Meldungen vom 19.11.2009
- Papst trifft „seine“ Studis -
- Nahost: Jerusalem-Frage spaltet -
- Pawlikowski: Gespräch mit Piusbrüdern heikel -
- DBK und Zentralrat für religiöse Symbole -
Verantwortlich: P. Bernd Hagenkord SJ / Stefan von Kempis
Redaktion:
Mario Galgano
Redaktionsschluss 16.00 Uhr
Die folgenden Texte basieren auf unserer
Nachrichtensendung „Treffpunkt Weltkirche“ täglich um 16 Uhr.
THEMEN DES TAGES:
Papst: „Christliches Studium ist nicht vom Gebet zu trennen“
Wissen braucht eine „Einleuchtung durch den Glauben“. Das forderte Papst Benedikt XVI. an diesem Donnerstag. In der Audienzhalle traf er die Studenten und Professoren der Päpstlichen Universitäten. Über 1.300 Katholische Lehranstalten gibt es auf der ganzen Welt. Alleine in Rom studieren Frauen und Männer aus aller Welt an acht verschiedenen Fakultäten, die den Titel einer „Päpstlichen Universität“ tragen. Dominik Skala war für uns in der Aula:
„Liebe Freunde, euer Bemühen um den Dienst an der Wahrheit, die Gott geoffenbart hat, ist ein Dienst, der sich an der Verbreitung des Evangeliums beteiligt, das Christus der Kirche aufgetragen hat. Er ist ein wirklich kirchlicher Dienst. Christliches Studium ist immer auf den Schluss des Matthäusevangeliums ausgerichtet: Geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe.“
Diese Worte hat Papst Benedikt XVI. über fünftausend Theologiestudenten mitgegeben, die sich am Donnerstag in der Audienzhalle im Vatikan versammelt hatten. Aus Anlass der Eröffnung des akademischen Jahres an den päpstlichen Universitäten in Rom mahnte Benedikt die Studierenden und Lehrenden aus den verschiedensten Nationen, dass sich das Studium der Theologie nicht im Lesen von Büchern erschöpft:
„Gleichzeitig ist es wichtig, sich daran zu erinnern, dass das wissenschaftliche Studium der Theologie nicht vom Gebet getrennt werden darf. Die Einheit mit Gott, die Kontemplation, das Nachsinnen über die göttlichen Geheimnisse gehören zu einer wirklichen intellektuellen Beschäftigung. Jede wissenschaftliche Theologie zielt auf eine „Wissenschaft des Heiligen“ hin. Sie ist ein Ringen um das Geheimnis des lebendigen Gottes und um Weisheit, die ein Geschenk des Heiligen Geistes ist.“ (rv)
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UNO/Vatikan: „FAO-Gipfel diente als Mahnung“
Nicht alle Teilnehmer des FAO-Welthungergipfels in Rom sind enttäuscht von den Ergebnissen des Treffens. Der Vatikanvertreter bei der UNO-Organisation für Ernährungs- und Landwirtschaftsfragen sieht darin nämlich eine „Mahnung an alle“, sich des internationalen Hungerproblems bewusster zu werden. Solche Gipfeltreffen seien vor allem für die öffentliche Meinung wichtig, sagt Erzbischof Renato Volante gegenüber Radio Vatikan:
„Die Resultate des FAO-Summits entsprechen meinen Erwartungen. Ich selber habe nicht erwartet, dass konkrete Maßnahmen verkündet werden sollten, also dass die FAO uns sagen soll, wie man besser Gemüse anpflanzt oder dergleichen. Vielmehr ging ich davon aus, dass wir alle daran erinnert werden, wie dramatisch die Hungerkatastrophe in vielen Teilen der Welt ist. Das Hunger-Drama kann nur dadurch gelöst werden, wenn es jedem Einzelnen von uns bewusst ist, dass wir einer einzigen großen Weltfamilie angehören. Jeder von uns trägt also Verantwortung. Wir im Westen wissen doch, dass wir genügend Nahrung haben nicht nur für uns sondern auch für alle Armen auf der Welt.“
Der dreitägige Uno-Welternährungsgipfel in Rom ist am Mittwoch zu Ende gegangen – laut Kritikern ohne konkrete Ergebnisse. Die Teilnehmer einigten sich in der Schlusserklärung darin, dass die Resultate der Gespräche unverbindlich seien. Bereits am Montag hatten die 190 FAO-Mitgliedstaaten eine Erklärung verabschiedet. In der Erklärung wird der Wille bekräftigt, die im Jahr 2000 von den Vereinten Nationen formulierten Millenniumsziele zu erreichen. Diese sehen vor, die Zahl der von Hunger Betroffenen bis 2015 zu halbieren. Konkrete Maßnahmen oder finanzielle Zusagen um dieses Ziel zu erreichen blieben aber aus. (rv/afp)
