommission und Erzbischof von Rouen, Jean-Charles Descubes, spricht Klartext: „Ein solches Gesetz verursacht vor allem ein Problem, was die Rolle der Frauen als Mütter angeht. Man muss sich doch die Frage stellen, was aus den Leihmüttern wird, nachdem sie das Kind, das sie während neun Monate in sich getragen haben, weitergeben. Die schwangere Frau ist doch nicht einfach ein Mittel zum Zweck, sie entwickelt während der Schwangerschaft eine tiefe Beziehung zum Kind. Das gilt auch umgekehrt für das Kind im Leib.”
Das Argument der französischen Senatoren lautet, dass die Leihmütter ein „Geschenk für unfruchtbare Paare” seien.
„Das mag auf den ersten Blick so aussehen, doch um welchen Preis? Sicherlich müssen wir großen Respekt gegenüber unfruchtbaren Paaren haben. Doch wir sollten nicht vergessen, dass ein Kind niemals ein egoistischer Wunsch der Menschen, sondern ein Geschenk Gottes ist. Ich habe aber den Eindruck, dass unsere Gesellschaft das Kind immer mehr als Objekt und nicht als Subjekt betrachtet.”
(rv)
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Vatikan: „Von Nicht-Katholiken lernen”
Die Ökumene spielt im Paulusjahr eine wichtige Rolle. Schon die Eröffnungsveranstaltung zum 2.000. Geburtstag des Völkerapostel Paulus in Rom war am vergangenen Wochenende von zahlreichen ökumenischen Gesten geprägt. Vom theologischen und geistigen Erbe des Apostels erwarten sich Benedikt XVI. und der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I., neuen Schwung für die Ökumene. Nach den feierlichen Eröffnungszeremonien beginnt nun die konkrete, aber nicht immer leichte Aufgabe der ökumenischen Zusammenarbeit. Die Ideen fehlen nicht, bestätigt der Erzpriester der Patriarchalbasilika St. Paul vor den Mauern und emeritierte vatikanische Diplomat, Kardinal Andrea Cordero Lanza di Montezemolo, gegenüber Radio Vatikan: „Wir haben nicht-katholische Christen eingeladen, gemeinsam mit uns Meditationstexte zu erarbeiten. Das Ziel ist es, den Völkerapostel Paulus besser zu verstehen und seine Botschaft zu verbreiten. Das vom Papst ausgerufene Paulusjahr soll die Bedeutung des Völkerapostels deutlicher hervorheben. Das Interesse von Nicht-Katholiken ist sehr groß, und die angemeldeten Gruppen geben sich wirklich sehr viel Mühe. Wir Katholiken können einiges von ihnen lernen.”
Für Paulus sei der Glaube nicht nur eine bloße Theorie, sondern ein persönliches „Getroffensein von der Liebe Christi”, sagt Kardinal Montezemolo.
„Der Apostel Paulus ist ein unerschöpflicher Reichtum - durch die Kraft und die Tiefe seiner Botschaft. Sicherlich sind seine Briefe nicht immer einfach zu verstehen, und darum kennen ihn wohl noch nicht alle wirklich. Das Paulusjahr ist daher in der Tat eine gute Gelegenheit, dies nachzuholen. Auf Abbildungen wird er in der Regel mit einem Schwert dargestellt, was seine Tapferkeit symbolisiert. Er war aber kein brutaler Kämpfer, sondern ein Meister des Wortes. Es gibt viele nicht-katholische Christen, die ihn besser kennen als wir Katholiken!”
(rv)
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Österreich: Bildung als „Eckstein in der Armutsbekämpfung”
Bildung ist der „Eckstein” in einem umfassenden Konzept zur Armutsbekämpfung. Das sagte der österreichische Caritas-Präsident Franz Küberl am Montag bei einer Tagung in Wien. Der Caritas-Präsident beklagte, dass Armut auf das Bildungssystem und auf die schulischen Karrieren von Kindern durchschlägt. Angesichts der Gefahr einer Verfestigung von Armutsstrukturen im Schulsystem fordert die Caritas drei bildungspolitische Maßnahmen: „Da der Spracherwerb zu den zentralen Elementen der Bildung zählt und nicht nur Migrantenkinder, sondern ebenso auch einheimische Kinder mittlerweile deutliche muttersprachliche Probleme aufweisen, ist der Kindergarten der Ort, diese Probleme frühzeitig anzugehen. Weiters muss die Qualität der schulischen Bildung dahingehend angehoben werden, dass Hauptschulabschlüsse wirklich Hauptschulabschlüsse werden! Heute weisen viele Kinder mit Hauptschulabschluss schwere Defizite im Bereich der schulischen Grundkenntnisse des Schreibens, Rechnens und Lesens auf. Und schließlich verweise ich darauf, dass die derzeit außerschulisch geregelte und von den Eltern finanziell zu tragende Nachhilfe in das Gesamtschulsystem integriert werden muss. Gleichheit unter den Schülern ist erst gewährleistet, wenn auch Schüler finanzschwächerer Familien sich einen Förderunterricht und die Nachbetreuung bei Lernschwierigkeiten leisten können.”
Weiter betonte Küberl, dass auch dem Religionsunterricht im Rahmen einer bildungspolitischen Reform eine hohe Bedeutung zugemessen werden müsste. Schließlich sei er ein wichtiges Moment der „Orientierung junger Menschen”. (rv/kap)
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DIE NACHRICHTEN:

