Meldungen vom 10.11.2008
- Israel: Schlägerei in der Grabeskirche -
- Kongo: Berichte über Massaker -
- Kenia: Zwei Ordensfrauen entführt -
Verantwortlich: P. Eberhard v. Gemmingen SJ / Stefan von Kempis
Redaktion: Stefan von Kempis
Redaktionsschluss 16.00 Uhr
Die folgenden Texte basieren auf unserer
Nachrichtensendung „Treffpunkt Weltkirche“ täglich um 16 Uhr.
THEMEN DES TAGES:
Israel: Schlägerei in Grabeskirche
Armenische und griechische Christen haben sich am Sonntag eine Schlägerei in der Jerusalemer Grabeskirche geliefert. Auslöser der Handgreiflichkeiten war die von einem armenischen Erzbischof angeführte Prozession zum Ort des Grabes Jesu. Nach den Bestimmungen des so genannten „Status quo“, der das Miteinander der christlichen Konfessionen in der Grabeskirche regelt, durfte sich im Moment der Prozession kein Nicht-Armenier am Jesus-Grab aufhalten. Die israelische Polizei hatte Mühe, die Streithähne auseinanderzuzerren. Fernsehbilder von griechischen und armenischen Mönchen, die Fußtritte und Faustschläge austeilen, gingen am Sonntag in den Abendnachrichten um die Welt. Zwei blutbefleckte Mönche wurden in Handschellen abgeführt. Einen „Skandal“ nennt den Streit in der Grabeskirche der Kustos der Heiligen Stätten, Franziskanerpater Pierbattista Pizzaballa. Er sagte uns an diesem Montag:
„Wir sind leider an solche Situationen gewöhnt; aber jedes Mal, wenn es dann passiert, fühlen wir doch von neuem ein tiefes Unbehagen über einen solchen Anachronismus. Es stimmt zwar, dass, wie man sagt, in Jerusalem die Vergangenheit nie vergeht - aber alles hat doch seine Grenzen, und die sind jetzt Mal wieder weit überschritten worden. Ja - das ist ein Skandal. Wir müssen die Dinge beim Namen nennen. Welche Glaubwürdigkeit haben wir denn, wir Christen, wenn wir alle nahöstlichen Konfliktpartner zum Dialog aufrufen, aber selbst unsere Konflikte mit Gewalt austragen? Man muss allerdings auch sehen, dass hier sehr verschiedene Kulturen aufeinanderprallen. In den letzten Jahren konnten sich griechische und armenische Orthodoxen über rein gar nichts mehr verständigen. Hier geht es eher um Gefühle als um Rationales.”
Die Franziskaner sind eine der sechs Konfessionen, die sich die Grabeskirche teilen. Sie waren an der Schlägerei nicht beteiligt: „Wir bleiben, Gott sei Dank, bei diesem Streit außen vor. Wir haben zwar auch unsere Unstimmigkeiten, aber die lösen wir auf eine andere Weise.
„Es ist doch absurd, solche Gewalt zwischen Christen am Ort des Todes und der Auferstehung Jesu zu erleben“ – das sagt Vatikan-Mitarbeiter Eleuterio Fortino. Der Untersekretär des Einheitsrates weist darauf hin, dass auch in der Bethlehemer Geburtskirche Hochspannung zwischen den christlichen Konfessionen herrscht. Über der Geburtshöhle Jesu patrouillieren auch nachts Katholiken wie Orthodoxe, um zu kontrollieren, ob sich jede Seite an den jahrhundertealten „Status quo“ hält. (rv)
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Demokratische Republik Kongo: Berichte über Massaker
Die Staaten des südlichen Afrika sind prinzipiell bereit, Friedenstruppen in den umkämpften Osten des Kongo zu schicken. Das ergaben die Gespräche von Staatschefs auf einem Krisengipfel im südafrikanischen Johannesburg. Die afrikanischen Staaten müssten den Milizen der Regierung gegen die Tutsi-Rebellen beistehen. Derweil spitzt sich die Lage im Osten des Kongo offenbar immer mehr zu. Lokale Mitarbeiter von Hilfsorganisationen mussten sich wegen der Kämpfe von ihren Projekten in Kanya Bayonga zurückziehen. Zehntausende von Menschen sind erneut auf der Flucht vor den Kämpfen; die humanitäre Krise nimmt nach Angaben der „Diakonie-Katastrophenhilfe“ dramatische Züge an. Die Versorgung der Flüchtlinge ist wegen der unsicheren Lage äußerst schwierig; Zehntausende von Zivilisten sind getötet worden. Außerdem ist die Zivilbevölkerung gewaltsamen Übergriffen ausgesetzt. Besonders Frauen und Mädchen haben unter systematischen Vergewaltigungen zu leiden. Nach UNO-Angaben haben die im Nord-Kivu kämpfenden Milizen letzte Woche in der Stadt Kiwanja ein Massaker an Zivilisten begangen. Klare Informationen über den Ablauf der Tötungen hat die UNO aber noch nicht. Helfer haben in der Stadt, die 80 km vom eingeschlossenen Goma entfernt ist, die Leichen von mehreren Dutzend Zivilisten gefunden. Die UNO spricht von mindestens 26 Toten; „Human Rights Watch“ geht hingegen von mindestens 50 Opfern aus. Die UNO gesteht ein, dass ihre „Monuc“-Truppen, die im Ost-Kongo stationiert sind, die Zivilbevölkerung nicht schützen können. (pm/faz)
Kenia/Somalia: Ordensfrauen entführt
Bewaffnete haben in einer kenianischen Stadt nahe der somalischen Grenze zwei katholische Ordensfrauen entführt. Das meldet das Rote Kreuz in Nairobi. Die Ordensfrauen sind italienische Staatsbürgerinnen, die schon seit vielen Jahren in Kenia arbeiteten; sie wurden mitten in der Nacht aus ihrem Haus in der Stadt Elwak im Norden Kenias verschleppt. Schwester Caterina Giraudo und Schwester Maria Teresa Oliviero arbeiteten mit Flüchtlingen aus Somalia; so kümmerte sich Schwester Giraudo, eine Krankenschwester, vor allem um Epileptiker. Beide Frauen kommen aus Norditalien und gehören zu einer Bewegung namens „Movimento Contemplativo Missionario“, die sich am seligen Charles de Foucauld orientiert. Die italienische Tageszeitung „La Repubblica“ meldet auf ihrer Homepage, die beiden Ordensfrauen seien 61 und 67 Jahre alt. Sie befänden sich womöglich in der Gewalt der radikal-islamischen Gruppe „Al-Shabab“ aus Somalia. Die Bewaffneten seien zu Fuß von Somalia aus gekommen und seien mit drei gestohlenen Autos und ihren zwei Geiseln wieder auf die somalische Seite der Grenze zurückgekehrt. Vom italienischen Außenministerium aus versucht ein Krisenstab, Kontakt zu den Entführern aufzunehmen. Erst am Sonntag war in der somalischen Ortschaft Jamame nördlich von Kismayo der lokale Verantwortliche eines amerikanischen Hilfsverbands ermordet worden. Die Region ist eine Bastion von islamischen Milizen, die versuchen, wieder an die Macht im Land zu kommen. Vor einer Woche hatte die provisorische Regierung Somalias einen Waffenstillstand mit einer großen Oppositionsbewegung geschlossen, die von Nachrichtenagenturen als „gemäßigt-islamistisch“ bezeichnet wird. An der unsicheren Lage in Somalia, das als Staat völkerrechtlich eigentlich gar nicht mehr besteht, ändert das bislang nichts. In den letzten Monaten häufen sich Morde oder Entführungen von humanitären Helfern aus dem Ausland in Somalia: Entführungen gelten als lukratives Geschäft, bei dem sowohl unabhängige Banden als auch „Shabab“-Milizen mitmischen. In den meisten Fällen kommen die Entführten nach Zahlung eines Lösegeldes wieder frei. In den Händen somalischer Entführer sind derzeit noch eine japanische Ärztin, eine holländische Mitarbeiterin der Bewegung „Médicins du Monde“, zwei ausländische Journalisten – und jetzt die beiden Ordensfrauen. (afp/reuters/repubblica/misna)
Papst: Sorge über Lage in Bolivien
Benedikt XVI. macht sich Sorgen über die angespannte innenpolitische Lage in Bolivien. Der kleine Andenstaat steht in diesen Monaten am Rand eines Bürgerkriegs; der Streit um eine neue Verfassung und um die Rechte der Indios, die mit Evo Morales erstmals den Präsidenten stellen, spaltet das Land.
