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Meldungen vom 9.5.2008

- Friedenspreis für Pfarrer in Bethlehem -
- Papst betet für Armenier -
- Vatikan-Webseite jetzt auf Latein -


Verantwortlich: P. Eberhard v. Gemmingen SJ / Stefan von Kempis
Redaktion: Birgit Pottler

Redaktionsschluss 16.00 Uhr
Die folgenden Texte basieren auf unserer
Nachrichtensendung „Treffpunkt Weltkirche“ täglich um 16 Uhr.

THEMEN DES TAGES:

Deutschland/Nahost: Aachener Friedenspreis an Pfarrer von Bethlehem
Der internationale Aachener Friedenspreis geht in diesem Jahr an die israelische Frauenorganisation „MachsomWatch“ und den evangelischen Pfarrer der Weihnachtskirche in Bethlehem, Mitri Raheb. Die Preisträger engagierten sich auf vorbildliche Weise „von unten” für den Frieden im Nahen Osten heißt es zur Begründung.
„Ich stamme aus der Stadt, wo vor über 2.000 Jahren die Hoffnung geboren wurde”, sagt Mitri Raheb über seinen Geburts- und Arbeitsort: Raheb ist Pfarrer der 220 Seelen kleinen lutherischen Gemeinde Bethlehems. Sie ist nur eine winzige Minderheit unter den Christen, die selbst wiederum eine schrumpfende Minderheit in ihrer muslimisch geprägten Gesellschaft sind. Komplexe hat der Palästinenser deswegen nicht: Die Projekte, die der 46-Jährige aufzieht, tragen immer visionäre Züge.
„Die Idee war, dass ein Dialog zwischen Israelis und Palästinensern nicht funktioniert, wenn der Dialog innerhalb Palästinas und innerhalb Israels nicht funktioniert. Man sieht jetzt auch zum Beispiel anhand der Probleme zwischen Hamas und Fatah, wie wichtig es ist, dass die politische Kultur in Palästina verstärkt wird. Hier sehen wir unseren Beitrag.”
Kunst und Kultur sieht der Pfarrer als einen Weg, sich inmitten von Schwierigkeiten und Gewalt die eigene Identität, freies Denken und Kreativität zu bewahren. Er halte nicht viel davon, „den Christen hier alles auf einem goldenen Teller zu servieren”, sagt er mit Seitenblick auf westliche Hilfsprojekte, die seiner Ansicht nach eine bequeme Bettelkultur fördern. Vielmehr müsse man den Menschen Arbeit und eine Vision für die Zukunft zu geben. Christen seien keine Zuschauer: „Wir sollten, dürfen und müssten einen gesellschaftsbezogenen Beitrag leisten. Wir müssen über den Tellerrand hinausblicken.”
Das Heilige Land stehe jetzt an einem Scheidepunkt. Was den Friedensprozess angeht, ist der neue Träger des Friedenspreises nicht optimistisch. Er befürchtet den Zusammenbruch des derzeitigen Systems: „Ich denke, wir steuern voller Kraft in Richtung eines Apartheidsystems. Das Projekt Israel ist an der Besatzung gescheitert, und das Projekt Palästina ist ebenso gescheitert. Nur keiner von beiden, will das wahr haben. Ich vermute, dass wir noch zwei weitere Generationen unter einer ganz unmöglichen Situation leiden, bis das dann zusammenkracht. Das bedeutet aber nicht, dass wir aufgrund dieser pessimistischen Lage abhauen, zu Fundamentalisten werden oder in Konsumismus verharren. Mir gibt das im Gegenteil mehr Kraft: Die einzige Alternative die wir haben – auch wenn wir wüssten, dass die Welt morgen untergeht – ist, dass wir heute in den Garten gehen, in die Gesellschaft, und dort Olivenbäume pflanzen.” (domradio)
Hier zum Nachhören

