Meldungen vom 8.10.2009
- Papst spricht mit Abbas über Friedenslösung für Nahost -
- Kardinal Bertone kritisiert Moralverlust -
- Joachim Gauck: „Vatikan sollte Archive öffnen“ -
Verantwortlich: P. Eberhard v. Gemmingen SJ / Stefan von Kempis
Redaktion: Mario Galgano
Redaktionsschluss 16.00 Uhr
Die folgenden Texte basieren auf unserer
Nachrichtensendung „Treffpunkt Weltkirche“ täglich um 16 Uhr.
DIE AFRIKA-SYNODE:
Synode: Hoffnungsland Tansania
Die Soziallehre der katholischen Kirche gibt wichtige Impulse für die gesellschaftliche und politische Entwicklung der afrikanischen Nationen. Ein gutes Beispiel dafür ist Tansania, eines der Hoffnungsländer des Kontinents. Dort hat sich die Kirche nach der ersten Afrika-Synode von 1994 und dem Erscheinen des Kompendiums der Soziallehre sehr darum bemüht, die Sozialdoktrin unters Volk zu bringen, sagte uns Erzbischof Norbert Mtega von Songea in Tansania.
„In Tansania war es anfangs ein regelrechter Schock für manche, das zu hören. Die Leute wussten fast gar nichts über christliche Werte. Politiker, die zum ersten Mal davon hörten, fühlten sich in ihren Vorstellungen und Interessen attackiert. Man fragte: Wie kommt die Kirche überhaupt dazu, von Demokratie und Menschenrechten zu reden? Welches Recht haben die Bischöfe, sich zu Frieden und Versöhnung zu äußern? Doch inzwischen sehen wir auch in Regierungskreisen, dass es Menschen gibt, die einwandfrei verstanden haben: Die Soziallehre der Kirche gibt Licht für die Zukunft des Landes und für die Politik selbst. Es geht langsam, wirklich wie in der Schule. Wir müssen aber als Kirche dazu bereit sein, diese Herausforderung anzunehmen und zu unterrichten.“
Tansania hat eine stabile Demokratie mit regelmäßigen Wahlen. In den vergangenen Jahren investierte die Regeierung in Infrastruktur und Bildung und ermunterte das Entstehen moderner Massenmedien. Die meisten der 40 Millionen Tansanier sind Animisten, gefolgt von Moslems, erst danach kommen die Christen mit den Katholiken an der Spitze. Das Zusammenleben zwischen den Angehörigen verschiedener Religionen ist weitgehend reibungsfrei, auch wenn sich wachsende Konflikte mit dem Islam abzeichnen, berichtet Erzbischof Mtega:
„Die meisten Moslems sind einheimisch und haben nichts gegen uns. Die Gefahr kommt aus zwei Ecken, erstens: jene Moslems, die explizit religiöse Themen in die Politik tragen. Das ist gefährlich, weil sie die anderen als Feinde ansehen. Die zweite Gefahr geht von dem Geld aus, das aus dem Ausland an muslimische Gemeinden fließt, um explizit die Christen zu bekämpfen. Wir sind von einer Terrorismusgefahr wie in Europa noch entfernt, aber man muss es doch klar sehen: Organisationen wie El Kaida benutzen Geld, um die Armen Afrikas zu kaufen und sie zu Instrumenten des Konflikts und Protagonisten des Terrorismus zu machen. Das ist auch bei uns eine wachsende Gefahr. Wir hoffen, dass die internationale Gemeinschaft das verhindert.“ (rv)
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WEITERE THEMEN DES TAGES:
Italien: Bertone kritisiert Moralverlust
Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi könnte bald wenig Zeit zum Regieren haben. Das Verfassungsgericht hat am Mittwochabend das Immunitätsgesetz, das den vier höchsten Autoritäten des Staates Straffreiheit zusichern sollte, für ungültig erklärt. Das so genannte „Lodo Alfano“ widerspreche dem Gleichheitsgrundsatz der italienischen Verfassung. Berlusconi hatte das Gesetz Ende Juli 2008 selbst durch das Parlament geboxt; nun könnte der Ministerpräsident unter anderem wegen Bestechung und Steuerhinterziehung in Millionenhöhe bald vor Gericht stehen. Ein Verfahren, in dem Berlusconi als Zeuge gerufen ist, wird bereits am Freitag aufgenommen.
Kurz nach der Urteilsverkündung der Verfassungsrichter traf der italienische Ministerpräsident mit dem vatikanischen Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone zusammen. Nachrichtenagenturen berichten von einem 15-minütigen Gespräch, über die Inhalte drang nichts nach Außen. Kontext der Begegnung war die Vernissage einer Gemäldeausstellung über die Heiligen Patrone Europas im Zentrum Roms. Bertone richtete einige Grußworte an die anwesenden Gäste und Journalisten - ohne auf das Immunitätsgesetz und die vorangegangen verbalen Attacken Berlusconis gegen den Staatspräsidenten, die Verfassungsrichter und die politische Linke des Landes einzugehen. Stattdessen sprach der zweite Mann des Kirchenstaates über die moralische Krise in der westlichen Welt.
