Meldungen vom 16.5.2008
- Benedikt XVI. lobt „Humanae Vitae” -
- Papst-Gebet für China veröffentlicht -
- Vatikan für mehr Druck auf Burma -
Verantwortlich: P. Eberhard v. Gemmingen SJ / Stefan von Kempis
Redaktion: Stefan von Kempis
Redaktionsschluss 16.00 Uhr
Die folgenden Texte basieren auf unserer
Nachrichtensendung „Treffpunkt Weltkirche“ täglich um 16 Uhr.
THEMEN DES TAGES:
Vatikan: Papst lobt „Humanae vitae”
Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage hat Papst Benedikt eindringlich zum Schutz der Familien aufgerufen. Im Vatikan empfing er katholische Familienverbände aus verschiedenen Teilen Europas. Dabei ging er in seiner Ansprache auch auf die umstrittene Enzyklika Papst Pauls VI. aus dem Jahr 1968 ein: Sie habe sich „mutig gegen die Strömung der dominierenden Kultur gestellt und kraftvoll die Qualität der ehelichen Liebe betont, die frei von Egoismus und offen für das Leben ist”. Auf das in der Enzyklika ausgesprochene Verbot künstlicher Empfängnisverhütung ging Benedikt, wie schon in einer ersten Rede über „Humanae vitae” am letzten Freitag, nicht ausdrücklich ein.
Auf deutsch sagte der Papst: „Der verehrte Papst Johannes Paul II., der mit Recht auch „Papst der Familie” genannt wurde, hob wiederholt hervor, dass „die Zukunft der Menschheit über die Familie geht!” (Familiaris consortio, 86). Er unterstrich oft den unersetzlichen Wert der Institution Familie, die nach dem Plan Gottes, des Schöpfers und Vaters, besteht. Auch ich habe gleich zu Beginn meines Pontifikats bei der Eröffnung des Kongresses der Diözese Rom zum Thema Familie am 6. Juni 2005 bekräftigt, dass die Wahrheit von Ehe und Familie in der Wahrheit vom Menschen verwurzelt ist und ihre Verwirklichung in der Heilsgeschichte gefunden hat, in deren Mittelpunkt das Wort steht: „Gott liebt sein Volk”.”
Benedikt schlug einen Bogen von der Bibel zum christlichen Menschenbild – speziell zur christlichen Vorstellung von Ehe und Familie.
„Die biblische Offenbarung ist ja zuallererst Ausdruck einer Liebesgeschichte, nämlich der Geschichte vom Bund Gottes mit den Menschen: Das ist der Grund, warum die Geschichte der Liebe und der Verbindung eines Mannes und einer Frau im Bund der Ehe von Gott als Symbol der Heilsgeschichte übernommen wurde. Genau darum ist die Gemeinschaft des Lebens und der Liebe, die auf der Ehe eines Mannes und einer Frau gründet, die eine Familie bildet, ein unersetzliches Gut für die gesamte Gesellschaft, das nicht mit anderen Formen des Zusammenlebens verwechselt oder gleichgestellt werden darf.” (rv)
Vatikan: Gebet für China
Erstmals hält die ganze Weltkirche am kommenden 24. Mai einen Tag des Gebets für die Katholiken in China. Den entsprechenden Gebetstext veröffentlichte der Vatikan an diesem Freitag. Das Gebet richtet sich an Unsere Liebe Frau von Sheshan, die in Shanghai verehrt wird. Wörtlich heißt es in dem Text: „...schenke deinen Kindern die Fähigkeit, in jeder Situation, mag sie auch noch so düster sein, die Zeichen der liebenden Gegenwart Gottes zu erkennen.” Das Gebet, das der Papst auch in traditionellem und in vereinfachtem Chinesisch veröffentlichen ließ, ist frei von politischen Nebentönen. (rv)
Hier dokumentieren wir den vollen Text des Gebets in der amtlichen deutschen Fassung
Vatikan: „Druck auf Burma ausüben!”