Israel: Ein Tag ohne Probleme
Israel hat den 60. Jahrestag seiner Gründung am Donnerstag in heiterer und dankbarer Stimmung begangen. „Gott hat sein Versprechen erfüllt”, sagte Ministerpräsident Ehud Olmert in seiner Ansprache. „Wir, die Nachkommen Abrahams, haben das Land geerbt, wir haben die Wüste zum Blühen gebracht, wir haben es glorreich aufgebaut.” Die Feiern waren in der Nacht mit Feuerwerk, Lichtshows und Fanfarenklängen eingeläutet worden. Am Morgen demonstrierte die Armee ihre Lufthoheit und Fallschirmjäger sprangen ins Mittelmeer ab. Das Fernsehen sendete ein Bibel-Quiz und unterstrich damit die Bedeutung der Religion für den Staat, der 1948 von säkularen Zionisten gegründet worden war.
In Bethlehem versammelten sich Hunderte Palästinenser zu einem Marsch, um der „Nakba”, der Katastrophe, zu gedenken, die die israelische Staatsgründung aus ihrer Sicht bedeutet. 700.000 Menschen und damit die Hälfte der arabischen Bevölkerung Palästinas wurden vor 60 Jahren vertrieben oder flüchteten.
Der gebürtige Israeli und Franziskanerpater David Jaeger kommentiert gegenüber Radio Vatikan: „Israel versucht, die Beziehungen zwischen der jüdischen Mehrheit und der arabisch-palästinensischen Minderheit innerhalb seiner eigenen Grenzen zu justieren. Natürlich bleibt die Frage bestehen, inwieweit der in der Unabhängigkeitserklärung verbriefte demokratische Grundsatz mit der starken religiösen Ausrichtung zu vereinen ist. Die jüdische Mehrheit ist sehr daran interessiert, dass die religiösen Gesetze im Leben des Volkes eine starke Rolle spielen. Israel steht vor vielen Herausforderungen. Für einen Tag haben die Israelis sich sozusagen Urlaub von allen Problemen und Aufgaben genommen. Sie wollen schlicht für die Tatsache danken, dass es diesen Staat gibt.”
Die Christen und die Kirchen sind aus den Erfahrungen der Geschichte gefordert, das Existenzrecht des Staates Israel anzuerkennen und nach Kräften dafür einzutreten: Das betont der österreichische „Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit” aus Anlass des 60-Jahr-Jubiläums des Staates Israel. Am 14. Mai 1948, hatte der Jüdische Nationalrat unter der Führung von David Ben Gurion im Stadtmuseum von Tel Aviv die Unabhängigkeitserklärung verlesen. (rv/reuters/kap)
Hier zum Nachhören

Libanon: Bischof spricht von internationaler Frage
Der Libanon droht im Chaos und in einem neuen Bürgerkrieg zu versinken. Kirchenvertreter bitten um internationalen Beistand. Bei blutigen Straßenkämpfen brachte die schiitische Hisbollah-Miliz bis Freitag große Teile der muslimischen Viertel der Hauptstadt Beirut unter ihre Kontrolle. Mindestens elf Menschen wurden bei den Kämpfen zwischen der Hisbollah und ihren sunnitischen Gegnern getötet, die der prowestlichen Regierung nahe stehen. Es ist die schwerste Krise in dem Land seit fast 20 Jahren. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen forderte die rivalisierenden Parteien zu einer sofortigen Einstellung der Kämpfe und zur Aufnahme von Gesprächen auf.
Es wäre falsch, den Libanon jetzt sich selbst zu überlassen; alleine könne man die Spannungen nicht lösen, sagte der Bischof von Byblos, Béchara Rai, gegenüber Radio Vatikan: „Das ist eine internationale, nationale und regionale Frage. Die Sunniten bekommen Unterstützung aus Saudi-Arabien, Ägypten und den Vereinigten Staaten, die Schiiten aus dem Iran und aus Syrien. Leider stehen weder die libanesischen Sunniten noch die Schiiten mit allen, die sie jeweils unterstützen, für die Allgemeinheit. Denn die stille Mehrheit der Libanesen will einen Libanon der Verständigung und des gemeinsamen Zusammenlebens.”
Die wirtschaftliche Not und die schlechte Sicherheitslage schreibt der maronitische Bischof der politischen Krise zu: „Die Opposition lässt die Präsidentschaftswahlen nicht zu. Wir sind jetzt schon fünf Monate ohne Staatsoberhaupt. Das Parlament wurde geschlossen und ist nicht aktiv. Diese politische Situation paralysiert alles. Jetzt müssen uns die Staaten guten Willens helfen, um zum Beispiel eine Versöhnungskonferenz zu organisieren.”
Die Residenzen des sunnitischen Spitzenpolitikers Saad Hariri und des Drusenführers und scharfen Hisbollah-Kritikers Walid Dschumblat in West-Beirut wurden an diesem Freitag belagert. Ministerpräsident Fuad Saniora verschanzte sich in seinem von Polizei und Soldaten schwer bewachten Büro in der Innenstadt. (rv/ap)
Hier zum Nachhören

