THEMEN DES TAGES:
Vatikan/Kolumbien: „Hoffnung auf mehr”
Papst Benedikt ist erleichtert und erfreut über die Befreiung von Ingrid Betancourt, die „Anlass zur Hoffnung” für Kolumbien gibt. Das sagte Vatikansprecher P. Federico Lombardi, als die Nachricht über die Rettung der heute 46-jährigen franko-kolumbianischen Politikerin aus sechsjähriger Geiselhaft Mittwoch Abend bekannt wurde. Eine Spezialeinheit des kolumbianischen Militärs hatte die insgesamt 15 Verschleppten, darunter auch drei US-Amerikaner, in der südlichen Dschungel-Provinz Guaviare mit einem Trick befreit. P. Lombardi: „Die Nachricht von der Befreiung Ingrid Betancourts und der anderen Geiseln ist eine Nachricht, die uns mit großer Freude erfüllt. Natürlich hoffen wir, dass es sich dabei um ein positives Zeichen handelt, dem andere dieser Art folgen werden. Denn unglücklicherweise leiden immer noch viele Personen auf dieselbe Art, infolge der Gewalttat einer Geiselnahme.”
Wie viele Personen die linksgerichtete kolumbianische Guerilla heute in ihrer Gewalt hat, ist ungewiss. Die Schätzungen reichen von 800 bis 3.000 Menschen. Papst Benedikt hatte oftmals zur Freilassung dieser Geiseln aufgerufen, zuletzt erst am Dienstag in einer Botschaft an die kolumbianischen Bischöfe, denen er zum 100-jährigen Bestehen ihrer Bischofskonferenz gratulierte.
„Der Appell des Papstes hat sein Ergebnis erbracht in dieser Befreiung, die wichtig, aber gleichzeitig begrenzt ist. Wir hoffen, dass alle diese Menschen die Freiheit wiedererlangen, und dass Kolumbien auf Frieden hoffen kann, auf eine Rückkehr zu einem Leben, das frei ist von der entsetzlichen Gewalt, die das Land seit langer Zeit quält.”
Die Kirche in Kolumbien versuchte stets eine Mittlerrolle zwischen Regierung und den FARC-Rebellen einzunehmen, erinnert der Botschafter Kolumbiens beim Heiligen Stuhl, Juan Gomez Martinez: „Die Bischöfe haben seit vielen Jahren die Situation in Kolumbien im Blick und versuchten, zu einer Lösung mit dieser gewalttätigen und terroristischen Guerilla-Gruppe zu gelangen. Das Handeln der Kirche war wichtig auf dem Weg zu einem definitiven Frieden in Kolumbien. Die wiederholten Botschaften des Heiligen Vaters zeigten uns, wie sehr er sich sorgt um die Lage in Kolumbien, und mit welchem Interesse er die Vorgänge dort verfolgt.”