„Die schwierigen Umstände, die die Bürger eures Landes seit einiger Zeit erleben, scheinen sich im Moment noch zuzuspitzen”, meinte der Papst am Montag bei einem Gespräch mit Bischöfen aus Bolivien. „Das ist Grund zur Unruhe und zu besonderer pastoraler Sorge für die Kirche, die den Bolivianern in heiklen Augenblicken beigestanden ist, um ... zur Versöhnung aufzurufen und den inneren Frieden zu bewahren.”
Mit Vermittlungsversuchen im innenpolitischen Streit Boliviens haben sich die Bischöfe in letzter Zeit immer wieder giftige Pfeile aus der Politik zugezogen. Benedikt erinnerte die Oberhirten daran, dass sie auch in kirchlicher Hinsicht große Herausforderungen anzugehen haben: die „Schwächung des christlichen Lebens“ vor allem, der Bruch zwischen Glauben und Lebensstil, die oberflächliche christliche Bildung vieler Gläubigen.
„Um diese Probleme anzugehen, hat die bolivianische Kirche aber ein starkes Mittel in der Hand, nämlich die Volksfrömmigkeit, diesen wertvollen Schatz, der durch mutige Missionare im Lauf der Jahrhunderte angehäuft wurde und über Generationen in den Familien Boliviens treu weitergegeben worden ist. Das ist eine Gabe, die gepflegt werden will: Es geht darum, dass der Wert der Zeichen ins Innere des Herzens dringt und sich in starke Überzeugungen verwandelt.“
Benedikt XVI. empfiehlt „systematische Katechese”, mehr Anstrengung bei Bildung und Erziehung – und bessere Predigten. Damit griff er erstmals öffentlich eine Anregung der Bischofssynode auf, die kürzlich im Vatikan zu Ende ging. (rv)
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Türkei: „Tiefer Staat“, stiller Prozess
Mit großem Eklat und Medienaufwand ist er in der Türkei gestartet – der Prozess gegen eine Bande hochkarätiger Militärs und Politiker, die einen Umsturz geplant haben sollen. Die Angeklagten stehen für das, was man in der Türkei den „tiefen Staat“ nennt: Nationalistische Kreise, denen nicht an der Öffnung des Landes nach Europa liegt. In diesem „tiefen Staat“ werden auch die Hintermänner des Mordes am italienischen Priester Andrea Santoro vermutet, der Anfang 2006 in der türkischen Hafenstadt Trabzon umgebracht wurde. Otmar Oehring vom kirchlichen Hilfswerk „Missio“ ist in Ankara aufgewachsen. Der Menschenrechts-Experte sagte uns: „Es war bisher schon klar, dass natürlich nicht Islamisten hinter diesen ganzen Attentaten auf Christen und auch hinter den ganzen geplanten Attentaten, die glücklicherweise nicht durchgeführt worden sind, stecken. Man hat immer vom ,tiefen Staat’ geredet – das sind große Teile des Sicherheitsapparats, Polizei, Geheimdienst, Militär, das ist gleichzeitig aber auch die kemalistische Bürokratie, die für sich in Anspruch nimmt, ,säkular’ zu sein.“
Nur dass diese „Säkularität“ nichts mit dem zu tun hat, was man in Europa darunter versteht. Stattdessen richtet sich der Begriff „säkular“ bei diesen nationalistischen Kreisen gegen islamische Kreise und gegen Minderheiten, die als „untürkisch“ gesehen werden – zum Beispiel die Christen.
Der Prozess gegen Ergenekon wird von Menschenrechtsorganisationen aus dem Ausland mit Argusaugen beobachtet; schon die Anklageschrift erweckt bei einigen Beobachtern den Eindruck, dass nicht vollständig reiner Tisch gemacht werden soll. Die Mitglieder der Geheimgruppe sollen u.a. für die Hinrichtungen von drei christlichen Missionaren in Malatya im letzten Jahr mitverantwortlich sein.