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Nahost: Jerusalem-Frage ist ausschlaggebend
Die Lage im Nahen Osten spitzt sich weiter zu: US-Präsident Barack Obama sieht das Ziel eines Friedensabkommens zwischen Israelis und Palästinensern durch den Siedlungsbau in Ost-Jerusalem bedroht. In einem Interview nannte er die Haltung Israels „gefährlich“. Die Regierung in Tel Aviv wies die Kritik zurück. Ein Mitarbeiter von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu nannte das Siedlungs-Projekt einen normalen Vorgang, um den sich der Regierungschef gewöhnlich nicht kümmere.
Das künftige Zusammenleben zwischen den beiden Völkern sei davon abhängig, wie die Jerusalem-Frage gelöst werde. Das sagt uns der vatikanische Nahost-Fachmann, Franziskanerpater David Maria Jaeger.
„Denn aus israelischer Sicht gilt Ost-Jerusalem bereits jetzt als Teil des israelischen Staates. Die Bewilligungen für den Siedlungsbau wurden deshalb ohne die Berücksichtigung der internationalen Abkommen gegeben. Ein weiterer Punkt betrifft West-Jerusalem, auch dort geht es darum, die Stadt noch stärker mit dem israelischen Territorium zu vereinen. Was nun den Ostteil der Stadt betrifft, so geht es bei den Siedlungen darum, eine klare politische Botschaft zu vermitteln: Israel sagt damit aus, dass bei jeglichen Abkommen mit den Palästinensern die Jerusalem-Frage nur eine Antwort haben kann, nämlich dass die Stadt israelisch sein sollte.“
Das israelische Innenministerium hatte am Dienstag den Bau von 900 neuen Wohneinheiten im besetzten Osten von Jerusalem genehmigt. In diesem Stadtteil leben etwa 270.000 Palästinenser und 180.000 jüdische Israelis. Israel hatte den Ostteil der Stadt im Zuge des Sechstagekrieges 1967 besetzt und später annektiert. Die Einnahme wurde international nie anerkannt, ebenso wenig wie der Status von Jerusalem als Hauptstadt Israels. Die Palästinenser wünschen sich Ost-Jerusalem als Hauptstadt eines künftigen eigenen Staates. (rv/afp)
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Österreich/USA: Gefährliche Gespräche mit Piusbruderschaft
Die vor drei Wochen im Vatikan begonnenen theologischen Gespräche zwischen der Piusbruderschaft und der Glaubenskongregation könnten am Knackpunkt der Anerkennung des Zweiten Vatikanischen Konzils scheitern und damit „an die letzten vier Jahrzehnte des palästinensisch-israelischen Konflikts erinnern“, oder sie könnten insgesamt zu einem verheerenden Resultat führen. Das sagt der frühere Präsident des Internationalen Rates der Christen und Juden, Pater John Pawlikowski OSM, im Gespräch mit „Kathpress“ in Wien. Pater Pawlikowski:
„Ein überaus schlimmes Signal für den Dialog der Kirche mit dem Judentum ist meiner Meinung nach, wenn die von Papst Benedikt XVI. gewünschte Einigung mit den Lefebvrianern um den viel zu hohen Preis einer Relativierung des Konzilsdokuments „Nostra Aetate“ erkauft würde. In diesem vor 44 Jahren verabschiedeten Dokument wurde die Beziehung der Kirche zum Judentum neu bestimmt. „Nostra Aetate“ bedauerte die alte Sichtweise des Gegensatzes von „Ecclesia et Synagoga“ und ersetzte sie durch eine neue Sichtweise enger Partnerschaft. Dieser zufolge sind Christen und Juden gemeinsam Partner im Prozess, die endzeitliche Gottesherrschaft herbeizuführen.“
Eine neue Annäherung zwischen Katholiken und Juden könnte beispielsweise in der Forschung über die christlichen und jüdischen Gemeinden im Osten im ersten und zweiten Jahrhundert liegen, so Pawlikowski. Diese Forschung führe zu einer Wieder-Einbeziehung Jesu und der frühen Kirche in das jüdische Volk.
