Meldungen vom 6.10.2009
- Afrikasynode im Vatikan:
„Rassismus ist unchristlich“ -
- Kardinal Cordes verteidigt den Zölibat -
- Irak: Mord an einem Christen -
Verantwortlich: P. Eberhard v. Gemmingen SJ / Stefan von Kempis
Redaktion: Stefan von Kempis
Redaktionsschluss 16.00 Uhr
Die folgenden Texte basieren auf unserer
Nachrichtensendung „Treffpunkt Weltkirche“ täglich um 16 Uhr.
DIE AFRIKA-SYNODE:
Synodenväter: „Betonung von Rassenunterschieden ist unchristlich“
Die „Alltagsarbeit“ der dreiwöchigen Afrikasynode hat an diesem Dienstag im Vatikan begonnen. Gudrun Sailer hat die Diskussionsbeiträge verfolgt:
Erster der rund 15 Redner vom Vormittag war ein Gast, nämlich Abuna Paulos, Patriarch der äthiopischen orthodoxen Tewahedo Kirche. Angesichts schwieriger werdender Lebensumstände in Afrika rief der Patriarch im Vatikan die christlichen Kirchen dazu auf, gemeinsam eine „christliche Intelligenz der Liebe“ zu pflegen. An konkreten Herausforderungen nannte er die wachsende Gefahr durch Terrorismus, gewissenlose Ausbeutung der Rohstoffe durch Nicht-Afrikaner, Abwanderung, Kindersoldaten und Aids; afrikanische HIV-Infizierte müssten dieselben Therapien wie Europäer erhalten, so der Patriarch. Papst Benedikt rief in einer kurzen Dankesrede an den Gast die Kirche dazu auf, an einer integeren und solidarischen Gesellschaft mit zu bauen.
„Mörderische Verbrechen“
Kardinal Angelo Sodano sprach in einem interessanten Vortrag über die zunehmende Betonung von Rassenunterschieden in Afrika – „eine antichristliche Vorstellung“, wie der Dekan des Kardinalskollegiums hervorhob. Die Liebe zur eigenen Nation sei zwar etwas Edles und habe sich in einem christlichen Ambiente herausgebildet. Auf Abwegen führe die Überbetonung der eigenen Nation bzw. Rasse aber zu mörderischen Verbrechen wie dem Genozid von Ruanda. Dabei wurden 1994 aufgrund hervorgehobener Rassenunterschiede 800.000 Menschen ermordet. Europa habe in Bezug auf das Rassendenken seine Lehren aus der Geschichte gezogen. Heute näherten sich die Nationen in Europa einander immer mehr an, „und das mit der Unterstützung der örtlichen Bischofskonferenzen und auch des Heiligen Stuhles“, so Sodano, der 16 Jahre lang als Kardinalstaatssekretär wirkte.