Auch die kolumbianischen Bischöfe, die derzeit zu ihrer Vollversammlung in Bogota versammelt sind, begrüßten die Rettungsaktion. Dies sei eine „großartige Nachricht”, erklärte Kardinal Pedro Rubiano Saenz. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Luis Augusto Castro, sieht eine Chance auf ein Ende des bewaffneten Konflikts. Die Guerilla-Organisation müsse begreifen, dass nach einer Freilassung aller Geiseln die Tür für eine Verhandlungslösung offen stehe. (rv)
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Vatikan: Die Antwort der Traditionalisten
Die schismatische „Priesterbruderschaft St. Pius X.” wünscht „einen Dialog im lehrmäßigen Bereich” mit dem Heiligen Stuhl, einschließlich jener Punkte, in denen Meinungsverschiedenheiten bestehen. Das hat - laut einem Kommunique der Bruderschaft - deren Generalobere Bernard Fellay der Kommission Ecclesia Dei mitgeteilt, die im Vatikan für die mögliche Wiedereingliederung traditionalistischer Gruppen in die Kirche zuständig ist. Auch solche Fragen müssten Gegenstand des Dialogs sein, die, „wenn sie umgangen würden, das Risiko eines in der Überstürzung erarbeiteten kirchenrechtlichen Status nichtig machen würden”, heißt es in der Mitteilung der traditionalistischen Gruppe, die von dem später exkommunizierten Erzbischof Marcel Lefebvre gegründet wurde. Gleichzeitig erneuerte die Bruderschaft ihre Forderung nach einer Rücknahme der Exkommunikationsdekrete von 1988. Dies würde „die ruhige Gelassenheit eines solchen Dialogs begünstigen”. Franz Schmidberger, der Oberer des deutschen Distrikts der exkommunizierten Bruderschaft, äußert sich in einem „Mitteilungsblatts für den deutschen Sprachraum” zu den Aussichten einer Einigung mit Rom folgendermaßen: „Wir haben mit vereinten Kräften durch die Gnade Gottes das Motu Proprio des 7. Juli 2007 erbetet und erstritten. Wir wollen jetzt einen Kreuzzug beginnen für die Zurücknahme der Exkommunikationserklärung. Danach müssen Gespräche mit ernstem Bemühen um die volle katholische Wahrheit stattfinden.”
Die Bruderschaft geht in ihrer Stellungnahme ausdrücklich auf das von der Kommission Ecclesia Dei gestellte Ultimatum ein. Bis Ende Juni sollte die Gemeinschaft auf dort aufgelistete fünf Verpflichtungen reagieren, darunter jene zur „Ehrfurcht vor der Autorität des Stellvertreters Christi” und zum Verzicht auf „Darstellung der Bruderschaft als in Opposition zur Kirche stehend”. Der Charakter der vatikanischen Forderungen, so die Priesterbruderschaft, sei „sehr allgemein, um nicht zu sagen ungenau”. Die Bedingungen „scheinen eher ein günstiges Klima für einen zukünftigen Dialog im Auge zu haben als genaue Verpflichtungen bezüglich feststehender Punkte”. Die Priesterbruderschaft maße sich nicht an, „ein über dem Heiligen Vater stehendes Lehramt auszuüben”; noch suche man sich der Kirche zu widersetzen. In der Nachfolge ihres Gründers wolle die Bruderschaft „weitergeben, was sie selbst empfangen hat”.
Erzbischof Robert Zollitsch bedauert, dass die „Priesterbruderschaft St. Pius X.” die Aufforderung des Vatikans zur theologischen und kirchenpolitischen Aussöhnung vorerst zurückgewiesen hat. Die Forderungen Roms seien „grundlegend für das katholische Kirche-Sein und stellen keinerlei Diskriminierung oder Herabwürdigung dar”, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz am Donnerstag der Katholischen Nachrichten-Agentur. „Jeder, der den ehrlichen Wunsch hegt, in Gemeinschaft mit der katholischen Kirche zu leben, muss ihnen selbstverständlich zustimmen können.” Zollitsch betonte, dass die für die Traditionalisten zuständige Kommission „Ecclesia Dei” unter Kardinal Dario Castrillon Hoyos und auch Papst Benedikt XVI. sich in den vergangenen Jahren immer wieder um eine Aussöhnung bemüht und viele Brücken gebaut hätten. „Eine Brücke kann aber nur ihrer Funktion dienen, wenn sie auch von der anderen Seite her angenommen und benützt wird”, sagte Zollitsch. (rv/pm/kna)
Vatikan/Weißrussland: Bertone, volle Kraft voran
Zwischen Weißrussland und dem Heiligen Stuhl bahnen sich vielversprechende und positive Beziehungen an. Dieses Resümee zieht Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone nach einer Pastoralvisite in die frühere Sowjetrepublik. In der Hauptstadt Minsk hatte Bertone mit dem Präsidenten Alexander Lukaschenko, dem Außenminister und dem für Religion zuständigen Staatssekretär Gespräche geführt.