Pater Pawlikowski, der an der „Catholic Theological Union Graduate School“ in Chicago lehrt, hielt am Dienstagabend im „Kardinal König Haus“ und am Mittwoch an der Wiener Katholisch-Theologischen Fakultät Vorträge zum christlich-jüdischen Dialog. (kap)
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Gedankenlesen: Was der Papst wirklich von moderner Kunst hält
In zwei Tagen, am Samstag, empfängt Papst Benedikt in der Sixtinischen Kapelle moderne Künstler – eine Art Gipfeltreffen von Kirche und Kunst unter den wachsamen Augen der Michelangelo-Fresken. Dann wird er eine große Rede zum Thema moderne Kunst halten. Aber was hält der Mensch unter der weißen Robe, Joseph Ratzinger, eigentlich ganz im Geheimen von der modernen Kunst? Das hat er mal, als er noch Kardinal war, dem Journalisten Peter Seewald anvertraut – und wir haben diese bisher unveröffentlichte Aufnahme aus unseren Archiven gekramt. Frage Seewald: Was beeindruckt Sie an der modernen Kunst?
„Das ist jetzt bei den modernen Künstlern gar nicht so einfach... Ich bin da gar nicht so auf Personen spezialisiert; ich finde, es gibt in der modernen Plastik, der Bildhauerei, viele sehr schöne Sachen. In der Malerei finde ich eigentlich ganz wenig, was einen wirklich begeistern oder ansprechen könnte... Unter den Dichtern will ich jetzt nicht zufällig ein paar nennen – ich muss auch sagen: Die allerneuesten kenne ich auch wirklich nicht, aber wenn ich an die Generation, die man in unserer Jugend kannte, denke, dann waren Trakl und Hermann Hesse und Thomas Mann schon Autoren, die einen beeindruckten.“
Trakl, Hesse, Mann – wirklich nicht die Allerneuesten. Aber Kardinal Ratzinger, der jetzige Papst, unterschlug in diesem Interview, dass er sehr oft Neuerscheinungen von Schriftstellern aus dem deutschen Sprachraum liest. Was ihn geprägt hat in der Literatur?