„Auch uns selbst anklagen“
„Kriege und Konflikte säen eine Kultur der Gewalt und zerstören das moralische Gewebe unserer Gesellschaften“, bekundete auch Kardinal Polycarp Pengo von Tansania. Leider seien auch Kleriker nicht immer davor gefeit. „In dieser Synode müssen wir den Mut haben, auch uns selbst anzuklagen, wenn es um Machtmissbrauch und die Rolle von Autorität und Ethnozentrismus geht.“ Ein Synodenvater aus Kamerun fragte sich, warum die Bantu im Süden seines Landes eine so klare und wirksame Technik der Versöhnung im Fall von Streitfällen hätten, hingegen die Katholiken in seinen Kirchen mitunter nicht einmal den Friedensgruß austauschen wollten: Die Familienbande des Christentums müssten doch stärker sein als jede Stammestradition, gab der Bischof zu bedenken. Ähnliches war von einem südafrikanischen Bischof zu hören: Die Rassentrennung bestehe unterschwellig auch in der Kirche fort, schwarze und weiße Katholiken gingen etwa nicht gemeinsam auf Wallfahrt, weiße Seminaristen fühlten sich nicht im Frieden mit schwarzen. Das Resümee des Bischofs: „Die Prinzipien der Demokratie sind noch immer nicht bis zu den Wurzeln durchgesickert.“
„Gottlose Politik“
Ganz auf Bildung als probates Mittel zur Versöhnung in Afrika setzte ein Synodenvater aus Uganda. Er sprach über Entwicklungen in der Politik. Keiner solle sich über bestimmte afrikanische Machthaber täuschen, sie seien bloß „mildere Diktatoren“ als die Generation von Diktatoren vor ihnen. „In den meisten Ländern Afrikas ist die Politik, die wir erfahren, eine gottlose Politik. Diese Form von Führung ist ein Brutkasten für Konflikte“. Dagegen sei kein anderes Kraut gewachsen als Bildung und Erziehung zu Werten. Der Synodenvater regte an, grundlegende demokratische Prinzipien – wie sie in der Soziallehre der Kirche zu finden seien - im Unterricht festzuschreiben. (rv)
Hier lesen und hören Sie mehr von Gudrun Sailer
Vatikanzeitung: „Primat Gottes“
Benedikt XVI. hat schon von Anfang an auf der Afrika-Sondersynode im Vatikan auf den „Primat Gottes“ aufmerksam gemacht, der „die afrikanische Kultur auszeichnet“. Das schreibt der Chefredakteur des „Osservatore Romano“, Gian Maria Vian, in einem Leitartikel. Die „Vorherrschaft Gottes“ in Afrika werde heute allerdings durch einen neuen „Kolonialismus“ bedroht, der Materialismus und religiösen Fundamentalismus nach Afrika importiere. Vian hofft, dass die internationalen Medien die wahren Anliegen der Synodenväter im Vatikan mit Blick auf Afrika begreifen und nicht (wieder) zu kurz springen, indem sie „zu einer reduktiven oder sogar feindlichen Darstellung“ greifen. Der Vatikan-Mann erinnert daran, wie das Thema Aids und Kondome die jüngste Afrikareise von Papst Benedikt überlagert habe. (or)
Interaktive Landkarte für mehr Informationen
Radio Vatikan bietet aus Anlass der Sondersynode für Afrika eine interaktive Landkarte. In neun Sprachen - leider nicht in Deutsch - können Sie dort den Ablauf der Synode verfolgen, Redebeiträge nachlesen, Interviews der insgesamt 18 Korrespondenten von Radio Vatikan nachhören und nach Themen und Stichworten der Synodendebatten suchen. Mit einem Klick auf die farbig hervorgehobenen Staaten auf der Landkarte erhalten Sie Informationen über die jeweilige Bevölkerung, die Religionen und Verweise auf weitere Beiträge der einzelnen Redaktionen von Radio Vatikan. Das Angebot gibt es in Italienisch, Englisch, Französisch, Arabisch, Kisuaheli, Amharisch, Tigrinya, Portugiesisch und Spanisch. (rv)
Hier der Link zum englischsprachigen Angebot
WEITERE THEMEN DES TAGES:
Deutschland: Kirchen schauen Union und FDP auf die Finger
In Berlin haben Union und FDP an diesem Dienstag ihre Koalitionsverhandlungen fortgesetzt. Dabei dürften sie die Schwächsten in der Gesellschaft nicht aus dem Blick verlieren, kommentierten im Gespräch mit Radio Vatikan der Leiter des Katholischen Büros in Berlin, Karl Jüsten, und der Bevollmächtigte der Evangelischen Kirche (EKD) bei der Bundesregierung, Bernhard Felmberg. Von der künftigen Regierung erhofften sich beide großen Kirchen schnell die richtige Weichenstellung, um die sozialen Folgen der Finanzkrise zu bewältigen.