„In unserer heutigen Zeit kümmern wir uns vor allem im Westen um die Lebensqualität und denken, dass es hierbei einzig um die materielle Sicherung und neueste technologische Geräte geht. Doch die große Frage sollte hingegen sein, wie man ein qualitätvolles Leben erreichen kann, eine Daseinsform, die den Menschen schützen, bilden und stärken kann, in all seinen nobelsten Möglichkeiten, die ihm zur Verfügung stehen.“
In den vergangenen Jahrhunderten habe das Evangelium viele „gute und reine Menschen“ geschaffen, so Bertone. Man müsse also die Menschen dazu ermuntern, dass sie für das Allgemeinwohl ihr Bestes geben. Bertone:
„Viele glauben heutzutage, dass die Summe aller Fortschritte in der Technologie, Wissenschaft, Wirtschaft oder Politik nicht auch mit einem Fortschritt der Zivilisation einhergehen. Es ist wichtig, die sozialen Rahmenbedingungen zu schaffen und die Demokratie zu verteidigen. Doch dazu braucht es nicht nur eine intelligente Politik und effektive Diplomatie, dazu braucht es ehrliche Bürger und gute Christen, wie es bereits Don Bosco sagte.“
Im römischen Palazzo Venezia illustriert die Schau „Macht und Gnade“ anhand von rund 100 Werken großer Meister den religiösen Einfluss und die kulturellen Werte, für die die Heiligen in der europäischen Geschichte stehen. Für das Publikum ist die Ausstellung vom 8. Oktober bis zum 10. Januar geöffnet. Organisiert wurde die Schau von der italienischen Botschaft beim Heiligen Stuhl und der Päpstlichen Kommission für die kirchlichen Kulturgüter. (rv/ansa)
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Vatikan: Gauck rät zur Öffnung der Archive
Der frühere DDR-Dissident und Leiter der Stasi-Akten-Behörde, Joachim Gauck, rät dem Vatikan zu mehr Offenheit, was die Haltung Pius XII. zum Holocaust betrifft. Auf die Frage, ob der Vatikan seine Archive zur Zeit des Zweiten Weltkriegs bald freigeben sollte, meinte Gauck:
„Die Kirche – die Kirchen sollten sich immer fragen, ob Imagepflege das letztgültige Argument ist, wenn sie Entscheidungen suchen. Ich denke, dass es das nicht ist, um es ganz deutlich zu sagen! Heutige Verantwortliche in der Kirche mögen sich scheuen, problematische Unterlagen ihrer Amtsvorgänger und von Bischöfen oder Gemeindegliedern zu veröffentlichen; das kann man verstehen. Sie haben Sympathie mit ihren Vorgängern und wollen nicht, dass die in den Schmutz gezogen werden. Aber auf Dauer hilft Wahrheit!“
Gauck, ein früherer protestantischer Pfarrer, erinnert an das Wort Jesu aus dem Johannesevangelium, dass die Wahrheit „frei macht“. Natürlich sei dieser Satz nicht in erster Linie politisch gemeint.
„Aber dieser religiöse Satz hat eben auch im Leben der Menschen eine Rolle – und auch im öffentlichen, nicht nur im privaten Raum! Es würde nämlich darauf ankommen, ob eine Kirche, die sich heute diese Offenheit leistet, imstande ist, die Fehler und Irrtümer – und auch die Schuld! – von Vorgängern öffentlich zu besprechen. Die Wahrheit von heutigen Akteuren würde darin bestehen, dass sie die Geschehnisse von einst nicht mehr verbergen, sondern sagen: Ja, es war so – und vielleicht war es falsch! Vielleicht war es sogar Sünde!“
Der 69-Jährige war bis zum September 2000 zehn Jahre lang Herr über 180 Regalkilometer Spitzelakten aus der Zeit der DDR. Er will sich in Sachen Vatikanarchiv nicht detailliert äußern. Doch drängt er den Vatikan, vor der Wahrheit keine Angst zu haben.