„Ich muss da eigentlich ganz banal sagen, dass mich der „Faust“ schon mächtig beschäftigt hat in meiner Jugend; dass mir dann auch die Romantiker, also Storm, Eichendorff und Mörike usw., viel gegeben haben, aber dann auch Dostojewski und Solschenizyn mir eine große Lektüre geworden sind. Schon auch Hermann Hesse; ich müsste jetzt aber nachdenken, wenn ich da vollständiger werden wollte.“
Zum Nachdenken über moderne Kunst hat Papst Benedikt noch zwei Tage Zeit – bis zum Elefantentreffen in der Sixtina! (rv)
Die Ton-Aufnahme von Kardinal Ratzinger wurde von Peter Seewald erstellt für sein Gesprächsbuch „Salz der Erde“, das wir unseren Hörern und Lesern sehr empfehlen. (rv)
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AUS UNSEREM ABENDPROGRAMM:
Die Friesenkirche in Rom
Es ist ein uraltes Gotteshaus, aus dem Hochmittelalter, und nur ein paar Schritte von der Kolonnade des Petersplatzes entfernt. Weitgehend unbeachtet vom großen Pilgerstrom: die Kirche der Friesen in Rom, San Michele in Sassia. Am vergangenen Sonntag wurde mit einem feierlichen Gottesdienst eine 20 Jahre währende Restaurierungsphase abgeschlossen. Möglich gemacht hat das die Stiftung „Freunde der Kirche der Friesen“; Maria Martens aus den Niederlanden ist hier federführend und stand uns Rede und Antwort. (rv)
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Türkei/USA: „Yes, we can“, aber hier nicht
Die orthodoxen Christen in der Türkei können offenbar auf die Hilfe von US-Präsident Barack Obama zählen. Dieser habe dem ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. von Konstantinopel bei einem Treffen in Washington mit Blick auf die türkische Religionspolitik seine Unterstützung zugesagt, teilt die griechisch-orthodoxe Erzdiözese von Amerika auf ihrer Webseite mit. Dabei sei es vor allem um das seit langem geschlossene orthodoxe Priesterseminar Chalki gegangen. Obama habe gesagt, dass eine funktionierende orthodoxe Hochschule auch für das Renommee der Türkei wichtig sei. Das Seminar auf der Insel Heybeli im Marmarameer war 1971 im Zuge eines Verbotes privater Hochschulen in der Türkei geschlossen worden. Obwohl private Universitäten heute wieder erlaubt und verbreitet sind, durfte Chalki bisher nicht wieder eröffnen. Otmar Oehring ist Türkei-Kenner und Menschenrechtsexperte des kirchlichen Hilfswerks „Missio“. Wir fragten ihn, ob Obamas „Yes, we can“ dem Orthodoxen Patriarchen helfen kann. (rv)
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DIE NACHRICHTEN:
Vatikan
Papst Benedikt XVI. hat neue Berater für die Glaubenkongregation ernannt. In dem Gremium sitzen künftig der 65-jährige französische Kurienerzbischof Jean Louis Brugues und der 71-jährige Erzbischof Manuel Monteiro de Castro. Er ist Sekretär der Bischofskongregation und des Kardinalskollegiums im Vatikan. Erzbischof Brugues ist seit November 2007 Sekretär der Bildungskongregation. Der Portugiese Monteiro de Castro hatte als Nuntius in Spanien erst im Juli die Aufgabe als zweithöchster Amtsträger der Bischofskongregation übertragen bekommen. Im Oktober erhielt er zusätzlich den Posten in der Behörde des Kardinalskollegiums. Papst Benedikt XVI. hat den US-Theologen John Cavadini in die internationale Theologenkommission des Vatikans ernannt. Der Augustinus-Spezialist lehrt an der Notre-Dame-Universität South Bend Theologie mit den Schwerpunkten Patristik und frühes Mittelalter. Erst kürzlich wurde er mit dem päpstlichen Gregoriusorden ausgezeichnet. (rv/kna)