Jüsten: „Da haben wir als Kirchen zunächst einmal im Blick, dass die Schuldenlast, die dadurch entstanden ist, nicht von den kommenden Generationen alleine gestemmt werden muss. Das heißt, es wird sicher auf uns zukommen, dass gespart werden muss und weniger ausgegeben werden kann. Wir würden aber sofort unsere Stimme erheben, wenn das diejenigen trifft, die am unteren Rande der finanziellen Möglichkeiten unserer Gesellschaft stehen.“
Skeptisch sehen die Kirchenvertreter Pläne der FDP, das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in das Auswärtige Amt zu integrieren. Das bedeute einen Kompetenzverlust, meint der EKD-Bevollmächtigte Felmberg. Die Entwicklungspolitik dürfe nicht den außenpolitischen Interessen der Bundesrepublik untergeordnet werden.
Felmberg: „Wir sagen die Armutsbekämpfung ist das A und O der Entwicklungspolitik. Dafür braucht man ein eigenständiges Ministerium, um hier die Interessen nicht miteinander zu vermengen. Da fordern wir eindeutig: Das was ist, muss auch beibehalten werden.“
Kritisch auf die Finger schauen wollten die Kirchen der neuen Regierung auch in Sachen Atompolitik. Die schwarz-rote Regierung habe den Beschluss zum Atomausstieg „aus gutem Grund“ nicht angetastet, sagte Jüsten. Union und FDP hatten in ihren Wahlprogrammen jedoch eine längere Laufzeit von Kernkraftwerken gefordert.
Dazu Jüsten: „Wir als Kirchen achten natürlich darauf, dass wir nicht nur unsere heutigen Herausforderungen gemeistert bekommen, sondern auch die Herausforderungen der kommenden Generationen schon in den Blick nehmen. Solange das Endlagerproblem nicht wirklich zufriedenstellend gelöst ist, bleiben wir skeptisch. Darüber hinaus ist das auch immer noch eine Energiegewinnung, die hohe Sicherheitsrisiken mit sich bringt, also auch von dieser Seite her, sind wir eher vorsichtig!“ (rv)
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Italien: Der illegale Kaplan
Aus Italien kommen immer wieder üble Nachrichten: nicht nur über das Liebesleben des Ministerpräsidenten, sondern auch über Anti-Ausländer-Maßnahmen, Bürgerwehren, die nachts ihre Runden durch norditalienische Städte ziehen usw. So gar nicht in dieses Italien-Bild passt die Geschichte von Bangaly Marra: Der 38-Jährige war Moslem und ist jetzt katholisch, war illegaler Einwanderer und Fabrikarbeiter – jetzt ist er katholischer Priester.
Vor sechzehn Jahren kam er –ohne Papiere – aus Elfenbeinküste nach Norditalien. Zwei Jahre lang blieb er ein „Clandestino“, wie man hierzulande sagt. „Es gab damals noch keine Visa-Vereinbarung zwischen Elfenbeinküste und Italien“, erzählt er, „und so war ich eben ein Illegaler. Aber das wahre Problem war die Sprache... Ich fand freundliche Leute, die mir keine Probleme bereitet haben.“
Marra war Moslem und kam in Italien zum ersten Mal so richtig in Kontakt mit dem Christentum. „Sagen wir es so: Ich war mit meinem islamischen Kontext nicht zufrieden, ich suchte etwas, was darüber hinausging. Das war eine lange Suche nach etwas Größerem. Ich habe dann für mich die Antwort gefunden, als ich die Evangelien las – da war das, was ich suchte. Das hat mich dazu bewegt, mich auch in den Dienst an den anderen zu stellen; auch darum habe ich beschlossen, Priester zu werden.“
Die Familie in Elfenbeinküste ist zuerst natürlich nicht begeistert über diesen Religionswechsel. Marra muss viel erklären; er betont, dass er seine Wahl frei getroffen hat. „Da haben sie verstanden, dass ich es ernst meinte und dass das kein Witz war. Ich habe wirklich in mir gespürt, dass das meine Straße war. Das haben sie schließlich verstanden und mich meinen Weg gehen lassen.“