„Die Treffen waren sehr positiv, und wir haben konkrete Resultate erzielt: Es besteht die Aussicht auf ein Grundlagen-Übereinkommen mit Weißrussland, das beide Seiten natürlich gründlich prüfen müssen. Wir haben auch gute Erfolge zu verzeichnen, was etwa die Möglichkeit betrifft für den Bau neuer Kirchen, eines neuen Sitzes für die Apostolische Nuntiatur und eines neuen Bischofssitzes in Minsk. Es ging auch um die Anerkennung von Studienabschlüssen katholischer Institute. Der Präsident hat richtiggehend dazu ermutigt, höhere Bildungseinrichtungen zu gründen. Ich denke wirklich, dass wir in Weißrussland, so wie übrigens in den anderen Ländern Osteuropas auch, neue Wege eröffnet haben, die bis vor kurzem undenkbar schienen.”
Die Diplomatie des Heiligen Stuhles, so Bertone weiter, schreite „mit zwei Flügeln” voran. Das eine sei das pastorale Engagement, denn die päpstlichen Repräsentanten seien per Statut dazu verpflichtet, die Ortskirchen zu unterstützen. Das andere sei die Intensivierung der Beziehungen mit den zivilen und nationalen Autoritäten. Er selbst, so Bertone, bemühe sich auf seinen Pastoralreisen, die vom Papst angeordnet seien, in erster Linie darum, die Bischöfe und die Diözesen zu besuchen. Lobende Worte fand der Kardinalstaatssekretär für die ökumenischen Beziehungen sowie jene zwischen den verschiedenen Riten der katholischen Kirche in Weißrussland. „Ich würde fast sagen, es ist ein Moment geradezu idyllischer Übereinstimmung, des Respekts und der gegenseitigen Förderung der Initiativen der verschiedenen Kirchen”, so Bertone wörtlich. (rv)
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Russland: Akute Visa-Schwierigkeiten
Die Visa-Problematik für Kirchenleute in Russland bleibt dramatisch. Die Behörden legen ein neues Visa-Gesetz, das seit Oktober letzten Jahres in Kraft ist, im Fall katholischer Priester und Ordensleute besonders streng aus, und das bringt die Gemeinden dort in arge Bedrängnis, hat uns jüngst Bischof Clemens Pickel von Saratow in Südrussland berichtet.
„Russland zieht nach - so wie Europa Jahresvisa vergibt, die Person aber nur 90 Tage bleiben kann oder zweimal 90 Tage, so ist es nun auch bei uns. In fünf Tagen habe ich drei Anrufe von Priestern bekommen, die das Land verlassen müssen – plötzlich, für drei Monate. Das ist überraschend, weil die Priester noch normale Jahresvisa für 365 Tage haben. Aber die örtlichen Behörden halten das neue Gesetz schon für in Kraft, auch für die eigentlich noch gültigen Visa, und so kommt es, dass einer nach dem anderen das Bistum verlassen muss. Und ich muss sehen, was ich mit den Pfarreien mache. Ich habe keine Nachbarpfarreien, die das mitbetreuen können. Wir haben dreihundert, vierhundert, fünfhundert Kilometer zwischen den einzelnen Pfarrgemeinden, so dass die Gemeinden jetzt ziemlich in der Sonne stehen…”
Von der restriktiven Visa-Regelung nicht betroffen sind naturgemäß russische katholische Priester. Freilich gibt es davon nicht allzu viele. Bischof Pickel: „Ich habe vier. Wir sind 48 Priester im Bistum, davon sind vier Russen und 44 Ausländer. Von den Ausländern haben fünf die Aufenthaltsgenehmigung für immer. Aber knapp 40 sind auf Jahresvisa angewiesen, und das funktioniert zur Zeit sehr schlecht. Theoretisch könnte man sagen, die können sich doch über irgendwelche Kanäle eine Aufenthaltsgenehmigung besorgen. Aber in Russland ist das verbunden mit so genannten Quoten. Am Jahresanfang wird für jedes Gebiet eine Quote herausgegeben, dann dürfen z.B. 500 Ausländer aufgenommen werden. Aber die sind gegliedert in Computerleute, Mediziner, Bauarbeiter. Und Kirche ist da nicht drin! Das heißt für die Behörden, Kirche gehört nicht rein, es ist außerdem nicht unsere Kirche, denn die katholische Kirche wird als fremde Kirche empfunden. Deshalb haben wir zur Zeit wirklich ein ernsthaftes Problem.”