Burma: Kardinal Schönborn, „es geht ums Überleben”
Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) hat seine Hilfsflüge für die Opfer der Wirbelsturmkatastrophe in Burma an diesem Freitag ausgesetzt. Es begründete die Entscheidung mit den „inakzeptablen” Beschränkungen der Militärjunta für die Hilfslieferungen. Zuvor hatte Medienberichten zufolge die Regierung zwei Lieferungen festgehalten.
Die Vereinten Nationen gehen von mindestens 1,5 Millionen Hilfsbedürftigen in Folge der Naturkatastrophe aus. Nach offiziellen Angaben kamen knapp 23.000 Menschen in Burma durch den Zyklon Nargis ums Leben. Experten befürchten jedoch bis zu 100.000 Tote.
Die derzeit bekannten Zahlen seiten nur die Spitze des Eisbergs, sagt Paul Risley vom Welternährungsprogramm der UNO gegenüber Radio Vatikan: „Wir sind jetzt sozusagen am kritischen Punkt, wenn wir noch Menschen helfen oder Menschenleben retten wollen. Es ist dringend notwendig, dass Hilfsdienste jetzt vor allem im Delta Zugang bekommen. Jede Stunde, jeder Tag ist in dieser Situation entscheidend.”
20 Tonnen Reis und vier Tonnen weitere Lebensmittel verteilte das Welternährungsprogramm bereits in der Region Laputo, doch bislang könne nur ein kleiner Teil der überschwemmten und von Epidemien bedrohten Gebiete versorgt werden. Das abgeschottete, von Militärs regierte Land sperrt sich seit Tagen, ausländische Hilfe für die Opfer der Sturmkatastrophe anzunehmen. Burma sei nicht bereit, Erkundungsteams, Hilfskräfte und Journalisten aus dem Ausland zu empfangen, sagte Außenminister Nyan Win. Materielle Hilfe ja, Experten und Hilfspersonal im Land nein. Paul Risley, Asienexperte beim Welternährungsprogramm: „In einer Situation wie dieser bräuchte jedes Land der Welt Hilfe von Außen, nicht nur ein Land wie Burma. Es braucht Experten, die wissen wie Nahrungsmittel und andere humanitäre Hilfsleistungen schnell und effizient in die extrem schwer zugänglichen Gebiete gebracht werden können. Das bedeutet auch, Brücken reparieren oder Boote einsetzen, um besseren Zugang zu bekommen. Für solche Dinge brauchen wir Beobachtern mit besonderem Fachwissen.”
Weltweit rufen die Hilfswerke indes zu Spenden auf. Auch die Caritas in Wien startete am Freitag die Hilfsaktion „Wir helfen Burma!”. „Die Menschen brauchen dringend unsere Hilfe”, so der Wiener Caritasdirektor Michael Landau: „Mit nur 25 Euro können wir ein Überlebenshilfepaket für eine fünfköpfige Familie für eine Woche schnüren - mit zwölf Kilo Reis und einem Liter Öl. Bitte helfen Sie uns helfen!”
Der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, bittet um die Hilfe der österreichischen Bevölkerung. In einem gemeinsamen Brief mit Caritasdirektor Landau ruft er die Pfarren der Erzdiözese Wien auf, am kommenden Sonntag auch für die Menschen in Burma zu sammeln. „Wir appellieren an die burmesische Regierung, internationale Hilfe zuzulassen. Für die Betroffenen geht es ums Überleben”, so Schönborn. Landau ergänzte, am Wichtigsten seien jetzt sauberes Wasser und Nahrung für die Betroffenen.
Trotz der verheerenden Folgen des Wirbelsturms will die Militärjunta das für Samstag vorgesehene Referendum zur Verfassung in den meisten Landesteilen wie geplant abhalten. Die offizielle Zeitung „New Light of Myanmar” rief alle Wähler auf, sich an der Abstimmung am Samstag zu beteiligen und mit „Ja” zu stimmen. Laut Militärjunta soll die Annahme einer neuen Verfassung den Weg für „Mehrparteien-Wahlen” im Jahr 2010 freimachen. Die Opposition kritisiert jedoch, der Text solle die Macht der Armee noch stärken, die das Land seit 1962 mit eiserner Faust regiert. (rv/kap/afp/ap)
Hier zum Nachhören