Marra arbeitet damals noch in einer Fabrik: „Eine wirklich schöne Erfahrung. Erschöpfend natürlich auch. Aber wenn ich jetzt mit Arbeitern rede, dann weiß ich, wie die leben. Ich habe auch dort den Herrn getroffen.“ Im Juni wurde er zum Priester geweiht; heute ist Marra Kaplan in einem Städtchen in der Provinz Mailand. Die Leute dort haben ihn gut aufgenommen, sagt er. Das derzeitige Priesterjahr „ist nicht nur für die Priester da“, sinniert Marra – und hat auch einen Wunsch an die derzeitige Afrika-Bischofssynode im Vatikan:
„Dass die Bischöfe die wahren Probleme Afrikas erkennen. Afrika hätte es nötig, das Wort Gottes richtiggehend zu kauen, um ins Geheimnis des Evangeliums einzutreten. Der Geschmack des Wortes Gottes würde Afrika gut tun.” Denn, davon ist der Kaplan überzeugt: „Im Wort Gottes finden wir alles – für den Nächsten, für die Armen, für die Fremden. Wenn sie an unsere Türen klopfen, dann sollten wir keine Angst vor ihnen haben, sondern sie aufnehmen und ihnen helfen.“ So wie er es ja selbst erlebt hat, als er von Afrika nach Italien kam. (rv)
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Kardinal Cordes: Priester muss „seine Kompetenz behalten“
Kurienkardinal Paul Joseph Cordes hofft, dass das laufende Priesterjahr zu einem klareren Bild von der Identität des Priesters verhilft. Das sagte der Leiter des Päpstlichen Hilfswerks „Cor Unum“ jetzt in einem Gespräch mit Radio Vatikan. Er sei „sehr dankbar“, dass Papst Benedikt „in diesen etwas konfusen Zeiten für den priesterlichen Dienst“ die Identität des Priesters in den Blick nehme. In der westlichen Welt, „nicht zuletzt auch in Deutschland“, habe sich diese Identität „verdunkelt“, so Kardinal Cordes.
„Wenn ich höre, dass es im deutschsprachigen Raum Laien gibt, die Gemeinden leiten, und dass der Priester, salopp ausgedrückt, eigentlich nur noch der ,Sakramententäter’ ist, der von einer Gemeinde zur anderen zu rasen hat, dann halt ich das für eine problematische Entwicklung. Nicht nur, weil sie den Priester überfordert, sondern weil zum Wesen des Priestertums eben diese dreifache Sendung gehört: dass er das Wort verkündet, dass er die Liturgie feiert und dass er die Hauptverantwortung für die Gemeinde hat; das heißt, für den Aufbau der Gemeinde. Und ich glaube, dass es manchmal auch an Berufungen fehlt, weil die Identität des Priesters nicht mehr klar genug ist. Wenn die Gemeinde geleitet wird von Nichtgeweihten, dann bedeutet das schon eine Reduzierung der Verantwortung des Priesters.“
Der Priester müsse „seine Kompetenz behalten“, so der Kardinal: „Wenn man ihm das belässt und wenn er das behält, dann kann er ein sehr glückliches Leben führen.“ Cordes äußerte sich auch zum Zölibat: Ihm scheine, dass ein Blick auf christliche Glaubensgemeinschaften, die keinen Pflichtzölibat kennen, „nicht ermutigt“.
„Ich habe kürzlich gelesen, dass von den fünf Bischöfinnen, die wir in Deutschland haben, vier geschieden sind. Ich will hier über niemanden den Stab brechen – aber wenn man bestimmte Bedingungen, die gegeben sind und an denen Anstoß genommen wird, beseitigen würde, dann wäre die Zukunft einer überzeugenden Glaubensverkündigung nicht unbedingt gewährleistet.“
Dass Jesus selber positiv von der Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen redet, sei „eine biblische Tatsache“, erinnert der Kardinal aus dem Erzbistum Paderborn.