Ein Dauerbrenner ist in Russland das konfliktreiche Verhältnis zur orthodoxen Kirche. Auch wenn Bischof Pickel hier von Anzeichen einer Entspannung berichtet.
„Ein großes Problem war es vor sechs Jahren, als der Papst die Diözesen eingerichtet hat – also die Apostolischen Administraturen umbenannt hat, denn in der Praxis war es nichts weiter als eine Umbenennung. Damals gab es viele Schwierigkeiten und später dann Funkstille, was aber schon ein positives Zeichen war. Inzwischen gibt es Dialog auf verschiedenen Ebenen, ich habe gehört, wie etwa in Sankt Petersburg schon verschiedene Sachen laufen. Bei uns im Süden Russlands haben wir mehr Provinz, das heißt, manche Sachen im ökumenischen Bereich sind noch nicht durchgedrungen zu uns. Aber es scheint tatsächlich auf einem guten Weg zu sein.” (rv)
AUS UNSEREM ABENDPROGRAMM:
Pilgernde Inspektion in Sankt Paul vor den Mauern
Das Paulusjahr ist eröffnet. Und das Ziel entsprechender Pilgerfahrten, zumindest hier in Europa, ist Sankt Paul vor den Mauern in Rom. Von den vier Papstbasiliken hat allein diese einen Auftrag zur Ökumene. Am 31. Mai 2005 hatte Papst Benedikt XVI. mit einem Motu Proprio die dort ansässigen Benediktiner beauftragt, ökumenische Projekte zu entwickeln und zu fördern. Was es damit auf sich hat, und was sich die Mönche zum Paulusjahr für die Pilger ausgedacht haben, das wollten wir von P. Johannes Paul Abrahamowicz, dem Prior der Gemeinschaft wissen – er stammt übrigens aus dem niederösterreichischen Benediktinerstift Göttweig.
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Australien: Alles ist bereit für den Weltjugendtag
Nur noch wenige Tage bis zum großen Showdown in Sydney: Alles ist bereit für den 23. Weltjugendtag vom 15. bis 20 Juli. Insgesamt kommen aus Deutschland 6.000 und aus Österreich 750 Jugendliche zum Weltjugendtag nach Sydney. Die Bischöfe Australiens freuen sich auf den Großanlass, bei der auch Papst Benedikt XVI. teilnehmen wird. (rv)
Hören Sie hier einen Beitrag von Mario Galgano
Australien: Firmung eines Schweizers
Beim Weltjugendtag wird nicht nur gebetet und fröhlich gefeiert. Beim Abschlussgottesdienst spendet Papst Benedikt XVI. 24 junge Erwachsene höchstpersönlich das Sakrament der Firmung. Unter ihnen ist auch ein Schweizer: Der 24-jährige Baselbieter Student Dean Causevic freut sich auf diesen besonderen Moment in seinem Leben. Im Interview mit Radio Vatikan erzählt er mehr über diesen unvergesslichen Tag im Rahmen des Weltjugendtages. (rv)
Hören Sie hier den Beitrag von Mario Galgano
DIE NACHRICHTEN:
Vatikan
Papst Benedikt XVI. wird im italienischen Staatsfernsehen RAI eine Stunde lang aus der Bibel lesen. Am kommenden 5. Oktober trägt er das erste Kapitel aus dem Buch Genesis vor, informierte ein Sprecher des Senders. Die RAI wird in ihrem Programm einen kompletten Vorlesezyklus der Bibel in sieben Tagen und Nächten anbieten, zum Auftakt der Bischofssynode über die Heilige Schrift, die zeitgleich im Vatikan beginnt. Ob der Papst live oder voraufgezeichnet liest, steht noch nicht fest. Benedikt selbst habe aber eine Live-Ausstrahlung aus dem Apostolischen Palast angeregt, sagte der Sprecher. Den Abschluss der biblischen Mega-Lesung bildet das 22. Kapitel der Apokalypse, vorgetragen von Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone. Die Basilika Santa Croce in Gerusalemme in Rom gibt den Rahmen für die siebentägige Veranstaltung. (ansa)