Vatikan

Der Papst weicht vor der römischen Hitze in die kühleren Albaner Berge aus. Nach der Generalaudienz an diesem Mittwoch wird Papst Benedikt XVI. nach Castel Gandolfo in seine Sommerresidenz umziehen. In den Sommermonaten finden deshalb keine weiteren Privat-Audienzen statt. Das gab die Präfektur des Päpstlichen Hauses am Dienstag bekannt. Auch wird es zwischen dem 9. und dem 30. Juli keine Generalaudienzen geben. Die Angelus-Gebete werden am 6. und 27. Juli jeweils im Innenhof der Sommerresidenz abgehalten. Auch wurde der Australien-Aufenthalt des Papstes vom 12. bis 21. Juli bestätigt. Nach seiner Rückreise wird der Papst vom 28. Juli bis 11. August seinen Sommerurlaub im Priesterseminar Brixen verbringen. Die nächste Generalaudienz auf dem Petersplatz findet nach dem Sommerurlaub am 13. August statt. (rv)
Das Motto des nächsten kirchlichen Weltfriedenstags am 1. Januar lautet „Die Armut bekämpfen, den Frieden aufbauen”. Das wurde an diesem Dienstag bekannt. Der Papst werde in seiner Friedens-Botschaft „ein gemeinsames weltweites Vorgehen gegen Armut” fordern, erläuterte der vatikanische Pressesaal bei der Bekanntgabe des Themas. Die Armut sei ein Zeichen dafür, dass die internationale Gemeinschaft nicht in der Lage sei, für das Gemeinwohl aller zu sorgen. Dabei leide die Menschheit heutzutage auch an einer „spirituellen Armut”, die die Menschen gleichgültig gegenüber ihrem Nächsten mache. – Der Neujahrstag wird von der katholischen Kirche seit Papst Paul VI. (1963-1978) als Weltfriedenstag begangen. (rv)

Vatikan/Schweiz
Die Fokolar-Bewegung wählt eine neue Präsidentin - als Nachfolgerin der verstorbenen Gründerin Chiara Lubich. Die Vollversammlung der Bewegung begann an diesem Dienstag in Rom. Neu sollen auch ein Ko-Präsident und 30 Berater für den Generalrat gewählt werden. Die Dienste werden auf sechs Jahre vergeben, mit einer möglichen einmaligen Wiederwahl. Chiara Lubich war Mitte März im Alter von 88 Jahren in der Nähe von Rom gestorben. Sie hatte 1943 die Fokolar-Bewegung gegründet und blieb bis zu ihrem Tod deren Leiterin. Internationale Anerkennung erfährt die Fokolar-Bewegung wegen ihres Engagements für Frieden und Ökumene. Mit der Wahl einer neuen Präsidentin müssen qua Satzung alle Leitungsfunktionen neu besetzt werden. (pm)

