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Tagesmeldungen vom 11.5.2008

- Papst fordert Ende der Gewalt im Libanon -
- Benedikt: Seid „Instrument des Friedens“ -
- Nahost: Todenhöfer fordert KSZE-Prozess -


Verantwortlich: P. Eberhard v. Gemmingen SJ / Stefan von Kempis
Redaktion: Silke Schmitt

Redaktionsschluss 16.00 Uhr
Die folgenden Texte basieren auf unserer
Nachrichtensendung „Treffpunkt Weltkirche“ täglich um 16 Uhr.

THEMEN DES TAGES:

Papst fordert Ende der Gewalt im Libanon
Mit einem eindringlichen Appell hat Papst Benedikt XVI. am Pfingstsonntag dazu aufgerufen, der Gewalt im Libanon ein Ende zu setzen. Nach dem österlichen Mittagsgebet Regina Coeli sagte der Papst vor mehreren tausend Pilgern auf dem Petersplatz: „Ich habe in den vergangenen Tagen mit tiefer Sorge die Situation im Libanon beobachtet, wo dem politischen Stillstand erst verbale Gewalt und dann gewaltsame Auseinandersetzungen mit vielen Toten und Verletzten folgten. Auch wenn sich die Spannung in den letzten Stunden löste, so halte ich es heute für meine Pflicht, die Libanesen dazu aufzufordern, jede Logik aggressiver Gegenpositionen aufzugeben, die ihrem geliebten Land nicht wieder gut zu machende Schäden zufügt.”
Benedikt XVI. sieht für den Libanon nur eine Möglichkeit: „Der Dialog, das gegenseitige Verständnis und die Suche nach einem vernünftigen Kompromiss sind der einzige Ausweg, der dem Libanon seine Institutionen und dem Volk die nötige Sicherheit für einen würdigen Alltag und die Hoffnung auf Morgen zurückgeben kann.”
Benedikt XVI. äußerte den Wunsch, dass die Libanesen auf die Fürsprache der Muttergottes des Libanon, die in Harissa über Beirut thront, auf ihre Berufung mutig zu antworten wissen. Ihre Berufung, „für den Nahen Osten und die ganze Welt ein lebendes Beispiel für das friedliche und konstruktive Zusammenleben der Völker zu sein”, so Benedikt XVI. Er forderte alle Gläubigen dazu auf, für den Heiligen Geist der „Einheit und der Einigkeit” zu beten, der die Menschen zum Frieden und zur Versöhnung führe: „Die unterschiedlichen Gemeinschaften, die den Libanon zusammensetzen – daran erinnert auch das post-synodale Schreiben „Eine neue Hoffnung für den Libanon” – sind zur gleichen Zeit ‚Reichtum, Ureigenheit und eine Schwierigkeit. Aber den Libanon leben zu lassen, ist die gemeinsame Aufgabe aller seiner Bewohner’.” (rv)

Papst: Christen sind „Instrument des Friedens”
Am Pfingstsonntag hat Benedikt XVI. im Petersdom die traditionelle Pfingstmesse gefeiert. Er zeigte in seiner Predigt, wie die Kirche durch den Heiligen Geist geschaffen wurde. Aus dem kleinen Kreis der Apostel wurde die Gemeinschaft, die ausgreift bis an die Grenzen der Erde – nämlich das damalige Rom.
Pater Eberhard von Gemmingen fasst die Predigt zusammen

Papst: “Komm, Heiliger Geist”
Heute betete Benedikt XVI. noch das österliche Regina Coeli – ab nächster Woche hören wir am Sonntag um 12.00 Uhr wieder den Angelus. Zum Abschluss der Osterzeit wünschte der Papst auch allen Pilgern seiner Muttersprache ein gesegnetes Fest.
„Frohe Pfingsten!” rufe ich allen deutschsprachigen Pilgern und Besuchern hier auf dem Petersplatz zu. Besonders grüße ich die vielen jungen Menschen, unter ihnen die Gruppen der Fokolar-Bewegung und der Gemeinschaft Sant’Egidio. „Komm, Heiliger Geist!” ist der Bittruf der heutigen Liturgie. Dazu ist es nötig, dass wir selbst ihm unsere Herzenstüren öffnen, damit er das Kalte und Erstarrte in uns wegnehme und uns die stille Kraft der göttlichen Liebe schenke. Gottes Geist führe euch auf Wegen des Friedens und des Heils!” (rv)
Hier zum Nachhören mit dem Segen des Papstes

