THEMEN DES TAGES:
Kolumbien/Vatikan: Günstiger Moment für Dialog mit der FARC
Papst Benedikt XVI. wird die nach sechs Jahren Geiselhaft befreite Ex-Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt aus Kolumbien in Audienz empfangen. Die Begegnung sei für kommende Woche geplant, ein genauer Termin stehe aber noch aus, sagte Betancourt in Paris. Eine solche Begegnung könne sie sich nicht entgehen lassen.
Der kolumbianische Präsident Alvaro Uribe hat die FARC-Rebellen aufgerufen, nach der Befreiung von Ingrid Betancourt weitere Geiseln freizulassen oder zumindest mit der Regierung zu verhandeln. Der Moment für einen solchen Dialog könnte günstig sein, glaubt Franz Hellige vom Lateinamerika-Hilfswerk der deutschen Bischöfe, Adveniat, im Gespräch mit dem Domradio Köln. (diverse/domradio)
Israel: Patriarch Twal warnt vor Entmutigung
Der neue Lateinische Patriarch von Jerusalem, Fouad Twal, hat die Christen im Nahen Osten aufgerufen, sich von negativen Erfahrungen der Vergangenheit und Gegenwart nicht entmutigen zu lassen. Er drängt zudem zu mehr Einsatz für die Ökumene im Heiligen Land. Der Jordanier übernahm das Amt vor kurzem von Patriarch Michel Sabbah, der es 20 Jahre innehatte. Twal kündigte im Vorfeld an, sich stärker auf die Seelsorge zu konzentrieren und „weniger auf die Politik”.
Das bedeute jedoch nicht, dass er die Zusammenarbeit mit Politikern meiden werde, betont der Lateinische Patriarch: „Wenn wir uns um den Menschen kümmern, ist es klar, dass die Politik das Leben dieser Menschen betrifft. Die Sorge um die Menschen haben wir mit der Politik gemeinsam. Die Zivilbehörden tun ihr möglichstes für die Würde, die Arbeit, die Gesundheit der Menschen. Wir bemühen uns unsererseits sowohl um die materielle Dimension, aber auch um die Freiheit, Würde und Spiritualität der Menschen. Als Religionsführer haben wir viel gemeinsam mit politischen Vertretern zu tun. Wir müssen unsere Bemühungen für das Wohlergehen der Menschen koordinieren, unabhängig von deren Religion, ob sie christlich, muslimisch oder jüdisch ist.”
Er selbst sei nicht immer so hoffnungsvoll wie jetzt gewesen, sagt Twal, der seinem Vorgänger Sabbah als Koadjutor zur Seite stand.
„Angesichts der dramatischen Lage hatte meine Ernennung als Koadjutor mich am Anfang erschreckt, in einer Situation ohne Zukunft, ohne Hoffnungsschimmer. Mit der Zeit habe ich aber erlebt, dass viele Freunde mir zur Seite stehen, dass ich nicht allein bin. Auch bei meinen Kontakten hier in Rom an der Kurie und mit dem Papst persönlich habe ich viel Unterstützung erfahren. Jetzt übernehme ich gern die Verantwortung.” (rv)
Deutschland: Entspannung an der Uni Eichstätt
Entspannung an der Katholischen Universität Eichstätt: Nach dem Streit der vergangenen Woche um das Amt des Hochschulpräsidenten hat die kommissarische Leitung nun ihr Amt angetreten. Zudem wurde beschlossen, künftig die Kirche soll bei der Wahl des Präsidenten stärker einzubinden. Die Studenten seien mit der Einigung zufrieden, auch wenn sie in der Vergangenheit von den jeweiligen Entwicklungen im Streit oft nur indirekt erfuhren, sagt die Eichstätter Studentin Jessica Weppler. Sie ist die wichtigste Studentenvertreterin an der Universität.
