Meldungen vom 10.11.2009
- Vatikan würdigt Mauerfall -
- Nordkorea: Christenverfolgung
trotz vermeintlicher „Religionsfreiheit“ -
- Brasilien: Wieder ein Priestermord -
Verantwortlich: P. Bernd Hagenkord SJ / Stefan von Kempis
Redaktion:
Anne Preckel
Redaktionsschluss 16.00 Uhr
Die folgenden Texte basieren auf unserer
Nachrichtensendung „Treffpunkt Weltkirche“ täglich um 16 Uhr.
Unser Service: Papsttermine online
Zum Auftakt des Welternährungsgipfels am nächsten Montag besucht Papst Benedikt XVI. den Sitz der Welternährungsorganisation FAO in Rom. Wenige Tage später wird der Primas der anglikanischen Kirche im Vatikan erwartet. Radio Vatikan informiert über diese und andere Termine auf der Seite
Programm des Papstes
THEMEN DES TAGES:
Vatikan würdigt Mauerfall
Am Dienstagabend ist in Berlin das zwanzigjährige Jubiläum des Berliner Mauerfalls begangen worden. Mehr als 30 aktive und ehemalige Staats- und Regierungschefs aus aller Welt, Friedensnobelpreisträger und zahlreiche ehemaligen Bürgerrechtler waren anwesend. US-Außenministerin Hillary Clinton und der frühere polnische Präsident Lech Walesa wiesen auf die wichtige Rolle Papst Johannes Pauls II. für das historische Ereignis hin. Der polnische Papst habe zum Sieg über einen „grausamen atheistischen Staat“ beigetragen, betont anlässlich des Jahrestags auch Vatikansprecher Pater Federico Lombardi. Er sagt über den „Papst der europäischen Einheit“:
„Ohne einen extrem komplexen historischen Prozess vereinfachen zu wollen – es ist nur natürlich, an die Bedeutung der Papstwahl, der Person Johannes Pauls II. und seiner Reisen nach Polen zu erinnern, in ein Land, das zu großen Teilen dem katholischen Glauben treu geblieben war. Papst Johannes Paul hat entscheidend zum Freiheitswillen seines Volkes und der Nachbarländer beigetragen. Als das alt gewordene Kirchenoberhaupt schließlich das Brandenburger Tor durchschritt, war nicht nur Deutschland wiedervereint, sondern Europa atmete endlich wieder mit beiden Lungen, dem Osten und dem Westen. Der christliche Glauben hatte wieder einmal zur Einheit und zur Kultur des Kontinents beigetragen und die grausame Prüfung eines atheistischen Staates überwunden.“ (rv)
Zum Nachhören
Die Mauer fällt: Ein Kommentar von Stefan Kempis
Korea: „Religionsfreiheit“ und Christenverfolgung
Nordkorea gilt heute als das Land mit der stärksten Christenverfolgung. Zwar herrscht in dem kommunistisch regierten Staat offiziell Religionsfreiheit; tatsächlich aber werden in der Diktatur Kim Jongs II bis zu 70.000 Christen in mehr als 30 Arbeits- oder Straflagern gefangen gehalten. Das berichtet das überkonfessionelle deutsche Hilfswerk „Open Doors“, das im Kontakt mit vor Ort verfolgten Gläubigen steht. Die Nordkoreanerin Lee Sung-Ae hat die Schrecken eines Gefangenenlagers vier Jahre lang ertragen müssen. Anfang November sagte sie vor dem englischen Parlament als Zeugin aus, Radio Vatikan erzählte Lee Sung-Ae ihre Geschichte:
