Meldungen vom 13.5.2008
- Kirche in China erklärt Solidarität -
- Ökumene „so nah wie nie” -
- Rosenkranzbeten mit dem Papst -
Verantwortlich: P. Eberhard v. Gemmingen SJ / Stefan von Kempis
Redaktion: Birgit Pottler
Redaktionsschluss 16.00 Uhr
Die folgenden Texte basieren auf unserer
Nachrichtensendung „Treffpunkt Weltkirche“ täglich um 16 Uhr.
THEMEN DES TAGES:
China: „Eine Tragödie.” Kardinal Zen fordert Hilfen
Nach dem Erdbeben im Südwesten Chinas sind am Dienstag nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur „Xinhua” in einem einzigen Bezirk noch mindestens 10.000 Menschen unter den Trümmern begraben gewesen. Nach dem starken Nachbeben in der Nacht ist die Zahl der Toten inzwischen auf 12.000 gestiegen. Das Epizentrum des Bebens ist noch immer nicht zugänglich. Laut Xinhua sind rund eine halbe Million Häuser im Katastrophengebiet eingestürzt.
Die US-Erdbebenwarte stufte die Stärke des Bebens vom Montag mittlerweile von 7,8 auf 7,9 hoch. In der Nacht gab es immer wieder Nachbeben.
Auch Klöster und Kirchen wurden zerstört, genaue Opferzahlen gibt es keine. Der Leiter des Pressedienstes Asianews, Pater Bernardo Cervellera berichtet: „Die Straßen sind zerstört und sämtliche Kommunikationsmöglichkeiten unterbrochen. Aus einigen Zonen gibt es noch keinerlei Nachrichten über Tote, Verletzte und weitere Schäden. Insgesamt gilt: Die Bilanzen sind noch mehr als provisorisch.”
Die Überlebenden befürchten weitere Beben und kehren nicht in die bewohnten Gebiete zurück. Nahrungsmittel und Decken würden daher am meisten benötigt. Pater Cervellera befürchtet, dass die Ressourcen des Militärs diesmal nicht ausreichen. Ob kirchliche Organisationen Chinas tätig werden dürfen, hält der Asienexperte für fraglich:
„Sie haben gewöhnlich sehr genau abgesteckte Entwicklungs- und Alphabetisierungsprogramme oder betreiben Sanitätsdienste in bestimmten Dörfern. Ich kann nicht sagen, ob die Regierung Chinas ihnen die Genehmigung erteilt, jetzt Soforthilfe zu erteilen. Angesichts dieser Zerstörung, dieses Desasters, braucht es nicht nur Menschenkraft sondern auch technische Mittel und modernes Wissen – ich befürchte, dass es diesmal schwierig sein wird für China, sich alleine zu helfen. Aber das Land hat die Kraft – numerisch wie wirtschaftlich – um sich dieser Katastrophe zu stellen. Aber es wäre natürlich ein schönes Zeichen, wenn sich China für internationale Helfer öffnen würde – an Image würde es gewinnen.”
Kirchenvertreter versichern ihre Solidarität. Hongkongs Kardinal Zen Ze-Kiun sagte gegenüber Radio Vatikan:
„Das ist wirklich eine Tragödie. Diese Region ist sehr arm. Und ich hoffe wirklich, dass alle etwas tun, um den Menschen dort zu helfen. Auch die Kirche wird alles tu, aber wir brauchen Unterstützung von internationalen Hilfsorganisationen, so wie Burma. Auch das hier ist tragisch. Die Kirche in Hongkong wird Kontakt aufnehmen mit Caritas international und dem Roten Kreuz in China. Wir sind im Gebet mit den Menschen verbunden, der Herr möge helfen.” (rv)
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Vatikan: Audio-Rosenkranz mit Papst Benedikt
13. Mai: Vor 27 Jahren verübte Ali Agca das Attentat auf Johannes Paul II., das tödlich hätte enden sollen. Der Papst selbst schrieb sein Überleben der Fürsprache der Mutter Gottes von Fatima zu, die am 13. Mai 1917 erstmals erschienen war. Zum fünften Mal kommt zu diesem Gedenktag die Madonnenstatue von Fatima nach Rom. In einer Prozession wurde sie zum Vatikan getragen, Kardinalvikar Camillo Ruini wird am Nachmittag dort Gottesdienst feiern.
Wie sein Vorgänger ist auch Papst Benedikt XVI. ein großer Marienverehrer. Radio Vatikan veröffentlicht jetzt Tonträger mit allen vier Geheimnissen des Rosenkranzes - gebetet von Benedikt XVI. selbst.