AUS UNSEREM ABENDPROGRAMM:

Österreich/Schweiz: Kirche am Ball
Nicht im Abseits stehen will die katholische Kirche während der Fußball-Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz. Sie startet eine Offensive und bietet vor wie während der Euro 08 ein breites kirchliches Rahmenprogramm.
Diese Woche gab es dafür sogar den päpstlichen Segen. Das Motto: „Kirche 08 – am Ball seit 2008 Jahren”. (rv)
Hier der Beitrag zum Lesen und Hören von Birgit Pottler

Mexikaner weit weg vom Weltjugendtag
In drei Monaten machen sich Jugendliche aus aller Welt auf zum Weltjugendtag in Sydney. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, aber Australien liegt nicht um die Ecke. Für viele Jugendliche bleibt Sydney ein Traum. Beispiel Mexiko: Noch immer eines der katholischsten Länder weltweit -und 34 Millionen Mexikaner sind jünger als 30. Doch nur wenige haben vom Weltjugendtag gehört. Tut die Kirche nicht genug, um die Jugend zu mobilisieren? Ein Beitrag von Brigitte Schmitt. (rv)
Hier zum Nachhören


DIE NACHRICHTEN:

Vatikan

Benedikt XVI. und der armenische Patriarch Karekin II. haben für die Opfer des Völkermords 1915 bis 1917 gebetet. Bei einer ökumenischen Feier im Apostolischen Palast an diesem Freitag erinnerten sie an die Massaker an den Armeniern zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts. Die Geschichte der Kirche des Landes sei „in den kontrastierenden Farben von Verfolgung und Martyrium, Dunkel und Hoffnung, gemalt”, sagte Papst Benedikt in seiner Ansprache an Karekin und die Delegation armenischer Bischöfe. Der Kirche vor Ort versichere er seine Solidarität im Streben nach Gerechtigkeit und Frieden. Gemeinsam bete man für die Einheit der Christen. Der Heilige Geist führe die Kirche auf oft unerwarteten Wegen, betonte Benedikt mit Verweis auf das Pfingstfest am kommenden Sonntag. Theologischer Dialog und ökumenische Zusammenarbeit brauchten die Unterstützung durch das Gebet. (rv)
Die katholische Kirche sei bereit, der anglikanischen Weltgemeinschaft dabei zu helfen, ihre Einheit zu bewahren. Das sagte Kardinal Walter Kasper, Präsident des Päpstlichen Einheitsrates, am Donnerstag in Rom. Für diese Einheit müsse man beten, ob sie gelinge, hinge weder von ihm noch vom Primas der Anglikanischen Kirche ab. Kardinal Kasper und Erzbischof Rowan Williams hatten gemeinsam an der Einführung des neuen Anglikaner-Repräsentanten in Rom teilgenommen. Beide betonten, man müsse im ökumenischen Dialog über „wechselseitige Freundschaft” hinauskommen. Man könne sich stetig weiter annähern und voneinander lernen. - Die Leitung des „Anglican Instituts of Rome“ übernimmt David Richardson, zuletzt Dekan der Anglikanischen Kathedrale von Melbourne in Australien. Die anglikanische Kirche befinde sich in einer bisher nicht da gewesenen Krise, hatte Primas Williams Anfang der Woche gegenüber Radio Vatikan bestätigt. Die derzeitigen Diskussionen um die Priester- und Bischofsweihe für Frauen sowie die Bischofsweihe für bekennend Homosexuelle belasten auch den ökumenischen Dialog. (rv)
Die Webseite des Heiligen Stuhles www.vatican.va ist ab sofort auch auf Latein verfügbar. Neben den bisherigen modernen Sprachen Italienisch, Englisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch und Deutsch sind die wichtigsten vatikanischen Dokumente nun unter „Sancta Sedes latine” auch in der klassischen Kirchensprache auffindbar. Die erste Rubrik, „Summi Pontifices”, reicht zurück bis Papst Johannes XXIII., allerdings stammen die frühesten angeführten Dokumente in dieser Rubrik aus dem Pontifikat Johannes Paul I. Die Vulgata ist auf der Lateinseite ebenso verfügbar wie der gesamte Katechismus der Katholischen Kirche, der Codex Iuris Canonici (das Kirchenrecht) und zahlreiche Dokumente des II. Vatikanischen Konzils sowie der römischen Kurie. Das Layout des lateinischen Webauftritts unterscheidet sich von dem der anderen sechs Sprachen. Letztere zeigen auf der Einstiegsseite einen winkenden Papst Benedikt und die Kolonnaden des Petersplatzes. Dagegen ziert die lateinische Seite ein Foto des deutschen Papstes, der mit dem Füllhalter am Schreibtisch ein Dokument verfasst. Benedikt XVI. gilt als großer Freund und Förderer des Lateinischen. (rv)
Die Vatikan-Zeitung „L’Osservatore Romano” wendet sich an China. Auf der Titelseite der Freitagsausgabe ist auf Chinesisch die Rede abgedruckt, die Papst Benedikt XVI. am Mittwochabend nach dem Konzert des China Philharmonic Orchestra im Vatikan hielt. Erst auf Seite sieben folgt die italienische Übersetzung der Grußansprache an das Orchester, das zu seinen Ehren Mozarts Requiem aufführte. Benedikt XVI. selbst hielt die Ansprache in der Nervi-Halle auf Italienisch und Englisch, sprach am Ende aber einen Gruß auf Chinesisch. (kna)