Der Heilige Stuhl fordert die internationale Gemeinschaft auf, Druck auf das Militärregime in Burma auszuüben. Die Generäle sollten ausländische Verbände in ihr abgeschottetes Land lassen, um den Betroffenen des Wirbelsturms „Nargis” zur Hilfe zu kommen. Nach UNO-Schätzungen liegt die Zahl der Todesopfer in Burma bei über 100.000. Papst Benedikt hatte die UNO bei einem Auftritt in New York im April daran erinnert, dass die Staaten eine Schutzpflicht gegenüber ihrer Bevölkerung haben. Wenn sie dieser nicht nachkommen, dann könne – so der Papst – sogar eine Pflicht zu einer „humanitären Intervention” aus dem Ausland bestehen.
Erzbischof Celestino Migliore ist Ständiger Beobachter des Vatikans bei der UNO in New York. Er sagte uns mit Blick auf Burma: „Was die so genannte Schutzpflicht betrifft, gibt es im Sicherheitsrat im Moment einen lebhaften Meinungsaustausch, der bisher aber noch zu keiner Erklärung geführt hat. Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner hat klar gesagt, Burma sei ein Fall, in dem diese Schutzpflicht gelte, und setzt sich für eine entsprechende Resolution ein. Doch bisher scheinen noch die Widerstände gegen die Anwendung dieses Prinzips zu obsiegen, vor allem von asiatischer Seite. Ihr Argument: Der Sicherheitsrat könne sich mit politisch-militärischer Sicherheit befassen, aber nicht mit der Sicherheit nach Naturkatastrophen.”
Der Vatikan-Diplomat hat freilich nicht das Gefühl, dass eine humanitäre Intervention in Burma wirklich die Lösung wäre.
„In einem so desolaten und zerstörerischen Umfeld sollte man es nicht auf eine Kraftprobe anlegen. Die internationale Antwort auf die humanitäre Situation ist schon die richtige: Die Hilfen sind bereitgestellt, und sie kommen ja auch vor Ort an, wenn auch langsam. Was besiegt werden muss, das ist der Widerstand des Regimes gegen eine flexible und kompetente Zusammenarbeit mit Experten und den nötigen Mitteln. Ich glaube, der Druck einiger Staaten der Region könnte diesen Widerstand aufweichen und erreichen, dass die betroffene Bevölkerung Hilfe und Schutz bekommt.”
Dem Erzbischof ist klar, dass die „Schutzpflicht” im Völkerrecht noch ein sehr umstrittener Begriff ist. Staaten wie Burma befürchten, der Westen könne diesen Begriff zum Vorwand für Interventionen nehmen.
„Das Prinzip der Verpflichtung zum Schutz (der Bevölkerung) wurde 2005 in einer Erklärung von Staats- und Regierungschefs zögernd ausgesprochen. Der Zusammenhang war das Recht und die Pflicht der internationalen Gemeinschaft angesichts unerträglicher Situationen. Der Papst wiederum hat dieses Prinzip vor der UNO-Vollversammlung auf seine Wurzel zurückgeführt, das heißt: die Verantwortung zum Schutz und zur Förderung der Völker als eigentlicher Sinn und Inhalt der internationalen Souveränität. Das ist ein Prinzip, das sich zunächst in den Gewissen und im Handeln jeder einzelnen Regierung Bahn brechen muss. Aber wir müssen auch eine Formel finden, um das Paradox zu überwinden, dass es einen multilateralen Konsens gibt, der aber der Entscheidung von nur einigen wenigen unterliegt – oder dem Veto eines einzigen Landes. Darum hat der Papst gemahnt: Wenn man vor einer neuen und großen Herausforderung wie dieser steht, wäre es ein Irrtum, zu einem pragmatischen Herangehen zurückzukehren, beschränkt auf den kleinsten gemeinsamen Nenner und schwach in der Wirkung.” (rv)
Simbabwe: „Derzeit keine echte Stichwahl möglich”
Nachdem es für eine Weile so ausgesehen hatte, als wanke das Regime von Robert Mugabe, hat sich der Diktator jetzt offenbar wieder gefangen. Die Stichwahl um das Präsidentenamt soll – soviel verlautete am Donnerstag aus der Hauptstadt Harare – am 31. Juli stattfinden. Das sind neunzig Tage nach der Bekanntgabe der offiziellen Ergebnisse bei der ersten Runde der Präsidentenwahl. Es steht auch im Widerspruch zur Verfassung Simbabwes; diese sieht die Stichwahl spätestens für den 21. Tag nach Bekanntgabe des ersten Ergebnisses vor. Westliche Wahlbeobachter sind offenbar auch diesmal unerwünscht. Dennis Benton ist ein früherer Afrika-Reporter der BBC und gehört zu der Bewegung „Zimbabwe Vigil”.