Europa

Europäische Union
In Europa interessieren sich die Menschen zunehmend für die religiöse Dimension des Lebens. Viele Jugendliche suchen nach Wegen, um den enttäuschenden Materialismus hinter sich zu lassen und die Wirklichkeit des Transzendenten wieder zu entdecken. Das steht in der Bilanz-Erklärung zum diesjährigen Treffen der Generalsekretäre der europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) in Spanien. Die Kirche werde allerdings oft „auf eine gesellschaftliche Einrichtung reduziert”, die deshalb interessant sei, „weil sie sich für Solidarität und Umwelt engagiert”. Gleichzeitig sei ein aggressiver humanistischer Atheismus zu beobachten, den sich zwar nur eine Minderheit zu eigen mache, der aber insbesondere in der Medienwelt und im öffentlichen Bereich stark verbreitet sei, so die Generalsekretäre. Bei ihrem Treffen wurde auch Aldo Giordano verabschiedet, der 13 Jahre lang als CCEE-Generalsekretär aktiv war und nun zum Ständigen Beobachter des Heiligen Stuhls beim Europarat in Straßburg ernannt wurde. (pm)

Deutschland
In keinem der 57 islamischen Länder gibt es Religionsfreiheit nach westlichem Verständnis. Dieses Urteil fällte der Leiter der Evangelischen Karmelmission, Martin Landmesser, beim Jahresfest des Werkes in Schorndorf. Für den Islam sei Religionsfreiheit lediglich das Recht, die Botschaft Allahs zu propagieren. Muslime dürften den Islam nicht verlassen. Für sie gelte das Vorbild Mohammeds, der zum Töten von Personen aufgerufen habe, die sich vom Islam abwenden. Deshalb würden missionarische Aktivitäten von Christen konsequent bekämpft. Für Missionare sei die islamische Welt gefährlicher, als es kommunistische Diktaturen jemals gewesen seien. Auch im traditionell toleranten Indonesien spitze sich die Lage für Christen immer weiter zu, weil das islamische Recht in dem bevölkerungsreichsten islamischen Land flächendeckend eingeführt werde. (idea)
Der Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann, hat an diesem Dienstag bei einem Gottesdienst im Mainzer Dom eine Kreislaufschwäche erlitten. Er konnte den Gottesdienst nicht zu Ende feiern, sondern musste sich in einem Krankenhaus untersuchen lassen. Lehmann ist inzwischen aber wieder wohlauf und wird laut Bistum Mainz am Mittwoch seine Arbeit wieder aufnehmen. (pm)
Auf scharfe Kritik aus Kirche und Politik ist die vom ehemaligen Hamburger Justizsenator Roger Kusch geleistete Sterbehilfe an einer 79-jährigen Frau in Würzburg gestoßen. Angeblich hatte die Rentnerin Angst vor dem Pflegeheim und wollte lieber sterben. Deshalb hatte sie sich im April an Kusch und dessen Verein „Dr. Roger Kusch Sterbehilfe” gewandt. Kusch besuchte sie einmal und war dann am 28. Juni dabei, als die Rentnerin einen tödlichen Medikamentencocktail trank und wenig später – in Abwesenheit von Kusch – starb. Die Hamburger Staatsanwaltschaft hat ein Vorermittlungsverfahren gegen Kusch eingeleitet. Der Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke äußert im Interview mit dem Kölner Domradio heftige Kritik. Kusch zeige durchaus eine moralische Attitüde, befinde sich aber auf einem Irrweg. Mit medizinischem Beistand und juristischem Schutz, verklärt durch das Bild einer lächelnden Frau, die in den Alben der Familie blättere, handle es sich in Wirklichkeit um ein „makabres Spiel” mit dem Tod, verurteilt der Bischof das Vorgehen Roger Kuschs. (idea/domradio)

Afrika

Simbabwe
Im ägyptischen Scharm el Scheich beraten die Staats- und Regierungschefs der Afrikanischen Union weiter über die Lage in Simbabwe. Dabei zeichnet sich ab, dass die afrikanischen Staaten eine Lösung mit einer Einheitsregierung bevorzugen. Simbabwes Präsident Robert Mugabe jedoch lehnt nach seinem Sieg in der umstrittenen Stichwahl eine Koalitionsregierung nach dem Vorbild Kenias ab. Grosse Besorgnis über die Situation simbabwischer Flüchtlinge hat der Rat des Lutherischen Weltbundes (LWB) am Montag auf seiner Tagung in Arusha (Nordtansania) zum Ausdruck gebracht. Den Nachbarstaaten Simbabwes, die Flüchtlinge aufgenommen haben, wird in einer Erklärung für ihre Gastfreundschaft gedankt. (reuters/ap/pm)