Nahost: Todenhöfer fordert KSZE-Prozess
60 Jahre Israel. Heitere und gelöste Feiern starteten diese Woche im Staat selbst; Premierminister Ehud Olmert zitierte aus der Bibel und sprach von göttlicher Vorsehung. In den Palästinensergebieten sind noch bis Mitte der Woche Protestmärsche geplant. Am 14. Mai 1948 hatte David Ben Gurion die Unabhängigkeit Israels ausgerufen. Rund 760.000 Palästinenser mussten in der Folge ihre Heimat verlassen.
Pater Eberhard von Gemmingen SJ hat aus diesem Anlass mit Bestsellerautor Jürgen Todenhöfer gesprochen. Der frühere CDU-Sprecher für Rüstungskontrolle und Entwicklungspolitik will mit dem Autorenhonorar seines aktuellen Buches „Warum tötest du Zaid?” im Mittleren Osten unter anderem ein israelisch-palästinensisches Versöhnungsprojekt finanzieren.
Die Frage an Jürgen Todenhöfer: Was wünschen Sie dem Staat Israel zum 60. Geburtstag?
„Ich wünsche Israel Frieden und die Freundschaft seiner arabischen Nachbarn. Das ist die Vorraussetzung. Die Zukunft Israels ist nicht gesichert, wenn es in Feindschaft mit seinen unmittelbaren und weiter entfernten arabischen Nachbarn lebt, sondern nur, wenn es gelingt, Freundschaft mit den arabischen Nachbarn zu schaffen. Ich glaube, dass das Problem des Mittleren Ostens - das gilt nicht nur für den Palästina-Konflikt - nicht durch Kriege und Terroranschläge gelöst werden kann, sondern nur durch Verhandlungen. Aber nicht nur Verhandlungen zwischen Palästinensern und Juden: Wir brauchen für den gesamten Mittleren Osten, dessen Probleme alle miteinander verknüpft sind, so etwas wie eine KSZE, die es damals zwischen dem Ostblock und dem Westen Anfang der siebziger Jahre bis Ende der achtziger Jahre gab. Dieser KSZE-Prozess, eine Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit, hat nach 16, 18 Jahren in Europa Frieden geschaffen. Ein Frieden den niemand für möglich hielt. Und genau so müssen sich die Führer des Mittleren Ostens auf einer KSZE für den Mittleren Osten an einen Tisch setzten. Das heißt, da muss der israelische Premierminister mit dem iranischen Staatspräsidenten und dem König von Saudi-Arabien und dem Präsidenten Assad von Syrien und mit den gewählten Vertretern Palästinas zusammenkommen und alle müssen bereit sein, diese Probleme zu lösen.”
Spielt die „Würde” der Araber, das „Ernst nehmen”, eine besondere Rolle?
„Das Ernstnehmen der Würde ist für mich die zentrale politische Errungenschaft des Christentums: dass die Würde jedes einzelnen Menschen zu achten ist. Deswegen ist die Formel, mit der eine solche Mittler-Osten-Konferenz geführt werden müsste von Seiten des Westens, ,Wir müssen die muslimischen Staaten genauso fair und genauso großzügig behandeln, wie wir zurecht Israel behandeln.’ Und das ist der Schlüssel des Problems. Das Problem ist einfach nicht mehr durch Anschläge von Palästinensern und durch Kriege von Israelis zu lösen.”
Ist der Westen dumm? Oder gibt es im Westen so viele Kräfte, die den Frieden nicht wollen?
„Das ist eine sehr gute Frage. Ich glaube, dass sehr viel von dem Chaos, das im Mittleren Osten stattfindet, mit Ignoranz des Westens zusammenhängt; auch damit, dass man offensichtlich die Erfahrungen des Ost-West-Konfliktes vergessen hat, und dass sehr viele Politiker glauben, es gäbe nur die Alternative zu bombardieren oder zuzuschauen. Aber es gibt zu diesen beiden inakzeptablen Lösungen, die zur Zeit überall auf der Welt eingeschlagen werden, eine Alternative - und die heißt: verhandeln.” (rv)
Hier zum Nachhören

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DIE NACHRICHTEN:

Europa

Deutschland
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, hat die Christen zu mehr tatkräftigem Engagement in der Gesellschaft aufgerufen. Sie sollten sich nicht als Zaungäste verstehen, sondern als Mitgestalter, sagte Zollitsch am Sonntag in seiner Pfingstpredigt im Freiburger Münster. Es gehe darum, Gottes Geist zu trauen und die notwendigen Schritte zu wagen. Der Freiburger Erzbischof betonte zugleich, bei allem Suchen und Ringen der Kirche nach dem richtigen Weg sei entscheidend, dass sie heutzutage „eine sich versammelnde, eine auf Gottes Wort hörende und damit eine betende Kirche” sei. Sie sei kein „religiöser Verein”, sondern „eine Gemeinschaft des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, die durch den Heiligen Geist” geeint werde. Dieses geschwisterliche Miteinander fordere „unser aller Verantwortungsbewusstsein”, sagte Zollitsch. (kna)
Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat einen umfassenderen Schutz der Familie gefordert. Im Interview mit dem Deutschlandfunk am Sonntag bezeichnete er es als „schlimm”, dass die Familie weitgehend unter dem Gesichtspunkt der Ökonomie gesehen werde. Nicht die Familie müsse sich dem ökonomischen Tun anpassen, sondern umgekehrt, forderte er. Die Familie sei das „Abbild des dreifaltigen Gottes”. Sie habe somit eine theologische Grundlage und sei nicht ein gesellschaftlich gewachsenes Gebilde, so Meisner. Deshalb gebühre ihr „aller Schutz und alle Förderung, die nur denkbar ist, damit auch das gesellschaftliche Leben, das ökonomische Leben und das kulturelle Leben gedeihen kann.” Wer sich an der Familie vergreife, vergreife sich an der Kultur des Menschen, sagte Meißner. Angesichts von Abtreibungen und einer großen Zahl von Auswanderungen müsse die Politik endlich aufwachen. Wörtlich sprach Meisner von den Deutschen, als einem „geistvergessenen Volk”, das seine Kinder tötet. (dr/diverse)

Italien
Der deutsche Kurienkardinal Paul Josef Cordes hat am Pfingstsonntag seine römische Titelkirche San Lorenzo in Piscibus in Besitz genommen. Die romanische Kirche des vatikanischen Jugendzentrums San Lorenzo war dem Präsidenten des Päpstlichen Rates Cor unum bei der Kardinalserhebung am 24. November 2007 als Titel-Diakonie zugewiesen worden. Cordes gehörte in den frühen 80er Jahren zu den Gründern des Jugendzentrums, das in einer Seitengasse neben dem Petersdom liegt. (rv)

Afrika

Sudan
Im Sudan ist es zu heftigen Gefechten zwischen Regierungstruppen und Rebellen aus der Provinz Darfur gekommen. Wie das staatliche Fernsehen berichtet, verhängte das Militär eine nächtliche Ausgangssperre über die Hauptstadt Khartum, nachdem Aufständische einen westlichen Vorort angegriffen hatten. Am Freitag und Samstag hatten sich die Aufständischen Gefechte mit der sudanesischen Armee in der Provinz Kordofan geliefert, die an Khartum grenzt. Nach neuen internationalen Schätzungen sind in dem Darfur-Konflikt in den vergangenen fünf Jahren rund 200.000 Menschen getötet worden. Zudem wurden mehr als zwei Millionen Menschen mit Gewalt aus der westsudanesischen Provinz vertrieben. (diverse)

Naher Osten

Libanon
Nach mehrtägigen Kämpfen in der libanesischen Hauptstadt zieht die schiitische Hisbollah-Miliz ihre Kämpfer aus Beirut zurück. Die Miliz kommt damit einer Aufforderung der Armeeführung nach. Die Kampagne des zivilen Ungehorsams werde aber fortgesetzt, bis alle Forderungen erfüllt seien, hieß es in einer Erklärung. Die libanesische Militärführung hatte kurz  zuvor die verfeindeten Milizen zum Rückzug aus Beirut aufgerufen. Auf die Aufforderung von Ministerpräsident Fuad Siniora, Recht und Ordnung wieder herzustellen, reagierte die Militärführung zurückhaltend. Die Hisbollah hatte seit Donnerstag die muslimischen Stadtteile Beiruts unter ihre Kontrolle gebracht. Bei neuen Gefechten im Libanon kamen abermals mehrere Menschen ums Leben. Am Sonntag beraten in Kairo die Außenminister der Arabischen Liga über die Lage im Libanon. (dw)

Nahost
Der Grenzübergang Rafah zwischen dem Gaza-Streifen und Ägypten ist vorübergehend wieder geöffnet. Seit Anfang Februar konnte die Grenze an dieser Stelle nicht passiert werden. Die Öffnung gehe auf eine Vereinbarung mit der Regierung in Kairo zurück, teilte die radikal-islamische Hamas mit. Rafah bleibe zwei weitere Tage offen, an denen Verletzte und Kranke den Gaza-Streifen für Arztbesuche verlassen könnten. Gleichzeitig griff die israelische Armee im Süden des Gaza-Streifens Polizeistationen der radikalen Palästinenserorganisation Hamas in den Ortschaften Rafah und Chan Junis an. Dabei wurden mehrere Palästinenser getötet. Der Einsatz war eine Reaktion auf den Beschuss des israelischen Grenzgebiets mit Mörsergranaten. Dabei war am Freitag ein Israeli getötet worden. (dw)