„Es ist ziemlich durchsichtig, warum sie diese Verzögerung wollen - sie wollen politische Opponenten bis dahin weiter einschüchtern. Das soll Mugabe dann eine Mehrheit in der Stichwahl sichern. Das Land ist derzeit unter Kontrolle einer Organisation, die sich „Vereintes Operations-Kommando” nennt – dazu gehören die wichtigsten Militärs, die über das Vorgehen entscheiden. Es gibt immer mehr Hinweise darauf, dass die systematische Gewalt gegen die Oppositionspartei MDC immer weiter zunimmt. Nach MDC-Angaben wurden 33 ihrer Anhänger umgebracht und Hunderte in eigens eingerichtete Folter-Camps in ländliche Gegenden gebracht.”
Der Terror und die Gewalt in Simbabwe hätten ein Ausmaß erreicht, wie auch dieses leidgeprüfte Land es noch nicht erlebt hätten.
„Die Regierung hat Militäroffiziere in ländliche Gegenden geschickt, um dort Gruppen zu bilden, zu denen auch jugendliche Milizen gehören. Diese werden für jedweden Schaden, den sie anrichten können, bezahlt. Wenn sie jemanden verprügeln, bekommen sie dafür bis zu einer Billion Simbabwe-Dollar; töten sie ihn, bekommen sie bis zu fünf Billion Dollar. Es gibt auch festgesetzte Tarife, nach denen jemand belohnt wird, der bestimmten Leuten die Häuser anzündet oder dafür sorgt, dass sie aus der Gegend fliehen.”
Die unglaublich hohen Dollarangaben hängen natürlich mit der hohen Inflationsrate in Simbabwe zusammen. Sie liegt mittlerweile jenseits von 180.000 Prozent; die Zentralbank in Harare hat deswegen am Donnerstag eine neue Banknote mit einem Nominalwert von einer halben Milliarde Zim-Dollar eingeführt.
Benton beteuert, dass sich die Verbrechen in Simbabwe vor aller Augen abspielen; westliche Diplomaten beobachteten die Vorgänge im Land sehr genau. Erst vor kurzem habe es eine Konfrontation von Diplomaten – darunter die Botschafter Großbritanniens und der USA – mit der Polizei gegeben. Die Diplomaten hätten außerhalb Harares in einem Krankenhaus Menschen besucht, die von Anhängern der Regierungspartei fast zu Tode gefoltert worden seien.
„Es hat auch Berichte gegeben, dass auf Oppositionsführer Morgan Tsvangirai ein Mordanschlag verübt werden soll. Darum war er wahrscheinlich so lange außer Landes, um sich Garantien für seine Sicherheit zu besorgen; erst nächsten Sonntag wird mit seiner Rückkehr nach Simbabwe gerechnet. Es gibt geheime Verhandlungen zwischen der südafrikanischen Regierung und Mugabe, aber keiner kennt die Details, was da besprochen wird. Klar ist aber, dass Südafrikas Regierung über den Zustand Simbabwes schockiert ist. Präsident Thabo Mbeki hat vor kurzem ein Team von Generälen im Ruhestand nach Simbabwe geschickt, um die Lage auf dem Land zu erkunden, und nach unseren Quellen haben sie ihm berichtet, dass freie Wahlen im Moment schlichtweg unmöglich sind.”