„Mir scheint, dass die Verkündigung des Reiches Gottes mit der endgültigen Erfüllung in der Anschauung Gottes glaubwürdiger ist, wenn die Prediger solcher Wahrheit selber in ihrem Leben darauf hinweisen, dass diese endgültige Erfüllung, die Glücksverheißung, die darin liegt, von ihnen geglaubt wird – und dass sie infolgedessen auf das Gut der Ehe verzichten, damit diese Verkündigung der Erfüllung des Menschen in Gottes Seligkeit glaubwürdiger wird. Mir scheint also da eine der tiefsten Gründe zu liegen.“
Das vollständige Interview mit Kardinal Cordes können Sie am Sonntag Abend bei uns hören - in der Sendung „Zum runden Geburtstag - Menschen in der Zeit“ von Aldo Parmeggiani. (rv)
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AKTUELLES AUS UNSEREM ABENDPROGRAMM:
Vatikan: Wechsel bei den Klausurschwestern
Schichtwechsel im Kloster in den Vatikanischen Gärten - an diesem Mittwoch ziehen die Benediktinerinnen aus und übergeben den Schlüssel an eine Gemeinschaft kontemplativer Salesianerinnen vom Orden der Heimsuchung Mariens. Das Klausurkloster „Mater Ecclesiae“, gegründet 1994, hat allerlei Besonderheiten. Alle fünf Jahre wechselt die Gemeinschaft, die sich hier dem fortwährenden Gebet für Papst und Weltkirche widmet. Und es ist immer eine ganz international und eigens für dieses Kloster zusammengesetzte Gruppe von Nonnen – sie sollen symbolisch die Weltkirche abbilden. Gudrun Sailer hat mit der scheidenden Äbtissin, Mutter Maria Sofia Cicchetti, gesprochen und wollte zunächst von ihr wissen, was diese vergangenen Jahre in dieser besonderen Gemeinschaft die sieben Nonnen gelehrt haben. (rv)
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20 Jahre Mauerfall: „Anfangs alles andere als friedlich“
In loser Folge blickt Birgit Pottler in den kommenden Wochen auf die Zeit der Wende in Deutschland vor 20 Jahren zurück: Bischöfe erinnern sich, Politiker sprechen über die Rolle der Kirchen. Heute: die ersten Tage im Oktober.
„Diese so genannte friedliche Revolution war am Anfang alles andere als friedlich.“ Das sagt der Dresdner Bischof Joachim Reinelt - rückblickend auf den Herbst 1989. Der heute 63-Jährige war damals seit gut einem Jahr im Amt.
„Am 4. Oktober 1989, als die Botschaftsflüchtlinge von Prag mit ihren Zügen nach Westen rollten, wollten am Dresdner Hauptbahnhof sehr sehr viele junge Leute auf die Züge aufspringen. Ich habe versucht, mit denen, die flüchten wollten und der Volkspolizei zu verhandeln. Es kam zu Gesprächen, aber leider ohne Ergebnis. Das Ende dieser Veranstaltung war, dass der Hauptbahnhof von den Ausreisewilligen ziemlich zertrümmert worden ist und auch ein Polizeiauto brannte. Dass so etwas geschieht, war in der DDR fast unmöglich. Auch sehr viele schwerverletzte Volkspolizisten waren zu beklagen. Im Anschluss flüchteten sehr viele von diesen Ausreisewilligen in die Kirchen. Ich hatte dann dafür Sorge zu tragen, dass es nicht zu einer Katastrophe in der Kathedrale kam. Das war der erste heiße Tag.“
Bei der ersten Demonstration am 7. Oktober wurden viele verhaftet, der Bischof verhandelte um deren Freilassung. Doch die Bereitschaft der staatlichen Stellen war gering, die Verhandlungen weitgehend blockiert, so Reinelt: „Die haben immer noch an ihren Sieg geglaubt.“ (rv)
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DIE NACHRICHTEN:
Vatikan
