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Meldungen vom 3.11.2009

- Guatemala: Bischof fordert Aufklärung von Bluttat -
- Vatikan: Internationaler Pastoralkongress zur Migration -
- EU: Keine Kreuze in Italiens Schulen -


Verantwortlich: P. Bernd Hagenkord SJ / Stefan von Kempis
Redaktion: Mario Galgano
Redaktionsschluss 16.00 Uhr
Die folgenden Texte basieren auf unserer
Nachrichtensendung „Treffpunkt Weltkirche“ täglich um 16 Uhr.

THEMEN DES TAGES:

Vatikan: Papst betet an den Gräbern seiner Vorgänger
Benedikt XVI. hat am Abend von Allerseelen an den Gräbern seiner Vorgänger gebetet. Der traditionelle Termin in den Vatikanischen Grotten unter dem Petersdom dauerte am Montag Abend rund fünfzehn Minuten. Stefan von Kempis berichtet:

„Ich bin die Auferstehung und das Leben“, singt die Schola, als Papst Benedikt hinuntersteigt in die Grotten unter St. Peter. Hier ganz in der Nähe wurde einst der Apostel Petrus nach seiner Hinrichtung beigesetzt; hier ruht auch eine Gestalt wie Bonifaz VIII., dessen Sarkophag-Deckel ein etwas starr ausgefallenes Abbild des mittelalterlichen Papst-Cäsaren zeigt.

„In diesen Vatikanischen Grotten vertrauen wir der Barmherzigkeit des Vaters alle an, die hier ihr Grab haben und auf die Auferstehung des Fleisches warten – besonders Papst Johannes Paul II. und die anderen Päpste“, betet der Papst. Zu den Zeitungsspekulationen, die gerade an diesem Montag behauptet haben, Johannes Paul werde im nächsten Frühjahr selig gesprochen, geht Benedikt nicht ein.

„Aus der Tiefe rufe ich; Herr, zu Dir“, singt die Schola mit den Worten des Psalmisten. Eine Fürbitte betet „für alle Opfer von Krieg und Gewalt, dass ihr Opfer eine Ära der Brüderlichkeit und des Friedens herbeiführen möge“. „Herr, öffne die Arme deiner Barmherzigkeit“, betet Benedikt schließlich und erteilt seinen Segen; dann ist der sehr private Gebetsmoment mit dem Gesang des „Salve Regina“ schon vorüber. Der Papst betet an den Gräbern tief unter St. Peter, auch an dem seines unmittelbaren Vorgängers, das täglich von Tausenden von Menschen aufgesucht wird. Benedikt weiß: Eines Tages wird wohl auch er hier unter beigesetzt werden. (rv)
Zum Nachhören

Bischof in Guatemala: „Gegen Spirale der Gewalt angehen“
Eine Woche nach dem Mord an dem Gewerkschaftler und Menschenrechtsaktivisten Victor Miguel Galvez Perez fordert der guatemaltekische Bischof Alvaro Ramazzini eine Untersuchung der Bluttat. Galvez, der enger Mitarbeiter des Bischofs war, war am 24. Oktober kaltblütig ermordet worden. Die Nachricht erreichte den Bischof erst eine Woche später auf einer Reise in den Niederlanden. Die Hintergründe der Tat müssten aufgeklärt werden, appellierte Ramazzini an die „Internationale Kommission gegen die Straflosigkeit in Guatemala“. In seiner Heimat nehme die Gewalt zu, so der Bischof vor Journalisten:

„San Marcos ist eine Provinz, die leider nicht verschont wird von dieser Spirale der Gewalt. In den letzten zwei Jahren haben wir einen deutlichen Anstieg von Erpressung, Entführungen und Morden. Von religiösem Standpunkt aus müssen wir mit Bestürzung feststellen: Auch wenn wir uns in diesem Land Christen nennen, ist das Gebot „Du sollst nicht töten“ für viele offenbar nur eine leere Worthülse. Es hat kein Echo im Alltag, keine Auswirkung auf das Benehmen der Menschen. Die Korruption vieler Polizisten und die Schwäche der Ermittlungsbehörden, die die Mörder oder Entführer aufspüren sollten, das Fehlen eines effizienten Zeugenschutzsystems und einer Reform des Strafvollzugs – aber auch die Gewalt in der Familie: All das trägt zu einem Reich der Straflosigkeit und der Gewalt bei und legt die Schwäche des Staates und der Gesellschaft bloß.“

Ramazzini bittet die Regierung, endlich aktiv zu werden.