Mbeki hat sich in all den letzten Jahren nie öffentlich von Mugabe distanziert und ist für seine Geheimdiplomatie, die das offene Wort scheut, viel kritisiert worden. Sein wahrscheinlicher Nachfolger im Amt des südafrikanischen Präsidenten, Jacob Zuma, hingegen hat sich kürzlich demonstrativ mit Simbabwes Oppositionschef Tsvangirai getroffen.
„Die Südafrikanische Entwicklungsgemeinschaft mag zwar nicht damit einverstanden sein, dass Mugabe die Stichwahl für das Präsidentenamt um 90 Tage verschiebt; aber ihr ist doch klar, dass im Moment freie und faire Wahlen in Simbabwe einfach unmöglich sind. Wie soll man denn eine Machtübernahme von Tsvangirai im Fall seines Wahlsiegs garantieren, solange die Militärs das Kommando haben? Diese wollen nun einmal Mugabe um jeden Preis siegen sehen.”
Südafrikas katholische Bischöfe waren in den letzten Jahrzehnten oft gespalten in ihrer Haltung zu Mugabe. Am offensten trat gegen den Diktator noch der Erzbischof von Bulawayo, Pius Ncube, auf. Seine Stimme fällt aber in diesem heiklen Moment aus, weil ihn das Regime offenbar erfolgreich mit einer angeblichen Affäre erpresst hat. Der Vatikan sah keine andere Möglichkeit, als Ncube von seinem Bischofsamt zu entpflichten. (rv)
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Senegal: Kardinal betet um Regen
Die derzeitige Nahrungsmittelkrise macht auch dem Senegal zu schaffen. Der Erzbischof von Dakar, Kardinal Theodore Adrien Sarr, hat bei einer Messfeier diese Woche zu Gebet und internationaler Solidarität aufgerufen.
„Wir können einfach nicht akzeptieren, dass ein Kind, eine Frau oder ein Mann – wer auch immer es sei – an Hunger leidet und nichts zu essen hat. Die Lebensbedingungen sind heute für viele Familien schwieriger geworden, in der Stadt wie auf dem Land.”
Er wisse, dass die senegalesische Regierung und die Völkergemeinschaft eine Menge tun, um eine Lösung für die Hungerkrise zu finden. Aber sie dürften sich damit nicht allzu viel Zeit lassen, warnte der Kardinal.
„Ich rufe die christliche Gemeinschaft und alle Menschen guten Willens dazu auf, konkret mit den Bedürftigen zu teilen. Unsere Regenzeit ist nahe; unsere Verwandten auf dem Land, die ihre Lebensmittelvorräte aufgebraucht haben, müssen am Leben gehalten werden. Ich bitte auch darum, dringend zum mächtigen und barmherzigen Gott zu beten, damit er unserem Land eine gute Regenzeit schenkt.”
Sarr kündigte an, er werde im Juni auf dem Land einen entsprechenden Gebets-Gottesdienst halten. (rv)
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Italien: Kirche tritt für Roma ein
In Italien ist erneut ein heftiger Streit über kriminelle Rumänen aufgebrochen. Eine 16-jährige rumänische Roma hatte letzte Woche angeblich versucht, in Neapel ein Kind zu entführen; daraufhin steckte eine aufgebrachte Menge mehrere improvisierte Unterkünfte in einem Roma-Lager in Brand. Die neue italienische Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi will für mehrere Städte Sonderkommissare für den Umgang mit kriminellen Rumänen ernennen; in Rom ist ein Postfaschist (Gianni Alemanno, „Alleanza Nazionale”) letzten Monat mit dem Thema Sicherheit überraschend zum Bürgermeister gewählt worden.