Europa

Deutschland
Der Münchner Erzbischof Reinhard Marx hat die Linke zur Aufarbeitung ihrer kommunistischen Vergangenheit aufgefordert. Ein Teil von ihr habe immerhin die Nähe zu einem totalitären System gesucht, sagte Marx am Freitag in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in München. Er würde sich wünschen, dass die Partei „auch zu ihrem Versagen in der kommunistischen Diktatur steht”. Ein in Deutschland sich entwickelndes Fünf-Parteien-System beurteilte der Erzbischof mit Blick auf die politische Lobbyarbeit der Kirche zurückhaltend. Grundsätzlich müssten demokratische Parteien fähig und willens sein, miteinander kompromissbereit Politik zu machen. Die Nähe zur Kirche bestimmten sie selbst. „Da kann es sein, dass ein Anliegen wie etwa der Sonntagsschutz bei der einen Partei besser aufgehoben ist als bei der anderen.” Marx sagte, ihn freue, dass alle Parteien großes Interesse an regelmäßigen Gesprächen mit der Kirche zeigten. Es sei aber auch wichtig, dass es in bestimmten Parteien noch viele engagierte Christen gebe, die auch kirchlich ansprechbar seien. „Das ist besonders bei der CDU/CSU der Fall.” (kna)
Der Deutsche Caritasverband hat eine Grundgesetzänderung angeregt, um auch künftig an der Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe festzuhalten. Die Hilfe aus einer Hand habe sich bewährt, heißt es in einer Pressemitteilung vom Donnerstag. Das Bundesverfassungsgericht hatte im Dezember die Struktur der für Hartz IV zuständigen Arbeitsgemeinschaften aus Arbeitsagenturen und Kommunen (ARGEn) als Mischverwaltung für unvereinbar mit der Verfassung erklärt und die Politik zur Neuordnung verpflichtet. Die Neuorganisation müsse sich an den Erfordernissen arbeitsuchender Menschen orientieren, so die Caritas. An diesem Freitag befasst sich eine Sonderkonferenz der Arbeits- und Sozialminister der Länder mit dem Thema. Nach Angaben der Caritas erhalten in Deutschland derzeit sieben Millionen Menschen Leistungen der Grundsicherung für Arbeitssuchende. (pm)
Der Vorsitzende des Hochschulrats der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt hat den Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke in Schutz genommen. Helmut Altner sagte gegenüber der in Würzburg erscheinenden katholischen Tageszeitung „Die Tagespost” (Samstagsausgabe), es gebe angesichts der Irritationen um die Ernennung eines neuen Präsidenten der Universität keinen Anlass, speziell am Eichstätter Bischof Kritik zu üben. Altner wörtlich: „Ich erlebe den Großkanzler Bischof Hanke als einen außerordentlich behutsamen und an einer positiven Entwicklung enorm interessierten Vertreter der Kirche.” Altner räumte allerdings ein, dass es bei dem Berufungsverfahren für einen neuen Präsidenten „unselige Situationen” gegeben habe. „Es hat Kommunikationsprobleme gegeben, die in der Grundordnung der Universität ihre Wurzeln haben.” Es sei seines Erachtens wichtig, so Altner, dass der Träger künftig rechtzeitig deutlich mache, wenn ein Kandidat als problematisch angesehen werde. „Ein Verfahren sollte vermeiden, dass im Nachhinein Bedenken mitgeteilt werden, die viel früher hätten kommuniziert werden können”, so Altner. (pm)
Ein weltumspannendes Projekt für Frieden und Gerechtigkeit, der „Run4Unity” wird am kommenden Samstag an 300 Orten weltweit zum zweiten Mal durchgeführt. Im Jahr 2005 hatten sicht 100.000 junge Teilnehmern daran beteiligt. Die Aktion der weltweit tätigen Fokolar-Bewegung soll Menschen unterschiedlicher Länder, Konfessionen und Religionen verbinden. Unter anderem werden sich Jugendliche in Zwochau bei Berlin, Osnabrück und Karlsruhe auf den Weg machen. Hier sind Muslime dabei und eine Abordnung aus Frankreich. Das Konzept: eine Stunde in Bewegung sein, ob mit Fahrrad, Kanu oder Skater; rennen, laufen, hüpfen, Fußball spielen oder Geschicklichkeitsspiele machen. Um 17.00 Uhr geben die Teilnehmer aus Deutschland die Staffel symbolisch in die folgende Zeitzone der Welt weiter. - Sie ist ein 182 Ländern vertreten, und hat weltweit 141.400 Mitglieder und über zwei Millionen Freunde. Neben Katholiken gehören ihr Christen aus 350 Kirchen und Glaubensgemeinschaften sowie Gläubige anderer Religionen und Menschen unterschiedlicher Weltanschauungen an. (pm)