Somalia
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz warnt vor einer Hungersnot in Somalia. Kämpfe, Dürre und die steigenden Nahrungsmittelpreise hätten verheerende Auswirkungen auf die Bevölkerung, sagte der Delegationsleiter Pascal Hundt in Genf. In den Kliniken der Organisation würden erste Anzeichen von Unterernährung festgestellt. Das Rote Kreuz hat diese Woche damit begonnen, 35 000 Tonnen Lebensmittel an eine halbe Million Menschen zu verteilen. Ein weiteres Problem in Somalia ist aber die fehlende Sicherheit. In der Hauptstadt Mogadischu, wo sich äthiopische Soldaten aufhalten, kommt es täglich zu Kämpfen. Auch humanitäre Organisationen sind dadurch unter Druck geraten. Das Konzept einer unabhängigen und neutralen humanitären Arbeit werde von den Konfliktparteien immer weniger verstanden, meint das Rote Kreuz. So wurden im Frühling drei niederländische Helfer von „Ärzte ohne Grenzen” bei einem Anschlag in der Hafenstadt Kismayo getötet. (pm)

Naher Osten

Iran
Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) und die Evangelische Nachrichtenagentur idea haben den iranischen Hauskirchenleiter Mohsen Namvar als „Gefangenen des Monats Juli” benannt und zur Unterstützung für ihn aufgerufen. Der 44-jährige Evangelist war am 31. Mai von acht Polizisten in seinem Haus in Teheran festgenommen worden. Die Polizei lehnt es nach Informationen des Hilfswerks „Open Doors“ ab, einen Grund für die Verhaftung zu nennen. Die Polizisten beschlagnahmten Computer, Bücher und Geld des Christen. Bereits im Frühjahr 2007 war der zweifache Familienvater in Haft gekommen, weil er Personen getauft hatte, die vom Islam zum Christentum übergetreten waren. Er wurde so stark mit Elektroschocks gefoltert, dass er vorübergehend nicht mehr gehen konnte. Ein Polizeioffizier drohte dem Hauskirchenleiter die Hinrichtung an, falls er weiter evangelisiere. Ein Expertenausschuss im iranischen Parlament berät derzeit über einen geplanten Strafrechtsartikel, der die Todesstrafe für Männer vorsieht, die den Islam verlassen. (idea)

Nahost
Der „Internationaler Rat der Christen und Juden” hat bei seiner Vollversammlung in Jerusalem einen neuen Vorstand gewählt. Nachfolger des katholischen US-Theologen John Pawlikowski wurde die israelische jüdische Theologin Deborah Weissman. Pawlikowski, der an der „Catholic Theological Union Graduate School” in Chicago lehrt, war Autor einer Erklärung der US-Bischöfe von 2002. In dem Papier wird ein klares Nein der katholischen Kirche zur Judenmission formuliert, wie es von Vertretern des Judentums immer wieder gefordert wird. Pawlikowskis Nachfolgerin Deborah Weissmann stammt ebenfalls aus den USA. Sie lebt seit 1972 in Jerusalem und ist auch Vize-Vorsitzende des interreligiösen Koordinierungsrates des Staates Israel. Zu Vizepräsidenten des Rates gewählt wurden Rabbi Ehud Bandel aus Melbourne und der katholische Theologe Phil Cunningham aus der US-amerikanischen Metropole Philadelphia. – Der christlich-jüdische Rat ist der Dachverband von 38 christlich-jüdischen Dialog-Plattformen. Sitz des Rates ist das Martin-Buber-Haus im hessischen Heppenheim. (kap)