Eine Fünf-Euro-Gedenkmünze soll an die Armutsbekämpfung erinnern. Dazu hat der Vatikan am Mittwoch eine Sonderprägung in Silber herausgegeben. Gewidmet sind die Münzen der Botschaft von Papst Benedikt XVI. zum Weltfriedenstag 2009. Diese trägt das Motto: „Die Armut bekämpfen, den Frieden schaffen“. Die Auflage beträgt 9.600 Stück. Die Gedenkmünzen können beim vatikanischen Amt für Numismatik für 50 Euro erworben werden. Weitere Sondermünzen sind dem 80-jährigen Bestehen des Vatikanstaates, dem internationalen Jahr der Astronomie sowie der frühchristlichen Statue des „guten Hirten“ aus den Vatikanischen Museen gewidmet. Teuerstes Stück der neuen Serie ist eine goldene 50-Euro-Gedenkmünze mit der 1506 aufgefundenen Laokoon-Gruppe, die als erstes Kunstwerk der päpstlichen Sammlungen gilt. Die Prägung mit einer Auflage von 2.930 Exemplaren kostet 490 Euro. (rv/kipa)
Europa
Europäische Union
Die katholischen EU-Bischöfe plädieren für ehrgeizige Beiträge der Industrieländer zur Unterstützung der Entwicklungsländer beim Klimawandel. Deren finanzielle Unterstützung sei kein Almosen, sondern ein Gebot der Gerechtigkeit. Das sagte der Präsident der EU-Bischofskommission (ComECE), Bischof Adrianus van Luyn, am Mittwoch in Brüssel. Bei der Festlegung des finanziellen Beitrags müsse die historische Verantwortung der Industrieländer bei der Erderwärmung berücksichtigt werden. Zur Eröffnung der ComECE-Herbstvollversammlung sagte van Luyn weiter, die Kirchen wollten die EU-Bürger ermutigen, die notwendigen Veränderungen des Lebensstils mitzutragen. Van Luyn äußerte zudem die Hoffnung auf einen Durchbruch bei der Abrüstung. Er würdigte dabei die Ankündigung der deutschen Bundesregierung, sich für einen Abzug der taktischen Atomwaffen aus Deutschland einsetzen zu wollen. (pm/kipa)
Die Europäische Union soll sich stärker ihrer Werte bewusst werden. Das fordern Vertreter christlicher Kirchen. Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. betonte am Donnerstag, dass Europa sein gemeinsames Erbe beschützen solle. Der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I. wies darauf hin, dass Europas Identität heute in Gefahr sei. Beide richteten eine Grußbotschaft an die Teilnehmer eines Dialogseminars der christdemokratischen EVP-Fraktion des Europaparlaments in Venedig. Von katholischer Seite sprach der emeritierte polnische Bischof Tadeusz Pieronek. Er kritisierte, dass Europa mittlerweile von Minderheiten regiert werde, die der Mehrheit ihr Lebensmodell aufzwängen. (pm)
Deutschland
Bundespräsident Horst Köhler wird Anfang Dezember den Vatikan besuchen. Wie das Bundespräsidialamt an diesem Donnerstag bekannt gab, werden Köhler und seine Frau Luise am Vormittag des 5. Dezember von Papst Benedikt zu einer Privataudienz empfangen. Außerdem habe Köhler den Papst zu einem Konzert der Augsburger Domsingknaben mit dem Münchner Residenzorchester in die Papstkirche Santa Maria Maggiore eingeladen. Das Konzert solle am Abend des 4. Dezember stattfinden. Die Visite des Bundespräsidenten beim Heiligen Stuhl fällt laut Mitteilung mit seinem Staatsbesuch in Italien zusammen. Demnach wird Köhler am 4. Dezember den italienischen Staatspräsidenten Giorgio Napolitano zu Gesprächen treffen. (pm)
Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) wählt am Freitag im zweiten Anlauf einen neuen Präsidenten und eine neue Führungsspitze. Einziger Kandidat für die Nachfolge von Präsident Hans Joachim Meyer (73) ist der 69-jährige CSU-Politiker und frühere bayerische Landtagspräsident Alois Glück. Die neue Führungsspitze sollte ursprünglich bereits im Frühjahr gewählt werden. Allerdings verweigerte die Deutsche Bischofskonferenz damals vorab dem einzigen Kandidaten für das Präsidentenamt, dem hessischen Kultur-Staatssekretär Heinz Wilhelm Brockmann (CDU), die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit. Gewählt werden bei der Herbstvollversammlung in Bonn auch die vier