Benedikt XVI. trifft sich am Donnerstag im Vatikan mit dem Palästinenser-Präsidenten Mahmud Abbas. Das hat der Rom-Beauftragte der Palästinensischen Befreiungsorganisation jetzt gegenüber der Nachrichtenagentur Ansa angekündigt. Abbas leitet die Palästinensische Autonomie-Behörde; er hat den Papst schon im April vor zwei Jahren sowie beim Papstbesuch in Bethlehem im Mai dieses Jahres getroffen. Ein Thema der Gespräche wird womöglich das Abkommen, das die streitenden Palästinenser-Gruppen Fatah und Hamas am 26. Oktober in Kairo unterzeichnen wollen. (ansa)
Europa
Deutschland
Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, sieht derzeit kaum Bewegung in der Ökumene in Deutschland. Im Augenblick herrsche eher Stillstand – „und ich erwarte von Papst Benedikt auch keine Fortschritte“. Das sagte Schneider jetzt in einem Zeitungsinterview. Die Ökumene sei aber besser als ihr Ruf. Man habe in den vergangenen vierzig Jahren viel erreicht. „Doch jetzt sind wir an den ganz harten und schwierigen Fragen angekommen, den Fragen nach dem Kirchenverständnis und nach dem Verständnis des Priesteramts. Zugleich sagte Schneider, dass auch die evangelische Kirche von einem Papst aus Deutschland profitiere. Zumindest werde der Glaube für mehr Menschen interessanter. „Dank Benedikt hört die Öffentlichkeit stärker hin.“ (kna)
Österreich
In der Kirche seien mehr Mut zur Verkündigung des Evangeliums und mehr Vertrauen auf das Wirken Gottes in der Welt notwendig. Das sagte der Wiener Kardinal Christoph Schönborn an diesem Dienstag in einem Rückblick auf die internationalen Priesterexerzitien im französischen Ars. Die Exerzitien, bei denen mehr als 1200 Priester aus fast 90 Ländern der Welt versammelt waren, zählen zu den Höhepunkten des weltweiten Priesterjahres. Es sei wichtig, nicht nur auf die Zahl der Priester zu schauen, so Kardinal Schönborn. Aufgabe der Christen sei es, trotz aller Schwierigkeiten die Botschaft Christi zu den Menschen zu bringen und die konkrete Begegnung zu suchen. (kap)
Schweiz
Der Kanton Basel-Stadt verbietet den Befürwortern der Anti-Minarett-Initiative den Aushang ihres Plakates auf öffentlichem Grund. Die Städte Zürich und Winterthur ziehen möglicherweise nach. Zusammen mit der Stadt Luzern haben sie bei der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus ein Gutachten dazu angefordert. Die Kommission will bis Ende der Woche eine Stellungnahme veröffentlichen. Am 29. November wird in der Schweiz über die Initiative abgestimmt. Das Plakat, dem seine Kritiker Rassismus vorwerfen, zeigt eine verschleierte Frau vor einer mit sieben raketenähnlichen Minaretten besetzten Schweizer Fahne, die wie eine Abschussrampe für die Raketen aussieht. Das Bau- und Verkehrsdepartement in Basel ist zum Schluss gekommen, dass dieses Plakatsujet gegen Paragraf 7 der Plakatverordnung verstößt. Der Paragraf verbietet Plakatkampagnen, welche einen „rassistischen oder Geschlechter diskriminierenden Inhalt“ aufweisen. Die Minarett-Gegner betrachten das Plakatverbot im Kanton Basel-Stadt als Affront: „So können wir die Demokratie gleich ganz abschaffen“, sagte der Solothurner SVP-Nationalrat Walter Wobmann. (kipa)
Afrika
Sudan
Der Krieg in Darfur „ist noch nicht vorbei“. Darauf macht „Human Rights Watch“ aufmerksam. Es stimme zwar, dass die Kämpfe in letzter Zeit offenbar nachgelassen hätten, so die Menschenrechts-Organisation. Doch sei es jetzt wieder zu Zusammenstößen zwischen Armee und Rebellen und zu Bombardements in der sudanesischen Krisenprovinz gekommen. In Moskau beraten an diesem Dienstag Vertreter mehrerer Länder über den Darfur-Konflikt. (afp)