„Das, was man jetzt in der Türkei im Zusammenhang mit diesen Ergenekon-Ermittlungen sieht, lässt zumindest vermuten, dass diese Gruppen einen Umsturz in der Türkei erreichen wollten und dass sie zweitens Unruhe dadurch erzeugen wollten, dass sie Attentate gegen Vertreter der ethnischen und der religiösen Minderheiten vorbereitet haben. Da gibt es ganze Listen von Personen, die aus der Sicht dieser Gruppierungen abgeschossen werden sollten – das Wort ist hier im Wortsinne zu verstehen.“
Auf diesen Listen steht auch der Name des armenischen Patriarchen von Istanbul – und der des Ökumenischen Patriarchen, Bartholomaios I., der ebenfalls in Istanbul residiert. Der Prozess in Ankara wirft einen Schatten auf die Beitrittsgespräche, die die Türkei mit der Europäischen Union führt. (rv)
Hier der Beitrag in voller Länge zum Nachlesen und -hören
AUS UNSEREM ABENDPROGRAMM:
Demokratische Republik Kongo: Kirche ist besorgt
Die Kirche in der Demokratischen Republik Kongo ist besorgt: Trotz der internationalen Friedensbemühungen war es am Wochenende erneut zu Kämpfen zwischen Tutsi-Rebellen und Regierungstruppen gekommen. Die UNO wirft den Milizen Kriegsverbrechen vor. Mehrere Hunderttausend Kongolesen sind weiterhin auf der Flucht... (rv/reuters)
Lesen und hören Sie hier den Beitrag von Mario Galgano
Simbabwe: Missstände im Land verschärfen sich weiter
Der Jesuitenpater Oskar Wermter hat die wachsenden Missstände in dem südafrikanischen Land beklagt. Die humanitäre und die menschenrechtliche Situation müssten beim Besuch Papst Benedikts XVI. in Afrika und bei der Afrikanischen Bischofssynode 2009 thematisiert werden. Wermter berichtete jetzt mit großer Sorger von der bedrohlichen Lage der Menschen in Mbare, einem Township im Süden Harares. (rv)
Hier dokumentieren wir das Schreiben des Jesuitenpaters auszugsweise
Ukraine: Rolle der Laien stärken
Die Rolle der Laien in den Kirchen des byzantinischen Ritus ist im Westen meist unbekannt. Wer an Ostkirchen denkt, stellt sich wohl meist Patriarchen, Metropoliten oder Priester vor, die mit reich verzierten Messgewändern die Liturgie feiern. Doch auch die Laien spielen eine wichtige Rolle, und das nicht nur in der Liturgie. Dazu fand vergangene Woche in der ukrainischen Hauptstadt Kiew ein Treffen der Laien der griechisch-katholischen Kirche statt. Zwar waren vorwiegend Laien aus der ukrainischen Kirche anwesend, doch die besprochenen Themen betreffen auch andere osteuropäische Kirchen. (rv)
Hier der Beitrag von Mario Galgano und Stefan von Kempis
DIE NACHRICHTEN:
Vatikan
Der Heilige Stuhl ruft Europa zu mehr Anstrengungen gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit auf. Auf einer Tagung des Europarates in Nürnberg meinte Vatikan-Vertreter Erzbischof Jean-Louis Bruguès, der Hass auf das Fremde sei ein Übel, das „die Fundamente des friedlichen Zusammenlebens in unseren heutigen Gesellschaften unterminiert“. Bruguès erinnerte an den Holocaust; auch heute sei die Gefahr von „Barbereien“ keineswegs gebannt. (rv)
Europa
Europäische Union
Fünf führende Menschenrechtsorganisationen haben die Regierungen Europas aufgerufen, Guantanamo-Häftlingen die Entlassung in die Freiheit zu ermöglichen. Rund 50 Häftlinge im US-Gefangenenlager Guantanamo werden von der US-Regierung nicht angeklagt werden, können aber auch nicht in ihr Heimatland zurückkehren, weil ihnen dort Folter und andere schwere Menschenrechtsverletzungen drohen. Die Gefangenen stammen aus China, Libyen, Russland, Tunesien, Usbekistan und anderen Ländern. Europäische Staaten sollten diese Männer aufnehmen und ihnen angemessene Unterstützung zuteil werden lassen, forderten „Amnesty International“, „Human Rights Watch“, das „Center for Constitutional Rights“, die „International Federation for Human Rights“ und „Reprieve“ in einer gemeinsamen Stellungnahme vom Montag. (pm)
Deutschland