Israel
Mehrere hundert Jerusalemer Christen haben am Samstagabend mit einem ökumenischen Gottesdienst an die Opfer des ersten arabisch-israelischen Krieges von 1948 erinnert und für den Frieden gebetet. Der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Michel Sabbah, mahnte die Palästinenser in seiner Predigt, trotz aller Schwierigkeiten die Hoffnung auf ein Ende des seit 60 Jahren andauernden Konflikts nicht aufzugeben. Dabei müssten alle Beteiligten aus der Vergangenheit lernen, um nicht immer wieder in alte Fehler zurückzufallen. Bevor sie internationale Hilfe zur Lösung des Konflikts forderten, müssten die Christen sich selbst darum bemühen, „das Licht der Liebe in die Dunkelheit zu tragen”, sagte Sabbah. Gott habe dem jüdischen Volk „das gelobte Land verheißen”, erklärte der scheidende Patriarch. Doch damit verbunden sei der Auftrag, diesem Land Frieden und Liebe zu bringen. Sabbah wird voraussichtlich im Juni sein Amt an seinen designierten Nachfolger Fuad Twal übergeben. (kna)

Asien

Burma
Während in Birma Hunderttausende Opfer der Zyklon-Katastrophe um das Überleben kämpfen, hat die Militärregierung eine Volksabstimmung über ihre umstrittene Verfassung abgehalten. Nur in einigen stark betroffenen Bezirken wurde die Abstimmung um zwei Wochen verschoben. Amnesty international (AI) hat diesen Schritt scharf kritisiert. Die Organisation werte das Festhalten an der Abstimmung als weiteres Zeichen dafür, dass die Regierung das Wohl des Volkes missachte, erklärte die Menschenrechtsorganisation am Freitag in London. Sie rief die internationale Gemeinschaft auf, den Verfassungsentwurf in keiner Weise anzuerkennen. Die neue Verfassung soll der Militärführung unter anderem die Kontrolle wichtiger Ministerien sichern. Inzwischen begannen die Machthaber mit der Verteilung internationaler Hilfsgüter. Die Vereinten Nationen schickten drei weitere Flugzeuge und mehrere Lastwagen voller Hilfsgüter. Ausländische Katastrophenexperten dürfen aber weiterhin nicht einreisen. Bei seinen Bemühungen um Hilfslieferungen für die Wirbelsturmopfer in Birma hat das Rote Kreuz durch ein Schiffsunglück einen schweren Rückschlag erlitten. Das erste Rote-Kreuz-Boot mit Gütern für mehr als 1000 Menschen sank am Sonntag kurz bevor es sein Ziel im schwer verwüsteten Irrawaddy-Delta erreichte. Das doppelstöckige Frachtboot habe offenbar einen unter Wasser liegenden Baumstamm gerammt, sagte ein Sprecher der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC) in Bangkok. Die Mannschaft und die vier birmanischen Rotkreuz-Mitarbeiter konnten sich in Sicherheit bringen, doch das Schiff sei untergegangen. Die Weltgesundheitsorganisation warnte angesichts des unsauberen Trinkwassers und ansteckender Krankheiten vor einer „zweiten Todeswelle”. Das Kinderhilfswerk Unicef beklagte am Samstag, die Situation der Kinder in Birma werde immer schwieriger. Tausende Kinder hätten ihre Eltern verloren oder seien von ihnen getrennt worden. In der Ortschaft Myaing Mya seien schätzungsweise 2.000 unbegleitete Kinder zusammen mit 15.000 Obdachlosen aus der völlig zerstörten Stadt Laputta in Notunterkünften untergebracht. Derzeit verhandle Unicef mit den lokalen Institutionen, um so rasch wie möglich spezielle Kinderzonen in den Lagern einzurichten. (pm/reuters/dw)


Die Quellen unserer Nachrichtensendung sind u.a. die Agenturen Kna, Kathpress, Ansa, Efe, Afp, Kipa, Reuters, Ap, ADN-Kronos, Upi, Cns, Uca, Misna, Osservatore Romano – die Vatikanzeitung in deutscher Sprache, sowie vatikaninterne Quellen. Der Newsletter ist nur zur persönlichen Information bestimmt. Grundlage für Zitate oder Übernahmen aus unserem Programm kann nicht unser Internetauftritt oder der Newsletter, sondern nur unser Radio-Programm sein. Die jeweils aktuelle Nachrichten- oder Magazinsendung von Radio Vatikan können Sie u.a. auf unserer Internetseite hören.

 






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