Der als „Apostel der Aussätzigen“ bekannte Pater Damian de Veuster (1840-1889) kann heiliggesprochen werden. Papst Benedikt XVI. bestätigte am Donnerstag im Vatikan ein Dekret, mit dem die Heiligsprechungskongregation ein auf Fürsprache des belgischen Paters gewirktes Wunder anerkennt. De Veuster, Mitglied der „Ordensgemeinschaft von den Heiligsten Herzen Jesu und Mariens“ und Priester unter Leprakranken auf Hawaii, war 1995 von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen worden. Benedikt XVI. gab in einer Audienz für den Leiter der Heiligsprechungskongregation, Kardinal Jose Saraiva Martins, drei weitere Wunder und ein Martyrium zur Veröffentlichung frei. Außerdem erkannte er den heroischen Tugendgrad von acht Seligsprechungs-Kandidaten an, darunter die aus Wien stammende Ordensgründerin Barbara Maix (1818-1873) und der deutsche Augustinerpater Pius Keller (1825-1904). (kna)
Europa
Deutschland
Nach dem Skandal um Hamburgs Ex-Justizsenator Roger Kusch hält die Debatte um gewerbliche und organisierte Sterbehilfe an. Die Koalition streitet darüber, ob neue Gesetze Fälle wie diesen verhindern könnten. Der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann fordert, Kusch müsse für seine Tat zur Rechenschaft gezogen werden. Der frühere Politiker hatte bei einer 79-jährigen Pensionistin in Würzburg aktive Sterbehilfe geleistet. Das sei „menschenverachtend und wirklich verwerflich”, sagte Hofmann. Er frage sich, ob Kusch „überhaupt noch nichts vom christlichen Menschenbild gehört” habe. Der „Sterbehelfer” müsse „unbedingt zur Rechenschaft gezogen werden für das, was da geschehen ist.” Verantwortliche aus Politik, Kirche und Gesellschaft hatten den Fall von aktiver Sterbehilfe durch Kusch scharf kritisiert. In Deutschland werden Selbsttötungen und Beihilfe dazu nicht strafrechtlich verfolgt. Allerdings können Helfer anschließend wegen unterlassener Hilfeleistung belangt werden. (domradio)
Paare in Deutschland dürfen nach einem Zeitungsbericht ab 2009 kirchlich heiraten, ohne zuvor zum Standesamt gegangen zu sein. Wie die „Süddeutsche Zeitung” am Donnerstag meldete, ist die Neuregelung Teil des gänzlich neu gestalteten Personenstandsgesetzes, das der Bundestag von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt 2007 verabschiedete. Die Gesetzesänderung hat zur Folge, dass nicht nur eine kirchliche Voraustrauung, sondern auch eine Ehe ohne den Gang zum Standesamt möglich ist. Seit Einführung der Zivilehe in Deutschland 1875 musste die standesamtliche Hochzeit der kirchlichen vorausgehen. Die katholische Kirche sieht die Neuregelung skeptisch. Bei der Frühjahrsvollversammlung der Bischöfe im März in Würzburg hatte Kardinal Karl Lehmann darauf hingewiesen, dass die seelsorgerischen und gesellschaftlichen Folgen der Neuregelung genau zu bedenken seien. Grundsätzlich sei die Freigabe der kirchlichen Trauung eine alte Forderung der katholischen Kirche. In Österreich, wo die Nur-Kirchen-Ehe schon länger möglich ist, hat die Kirche angeordnet, dass kirchliche Hochzeiten ohne staatlichen Trauschein nur mit Ausnahmegenehmigung des Bischofs möglich sind. In Deutschland wurden 2006 laut „Süddeutscher Zeitung” rund 373.700 Ehen vor dem Standesamt geschlossen; rund 105.000 Paare gingen dann auch vor den Altar. (kna)