„Wegen der Essenskürzungen in Nordkorea ging ich 1997 nach China. Die Situation war so schlecht, dass mein Mann wegen Mangelernährung starb. Auch meine vier Kinder waren schon ganz schwach. In China wohnte ich bei meinem Cousin, der Mitglied in einer Kirche ist. Ich ging mit ihm in die Kirche und traf dort den Pastor. Er schlug vor, einen Monat lang die Bibel zu studieren. Das tat ich und trat danach zum christlichen Glauben über. Als ich zu meinen Kindern nach Nordkorea zurückfuhr, nahm ich fünf Bibeln mit. Und da sperrten sie mich ins Gefängnis, weil ich Christin war.“
Trotz der bis heute andauernden Christenverfolgung in Nordkorea lassen sich die Gläubigen im Land aber nicht entmutigen. Das bestätigt der scheidende Generalsekretär des Weltkirchenrates, Samuel Kobia, der das Land im Oktober mit einer Delegation besuchte. Nordkoreas Präsident Kim Young Nam habe großes Interesse an der Entwicklung der Kirchen gezeigt. Ob der Schein trügt, lässt der Noch-Generalsekretär des Weltkirchenrates aber offen. (rv/diverse)
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Erzbischof: Integration braucht „Einsatz von beiden Seiten“
Gelungene Integration erfordert „Einsatz von beiden Seiten“, von Seiten der Einwanderer und von Seiten der Zielländer. Das betont der Präsident des Päpstlichen Migrantenrates, Erzbischof Antonio Maria Vegliò. Er äußerte sich am Rande des 6. Weltkongresses der Flüchtlings- und Migrantenpastoral im Vatikan. Der dreitägige Kongress startete am Montag und will pastorale Antworten auf brennende Fragen der weltweiten Migration geben. Dabei kommen bis Donnerstag die Chancen des globalen Phänomens als auch seine negativen Auswüchse, wie etwa Menschenhandel und Prostitution, zur Sprache.
„Wohlwollen und Gerechtigkeit – beides muss in einer Balance sein, um den Fluss der Einwanderung ausgewogen zu lenken. Tatsächliche Integration und richtiger Austausch zwischen den sozialen, wirtschaftlichen und politischen Systemen kann nur stattfinden, wenn man einerseits die Menschenwürde der Einwanderer respektier, und wenn die Einwanderer andererseits die Werte der Gesellschaft anerkennen, die sie aufgenommen hat.“
Rein „technische“ Lösungen seien nicht ausreichend, um dem „Makrophänomen“ zu begegnen, so Vegliò. Denn Migration berühre grundlegende ethische Fragen.
„Es geht um den Respekt der Menschenwürde. Und wenn es nicht möglich ist, im eigenen Land ein wirklich menschenwürdiges Leben zu führen, muss man das Recht zur Emigration anerkennen, denn Auswandern bedeutet, Würde zu suchen.“
An diese Würde zu erinnern, sei Aufgabe der Kirche, so der Erzbischof. (rv)
Mehr zum Thema
Estland: Kirche im Aufwind
Die katholische Kirche in Estland erfreut sich steigender Beliebtheit. Das berichtet der Salzburger Ökumene-Experte Josef Außermair im Gespräch mit Kathpress. Außermair ist unlängst von einer Gastprofessur an der estnischen Universität von Tartu/Dorpat zurückgekehrt, die als wichtigste Universität im baltischen Raum gilt. Die evangelisch-lutherische Kirche ist mit einem Anteil von 15 Prozent – knapp gefolgt von der orthodoxen Kirche – die größte christliche Konfession in Estland. Der Großteil der Bevölkerung sei aber immer noch konfessionslos, so der Ökumene-Experte.