Italiens Kirche warnt vor Stimmungsmache gegen „Zingari”, wie man sie auf Italienisch nennt, und weist auf die Würde jedes Menschen hin, egal woher er kommt. Besonders die Kardinäle von Neapel, Turin und Genua – wo am Wochenende der Papst erwartet wird – melden sich zu Wort. Es gelte, „Extremismus zu vermeiden und würdige Aufnahmebedingungen für alle zu schaffen, die sich an die Regeln halten”, meint Kardinal Angelo Bagnasco, Vorsitzender der Bischofskonferenz, in einem Interview mit der Zeitung „La Repubblica”.
Der Priester Piero Gabella war einmal Roma-Beauftragter der italienischen Bischöfe und wohnt selbst in einem „Nomaden-Camp”. Er sagte uns: „Wir haben die Uni Verona mit einer Studie aller Fälle so genannten Kindesraubs beauftragt – Ergebnis: Nicht an einem einzigen Fall im Italien des letzten Vierteljahrhunderts war wirklich etwas dran. Also, aus meiner Sicht ist da ein Mechanismus in Gang, der den Leuten Angst macht, und dann reicht die erstbeste Gelegenheit, um sich bestätigt zu sehen. Ein Mechanismus, den wir nicht kontrollieren können. Wenn ich in den Menschen diesen Mangel an Respekt für die anderen schüre, dann geht ihnen dieser Respekt verloren, und sie können überhaupt nicht mehr klar sehen... Aber natürlich sind die „Zingari” auch keine Heiligen, auch sie haben ihre Mängel. Einige von ihnen stehlen – aber doch nicht alle!” (rv)
DIE NACHRICHTEN:
Vatikan
Die reichen Länder sollten „ihre protektionistische Politik ändern”. Das fordert der Päpstliche „Außenminister”, Erzbischof Dominique Mamberti. In einer Ansprache vor Diplomaten, über die die Vatikanzeitung „L`Osservatore Romano” am Donnerstag berichtete, sprach sich Mamberti auch für eine Revision aus, was die „Steuerung der Globalisierung” betrifft. Solidarität brauche im Kalkül der Reichen einen zentralen Stellenwert. Der Franzose Mamberti leitet im Vatikanischen Staatsekretariat die Abteilung für die Beziehungen zu den Staaten. (rv)
Papst Benedikt XVI. hat zum Dialog der Religionen aufgerufen. Er sei wichtig, um ein Gegengewicht zu den negativen Folgen der Globalisierung zu finden. Es gebe, so Benedikt vor thailändischen Bischöfen, „verstörende Anzeichen für Fragmentierung und Individualismus sowie einen Vormarsch des Säkularismus, der alles Transzendente und den Sinn für das Heilige an den Rand drängt”. Im Gespräch miteinander könnten Anhänger verschiedener Religionen „die spirituelle und moralische Seele” eines Volkes retten. Christen sollten in Thailand mit den Buddhisten zusammen eintreten für „ethische Werte, die mit der Vernunft in Einklang stehen”. Dadurch leisteten sie der Gesellschaft einen wichtigen Dienst. Der Papst sprach auch die renommierten katholischen Schulen in Thailand an, an denen auch viele Buddhisten lernen. Die Lehrer an katholischen Schulen hätten in erster Linie „keine Verwaltungsaufgabe, sondern eine Mission”, so der Papst. Den Sex-Tourismus aus westlichen Ländern nach Thailand nannte Benedikt XVI. eine „widerwärtige Plage”. (rv)
Europa
Türkei