Asien

Indien
Die Kirche übt scharfe Kritik an einer Empfehlung der nationalen Rechtskommission zugunsten aktiver Sterbehilfe. Der Sprecher der Indischen Bischofskonferenz, Babu Joseph, sprach am Montag in Bangalore von einer „unethischen und unmenschlichen Antwort” einer Regierungsbehörde auf eine menschliche Frage. Die Rechtskommission hatte der Regierung geraten, aktive Sterbehilfe zuzulassen. Die Empfehlung kann Auswirkungen auf schwebende Verfahren vor dem Obersten Gerichtshof haben, in denen die Legalisierung von Sterbehilfe gefordert wird. „Wenn eine Person nicht mehr in der Lage ist, sich selbst zu versorgen, oder all ihre Sinne verloren hat, und wenn es ihr tiefer Wunsch ist, diese Welt zu verlassen, so kann man sie nicht zwingen, unter Schmerzen weiterzuleben”, heißt es in der Empfehlung der Kommission. In solchen Fällen sei es grausam, Menschen nicht sterben zu lassen. (kna)

Nepal
Ein katholischer Ordenspriester ist im Osten des Landes mit einem Sprengsatz getötet worden. Zeugen geben an, dass in der Nacht zum Dienstag mehrere Bewaffnete in die Wohnung des 62-jährigen Salesianerpaters John Prakash in Siriya eindrangen. Kurz darauf sei eine Explosion erfolgt. Die Polizei vermute die Terroristengruppe „Terai Defence Army” hinter der Ermordung. Am Tatort wurden Flugblätter der Gruppe gefunden. Der Salesianer-Pater sei als Leiter einer katholischen Schule in der Vergangenheit mehrmals von der Terroristengruppe bedroht worden. Der aus Indien stammende Priester arbeitete seit zehn Jahren in Nepal; mit ihm lebten drei weitere Salesianer in Siriya. Laut „Asianews” handelt es sich um den ersten Mord an einem Priester in der Geschichte der katholischen Kirche in Nepal. Der Himalaya-Staat zählt nach Vatikan-Angaben rund 7.000 Katholiken - bei einer Gesamtbevölkerung von 25 Millionen. (asianews)

Ozeanien

Australien
In Sydney sorgen weitreichende Sondervollmachten der Polizei für den Weltjugendtag (WJT) für Empörung. Wie am Dienstag bekannt wurde, ermächtigt eine Sonderverordnung der Regierung von New South Wales die Sicherheitskräfte, Weltjugendtagsteilnehmer, die „Ärger” verursachen, festzunehmen und mit umgerechnet 3.300 Euro Geldstrafe zu belegen. Der Begriff „Ärger” ist in der Verordnung allerdings nicht genauer definiert. Bürgerrechtler und Anwälte kritisieren die vage Formulierung. Dadurch könnten WJT-Teilnehmer und Kritiker des Ereignisses zu Opfern polizeilicher Willkür werden. Die Verordnung erlaubt der Polizei auch die Durchsuchung von Personen an Ort und Stelle. Die Präsidentin der Anwaltskammer von New South Wales, Anna Katzmann, nannte die Sondervollmachten „unnötig und widerwärtig”. Der Bürgerrechtler Cameron Murphy sprach von einer potenziellen Quelle für Konflikte zwischen WJT-Teilnehmern und Polizei. Eine Parlamentsabgeordnete spottete, Exhibitionisten würden geringer bestraft. Die WJT-Organisatoren distanzierten sich von den Vollmachten. Sie hätten die Regierung „nicht gebeten, der Polizei für den WJT Sonderrechte einzuräumen”. (kna)


Die Quellen unserer Nachrichtensendung sind u.a. die Agenturen Kna, Kathpress, Ansa, Efe, Afp, Kipa, Reuters, Ap, ADN-Kronos, Upi, Cns, Uca, Misna, Osservatore Romano – die Vatikanzeitung in deutscher Sprache, sowie vatikaninterne Quellen. Der Newsletter ist nur zur persönlichen Information bestimmt. Grundlage für Zitate oder Übernahmen aus unserem Programm kann nicht unser Internetauftritt oder der Newsletter, sondern nur unser Radio-Programm sein. Die jeweils aktuelle Nachrichten- oder Magazinsendung von Radio Vatikan können Sie u.a. auf unserer Internetseite hören.

 






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