Zahlreiche Anfragen von Hörern und verschiedenen katholischen Radiosendern hätten dazu veranlasst, erklärt Vatikansprecher Pater Federico Lombardi SJ. Auch von Johannes Paul II. hatte es ähnliche Aufnahmen gegeben.
„Der Papst hat in einer der Kapellen des Apostolischen Palastes den Rosenkranz auf Latein gebetet, wir haben aufgezeichnet und er hat uns bei der Verwirklichung des Werkes unterstützt. Auf Latein, denn wir haben Anfragen nicht nur aus Italien, sondern viele natürlich auch aus Deutschland und anderen Ländern. Latein können im Kontext des Rosenkranzgebets viele leicht verstehen – es ist die Sprache der Kirche.
Benedikt XVI. ist ein großer Marienverehrer. Er betet jeden Tag mit seinen Sekretären beim Spazierengehen den Rosenkranz. Er lädt uns also geradezu dazu ein, dieses einfache und bescheidene Gebet zu sprechen, das alle beten können und uns hilft, die Geheimnisse des Lebens Christi zu betrachten - gemeinsam mit Maria, dem Menschen, der Christus am nächsten war.” (rv)
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Deutschland: Acht Tage bis zum Katholikentag
In acht Tagen geht er los: Der 97. deutsche Katholikentag im Bistum Osnabrück. Er steht unter dem Leitwort „Du führst uns hinaus ins Weite”. Die Schwerpunktthemen sind Jugend, Umwelt und sozialer Friede, rund 1.000 Veranstaltungen sind dazu vom 21. bis 25. Mai angesetzt.
Sie Hören einen Vorabbericht von Andreas Meese; er sprach mit Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff, dem Gastgeberbischof Franz-Josef Bode, dem Präsidenten des veranstaltenden Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Hans Joachim Meyer, und einigen Teilnehmern. (pm)
Hier der Bericht zum Hören
DIE NACHRICHTEN:
Vatikan
Der Vatikan wird auf der Expo präsent sein. Auf der Weltausstellung, die vom 14. Juni bis zum 14. September in der spanischen Stadt Saragossa stattfindet, präsentiert sich der Heilige Stuhl in einem Pavillon zum Thema „Wasser und nachhaltige Entwicklung”. Das geht aus einer Mitteilung des Vatikanischen Pressesaals von diesem Dienstag hervor. Der Präsident des Päpstlichen Rates für Migranten und Menschen unterwegs, Kardinal Renato Raffaele Martino, und der Erzbischof von Saragossa, Manuel Ureña Pastor, werden das Projekt am kommenden Montag im Vatikan vorstellen. (rv)
Vatikan/Italien
Kurienkardinal Renato Raffaele Martino hat Pläne der neuen italienischen Regierung zu einem härteren Vorgehen gegen illegale Einwanderer kritisiert. Er frage sich, ob es möglich sei, gegen den Text der UNO-Menschenrechtserklärung zu handeln, sagte Martino im Interview mit der italienischen Tageszeitung „Il Messaggero” (Dienstag). In der Konvention seien Freizügigkeit und Auswanderungsfreiheit klipp und klar als Rechte festgeschrieben, so der Präsident des Päpstlichen Rates „Iustitia et Pax”. Der Staat habe die Aufgabe, die Zuwanderung in „harmonischer und solidarischer Weise” zu regulieren, so Martino weiter. Er nannte es eine Ironie, dass die geplanten Sanktionen gegen illegale Migranten in Italien mit den 60-Jahr-Feiern der internationalen Menschenrechtserklärung zusammenfielen. (kna/pm)
Europa
Deutschland
Bayerns evangelischer Landesbischof Johannes Friedrich sieht die Ökumene auf gutem Weg. Der heutige Stand zeige: „So nah waren wir uns noch nie”, sagte der Bischof in der Münchner Matthäuskirche. Trotz der Unterschiede im Amtsverständnis, in der Gestaltung von Gottesdiensten oder in der Leitung der beiden großen Kirchen gebe es mehr Gemeinsamkeiten. Als Beispiel verwies Friedrich auf die gegenseitige Anerkennung der Taufe. Vor allem die Zustimmung der katholischen Kirche zu dieser Vereinbarung zwischen elf Kirchen in Deutschland im vergangenen Jahr sei ein wichtiges ökumenisches Signal gewesen, so Bischof Friedrich. (dr)