„Immer dann, wenn wir mit der Wahrheit in die Öffentlichkeit und zu unserem Gegenüber gehen, entstehen andere Lösungsvarianten, als wenn wir nur deckeln oder Imagepflege betreiben. Also: Auf der Wahrheit liegt ein Segen! Es liegt oft auch Kampf vor einem, wenn man die Wahrheit sagt – auch ein Meinungskampf. Aber es löst sich dann leichter! Und deshalb sind diese Varianten, die dichter an der historischen Wahrheit sind, in der Regel vorzuziehen.“ (rv)
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Vatikan: Konzertabend im Zeichen der Versöhnung
Ein international besetztes Jugendsinfonieorchester aus Baden-Württemberg wird an diesem Donnerstagabend vor Papst Benedikt XVI. spielen. Das Konzert im römischen Auditorium Conciliazione soll an den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs vor 70 Jahren erinnern und zugleich ein Zeichen für Dialog und Versöhnung setzen. Organisiert wird der Konzertabend vom päpstlichen Einheitsrat, der Deutschen Botschaft beim Heiligen Stuhl und dem europäischen Kulturforum Mainau. Prominenter Gast ist neben dem Papst auch der italienische Staatspräsident, Giorgio Napolitano. Allein die Anwesenheit „dieser beiden historischen Figuren“ sei eine Besonderheit, sagte uns einer der Organisatoren des Konzerts, der Sekretär von Kardinal Kasper, Oliver Lahl:
„Beide haben damals am Ende des Krieges auf den verschiedenen Seiten gestanden: Der Papst wurde als ganz junger Schüler eingezogen, und der Staatspräsident war als Widerstandskämpfer aktiv. Diese beiden Männer sind symbolisch für das, was dieses Konzert zum Ausdruck bringen möchte: dass ein Jahrhunderte langer Konflikt, dass jahrzehntelange Widerstände und Auseinandersetzungen durch einen neuen Anlauf, durch Freundschaft, durch Aussöhnung – ich denke, dass ist ein ganz wichtiger Begriff in diesem Konzert – überwunden werden können.“
Konflikte und Kriege können überwunden werden – diese Botschaft gehe schon von den Musikern des „Interregionalen Jugendsinfonieorchesters“ selbst aus:
„Alle kommen aus Nationen, die am Krieg beteiligt waren. Ihre Großeltern, ihre Urgroßeltern, waren im Krieg noch Gegner, haben aufeinander geschossen, haben gegeneinander gekämpft, und heute machen sie miteinander Musik. Sie bringen ihre Begabungen ein, spielen auf einem hohen Niveau, tauschen sich aus und können so auch zur Versöhnung beitragen.“
Auf dem Programm des Konzertabends stehen überwiegend Werke jüdischstämmiger Künstler, deren Aufführung während des NS-Regimes verboten war. Außerdem rezitiert der österreichische Schauspieler Klaus Maria Brandauer Texte von Goethe, Heine, Brecht und Celan sowie zwei Gedichte von Kindern aus dem Konzentrationslager Theresienstadt. Durch das Erinnern an Krieg und NS-Zeit, wollten die Jugendlichen ein Zeichen für die Gegenwart setzen. Das Thema Versöhnung steht aktuell auch im Mittelpunkt der Afrika-Synode im Vatikan:
„Es ist auch bedeutsam, dass das Konzert während der Synode für Afrika stattfindet, weil dieser Kontinent natürlich durch die Kolonialisierung, durch den zweiten Weltkrieg und auch später unter den beiden politischen Blöcken Schauplatz vieler Stellvertreterkriege für westliche und östliche Interessen war. Und von daher wird dieses Orchester, dieses Konzert eine starke Botschaft geben. Auch die beiden Künstler, Klaus Maria Brandauer und Michelle Breedt, die als Rezitator und Sängerin dabei sein werden, sind davon überzeugt und bringen ihr gesamtes Können, ihre Begabung und Geschichte mit ein.“ (rv)
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Italien/Deutschland: Zollitsch weiht neue Räume des Pilgerzentrums in Rom
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, hat am Mittwochnachmittag die neuen Räume des deutschsprachigen Pilgerzentrums in Rom eingeweiht. „Die deutschen Bischöfe tragen Verantwortung nicht nur für die Seelsorge in der Heimat“, betonte Zollitsch, „wir bemühen uns auch, zum Aufbau der Kirche überall in der Welt unseren Beitrag zu leisten.“ Er verwies auf die fast 90-jährige Geschichte deutschsprachiger katholischer Auslandsseelsorge und resümierte, die Deutsche Bischofskonferenz verstehe ihr Pilgerzentrum als wichtigen und unverzichtbaren Baustein ihrer Präsenz am zentralen Ort der Weltkirche.