Österreich/Australien
Kardinal Christoph Schönborn und der österreichische „Jugendbischof”, Weihbischof Franz Lackner von Graz, reisen zum Weltjugendtag nach Australien. In Sydney halten beide schon im Vorfeld Katechesen für Tausende junger Katholiken, vor allem aus Mittel- und Osteuropa. Unter anderem steht eine Katechese zum Thema „Schöpfungsglaube und Evolution” auf dem Programm. Dass Kardinal Schönborn am selben Tag wie Papst Benedikt in Australien eintrifft, nämlich am 13. Juli, gibt örtlichen Medien Anlass zu Spekulationen. Der Wiener Erzbischof wird zunächst Gast der Diözese Lismore sein und dabei - ebenso wie mehr als 40 junge Leute aus Österreich - in der Pfarre Ballina wohnen. Medienberichten zufolge könnte Papst Benedikt seine drei geplanten australischen Urlaubstage - bevor er am 17. Juli nach Sydney kommt - ebenfalls in Ballina verbringen. Dafür gibt es keinerlei Bestätigung. Zum WYD vom 15. bis 20. Juli werden bis zu 250.000 Pilger aus aller Welt erwartet. Mit weiteren etwa 300.000 Teilnehmern rechnen die Veranstalter zur Papstmesse. Aus Österreich reisen 750 Jugendliche zum Weltjugendtag, aus Deutschland 6.000. (kap)
Russland
Es ist noch zu früh für einen Papstbesuch in Russland. Diese Einschätzung äußerte Erzbischof Paolo Pezzi von Moskau in einem Interview der Vatikanzeitung „L’Osservatore Romano”. Einem solchen Besuch müsste seiner Ansicht nach auch ein signifikanter Fortschritt in den Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und Moskau entsprechen, sagte Pezzi. Außerdem würde Benedikt XVI. wohl nicht ohne eine explizite Einladung von Seiten der russisch-orthodoxen Kirche reisen, glaubt der Erzbischof. Er verwies gleichzeitig auf Fortschritte im ökumenischen Dialog, etwa den jüngsten Rom-Besuch des Patriarchen Bartholomaios sowie Benedikts Reise nach Istanbul. (cna)
Großbritannien
Der schottische Kardinal Keith O'Brien hat an alle Mitglieder des britischen Parlaments geschrieben, um liberalere gesetzliche Abtreibungsregelungen zu verhindern. Der Erzbischof von Edinburgh appellierte in dem am Mittwoch veröffentlichten Schreiben an das Gewissen der Abgeordneten. Er rief dazu auf, gegen Anträge zu stimmen, die Abtreibung erleichterten. Ein Termin für die Abstimmung im Parlament steht noch nicht fest. Die Anträge sehen laut O'Brien unter anderem vor, Abtreibung bis zur 24. Schwangerschaftswoche zu erlauben. (kna)
Afrika
Simbabwe
Nach der „Wiederwahl” des Staatspräsidenten Robert Mugabe beklagt die katholische Kirche weiterhin Einschüchterungsmaßnahmen gegen Vertreter aus ihren Reihen. Mehrere Orden in Simbabwe wurden unter Druck gesetzt, auf Dienste für die Bevölkerung zu verzichten, berichtet die vatikanische Missionsnachrichtenagentur Fides. Mehrere Priester wurden tätlich angegriffen. Allerdings seien vereinzelt unter den Katholiken nicht nur Opfer, sondern auch Täter dieser Verbrechen gegen die Menschlichkeit, schreiben Angehörige des Jesuitenordens in einer Mitteilung. Unterdessen hat Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner angekündigt, die EU werde eine Regierung unter Mugabe „nicht akzeptieren”. Oppositionsführer Morgan Tsvangirai müsse die Regierung führen. Der MDC-Chef hatte Ende März die Präsidentschaftswahl gewonnen, aber - nach staatlichen Angaben - die absolute Mehrheit verfehlt. Bei der anschließenden Stichwahl hatte er sich angesichts der Gewalt gegen seine Anhänger zurückgezogen. (fides)