In naher Zukunft könnte sich der Wunsch der Bischöfe nach einer neuen katholischen Kirche und einem Paulus-Pilgerzentrum in Tarsus erfüllen. Das glaubt der Vorsitzende der türkischen Bischofskonferenz, Bischof Luigi Padovese. Im Gespräch mit Journalisten zeigte er sich vorsichtig optimistisch, dass es in absehbarer Zeit zu konkreten Verhandlungen über ein Grundstück kommen könnte. Padovese wörtlich: „Vor einigen Tagen habe ich einen Brief vom Kultusministerium erhalten, aus dem eine gewisse Bereitschaft hervorgeht, über die Frage eines eigenen Grundstück zu verhandeln”. Derzeit warte er allerdings noch auf eine konkrete Einladung nach Ankara. Die türkischen Bischöfe waren wiederholt an Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan mit der Bitte um die Erlaubnis zum Bau eines Pilgerzentrums in Tarsus oder zumindest zur ständigen Nutzung der derzeit als Museum geltenden Pauluskirche herangetreten. Der Apostel Paulus wurde in Tarsus geboren. Bisher gibt es einzig eine Erlaubnis des Kultusministeriums, für die Dauer des Paulusjahres 2008-2009 die museale Pauluskirche ohne vorherige Lösung eines Tickets zu einzelnen Messfeiern zu benutzen. (kap)
Frankreich
Zum 50. Mal findet in diesem Jahr die Internationale Soldatenwallfahrt nach Lourdes statt. Wie das Katholische Militärbischofsamt in Berlin mitteilt, werden vom 21. bis 27. Mai rund 20.000 Teilnehmer aus mehr als 30 Nationen erwartet. Aus Deutschland reisen demnach knapp 1.700 Pilger nach Lourdes, darunter auch 20 Kranke. Das Motto der Jubiläumswallfahrt lautet „Frieden den Menschen, die Gott liebt”. Neben Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) fährt auch der Augsburger Bischof und Militärbischof Walter Mixa nach Lourdes. (kna)
Bosnien
Bosnische Serben wollen auf den Höhen oberhalb von Sarajewo eine orthodoxe Kirche bauen, um an ihre im Bosnienkrieg gefallenen Kämpfer zu erinnern. Der Plan führt zu einem Aufschrei der Empörung bei vielen muslimischen oder katholischen Bosniern. Ursprünglich hatte der Verband früherer serbisch-bosnischer Kämpfer ein riesiges Kreuz auf einem Hügel errichten wollen, von dem aus die Serben in den neunziger Jahren 43 Monate lang Sarajewo belagerten. Doch nachdem sich auch die Präsidentschaft des serbischen Teils von Bosnien davon distanzierte, wurde das Projekt fallengelassen. Hinter den neuen Plan, eine Kirche zu bauen, hat sich hingegen auch die serbisch-bosnische Führung gestellt. Während der Belagerung von Sarajewo 1992-1995 kamen über 11.000 Menschen ums Leben. (reuters)
Naher Osten
Katar
In der Hauptstadt des Emirats, Doha, ist eine Dialog-Konferenz der Religionen zu Ende gegangen. An ihr hatten hochrangige Katholiken, Kopten, Evangelikale, Moslems und auch Juden teilgenommen. Katholischer Vertreter war Kardinal Jean-Louis Tauran vom Päpstlichen Dialograt. Ein US-Professor erklärte gegenüber „Al Jazeera”, er sei vor allem dankbar für die vielen kleinen, aufschlussreichen Gespräche am Rand der Konferenz. Der Sender betont, die Teilnahme zahlreicher jüdischer Rabbiner an dem Treffen sei für ein arabisches Land ohne Beispiel. Von schiitischer Seite seien hingegen nur wenige gekommen. Die siebte „Konferenz der Religionen” von Doha soll im Mai nächsten Jahres stattfinden. Erst vor kurzem konnte in der Hauptstadt Katars die erste katholische Kirche des Landes eingeweiht werden. (rv)
Ozeanien
Australien