Vizepräsidenten. Dafür kandidieren unter anderen der nordrhein-westfälische Integrationsminister Armin Laschet (CDU), der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, die frühere Parlamentarische Staatssekretärin im Entwicklungshilfeministerium, Karin Kortmann (SPD), und die Generalsekretärin der Bischöflichen Studienförderung Cusanuswerk, Claudia Lücking-Michel. Inhaltlich wird es in der Bad Godesberger Stadthalle unter anderem um Bildung und Integration sowie um die Zukunft der Sozialen Marktwirtschaft gehen. Im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) sagte scheidende ZdK-Präsident Meyer, nach dem Brockmann-Eklat wachse das Vertrauen zwischen den Bischöfen und dem ZdK wieder. (kna)
Nicht alle Kinder haben in Deutschland die gleichen Rechte. Darauf weist der Deutsche Caritasverband aus Anlass des Jahrestages der UNO-Kinderrechtskonvention am Freitag hin. Vor 20 Jahren wurde das Übereinkommen über die Rechte des Kindes verabschiedet. In Deutschland ist es seit 1992 in Kraft, allerdings mit Einschränkungen: Die Ratifizierung der Konvention wurde von der Bundesregierung unter einen ausländerrechtlichen Vorbehalt gestellt. Dieser schränkt den Schutzgedanken der Konvention stark ein, in dem das Ausländerrecht Vorrang vor der UNO-Kinderrechtskonvention erhält. Der Caritasverband kritisiert, dass der Vorbehalt erlaube, betroffenen Kindern und Jugendlichen nur eingeschränkten Zugang zu Medizin und Bildung zu ermöglichen. Positiv bewertet der Caritasverband die Erklärung im Koalitionsvertrag der Regierung, die Vorbehaltsregelung zurückzunehmen. (pm)
Religiöse Symbole und religiöses Bekenntnis sollen nicht aus der Öffentlichkeit verdrängt werden. Das forderten die deutschen Bischöfe und der Zentralrat der Juden in Deutschland am Mittwoch. In Freiburg trafen sich Vertreter des Zentralrats sowie eine Delegation der Deutschen Bischofskonferenz zu einem Gespräch, geleitet von der Vorsitzenden des Zentralrats Charlotte Knobloch und dem Vorsitzenden der DBK Erzbischof Robert Zollitsch. Beide Religionsgemeinschaften sprachen sich zudem dafür aus, dass die Erziehung zu Toleranz und Dialogbereitschaft in den Schulen verstärkt und jede Form von Antisemitismus, Antijudaismus und Antizionismus bekämpft wird. Aber genauso kritisierten ebenfalls beide Seiten das jüngste Kruzifixurteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte in Straßburg. Die religiöse Vielfalt in Deutschland dürfe nicht zu einer Verbannung religiöser Bekenntnisse ins Privatleben führen, unterstrichen Bischof Zollitsch und Frau Knobloch. An dem Gespräch nahmen neben den beiden Vorsitzenden auch die Vizepräsidenten des Zentralrats, Salomon Korn und Dieter Graumann, sowie Generalsekretär Stephan Kramer teil. Auf katholischer Seite waren auch der Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff und der Sekretär der Bischofskonferenz, Pater Hans Langendörfer beteiligt. (pm)
Religionslehrer sind nach den Worten von Erzbischof Robert Zollitsch „Brückenbauer zwischen Kirche und Schule“. Sie seien auch „Mittler zwischen zwei Institutionen, die sich an manchen Orten entfremdet haben“, so Zollitsch in einem Gottesdienst an diesem Donnerstag in Freiburg. Dem Glauben und dem Christentum ein Gesicht zu geben, seine eine zentrale Aufgabe der Religionslehrer. (pm)
Serbien/Vatikan