„Das Land ist heute durch die Sowjetunion und die Politik – vergleichbar mit der Tschechischen Republik oder den ostdeutschen Gebieten – in ausgesprochen hohem Maße säkularisiert. Die Religion und die Konfessionen im Allgemeinen spielen in dem Sinne eine geringe Rolle. Die katholische Kirche ist hier so klein, dass es bei einer Bevölkerung von 1,3 Millionen vielleicht 5.000 Katholiken gibt, die damit relativ unbedeutend sind. Die kleinen Gemeinden ziehen aber sehr viele Intellektuelle an und sind durchaus im Wachsen begriffen.“ (kap)
Hintergründe hier
AUS UNSEREM ABENDPROGRAMM:
Dieter Stolte – Magier der Medienwelt
Prof. Dieter Stolte arbeitete bereits 1961 beim Aufbau des Saarländischen Rundfunks mit, wechselte dann zum ZDF in Mainz und ging als Fernsehdirektor zum Südwestfunk nach Baden-Baden. 1981 wurde Stolte Intendant des ZDF. Mit ihm trat der erste Medienpraktiker an die Spitze des Mainzer Senders, eine der größten europäischen Sendeanstalten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Dieter Stolte leitete dieses Amt 20 Jahre lang. Seit 2002 ist er als Herausgeber von „Die Welt“ und „Berliner Morgenpost“ für den Axel-Springer-Verlag tätig. (rv)
Eine Sendung von Aldo Parmeggiani zum Nachlesen und -hören
DIE NACHRICHTEN:
Vatikan
Papst Benedikt ruft die italienische Bischofskonferenz zur Verteidigung des Lebens auf. In einer Kultur, die den Gedanken an den Tod „verdränge“ und das Phänomen zum „Spektakel“ oder gar zu einem „Recht“ mache, sei es Aufgabe der Gläubigen, den Tod christlich zu deuten. Das schreibt Benedikt in einer Grußbotschaft, die am Montag auf der Vollversammlung der Bischofskonferenz in Assisi verlesen wurde. (ansa)
Europa
Weißrussland
Präsident Alexander Lukaschenko hat am Montag in Minsk Kurienkardinal Walter Kasper empfangen. Dabei überbrachte der Präsident des Rates für die Einheit der Christen Lukaschenko Grüße von Papst Benedikt XVI., berichtet die staatliche weißrussische Nachrichtenagentur „Belta“. Kasper habe bei der Begegnung an das Abkommen erinnert, das zurzeit zwischen dem Heiligen Stuhl und der ehemaligen Sowjetrepublik erarbeitet werde, hieß es weiter. – Der aus Deutschland stammende Kurienkardinal nimmt auf Einladung des orthodoxen Metropoliten Filaret von Minsk und Slutsk an einer christlich-jüdischen Konferenz in Minsk teil. Zu der bis Mittwoch dauernden Tagung kommen auch der Alterzbischof von Washington, Kardinal Theodore McCarrick, und der katholische Erzbischof von Minsk und Mohilev, Tadeusz Kondrusiewicz. Lukaschenko hatte im Juni 2008 mit Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone in Minsk Verhandlungen über einen Grundlagenvertrag zwischen dem mehrheitlich orthodoxen Land und dem Heiligen Stuhl vereinbart. Eine nach Angaben der weißrussischen Regierung für dieses Jahr geplante erneute Reise Bertones in das Land kam bislang aber nicht zustande. (kna)
Schweden
Die lutherische Kirche des Landes setzt ihren Kurs der Liberalisierung fort. Nach ihrer Erlaubnis für homosexuelle Pfarrer, zu heiraten, hat Schwedens lutherische Kirche nun die erste lesbische Bischöfin. Die in einer „eingetragenen Partnerschaft“ lebende Eva Brunne wurde an diesem Sonntag zur Bischöfin des Bistums Stockholm geweiht. „Es ist ein positives Zeichen, dass unsere Kirche hier mit gutem Beispiel vorangeht und mich auf der Basis meiner Qualifikation ausgewählt hat, auch wenn man sich darüber im klaren war, dass diese Entscheidung auf Widerstand stoßen würde“ - mit diesen Worten wird Brunne von der Nachrichtenagentur AP zitiert. Kritik kam unterdessen von Brunnes Vorgänger im Amt, Erzbischof Gunnar Weman. Er nannte die Entscheidung „unvereinbar mit der Heiligen Schrift“. Auch Vertreter kleinerer christlicher Konfessionen kritisierten die Entscheidung für Brunne. Sie sei eine „Tragödie“ für die Kirche in Schweden. (ap)
Amerika
Brasilien