Papst Benedikt soll auch bei seiner Reise nach Australien im Juli das heikle Thema des sexuellen Missbrauchs ansprechen. Er hoffe, dass Benedikt über ein „so wichtiges Problem” wie pädophile Priester offen sprechen werde, meinte der Erzbischof von Sydney, Kardinal George Pell, vor Journalisten. Auch in Australien hätten Fälle von Missbrauch durch Kirchenleute der christlichen Gemeinschaft schweren Schaden zugefügt. Benedikt besucht im Juli den Internationalen Weltjugendtag in Sydney. Bei seiner USA-Reise im April hatte er wiederholt das Thema Missbrauch angesprochen. (afp)
Amerika
Peru
Zum Auftakt des EU-Lateinamerika-Gipfels in Lima ist die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit Kirchenvertretern zusammengetroffen. Dabei forderten lateinamerikanische Bischöfe, die Bekämpfung der Armut in der gesamten Region zum Schwerpunkt der weiteren Zusammenarbeit zu machen. Wie das bischöfliche Hilfswerk Misereor mitteilt, übergaben die Kirchenvertreter der Bundeskanzlerin und dem Präsidenten des Europäischen Parlaments, Hans-Gert Pöttering, eine entsprechende Erklärung. Besorgt zeigen sich die Bischöfe in ihrem Schreiben über die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich in Lateinamerika. Dies gefährde den sozialen Frieden und die politische Stabilität vieler Länder. (kna)
Vereinigte Staaten
Das Oberste Gericht von Kalifornien kippt das Verbot der so genannten „Homo-Ehe”. Gesetze, die in dem US-Bundesstaat die Heirat von zwei Personen des gleichen Geschlechts untersagen, verstoßen nach Urteil der Richter gegen die Verfassung. Gouverneur Arnold Schwarzenegger hat angekündigt, den Richterspruch zu akzeptieren. Seine Republikanische Partei will allerdings versuchen, das Urteil für ungültig zu erklären. Bisher ist Massachusetts der einzige Bundesstaat, der die so genannte „Homo-Ehe” erlaubt. (repubblica/efe)
Kanada
Der neue Ministerpräsident Stephen Harper will sich vor dem Parlament bei Ureinwohnern entschuldigen. Dabei geht es um Fälle von physischem und sexuellem Missbrauch junger Ureinwohner, die über Jahrzehnte an christlichen Schulen Kanadas geschahen. Harper geht mit seiner Entschuldigung auf die Bitte einer Ureinwohner-Vereinigung ein. Vom 19. Jahrhundert bis in die siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts haben staatliche Programme junge Ureinwohner an kirchlich geführten Einrichtungen untergebracht. Dort sollten die Schüler zu integrierten Kanadiern „umerzogen” werden. Ein Regierungsbericht hat vor zehn Jahren eingestanden, dass an diesen Schulen Missbrauch an der Tagesordnung war. Auch in Australien ist es kürzlich zu einer Entschuldigung der Regierung bei Ureinwohnern gekommen. (ap)
Vereinte Nationen
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen denkt über eine Friedenstruppe für Somalia nach. Eine Vorab-Mission soll an Ort und Stelle sondieren, ob eine Stationierung von UNO-Blauhelmen in Somalia hilfreich sein könnte. Das Land ist seit anderthalb Jahren erneut von bürgerkriegsähnlichen Zuständen gezeichnet. Vor allem in Mogadischu kommt es immer wieder zu heftigen Kämpfen zwischen islamistischen Kämpfern und äthiopischen Soldaten. Sie stellen das Gros einer Friedenstruppe, die die Afrikanische Union nach Somalia geschickt hat. (reuters)
Die Quellen unserer Nachrichtensendung
sind u.a. die Agenturen Kna, Kathpress,
Ansa, Efe,
Afp, Kipa,
Reuters, Ap,
ADN-Kronos, Upi,
Cns, Uca,
Misna, Osservatore
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