Der größere direkte Einfluss der Kirche auf die Universität rief Befürchtungen wach, dadurch könne die wissenschaftliche Unabhängigkeit der Hochschule untergraben werden. Jessica Weppler sieht dieses Risiko nicht. (rv)
Hören Sie in unserem Audio-Angebot das Gespräch von Pater Max Cappabianca mit Jessica Weppler
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DIE NACHRICHTEN:
Vatikan
Der Vatikan hat das Programm der für September geplanten Papstreise nach Frankreich veröffentlicht. Am Beginn der viertägigen Visite vom 12. bis zum 15. September trifft Benedikt XVI. Staatspräsident Nicolas Sarkozy im Elysée-Palast. Im Anschluss ist eine Begegnung mit jüdischen Vertretern vorgesehen. Am zweiten Tag wird der Papst vor dem Invalidendom eine Messe feiern und nach Lourdes weiterreisen. Anlässlich der 150-Jahr-Feiern der Marienerscheinungen in dem Wallfahrtsort in den Pyrenäen stehen ein Besuch an der Grotte von Massabielle und eine große Jubiläumsmesse auf dem Programm. Am letzten Tag ist ein Gottesdienst mit Kranken vorgesehen. (rv)
Europa
Deutschland
Der frühere Bischof von Trier, Reinhard Marx, hat vor wenigen Tagen von Papst Benedikt XVI. das Pallium als Zeichen seiner neuen Würde als Erzbischof von München und Freising, überreicht bekommen. Zudem wurde er in eine weitere Vatikanbehörde berufen. Die Bedeutung seiner neuen Erzdiözese macht sich an erhöhten Erwartungen an ihn bemerkbar, sagt der 54-jährige Marx gegenüber Radio Vatikan. (rv)
Die Hilfsorganisation „CARE“ warnt vor einer „dramatischen Verschlechterung der Versorgungslage” am Horn von Afrika. Die anhaltende Dürre, schwelende Konfliktherde und die rapide steigenden Lebensmittelpreise „könnten in den nächsten Monaten zu einer humanitären Katastrophe führen”, beklagte CARE-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Jamann in Bonn. Derzeit sind über 14 Millionen Menschen in den Gebieten Nordostafrikas auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Schlechte Hygienezustände in den Dürregebieten und den Lagern der Binnenflüchtlinge verschlimmern die Gesundheitslage zusätzlich. (pm)
Angesichts der anhaltenden Ernährungs- und Klimakrise fordert die evangelische Entwicklungshilfeorganisation „Brot für die Welt” entschiedenes Vorgehen der G8-Staaten gegen Hunger und Umweltzerstörung. „Der weltweite Hunger und die Klimakrise müssen endlich als strukturelle Probleme begriffen werden”, erklärte Bernhard Walter, Ernährungsexperte bei „Brot für die Welt”, im Vorfeld des G8-Gipfels vom 7. bis 9 Juli in Japan. Vor Ort wird auch die indische Partnerorganisation „Indian Social Action Forum” sein. Sie bezeichnet die beiden Krisen als „Zwillings-Tsunami” mit verheerenden Auswirkungen auf die Entwicklungsländer. (pm)
Der Hamburger Ex-Justizsenator Roger Kusch hat mit seiner Beihilfe zum Selbstmord bei einer 79 Jahre alten Frau die Debatte um gewerbliche und organisierte Sterbehilfe wieder angeheizt. Die Regierungskoalition streitet darüber, ob solche Fälle durch ein neues Gesetz verhindert werden können. Der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann fordert, Kusch müsse für seine Tat zur Rechenschaft gezogen werden. Zu einer Anklage aber wird es aber voraussichtlich nicht kommen. An die Kirchen appelliert Hofmann im Interview mit Domradio Köln, die Arbeit ihrer Senioren- und Pflegeheime besser in der Öffentlichkeit darzustellen und damit dem verbreiteten Negativbild vom Leben im Heim entgegenzutreten. (domradio)
Das neue „Islamische Wort” des Südwestrundfunks (SWR) kritisiert scharf die Einschränkung der Rechte der Frauen in „vielen” islamischen Gesellschaften. „Es ist leider eine traurige Tatsache, dass viele Frauenrechte im Laufe der islamischen Geschichte von zumeist patriarchal geprägten Gesellschaften teilweise oder vollkommen einkassiert worden sind”, erklärt die islamische Religionslehrerin Emina Corbo-Mesic auf der Internetseite des Wortprogramms „SWR cont.ra“. In vielen islamischen Gesellschaften herrschten heute vielerorts Zustände, die nach Meinung der Religionslehrerin mit dem Islam unvereinbar sind. (kna)