Spitzenpolitiker in Deutschland und Europa meiden den Kontakt zum Dalai Lama. Das schreibt der Asien-Referent der Gesellschaft für bedrohte Völker, Ulrich Delius, in einer Mittelung an die Presse. Es sei ein Armutszeugnis für die Menschenrechtspolitik, dass weder Außenminister Frank-Walter Steinmeier, noch Bundespräsident Horst Köhler Zeit finden, den Dalai Lama zu empfangen. Das Oberhaupt der Tibeter kommt am Freitag zu einem Besuch in die Bundesrepublik. Zuvor hatten bereits die EU-Außenminister aus Rücksicht auf die Beziehungen zu China abgelehnt, den Dalai Lama zu einem Ministerratstreffen einzuladen. Auch der britische Premierminister Gordon Brown wird den Dalai Lama nur als religiösen Würdenträger, nicht aber als Staatsoberhaupt empfangen. Angesichts der Menschenrechtsverletzungen in Tibet kritisierte die Gesellschaft für bedrohte Völker dieses Vorgehen. Europas Politiker sollten mehr Standvermögen gegenüber Peking zeigen und sich nicht vorschreiben lassen, mit wem sie reden dürfen. (pm)
Deutschland/Burma
Die katholische Kirche in Thailand hat nach Informationen des Bischöflichen Hilfswerks Misereor Grünes Licht für einen Hilfsflug nach Burma erhalten. Die Botschaft des Landes in Thailand habe der Sozialkommission der thailändischen Bischofskonferenz bereits am Freitag eine entsprechende Zusage gegeben, sagte Misereor-Pressereferent Michael Mondry der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Aachen. Das Flugzeug werde in den kommenden Tagen starten. Der von Misereor finanzierte Flug soll Nahrungsmittel und weitere Hilfsgüter für 5.000 Menschen überbringen, fügte Mondry hinzu. Es bestehe die Hoffnung, dass weitere Lieferungen zugelassen werden. (kna/kipa)
Österreich
„Wir brauchen gute Hirten und Priester, die den Menschen nahe sind.” Das betonte Kardinal Christoph Schönborn am Pfingstmontag bei der Bischofsweihe des neuen Wiener Weihbischofs Stephan Turnovszky im Stephansdom. Turnovszkys Hauptaufgabe wird die Begleitung der Priester sein. Der ausgebildete Chemietechniker betonte in seiner ersten bischöflichen Ansprache am Ende des Weihegottesdienstes das Doppelgebot der Gottes- und Nächstenliebe. Er wolle ein Bischof sein, „der den Menschen nahe ist und bleibt”, sagte der neue Weihbischof. Der 44-Jährige betonte, dass er auch für jene Menschen Interesse haben möchte, „die von der Kirche wenig erwarten”. (pm/kap)
Afrika
Kenia
Die Regierung des Landes will einen Spendenfond für Flüchtlingsfamilien ins Leben rufen. Während der Unruhen nach den Präsidentschaftswahlen waren nach Schätzungen 300 000 Menschen vor der um sich greifenden Gewalt im Land geflohen. Freiwillige, ausländische Regierungen und Unternehmen sollen sich nun an dem Hilfsfond beteiligen. Nach Agenturangaben konnten bereits 59.000 Menschen durch ein Heimkehrerprojekt wieder in ihre Städte und Dörfer zurückkehren, rund 70.000 leben noch in improvisierten Flüchtlingslagern. Die Regierung hat indes angekündigt, die Völkerrechtsverletzungen im Land hart bestrafen zu wollen. Die prekäre Lage der Flüchtlinge ist das dringendste Problem der noch jungen Koalitions-Regierung in Kenia. (misna)
Asien
Burma
Helfer und Augenzeugen zeichnen ein immer düstereres Bild von der Lage im Land. Mehr als eine Woche nach dem verheerenden Wirbelsturm „Nargis” sieht die Hilfsorganisation Oxfam durch Seuchen das Leben von mehr als 1,5 Millionen Menschen in Gefahr. Viele Helfer seien in Bangkok „gestrandet” und warteten dort auf Einreisegenehmigungen, erklärte der Leiter des Asienreferats bei Caritas International, Reinhard Würgner, dem Kölner Domradio. Niemand kenne die Kriterien, nach denen die birmanischen Behörden ein Visum erteilten oder verweigerten. Einem Caritas-Mitarbeiter sei es gelungen, ins Land zu kommen, so Würgner. Schätzungen zufolge seien erst 10 bis 20 Prozent der Hilfsbedürftigen überhaupt erreicht worden. „Es ist ein Wettlauf mit der Zeit.” Der Caritas-Experte kritisiert die Militärregierung Burmas, die die Katastrophe offenbar nicht ernst genommen habe. Ein Vergleich mit der schnellen chinesischen Reaktion auf das Erdbeben zeige, welche Handlungsmöglichkeiten bestanden hätten. (dr)