Im Leipziger Stadtzentrum wird ab 2010 der größte katholische Kirchenneubau Ostdeutschlands nach der Wende errichtet. Das Projekt habe die volle Unterstützung der Deutschen Bischofskonferenz, erklärte der zuständige Bischof von Dresden-Meißen, Joachim Reinelt, am Montag vor Journalisten. Die Propsteigemeinde veranschlagt für den Ersatzbau ihres baufälligen Gotteshauses mindestens zehn Millionen Euro. Dafür wird Anfang Februar bundesweit in den katholischen Gottesdiensten gesammelt. Oberbürgermeister Burkhard Jung sagte, das nahe dem Neuen Rathaus geplante Gotteshaus solle eine städtebauliche Wunde schließen. Auf dem unbebauten Grundstück an der Nonnenmühlgasse erwarte er ein „architektonisches Geschenk“ an die 500.000-Einwohner-Stadt. Das evangelische Stadtoberhaupt sicherte dem Projekt vorbehaltlose Unterstützung zu. Bischof Reinelt betonte, entstehen solle auch „die erste komplett umweltgerechte Kirche Deutschlands“. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt werde mithelfen, bei dem Projekt den aktuellen Stand ökologischer Technologie zu berücksichtigen. Mit seinem Standort in der Innenstadt soll der Kirchenbau den Anspruch der Leipziger Katholiken auf Mitgestaltung der Gesellschaft zum Ausdruck bringen, so der Bischof. Leipzig sei die einzige deutsche Metropole, in deren Zentrum es seit dem Zweiten Weltkrieg kein katholisches Gotteshaus gebe. Die frühere Propsteikirche wurde 1943 durch Bomben zerstört. Derweil hat Sachsen jetzt auch das erste ostdeutsche Denkmal für den verstorbenen Papst Johannes Paul II. Die Bronzestatue wurde am Freitag Abend auf dem Gelände des Klosters Marienthal eingeweiht. Es ist deutschlandweit das vierte Monument, das an den Papst aus Polen erinnert. (kna)
Österreich
Angesichts der hohen Zahl gescheiterter Ehen sieht „Familien-Bischof“ Klaus Küng für die Kirche „eine große Aufgabe der existenziellen Heilung“: „Wir haben die Verantwortung, mit Verständnis beizustehen“. Wenn sich Menschen trennen, scheiden lassen oder auch danach wieder heiraten, sei es Aufgabe der Kirche, „zu verstehen, zu begleiten und hinzuführen zum barmherzigen Gott“. Das sagte Bischof Küng jetzt in seiner Bischofsstadt St. Pölten. Ehevorbereitung und pastorale Ehebegleitung spielten eine zunehmend wichtige Rolle. Er wünsche sich eine „prozesshafte Hinführung“ zur Ehe. Dadurch werde der Glaube in die heutige Gesellschaft erneut „inkulturiert“. Die aktuellen Standards der Ehevorbereitung, die auch Kurzseminare vorsehen, hält Küng für „einen ersten Schritt“. Auf längere Sicht wüsche er sich jedoch, die Ehevorbereitung „zu forcieren“ und auf fünf bis sechs Monate auszubauen. Küng wörtlich: „Es gibt vatikanische Dokumente, die sogar von zwei Jahren sprechen“. Wenn die jungen Menschen „sehen, dass es hilft“, würden sie sich auch für längere Kurse entscheiden. Nach sinkenden Zahlen in den neunziger Jahren ist die Tendenz der Teilnahme an Eheseminaren seit einigen Jahren wieder stark steigend. (kap)
Der Christbaum auf dem Petersplatz, der in diesem Jahr aus der niederösterreichischen Gemeinde Gutenstein kommen wird, bleibt nicht der einzige österreichische Beitrag zum Weihnachtsfest im Vatikan. Das meldet die Nachrichtenagentur Kathpress. Eine 30 Meter hohe Fichte aus Kärnten solle in der Advent- und Weihnachtszeit auch den Platz vor der römischen Basilika San Paolo fuori le Mura schmücken. Sie steht derzeit im Mittelpunkt der Feiern des kirchlichen „Paulusjahres“. Gefällt wird der Baum aus der Region um den Plöckenpass in ein paar Tagen. Nach einer feierlichen Segnung auf dem Rathausplatz von Kötschach-Mauthen tritt die Fichte dann ihre Reise nach Rom an. (kap)
Frankreich
Die Bischöfe sind beunruhigt über „neue Formen der Armut” im Land. Auf ihrer Vollversammlung in Lourdes beschlossen sie, zu dem Thema eine Arbeitsgruppe einzurichten. Sie soll den Bistümern konkrete Ratschläge an die Hand geben, wie sie „neuen Armen“ helfen können. Leiter der Arbeitsgruppe ist der Bischof von Chartres, Michel Pansard. (apic)
Italien