In Brasilien ist wieder ein Priester ermordet worden. Der 48-jährige Pfarrer einer Pfarrei in der Erzdiözese Maceió wurde nach Angaben des Bistums am vergangenen Donnerstag erstochen. Seine Leiche wurde erst am Samstag entdeckt. Die brasilianische Bischofskonferenz hat unterdessen die Liste der getöteten Geistlichen aktualisiert: Der Priester ist bereits der vierte katholische Priester in knapp fünf Monaten, der eines gewaltsamen Todes stirbt. (rv)
Honduras
Im Westen des Landes ist ein katholischer Pfarrer entführt worden. Wie die Tageszeitung „La Tribuna“ am Montag auf ihrer Internetseite berichtete, wurde der Priester der Pfarrgemeinde Ocotepeque schon am Wochenende verschleppt. Der 45 Jahre alte Hernandez Salazar, der ursprünglich aus Guatemala stammt, arbeitet seit vier Jahren in der Pfarrei. Er sei unterwegs von Unbekannten gestoppt und entführt worden. Die Polizei fand nach Angaben der Zeitung wenig später in dem Fahrzeug der mutmaßlichen Entführer die Papiere und persönliche Gegenstände des Priesters. Bislang ist unklar, ob Salazar das Opfer einer politisch motivierten oder einer gewöhnlichen Straftat wurde. (kna)
Venezuela
Die Kirche in Venezuela hat Staatspräsident Hugo Chavez zu Besonnenheit und Diplomatie aufgerufen. Im diplomatischen Konflikt mit Kolumbien müsse es andere Wege geben, als die Kriegstrommeln zu schlagen, sagte der Vizepräsident der Bischofskonferenz, Erzbischof Baltazar Porras Cordozo. Statt die Bevölkerung auf einen Krieg einzuschwören, müsse sich der Präsident vielmehr den innenpolitischen Problemen des Landes zuwenden. Korruption und eine desolate Infrastruktur seinen die wirklichen Herausforderungen des Landes. „Wir als Kirche rufen zum Frieden auf und dazu, die Probleme zu lösen. Nicht nur die bilateralen, sondern auch die internen“, so der Erzbischof. (kna)
Vereinigte Staaten
Die Bischöfe sind erleichtert darüber, dass sie eine ihrer wichtigsten Forderungen an Barack Obamas Gesundheitsreform durchsetzen konnten. Bei der Abstimmung über die Reform im Repräsentantenhaus fand sich eine große Mehrheit für eine Regelung zur Abtreibung. Sie präzisiert, dass Abtreibungen aus freien Stücken nicht durch das öffentliche System finanziert werden.„Die Bischofskonferenz wird sich wachsam daran beteiligen, dass diese grundsätzlichen Zusagen eingehalten und in den abschließenden Gesetzestext einfließen werden“, sagte der Vorsitzende der Konferenz, Kardinal Francis George, in einem Statement an diesem Montag. Die Bischöfe blieben jedoch „tief besorgt“ über den weiteren Gang des Gesetzentwurfes. Besonders die Regelungen zur Integration von armen und hilflosen Menschen in die Gesundheitsvorsorge müssten darin Eingang finden. (rv)
Vereinte Nationen
Die Staatengemeinschaft sollte mehr als bisher in die Landwirtschaft investieren. Das fordert der Generaldirektor der Welternährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO, Jacques Diouf. Weltweit seien die Bauern die größten Leidtragenden der Wirtschaftskrise, so Diouf am Montag. Die Landwirte litten besonders unter den gestiegenen Preisen für Dünger und Saatgut. Deshalb bräuchten sie nun mehr finanzielle Mittel. Diouf sprach vor dem Entwicklungsausschuss des Europaparlaments. (ansa)
Die obigen Texte basieren auf unserer Nachrichtensendung „Treffpunkt Weltkirche” täglich um 16 Uhr. Die Quellen unserer Nachrichtensendung sind u.a. die Agenturen Kna, Kathpress, Ansa, Efe, Afp, Kipa, Reuters, Ap, ADN-Kronos, Upi, Cns, Uca, Misna, Osservatore Romano – die Vatikanzeitung in deutscher Sprache, sowie vatikaninterne Quellen. Der Newsletter ist nur zur persönlichen Information bestimmt. Grundlage für Zitate oder Übernahmen aus unserem Programm kann nicht unser Internetauftritt oder der Newsletter, sondern nur unser Radio-Programm sein. Die jeweils aktuelle Nachrichten- oder Magazinsendung von Radio Vatikan können Sie u.a. auf unserer Internetseite hören