„Das Bistum San Marcos trauert um einen seiner Mitarbeiter und ist solidarisch mit allen, die eine ähnliche Erfahrung von Leid und Schmerz machen mussten. Wir bitten die Regierung heute: Stärken Sie endlich die nationale Polizei! Und der Kongress sollte ihr genug Geld bewilligen, damit sie ihre Aufgabe auch wahrnehmen kann! Die Polizei muss die Sicherheit der Bürger gewährleisten!“ (kap/rv)

Naher Osten: Syrische Christen nicht vergessen
Christsein in den Ländern des Nahen Ostens – eine Herausforderung. Mit den Problemen und Beiträgen syrischer Christen im Libanon, in Saudi-Arabien, Jordanien und anderen Ländern der Region beschäftigt sich ab diesem Mittwoch eine Tagung in Wien. Der von der ökumenischen Stiftung „Pro Oriente“ ausgerichtete Kongress will an die Bedeutung der syro-aramäischen Tradition innerhalb des Christentums erinnern. Der Salzburger Kirchenhistoriker und Patristiker Dietmar Winkler betont aber auch den Beitrag der syrischen Christen zu den Gesellschaften des Nahen Ostens:

„Dieser Beitrag ist kulturell, sozial und vom Bildungswesen her sehr groß und wird mitunter vergessen, weil heute in der Nahostsituation zum Beispiel nur von arabischen oder muslimischen Gesellschaften gesprochen wird, während der christliche Beitrag hier oft untergeht.“

Die Situation der syro-aramäischen Christen ist in den Ländern des Nahen Ostens sehr unterschiedlich. Unabhängig davon, ob Christen in der Minderheit seien oder nicht, würden ihre Rechte von Land zu Land anders geschützt. Winkler nennt Beispiele:

„Libanon war lange ein Musterland des christlich-muslimischen Miteinanders. Durch den Bürgerkrieg 1975 bis 1991 hat sich diese Lage durchaus auch zu Ungunsten der Christen verändert, prozentuell durch die Auswanderung. Heute sind die Christen mit etwa 40 Prozent vertreten, aber die Verfassung ist in dieser Hinsicht noch gleich wie zu Zeit der Franzosen. So gesehen sind die Christen im Parlament sogar überrepräsentiert. In Jordanien sind nur 2,5 Prozent Christen, sind also eine Minderheit, sind aber doch im Parlament vertreten. Das heißt, obwohl der Islam Staatsreligion ist, ist die freie Ausübung des Kultes gewährleistet. Ganz anders sieht es dann wieder in Saudi-Arabien aus, wo eine öffentliche Religionsausübung unmöglich ist.“

Schwerpunkt des Wiener Kolloquiums wird neben den Themen Religionsfreiheit und religiösem Pluralismus auch das Problem der Abwanderung von Christen. (rv)

Schweden: Lutherische Bischöfin im Interview
Kirchliche Trauung auch für gleichgeschlechtliche Paare? Die lutherische Kirche Schwedens machte zuletzt mit der Entscheidung der Synode Schlagzeilen, homosexuelle Paare auch kirchlich zu trauen. Seit Ende der 50er Jahre hatte in der schwedischen Kirche ein Liberalisierungsprozess begonnen. Die Entscheidung zur Segnung der Homosexuellen-Ehe ist das jüngste Beispiel für diese Entwicklung. Nach Ansicht von Antje Jackelén, Bischöfin von Lund, ist das Thema aber nicht die einzige Herausforderung der Kirche des Landes. Werner Jeanrond, Theologieprofessor an der Universität von Glasgow und theologischer Berater der Bischöfin, stimmt ihr zu. Die beiden nehmen in Rom zur Zeit an einem Kongress über Europas spirituelle Wurzeln teil. Stefan Kempis hat mit ihnen gesprochen. (rv)
Hier zum Nachlesen und Nachhören