Naher Osten
Irak
Die Polizei in der nordirakischen Stadt Kirkuk hat am Montag die Leiche eines Christen gefunden, der drei Tage zuvor entführt worden war. Nach Angaben der Behörden wurde Emad Elia Abdul Karim durch Schüsse und Messerstiche getötet. Der 55-Jährige hinterlässt eine Frau und zwei Kinder. Die chaldäisch-katholische Eparchie von Kirkuk hatte die Regierung in Bagdad nach der Verschleppung des Geschäftsmannes aufgefordert, sich für den Schutz der Christen im Irak einzusetzen. „Die Christen haben ihre Wurzeln hier im Irak und besonders in dieser Stadt, und niemand kann ihre patriotische Gesinnung in Zweifel ziehen“, hieß es in einer Erklärung der Eparchie. Seit dem Sturz von Ex-Präsident Saddam Hussein durch die US-Armee und deren Verbündete im Frühjahr 2003 mussten hunderttausende Christen den Irak verlassen. Viele der Flüchtlinge leben derzeit in Syrien. Dutzende christliche Priester und Diakone sind seit 2003 bei Mordanschlägen ums Leben gekommen, so auch der chaldäisch-katholische Erzbischof von Mossul, Paulos Faraj Rahho, dessen Leichnam auf einer Müllhalde gefunden wurde. Die Mehrheit der Christen im Irak gehört zu der mit Rom in voller Kirchengemeinschaft stehenden chaldäisch-katholischen Kirche. (kap/rv)
Asien
Indonesien
Die Regenzeit verschlimmert die Lage im Erdbebengebiet auf Sumatra. Das berichtet die Caritas-Katastrophenhilfe. Die Menschen auf Sumatra hätten nach wie vor Angst vor weiteren Erdstößen; sie verbrächten die Nächte in engen Behelfsunterkünften aus Planen. Viele Gebäude seien beschädigt oder zerstört. Kinder und alte Menschen seien von Grippe und anderen Infektionskrankheiten bedroht. Die Einsätze der Hilfsorganisationen würden durch die indonesische Regierung und die UNO koordiniert. Nach Ansicht der Caritas funktioniert das bislang „sehr gut“: Es gebe regelmäßig Treffen, bei denen festgelegt wird, wer wo welche Unterstützung leistet. (pm)
Amerika
Vereinigte Staaten
Die US-amerikanische Bischofskonferenz plädiert für einen vorsichtigen Umgang mit den Dokumenten in Fällen sexuellen Missbrauchs. Daten dürften bis zum Ende der laufenden Pädophilie-Prozesse der Öffentlichkeit vorenthalten werden. Die Kirche sorge sich um den Schutz junger Menschen und Aussöhnung mit den Opfern, heißt es in einer Erklärung der Bischofskonferenz. Der von Gerichtswegen legitime Zugang zu Daten und Unterlagen dürfe aber nicht zu Missbrauch und Benachteiligungen für die Kirche führen, warnen die Bischöfe. Der emotionsgeladene Kontext der Pädophilie-Skandale dürfe der Kirche nicht die rechtlichen Schutzmaßnahmen nehmen, die jeder anderen Prozesspartei zugesprochen werden; dazu zähle auch die Nicht-Veröffentlichung von Dokumenten vor Prozessende. - Die Bischofskonferenz unterstützt damit einen Vorstoß der Diözese Bridgeport Connecticut, die in einem Pädophilie-Verfahren beim Obersten Gerichtshof erreichen wollte, dass Dokumente nicht vorab den Medien zugänglich gemacht werden. Der Supreme Court wies die Forderung am Montag zurück. (rv)
Kanada