Der Bischof von Vicenza fordert die Pfarreien auf, bei der Integration von Ausländern mit gutem Beispiel voranzugehen. Er wünsche sich einen Vertreter der Einwanderer in jedem Pfarrgemeinderat Italiens, meinte Bischof Cesare Nosiglia jetzt nach Angaben von Nachrichtenagenturen. Die Gemeinden sollten alles tun, um Einwanderer aktiv in ihr Pfarreileben einzubinden. (asca)
Asien
Indonesien
In Banda Aceh, der Hauptstadt der indonesischen Provinz Aceh, wird an diesem Dienstag die erste Frauenrechte-Charta ihrer Art in der islamischen Welt verabschiedet. Die gerechte Behandlung von Frauen stehe im Einklang mit den Prinzipien des Islam, heißt es zu Beginn des Dokuments, das sich an dem Übereinkommen der Vereinten Nationen zur Überwindung jeglicher Diskriminierung der Frau orientiert. Aceh ist die einzige Provinz Indonesiens, in der das Islamrecht, die Scharia, als Rechtsordnung gilt. Die Unterzeichner der Frauen-Charta berufen sich auf eine moderne Interpretation des Islam. Ihr Text definiert Persönlichkeitsrechte, Rechtsschutz, politische und bürgerliche Rechte sowie soziale, wirtschaftliche und kulturelle Rechte von Frauen in Aceh. Das Dokument ist das Ergebnis eines unmittelbar nach der Tsunami-Katastrophe von Ende 2004 begonnenen und „sehr kontrovers geführten Dialogs der Bewohner Acehs“, berichtet die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ). Sie hat die Diskussion im Auftrag des Bundesentwicklungsministeriums mitgestaltet und begleitet. (kna)
China
Bischof Joseph Sun Zhibin ist tot: Der mit 97 Jahren älteste chinesische Bischof starb, wie jetzt bekannt wurde, am 22. Oktober in Iduhsien. Sun war Oberhirte der Apostolischen Präfektur der Stadt, die in der Provinz Shandong liegt. Von den 50er Jahren an hatte der Bischof wegen seines Glaubens lange Jahre im Gefängnis und zur Zwangsarbeit in einer Schuhfabrik verbracht. Erst 1980 konnte er seine pastorale Arbeit wieder aufnehmen. Am Requiem für Bischof Sun in der Kathedrale von Yidu haben am 29. Oktober auch Vertreter der örtlichen Behörden teilgenommen. (rv)
Indien
Die größte islamische Organisation Indiens hat eine Fatwa gegen Terrorismus veröffentlicht. Der Text des Verbands der islamischen Gelehrten des Landes, „Jamiat Ulama i Hind“, hält fest, dass Terrorismus nichts mit Religion zu tun hat. Die Nachrichtenagentur Ansa berichtet, dass etwa 50.000 indische Moslems das Gutachten in den nächsten Tagen unterzeichnen wollen. (ansa)
Amerika
Vereinigte Staaten
Die Bischöfe der Vereinigten Staaten kommen ab diesem Montag in Baltimore zu ihrer Herbst-Vollversammlung zusammen. Es ist ihr erstes Treffen seit der Wahl des Demokraten Barack Obama zum nächsten Präsidenten. Nach Medienangaben will Obama zahlreiche Entscheidungen der scheidenden Regierung von George Bush widerrufen. Zu seinen Projekten soll eine weitergehende Freigabe der Forschung an embryonalen Stammzellen und eine Liberalisierung des Abtreibungsrechts gehören. Nach Einschätzung von Beobachtern werden die Bischöfe beraten, wie sie das Thema Lebensschutz auch unter der neuen Leitung im Weißen Haus vertreten können. Mit Joe Biden haben die USA ab Januar zwar zum ersten Mal in ihrer Geschichte einen katholischen Vizepräsidenten; doch ist Biden für liberale Ansichten in Lebensschutz-Fragen bekannt. (rv)
Die obigen Texte basieren auf unserer Nachrichtensendung „Treffpunkt Weltkirche” täglich um 16 Uhr. Die Quellen unserer Nachrichtensendung sind u.a. die Agenturen Kna, Kathpress, Ansa, Efe, Afp, Kipa, Reuters, Ap, ADN-Kronos, Upi, Cns, Uca, Misna, Osservatore Romano – die Vatikanzeitung in deutscher Sprache, sowie vatikaninterne Quellen. Der Newsletter ist nur zur persönlichen Information bestimmt. Grundlage für Zitate oder Übernahmen aus unserem Programm kann nicht unser Internetauftritt oder der Newsletter, sondern nur unser Radio-Programm sein. Die jeweils aktuelle Nachrichten- oder Magazinsendung von Radio Vatikan können Sie u.a. auf unserer Internetseite hören.