Der Philosoph Robert Spaemann hat die Wiederzulassung der „alten Messe” als neuen Reichtum für die Kirche bezeichnet. Gegenüber der KNA sprach er sich am Freitag in Stuttgart für ein bewussteres Nebeneinander der „alten” und der „neuen” Messe aus. Spaemann, der seit langem für den alten Ritus in lateinischer Sprache wirbt, sagte, eine solche Praxis wäre „unter den gegebenen Voraussetzungen die Normalität”. Katholische Liturgie stehe in einer zweitausendjährigen Tradition, die stets deutlich sein müsse. (kna)
Österreich
Eine erfolgreiche Bilanz zieht die Katholische Männerbewegung (KMB) für ihre Schwerpunktaktion „Football bridges the world”. Bei sportlichen Veranstaltungen sammelte sie während der Fußball-Europameisterschaft mehr als 10.000 Euro für hilfsbedürftige Kinder in Afrika und Lateinamerika. In 35 Orten Oberösterreichs wurden dazu karitative Fußballturniere und Sportfeste organisiert. (kap)
Großbritannien
Grundsätze der Scharia sollten nach Meinung des Obersten Richters für England und Wales eine Rolle in der britischen Gesetzgebung spielen. Vor allem in Schlichtungsverfahren will Lord Nicolas Phillips laut BBC das islamische Recht akzeptieren. Er sehe „keinen Grund dafür, dass die Scharia oder andere religiöse Regelsätze nicht Grundlage außergerichtlicher Einigungen“ sein könnten, meinte der Richter. Die Anwendung von Scharia-Grundsätzen, vor allem in familiären Streitigkeiten oder vertraglichen Angelegenheiten, sei keineswegs „radikal” und werde schon jetzt im britischen Recht berücksichtigt. (bbc)
Türkei
Die Hagia Sophia in Istanbul bleibt nach einer richterlichen Entscheidung als Museum für Besucher aus aller Welt geöffnet. Der Verwaltungsgerichtshof in Ankara blockierte damit den Versuch eines Kulturvereins, das fast 1500 Jahre alte Gotteshaus wieder als Moschee in Betrieb zu nehmen. Die Hagia Sophia sei ein gemeinsamer Kulturschatz der Menschheit, heißt es in der Begründung. Damit wiesen sie eine Klage gegen die türkische Kabinettsentscheidung vom 24. November 1934 ab, mit der das Bauwerk zum Museum erklärt worden war. Die Hagia Sophia wurde fast 1000 Jahre lang als Kirche genutzt und war seinerzeit die größte Kathedrale der Welt. (die welt)
Slowakei
Der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, wird am kommenden Sonntag den Abschlussgottesdienst der diesjährigen Wallfahrt nach Levoca in der Slowakei leiten. Die Wallfahrt auf den Marienberg oberhalb der Stadt ist die größte Wallfahrt der des Landes. Jährlich kommen Anfang Juli hunderttausende Gläubige in den ostslowakischen Pilgerort, der gemeinsam mit Lourdes, Fatima, Mariazell, Loreto und Tschenstochau zu den bedeutendsten europäischen Marienwallfahrtsorten gehört. (kap)
Ozeanien
Australien
Gegen umfassende Sondervollmachten der Polizei beim Weltjugendtag (WJT) in Sydney hat die australische Bürgerrechtsorganisation „NSW Council for Civil Liberties” (NSWCCL) Klage eingereicht. Sie reagierte damit auf die angekündigten strengen Sicherheitsbestimmungen. Australische Medien hatten berichtet, dass die Versammlungs- und Meinungsfreiheit während des kirchlichen Großereignisses eingeschränkt werden solle. Wer in dieser Zeit gegen die Kirche protestieren will, muss Transparente, Flugblätter, T-Shirts mit Slogans oder andere Aktionen vorab polizeilich genehmigen lassen. Auch dürften Sicherheitskräfte Teilnehmer, die „Ärger” verursachen, festnehmen und mit 3.300 Euro Geldstrafe belegen. Dabei ist der Begriff „Ärger” nicht genauer definiert. (kna)