Deutschland/China
Zum Abschluss seiner Deutschland-Reise will der Dalai Lama am 19. Mai kurzfristig auch Berlin besuchen. Neben Gesprächen mit Mitgliedern des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages werde das geistliche Oberhaupt der Tibeter am Nachmittag auch bei einer Solidaritätskundgebung am Brandenburger Tor sprechen, sagte der Sprecher der Tibet Initiative Deutschland (TID), Boris Eichler, am Donnerstag der Katholischen Nachrichtenagentur in Berlin. Wegen der aktuellen Lage in Tibet habe der Dalai Lama sein Vortragsprogramm vom 16. bis 18. Mai in Süd- und Westdeutschland um eine Unterredung mit Bundestagspolitikern erweitert, so der TID-Sprecher. (kna)

Schweiz
Religionsflüchtlinge sollen als Flüchtlinge im Sinne internationaler Konventionen anerkannt werden. Dafür plädiert der deutsche Religionshistoriker Hans Maier in der Neuen Züricher Zeitung. Die Beschränkung allein auf „politische Flüchtlinge” sei in der heutigen Situation weltfremd und illusionär. In einigen Regionen nehme die Christenverfolgung zu, etwa im Irak, in der arabischen Welt oder im islamischen Afrika sowie in Indien, Thailand, Nordkorea, China, Pakistan und Iran. Deshalb sollten Religionsflüchtlinge die gleiche Rechte wie politische Flüchtlinge haben. Zudem müsse neben dem Recht auf Religionsfreiheit auch eine weltweit geltende Konversionsfreiheit für alle Menschen mögliche sein, schreibt Maier. Diese müsse vor allem das das Recht einräumen, die eigene Religion ohne Gefahr für Leib und Leben wechseln zu dürfen. Nach Schätzungen erleiden weltweit über 200 Millionen Christen Diskriminierungen, schwerwiegende Benachteiligungen und Anfeindungen. (kipa)
„Die christliche Minderheit im Irak fühlt sich von der ganzen Welt im Stich gelassen!” Das beklagten der chaldäische Erzbischof von Kirkuk, Louis Sako, und der emeritierte Erzbischof von Erbil, Jacques Ishaq, an diesem Freitag in Freiburg. Die beiden irakischen Kirchenführer sprachen auf Einladung der dortigen theologischen Fakultät in Zusammenarbeit mit dem schweizerischen Hilfswerk „Basmat al-Qarib”. Sie riefen die Christen des Westens auf, kleine Projekte für die irakische Bevölkerung zu unterstützen, damit die Massenauswanderung der Christen aus dem Irak gestoppt werden könne. Derzeit leben nach Angaben von Erzbischof Sako noch maximal 350.000 Christen im Irak. (apic)