Mehrere hunderttausend Gläubige haben an diesem Donnerstag in Belgrad bei dem Trauerzug für den verstorbenen Patriarchen Pavle I. teilgenommen. Das Oberhaupt der serbisch-orthodoxen Kirche war am Sonntag im Alter von 95 Jahren gestorben. Als Vertreter des Vatikans nahm eine Delegation unter Leitung von Kardinaldekan Angelo Sodano an dem Begräbnis teil. Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel reiste persönlich zum Begräbnis an. Papst Benedikt XVI. würdigte Pavle I. in einem Beileidstelegramm als „Mann des Glaubens und des Dialogs“ gewesen sei. Benedikt erinnerte an die Gastfreundschaft des Patriarchen bei der Wiederaufnahme theologischer Gespräche zwischen dem Heiligen Stuhl und den orthodoxen Kirchen 2006 in Belgrad sowie an zahlreiche andere „Gesten der Brüderlichkeit gegenüber der katholischen Kirche“. Das Gedenken an Pavle I. solle Orthodoxe und Katholiken auf dem Weg des Dialogs und der Suche nach der vollen Gemeinschaft bestärken, betonte der Papst. Pavle ist am Donnerstagnachmittag in kleinem Kreis auf einem Klosterfriedhof in einem Vorort Belgrads bestattet worden. Ein Nachfolger des Patriarchen kann erst nach Ablauf einer Trauerperiode von 40 Tagen gewählt werden. Als Favorit gilt der 71-jährige Bischof Amfilohije, der das Amt seit Beginn von Pavles schwerer Krankheit bereits kommissarisch führte. (ap/or)
Afrika
Südafrika
Die Bischöfe der Region befürchtet eine neue Welle der Fremdenfeindlichkeit. Das sagte Pater Chris Townsend, Sprecher der Bischofskonferenz des Südlichen Afrika (SABC), in der sich Südafrika, Botswana und Swaziland zusammenschließen. Besonders die Situation der rund 2.700 Asylbewerber aus Simbabwe, die in der Nähe von Kapstadt Zuflucht gesucht haben, schüre die neue Rassismuswelle in Südafrika. Das sagte der Sprecher gegenüber der Nachrichtenagentur fides. Die Einheimischen befürchten, dass ihnen die Zuwanderer „Arbeitsplätze wegnehmen“, da sie bereit seien, für weniger Geld für die landwirtschaftlichen Betriebe in der Region zu arbeiten. Diese jüngsten Ereignisse erinnern an die Welle der Fremdenfeindlichkeit, zu der es im Mai 2008 in Johannesburg gekommen war. Damals hatte sich die Gewalt auf verschiedene Teile des Landes ausgeweitet. Bei den Auseinandersetzungen waren über 60 Menschen gestorben, während 100.000 Ausländer sich gezwungen sahen in geschützten Gebieten Zuflucht zu suchen. (fides)
Simbabwe
Nach dem Überfall auf einen deutschen Jesuitenpater in Simbabwe hat die deutsche Botschaft der Regierung von Präsident Robert Mugabe eine scharf formulierte Protestnote übergeben. Pater Wolfgang Thamm (70) war bereits 2002 bei den letzten Wahlen Opfer der Gewalt. An diesem Sonntag war er auf dem Weg, einen Jungen seiner Pfarrei in ein Krankenhaus zu bringen, als sein Wagen angehalten wurde und Soldaten den Pater verprügelten. Dieser noch vergleichsweise harmlos ausgegangene Überfall ist der jüngste in einer Serie der Zunahme von Gewalt in Simbabwe. Mit dem herannahen der Fußball-WM 2010, die im benachbarten und für Simbabwe wichtigen Südafrika stattfinden wird, richtet sich wieder mehr Aufmerksamkeit auf die Konflikte im Süden des Kontinents. (pm/eni)
Naher Osten
Iran/Deutschland
Die beiden iranischen Konvertitinnen zum Christentum Maryam Rostampour und Marzieh Amirizadeh sind am Mittwoch aus dem Teheraner Evin-Gefängnis entlassen worden. Das gab die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) bekannt. Die Freilassungen seien schon seit längerer Zeit erwartet worden, aber immer wieder hinausgeschoben worden, weil offenbar Bedingungen an die Entlassung geknüpft werden sollten, so die Menschenrechtsorganisation. Nach Erkenntnissen der Organisation sei es bei Konvertiten im Iran üblich, dass Haftentlassungen an Verhaltensregeln gebunden werden, die die Religionsfreiheit von Ex-Muslimen einschränken. Daher fordert die IGFM die bedingungslose Freiheit der beiden Konvertitinnen. Das Recht des „unverkürzten“ Religionswechsels und auf Glaubensverkündigung wird in dem vom Iran ratifizierten „Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte“ garantiert. – Die zum Christentum übergetretenen Iranerinnen, Maryam Rostampour (geboren 1982) und Marzieh Amirizadeh Esmaeilabad (geboren 1979), befanden sich seit dem 5. März 2009 im Teheraner Evin-Gefängnis in Haft. Beide wurden des „Verstoßes gegen die staatliche Sicherheit“ und „Mitwirkens an illegalen Zusammenkünften“ beschuldigt. (pm)