Sri Lanka
Das Militär hat angekündigt, das Gebiet um den größten Marienwallfahrtsort des Landes zu räumen. Dem Pressedienst Asianews zufolge wird damit dem Antrag von Bischof Joseph Rayappu stattgegeben, das Heiligtum „Unsere Liebe Frau von Mannar” im Umkreis von 2,5 Kilometern zu entmilitarisieren. Das Militär werde binnen sechs bis acht Wonnen die Zone von Minen frei räumen und die zerstörten Teile der Kirche wieder aufbauen, heißt es in einem Fax an das Ordinariat von Mannar. Der Bischof hofft, das Hochfest Maria Himmelfahrt am 15. August wie gewohnt feiern zu können. Zu diesem Tag werden rund eine Million Pilger erwartet. Der Wallfahrtsort ist Reiseziel von Tamilen wie Singhalesen. Wiederholt stand der Ort jedoch im Feuer der Gefechte zwischen Tamil-Rebellen und Regierungstruppen. (asianews)
Bangladesch
Die Regierung hat ein Gesetz, das eine Frauenquote von 40 Prozent in Regionalparlamenten vorsah, abgeschafft. Die Führung reagiere damit auf gewalttätige Proteste islamischer Extremisten. Ein Komitee islamischer Gelehrter hatte im April eine Gesetzesänderung gefordert, weil die Frauenquote nicht dem Koran entspräche. Währenddessen waren allerdings schon rund 14.500 Frauen in verschiedene lokale Parlamente gewählt worden. Ein neues Gesetz legt nun fest, dass die Parlamentarier selbst zu einem Drittel Frauen nachnominieren dürfen, die sich allerdings die Ämter mit drei männlichen Kollegen teilen müssen. Die Gefahr sei damit groß, schreibt „Asianews”, dass Frauen an den Rand gedrängt würden und ihre Stimme keinen Einfluss mehr habe. Das Oberste Gericht des Landes sichert den bereits gewählten Frauen allerdings die gleichen Rechte wie den männlichen Volksvertretern zu. (asianews)
Amerika
Vereinigte Staaten
Die russisch-orthodoxe Auslandskirche (ROCOR) hat ein neues Oberhaupt: Erzbischof Hilarion (Kapral) von Sydney wurde in New York zum „Ersthierarchen” gewählt. Die Wahl bedarf noch der Bestätigung durch den Moskauer Patriarchen Alexij II. Erzbischof Hilarion wurde 1948 in Kanada geboren und 1977 zum Priester geweiht. Ab 1984 war wer Bischof von Manhattan, ab 1996 Erzbischof von Sydney. Seit 2006 ist er stellvertretenden Vorsitzenden des Heiligen Synods der Auslandskirche. Die Auslandskirche hatte sich nach der bolschewistischen Revolution 1922 von Moskau gelöst. Nach 1998 kam es zu einer Wiederannäherung an das Moskauer Patriarchat. Am 17. Mai 2007 wurde der „Akt der kanonischen Einheit” formell in Moskau unterzeichnet. Die Zahl der Gläubigen wird auf mindestens 500.000 geschätzt. Die Auslandskirche hat mehr als 400 Pfarrgemeinden sowie Frauen- und Männerklöster in mehr als 40 Ländern der Welt. (kap)
Brasilien
Die katholische Kirche kritisiert die unmenschlichen Haftbedingungen in dem Land. Die überfüllten Gefängnisse verstießen gegen die Menschenrechte, erklärte der Verantwortliche der Bischofskonferenz für die Gefängnispastoral am Montag in Sao Paulo. Viele Häftlinge würden willkürlich auch wegen leichter Vergehen festgehalten, in der Amazonasregion warteten Menschen in Untersuchungshaft teilweise bis zu zehn Jahren auf den Beginn ihres Prozesses. In den Haftanstalten fehlten mindestens 185.000 Plätze, so der Sprecher der Bischofskonferenz. Allein im vergangenen Jahr sei die Zahl der Häftlinge um 423.000 gestiegen. (apic)
Die Quellen unserer Nachrichtensendung
sind u.a. die Agenturen Kna, Kathpress,
Ansa, Efe,
Afp, Kipa,
Reuters, Ap,
ADN-Kronos, Upi,
Cns, Uca,
Misna, Osservatore
Romano – die Vatikanzeitung in deutscher Sprache, sowie
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