Europäische Union/Italien: Urteil gegen Kreuze in italienischen Klassenzimmern
Zum Kruzifix-Urteil des Europäischen Menschenrechtsgerichtshofs hat sich der Vatikan zurückhaltend geäußert. Es bedürfe einer Nachdenkphase, so der Pressesprecher des Heiligen Stuhls, Pater Federico Lombardi am Diestag vor Journalisten. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hatte am Dienstag entschieden, dass Kruzifixe in Klassenzimmern öffentlicher Schulen nicht mit der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) vereinbar seien. In einem Verfahren gegen die Republik Italien hatte der Gerichtshof eine Verletzung des Rechtes auf Bildung und auf Religionsfreiheit festgestellt. Der Staat müsse auf konfessionelle Neutralität achten, erklärten die Richter. Die italienische Regierung will derweil gegen das EGMR-Urteil Berufung einlegen. Wenn diese Berufung nicht akzeptiert wird, würde das Urteil innerhalb von drei Monaten definitiv werden. Danach müsste das Ministerkomitee des Europarates innerhalb von sechs Monaten entscheiden, welche Maßnahmen die italienische Regierung zu treffen habe. - Ausgelöst wurde die Diskussion durch die Klage einer aus Finnland stammenden italienischen Bürgerin. Sie hatte von Gymnasium, auf das ihre Kinder gingen, die Entfernung der Kreuze aus den Klassenzimmern verlangt. Das Urteil des Europäischen Gerichtshofes sieht vor, dass die Republik Italien der Klägerin 5.000 Euro als Ausgleich für den „moralischen Schaden“ zahlen muss. Es handele sich um das erste Urteil im Hinblick auf die Anbringung religiöser Symbole in Klassenzimmern, gab die Pressestelle des Gerichtshofs bekannt. (kap)


DIE NACHRICHTEN:

Vatikan

Auch wenn es so aussieht, als ob selbst der Vatikan nun bei der Neuerfindung des Weihnachtsfestes zu einem Konsumfest mitmachen würde, so hat es doch handfeste technische Gründe. Es dauert einfach zu lang, die Krippe auf dem Petersplatz aufzubauen. Und so haben Mitarbeiter des Vatikan schon jetzt begonnen, rund um den Obelisken in der Mitte des Platzes mit Stahlrohrkonstruktion, Gips, Sand und anderem Material samt ausgewachsenen Palmen die Krippe zu bauen. 2.000 Quadratmeter groß wird sie werden und wie jedes Jahr einen besonderen Akzent in der Gestaltung haben. Damit aber der Advent nicht einfach übersprungen wird, verdeckt ein haushoher Sichtschutz die Konstruktion – bis am Heiligen Abend das Weihnachtsfest wirklich beginnt. (kna)
Flüchtlinge und Auswanderer, Staatenlose und Verschleppte – den vielen Gesichtern des globalen Phänomens Migration widmet sich ab dem 9. November eine dreitägige Tagung im Vatikan. Der VI. Pastoralkongress zum Thema trägt den Titel „Eine pastorale Antwort auf das Phänomen der Migration im Zeitalter der Globalisierung“. Das Programm wurde der Presse an diesem Dienstag im Vatikan vorgestellt. Derzeit zähle man weltweit etwa 2 Millionen Einwanderer, 11 Millionen Flüchtlinge, 20 Millionen Vertriebene und zwischen 5 und 6 Millionen staatenlose Menschen, erklärte Erzbischof Agostino Marchetto. Es handle sich um ein „Makrophänomen“, das nicht vernachlässigt werden dürfe, unterstrich der Sekretär des Päpstlichen Migrantenrates mit Verweis auf Papst Benedikts letzte Enyzklika. Bei der Tagung geht es nicht nur um globale Ursachen der Migration, sondern auch um aktuelle Fragen der Aufnahme von Flüchtlingen. Auch mögliche Folgen der Migration wie etwa Kriminalität und Prostitution sollen zur Sprache kommen. (rv)

Vatikan/Israel
Der Vatikanbotschafter in Jerusalem, Erzbischof Antonio Franco, beklagt anhaltende Probleme bei der Visa-Vergabe für Priester in Israel. Für Geistliche und Ordensleute aus Europa wurde die Aufenthaltsgenehmigung von zwei Jahren auf ein Jahr verkürzt, sagte der Nuntius der italienischen Nachrichtenagentur „Sir“. Es sei zu fragen, warum diese Beschränkungen erfolgten und was sich tun ließe, um zur früheren offeneren Praxis zurückzukehren. (kna)

Europa

Deutschland
Das katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ hat die Ankündigung der schwarz-gelben Koalition begrüßt, in der Außenpolitik stärker auf die Religionsfreiheit zu pochen. Dabei werde ein „besonderes Augenmerk“ auf die Lage christlicher Minderheiten gelegt, lobte der Menschenrechts-Experte des Hilfswerkes, Berthold Pelster. Er beklagte, dass das Interesse westlicher Medien für die Diskriminierung von Christen lange Zeit nicht dem Ernst der Lage entsprochen hätte. Dies ändere sich allmählich. (kna)