Asien
Indien
Tausende Menschen haben am Mittwoch gegen die Benachteiligung von Christen und Muslimen aus den unteren Kasten protestiert. An der vierstündigen Sitzblockade in der Hauptstadt New Delhi nahmen auch führende Kirchenvertreter teil, darunter der Sekretär der katholischen Bischofskonferenz, Erzbischof Stanislaus Fernandes. Erzbischof Vincent Concessao von New Delhi sagte, solange religiöse Minderheiten diskriminiert würden, könne sich Indien nicht als säkularer Staat bezeichnen. Die Demonstranten gehörten mehrheitlich der Gruppe der so genannten Dalits an. Darunter werden die Angehörigen der niedersten Kasten zusammengefasst. Anders als Dalits, die Hindus, Buddhisten oder Sikhs sind, haben christliche und muslimische Dalits keinen kostenfreien Zugang zum Erziehungswesen. Sie werden auch nicht bei der Vergabe von Arbeitsplätzen in staatlichen Behörden berücksichtigt. Rund zwei Drittel der 27 Millionen Christen Indiens sind Dalits. In einer Erklärung appellierte die nationale Vereinigung der christlichen Dalits an die verantwortlichen Politiker, auf gesetzlichem Wege die Ausgrenzung der christlichen Dalits zu beenden. (asianews/kap)
Amerika
Honduras
Kardinal Oscar Rodriguez Maradiaga hat scharfe Kritik am Verhalten des entmachteten Präsidenten Manuel Zelaya geübt. Wenn sich eine Person so verhält, wie Zelaya es getan hat, dann könne er nicht länger die moralische Autorität und somit Präsident des Landes sein. Das sagte der Erzbischof der Hauptstadt Tegucigalpa in einem Interview mit dem Wall-Street-Journal. Zugleich unterstrich der Kardinal noch einmal den Standpunkt der katholischen Kirche: „Was wir getan haben ist, zu sagen, dass es sich um eine verfassungskonforme Ablösung des Präsidenten handelte, dass wir aus den Fehlern lernen müssen und dass wir zur Versöhnung aufrufen.“ Nach dieser Stellungnahme wurden die Kirchenvertreter als Putschisten beleidigt, so der Erzbischof. Dies sei die schmerzhafteste Erfahrung während der Krise gewesen. Nach so vielen Jahren der Militärdiktatur gebe es wohl kaum eine schlimmere Beleidigung, so Rodriguez Maradiaga. Zelaya habe viele Anhänger, weil er den Armen viele Versprechungen gemacht habe. Die Aufgabe der Kirche sei es nun, eine Brücke zu bauen und für die Einheit des Landes da zu sein. Dazu könnten die Wahlen am 29. November dienen. – Ende September kehrte Zelaya heimlich in seine Heimat zurück und flüchtete in die brasilianischen Botschaft in Tegucigalpa. Der gestürzte Präsident hatte zuletzt seinen Verzicht auf eine Wiedereinsetzung ins Präsidentenamt erklärt. Anhänger Zelayas wollen die Wahlen am 29. November boykottieren. Die katholische Kirche des Landes rief unterdessen zur Teilnahme am Urnengang auf. (kna)
Die obigen Texte basieren auf unserer Nachrichtensendung „Treffpunkt Weltkirche” täglich um 16 Uhr. Die Quellen unserer Nachrichtensendung sind u.a. die Agenturen Kna, Kathpress, Ansa, Efe, Afp, Kipa, Reuters, Ap, ADN-Kronos, Upi, Cns, Uca, Misna, Osservatore Romano – die Vatikanzeitung in deutscher Sprache, sowie vatikaninterne Quellen. Der Newsletter ist nur zur persönlichen Information bestimmt. Grundlage für Zitate oder Übernahmen aus unserem Programm kann nicht unser Internetauftritt oder der Newsletter, sondern nur unser Radio-Programm sein. Die jeweils aktuelle Nachrichten- oder Magazinsendung von Radio Vatikan können Sie u.a. auf unserer Internetseite hören