Über Bischof Raymond Lahey, der des Besitzes von Kinderpornografie verdächtigt wird, soll es bereits in den 80er Jahren Klagen gegeben haben. Das berichten jetzt kanadische Medien. Sie stützen sich dabei auf Äußerungen des Erzbischofs Martin Currie von Saint Johns in Neufundland. Unterdessen erklärt Erzbischof Anthony Mancini von Halifax, der zum Administrator von Laheys Diözese Antigonish ernannt wurde, die Kirche werde nicht Laheys Anwaltskosten übernehmen. Dieser habe auch nicht um solche Unterstützung gebeten. Lahey, der Ende vergangener Woche gegen Kaution auf freien Fuß kam, muss offenbar am 4. November vor Gericht erscheinen. Papst Benedikt XVI. hatte vor einer Woche den Amtsverzicht Laheys als Bischof angenommen. Bei einer Zufallskontrolle am Flughafen von Ottawa waren laut kanadischen Medienberichten Mitte September kinderpornografische Fotos auf Laheys Computer entdeckt worden. In einem Schreiben an die Gläubigen seines Bistums erklärte Lahey, er brauche Zeit für eine persönliche Erneuerung. Diözesanverwalter Mancini rief am Wochenende die Katholiken auf, ihren Glauben zu behalten und Hoffnung zu bewahren. Zugleich äußerte er sich schockiert über die Vorwürfe. (kna)
Honduras
Putsch-Präsident Roberto Micheletti hat den Belagerungszustand wieder aufgehoben. Damit reagiert er auf scharfe internationale Kritik an der Einschränkung von Bürgerrechten in Honduras. Diese Woche will Micheletti auch – entgegen einer ursprünglichen Weigerung – mit Außenministern der Organisation Amerikanischer Staaten über Wege aus der Staatskrise in Honduras beraten. An den Präsidentenwahlen im November hält Micheletti fest. Die Krise in Honduras wurde durch eine Art Putsch vor hundert Tagen ausgelöst. Präsident Manuel Zelaya, der damals von Militärs außer Landes gebracht wurde, konnte mittlerweile zurückkehren und hält sich auf dem Gelände der brasilianischen Botschaft in Tegucigalpa auf. (ansa)
Brasilien
Die Bischöfe der Amazonasregion beklagen die vielfache Bedrohung ihrer Region. Das Amazonasbecken müsse in seiner Unterschiedlichkeit erhalten werden, erklärten die Bischöfe aus vier Nationen bei einer Pastoraltagung für die Region. Es sei falsch, Biosphären und Ethnien gleich machen zu wollen. Die Bodenschätze und Traditionen gehörten in erster Linie den Indigenen selbst, betonten die Bischöfe. Jeder müsse Verantwortung gegenüber der einzigartigen Natur und den Völkern der Region übernehmen. Amazonien sei in erster Linie „ein Geschenk Gottes“, so die Oberhirten. (rv)
Vereinte Nationen
Vereinte Nationen/Türkei
Die Finanzminister der ärmsten Länder fordern mehr Mitsprache für Afrika im Kreis der 20 reichsten Industrienationen. Die afrikanischen Länder müssten im Internationalen Währungsfonds und der Weltbank vertreten sein, da in den internationalen Gremien auch über das wirtschaftliche Schicksal Afrikas entschieden werde, forderte der nigerianische Finanzminister Ali Lamine Zeine bei der Tagung von Weltbank und Währungsfonds in Istanbul. Die afrikanische Meinung müsse berücksichtigt werden. (rv)
Die obigen Texte basieren auf unserer Nachrichtensendung „Treffpunkt Weltkirche” täglich um 16 Uhr. Die Quellen unserer Nachrichtensendung sind u.a. die Agenturen Kna, Kathpress, Ansa, Efe, Afp, Kipa, Reuters, Ap, ADN-Kronos, Upi, Cns, Uca, Misna, Osservatore Romano – die Vatikanzeitung in deutscher Sprache, sowie vatikaninterne Quellen. Der Newsletter ist nur zur persönlichen Information bestimmt. Grundlage für Zitate oder Übernahmen aus unserem Programm kann nicht unser Internetauftritt oder der Newsletter, sondern nur unser Radio-Programm sein. Die jeweils aktuelle Nachrichten- oder Magazinsendung von Radio Vatikan können Sie u.a. auf unserer Internetseite hören