Afrika

Kenia
Die Kirchen rufen zum Dialog mit den Anführern der Mungikisekte auf. Verhandlungen zwischen den Politikern und der fanatischen Sekte aus dem Kikuyu-Volk seien der einzige Weg, die wochenlangen Proteste und Kämpfe zu beenden, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von Katholiken, Presbyterianern und Anglikanern. Das Mungiki-Problem sei zutiefst mit der sozialen Struktur des Landes verwoben. Ihre Mitglieder seien zwar durchschnittlich gebildet, lebten aber am Rand der Gesellschaft in extremer Armut. - Anfang April starben bei Protesten mindestens 12 Menschen. Zuvor war die Frau des inhaftierten Sektenführers ermordet und verstümmelt aufgefunden worden war. Die verbotene Sekte besteht hauptsächlich aus jungen Arbeitslosen aus dem Stamm der Kikuyu, der größten Volksgruppe Kenias. Der religiösen Gruppierung mit politischen Verbindungen werden zahlreiche Verbrechen zur Last gelegt, darunter eine Mordserie seit März vergangenen Jahres in Nairobi und Zentralkenia. (misna/rv)

Ozeanien

Australien
Die Organisatoren des Weltjugendtages haben an diesem Freitag offiziell das Kernprogramm der kirchlichen Großveranstaltung bekannt gegeben. Demnach wird Papst Benedikt XVI. am 17. Juli - wie schon beim Jugendtreffen in Köln - mit dem Schiff im Hafen von Sydney eintreffen. Höhepunkt und Abschluss des Glaubensfestes vom 15. bis 20. Juli ist eine große Papstmesse auf dem Gelände der Pferderennbahn von Randwick. Den Gottesdienst zum Auftakt des WJT feiert Sydneys Kardinal George Pell. In den Tagen dazwischen sind Katechesen an 250 verschiedenen Orten, Kulturveranstaltungen und ein Jugendfestival geplant. Unter anderem werden Jugendliche zur Sterbestunde Jesu am Freitag Nachmittag den Kreuzweg an wichtigen Gebäuden und Plätzen der australischen Hafenstadt beten. (pm/agi)

Amerika

Kuba
Die Kirchenzeitung des Erzbistums Havanna hat die kubanische Regierung aufgefordert, die Veränderungen im Land weiter voranzutreiben. Ein langer Artikel benannte Regierungschef Raul Castro als den einzigen, der die politischen, sozialen und wirtschaftlichen Probleme des Landes lösen könne. Da er einer der führende Köpfe der Kubanischen Revolution war, sei er in der besonderen Position, den Horizont für Kuba zu erweitern, schreibt die Zeitung. Führende Intellektuelle und die katholische Kirche hätten bereits ihre Zuversicht ausgedrückt und ihre Anliegen in einem Klima des Vertrauens und gegenseitigen Respekts bei der Regierung vorgebracht. In der Bevölkerung befürworte man eine schrittweise Veränderungen, um die Stabilität des Landes und die soziale Absicherung nicht zu gefährden, heißt es weiter. Raul Castro wurde Anfang dieses Jahres zum Präsidenten gewählt und übernahm damit nach fast 50 Jahren die Regierungsgeschäfte des sozialistischen Staates von seinem Bruder Fidel Castro. (cna)


Die Quellen unserer Nachrichtensendung sind u.a. die Agenturen Kna, Kathpress, Ansa, Efe, Afp, Kipa, Reuters, Ap, ADN-Kronos, Upi, Cns, Uca, Misna, Osservatore Romano – die Vatikanzeitung in deutscher Sprache, sowie vatikaninterne Quellen. Der Newsletter ist nur zur persönlichen Information bestimmt. Grundlage für Zitate oder Übernahmen aus unserem Programm kann nicht unser Internetauftritt oder der Newsletter, sondern nur unser Radio-Programm sein. Die jeweils aktuelle Nachrichten- oder Magazinsendung von Radio Vatikan können Sie u.a. auf unserer Internetseite hören.

 






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