Naher Osten
Libanon
Die Bischöfe ärgern sich über die Langsamkeit, mit der die Verhandlungen über die Bildung einer Regierung vorangehen. Wegen seiner wirtschaftlichen Schwierigkeiten brauche der Libanon dringend ein handlungsfähiges Kabinett und könne sich keine Partei-Zänkereien leisten. Das steht in einem Appell der maronitischen Bischöfe aus Bkerke bei Beirut. Nachdem die monatelange Staatskrise nunmehr im wesentlichen gelöst sei, müssten die Politiker dringend die wahren Probleme der Libanesen angehen. Das sei an erster Stelle der Preisanstieg bei Gütern des täglichen Gebrauchs; eine Mehrheit der Libanesen lebe mittlerweile unterhalb der Armutsgrenze. (asianews)
Asien
Pakistan
Trotz Anfeindungen von radikalmuslimischer Seite verzeichnet ein Bischof Fortschritte bei der Evangelisierung. Die Seelsorgearbeit in seiner Diözese habe insbesondere die Einstellung zu Frauen verbessert, was einen prominenten Teil der Attraktivität der Kirche in Pakistan ausmache, sagte der Bischof von Hyderabad, Max Rodrigues. Vor noch nicht langer Zeit seien Frauen als Eigentum betrachtet und Mädchen nicht zur Schule geschickt worden. Das habe sich in seinem Bistum durch das Wirken des Pastoralteams zum Guten geändert. Das strenge Blasphemiegesetz in Pakistan bezeichnete der Bischof als „Schwert, das über unseren Köpfen hängt”. Auf die Beleidigung des Propheten Mohammed oder den Missbrauch des Korans stehen lebenslange Haft oder sogar die Todesstrafe. „Die Kläger brauchen ihre Anschuldigung nicht zu beweisen”, sagte der Bischof. „Viele dieser Fälle erreichen nicht einmal die Gerichte. Die Sache wird in der örtlichen Moschee bekannt gegeben, und dann kommt der Mob.” (cna)
Nepal
Hinter dem jüngsten Mord an einem Salesianer-Pater in Sirsia steckt kein religiöses Motiv. Das hat der Orden des Opfers bekannt gegeben. Der örtlichen Polizei zufolge hat eine neue bewaffnete Gruppe den Missionar ermordet, um an Geld zu kommen. Kurz zuvor hatte der Pater Bargeld an einer Bank behoben. Der 60-jährige Johnson Moyalan wirkte als Lehrer an einer Schule. Da die Täter, bevor sie flüchteten, das Ordenshaus mit einer Bombe verwüsteten, haben die Salesianer ihre Station vorerst verlassen. Es war das erste Mal, dass in Nepal ein Exponent der katholischen Kirche ermordet wurde. (misna)
Amerika
Brasilien
Führende Vertreter von Indianerstämmen aus dem Amazonasgebiet bitten den Papst um Hilfe. In einem Offenen Brief fordern sie die Ausweisung von illegalen Siedlern aus ihren Reservaten. Die Einrichtung dieser Reservate habe mehr als dreißig Jahre harter Kämpfe benötigt und viele Indianer-Führer sogar das Leben gekostet. Benedikt XVI. solle doch bitte Druck auf die brasilianische Regierung ausüben, damit die zugesprochenen Territorien wirklich den Ureinwohnern zur Verfügung stehen. (misna)