Österreich
Die Caritas der Erzdiözese Wien hat ein neues Projekt zur Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen ins aktive Berufsleben gestartet. Ziel ist es, im Laufe des kommenden Jahres durch gezielte und betreute Eingliederung von Arbeit suchenden Männern und Frauen bis zu 55 neue Arbeitsplätze zu schaffen. Dabei stellen die teilnehmenden Betriebe sogenannte „Trainingsarbeitsplätze“ zur Verfügung, die im Erfolgsfall in ein reguläres Arbeitsverhältnis umgewandelt werden. Die Caritas übernimmt während dieser halbjährigen Trainingsphase die soziale Absicherung der Angestellten und bietet eine fortlaufende Beratung. (pm)

Großbritannien
Wichtige Vertreter der britischen Finanzwirtschaft haben sich Ende Oktober in London getroffen, um sich mit der Sozialenzyklika „Caritas in veritate“ auseinanderzusetzen. Zu dem Seminar hatte der Erzbischof von Westminster, Vincent Nichols, eingeladen. Ziel war es, Fragen von Ethik und Werten im „im Licht der katholischen Soziallehre“ zu analysieren. In einem zweiten Schritt ging es um die Herausforderungen für den britischen Finanzsektor. Auf dem Treffen wurde auch ein Grußwort aus dem Vatikan verlesen. (pm)

Asien

China
Die Meldung, dass der Weihbischof der Diözese Boading, Francesco An Shuxin, zur Patriotischen Kirche Chinas übergetreten ist, sorgt in der so genannten Untergrundkirche Chinas für Befremden und Entsetzen. Viele Priester in Boading sind über die Entscheidung des Bischofs schockiert. In den Jahrzehnten der Unterdrückung habe sich die Untergrundkirche niemals auf Kompromisse eingelassen, auch wenn dadurch Gefahr für Leib und Leben bestanden habe. Gleichzeitig fühle sich die Untergrundkirche „vergessen“, so ein anderer Priester nach Angaben der Nachrichtenagentur asianews. Dem Vatikan sei es trotz Gesprächen mit der chinesischen Regierung in den vergangenen zwei Jahren nicht gelungen, auch nur eine einzige gültige Bischofsweihe durchzusetzen. Die Missionskongregation weist unterdessen Berichte zurück, nach denen der Übertritt Ans auf römischen Druck hin erfolgt sei. (asianews)

Amerika

Peru
Die Franziskaner sind mit dem höchsten Orden des peruanischen Staates geehrt worden. Bei einem Festakt in Lima überreichte der Vorsitzende des Kongresses die Auszeichnung an den Provinzial der peruanischen Franziskaner. Dabei sagte er, der heilige Franziskus sei ein „Apostel des Friedens“ und eine der größten Gestalten der Weltgeschichte. Die Auszeichnung gelte allen Mitgliedern der franziskanischen Familie. Der Franziskanerorden ist seit fast 500 Jahren in Peru tätig. (pm)

Chile
Die Kirche spricht sich gegen Pläne aus, die standesamtliche Heirat gleichgeschlechtlicher Paare zu erlauben. „Es ist nicht möglich, gegenüber einem Gesetz gleichgültig zu bleiben, das den Wert und Sinn der Ehe herabsetzt“, warnt die chilenische Bischofskonferenz in einer schriftlichen Stellungnahme. Hintergrund ist der Vorschlag der Homosexuellen-Gruppierung „Movilh“, die zivile Heirat gleichgeschlechlicher Paare gesetzlich zu erlauben. Der Vorschlag soll im Parlament demnächst debattiert werden. (rv)


Die obigen Texte basieren auf unserer Nachrichtensendung Treffpunkt Weltkirche” täglich um 16 Uhr. Die Quellen unserer Nachrichtensendung sind u.a. die Agenturen Kna, Kathpress, Ansa, Efe, Afp, Kipa, Reuters, Ap, ADN-Kronos, Upi, Cns, Uca, Misna, Osservatore Romano – die Vatikanzeitung in deutscher Sprache, sowie vatikaninterne Quellen. Der Newsletter ist nur zur persönlichen Information bestimmt. Grundlage für Zitate oder Übernahmen aus unserem Programm kann nicht unser Internetauftritt oder der Newsletter, sondern nur unser Radio-Programm sein. Die jeweils aktuelle Nachrichten- oder Magazinsendung von Radio Vatikan können Sie u.a. auf unserer Internetseite hören

 






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