Der Präsident des bayerischen Pilgerbüros, Weihbischof Engelbert Siebler aus München, bestätigt gegenüber Radio Vatikan:
„Das Pilgerzentrum in Rom macht aus Touristen Pilger. Die Menschen, die nach Rom herkommen, gehen von einer Kirche zur anderen und werden so zu Touristen. Die Aufgabe der Pilgerseelsorge ist es, die Gläubigen zu begleiten, die das geistliche Rom erleben möchten. Hier in Rom können sie in der Tat die Kirche als Weltkirche erleben. Das ist ein geistlicher Gewinn für die Deutschen Pilger.“
Das Pilgerzentrum war im Herbst von der Via della Conciliazione an die Engelsbrücke oberhalb des Tibers gezogen. Zu den Aufgaben des Zentrums zählen das persönliche Gespräch sowie die geistliche, kulturelle und organisatorische Betreuung deutscher Studenten in Rom und die Hilfe beim Zugang zu Generalaudienzen mit Papst Benedikt XVI. (pm)
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Zum Gedenken an den 9. Oktober: „Option Kerze, Option Gewaltlosigkeit“
„Wir sind das Volk. Der Ruf aus Leipzig.“ Er war der entscheidende Schritt hin zur Einheit Deutschlands. Seit Mitte der 80er Jahre hatten zwei Pfarrer aus Leipzig montags zu Friedensgebeten in die Nikolaikirche eingeladen. Ab September 1989 versammelten sich die Kirchgänger anschließend zur Montagsdemonstration. Die entscheidende war die vom 9. Oktober. 70.000 DDR-Bürger versammelten sich in der Leipziger Innenstadt. Ein Beitrag von Birgit Pottler:
Für die friedliche Revolution und die danach möglich gewordene deutsche Wiedervereinigung gilt der 9. Oktober „zwar als der Tag der Entscheidung, hat aber immer noch nicht den Stellenwert in Deutschland, der ihm zukommen müsste“, sagt 20 Jahre später Christan Führer, von 1980 bis 2008 Pfarrer in der evangelischen Leipziger Nikolaikirche.
Der 9. Oktober – ein Tag der Europa veränderte: „Das ist ein Tag, den ich tatsächlich auch nie vergessen werden kann. Herangekommen ist dieser Tag durch eine große Gewalt- und Verhaftungswelle am 7. Oktober, dem letzten DDR-Feiertag zum 40. Jahrestag.“
Der 9. Oktober war zunächst geprägt von Spannung und Angst, erzählt Führer im Rückblick, die Stadt lag wie im Bürgerkrieg, durch anonyme Anrufe hatte er erfahren, dass tausend SED-Genossen für den Abend in die Kirche beordert waren. Der Pfarrer der Nikolaikirche hatte die anderen Innenstadtkirchen gebeten, gleichzeitig Friedensgebet zu halten, „damit wir soviel Menschen wie möglich in den Schutz der Kirchen bekommen, und dass sie die Botschaft Jesu der Gewaltlosigkeit hören und mit auf die Straße nehmen“. Etwa 8.000 Menschen waren in die Kirchen gekommen, auf den Straßen warteten rund 70.000. (rv)
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DIE NACHRICHTEN:
Vatikan
Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas hat an diesem Donnerstag Papst Benedikt XVI. im Vatikan getroffen. Beide betonten, dass eine gerechte Lösung für den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern gefunden werden müsse. Das teilte der vatikanische Pressesaal im Anschluss an das Gespräch mit. Des Weiteren kam die Lage der Katholiken in den palästinensischen Gebieten zur Sprache. - Abbas stattete dem Papst einen Gegenbesuch für dessen Visite in Bethlehem ab. Benedikt XVI. war am 13. Mai bei seiner Heilig-Land-Reise in der Geburtsstadt Jesu im Westjordanland zu Gast. Er hatte auf dem Krippenplatz eine große Messe gefeiert, in der Geburtsgrotte gebetet und anschließend ein palästinensisches Flüchtlingslager besucht. Abbas war zuvor bereits zweimal im Vatikan, im Dezember 2005 und im April 2007. (rv/kna)
Europa
Europäische Union/Polen
Europas Bischöfe fordern mehr Einsatz für soziale Gerechtigkeit. Die Katholiken in Europa müssten die zur Verfügung stehenden Ressourcen verantwortlich verwenden, ohne in jene alten nationalen Reflexe und Mechanismen zu verfallen, die eine Ursache für die blutige Vergangenheit Europas gewesen seien. Das sagte der Präsident der der „Kommission der Bischofskonferenzen des EU-Raumes“ (ComECE), Bischof Adrianus Van Luyn, in der Eröffnungsrede zu den ersten katholischen europäischen Sozialtagen. Unter dem Titel „Solidarität als Herausforderung für Europa“ finden die Sozialtage von diesem Donnerstag bis Sonntag im polnischen Danzig statt. Organisiert wird das Treffen von der ComECE. Ort und Datum der Sozialtage seien – wie Van Luyn betont – nicht zufällig gewählt. Sie finden 70 Jahre nach Beginn des Zweiten Weltkriegs, 30 Jahre nach dem ersten Besuch von Johannes Paul II. in seiner polnischen Heimat und 20 Jahre nach dem Fall des „Eisernen Vorhangs“ statt. Katholische Sozialtage gab es bereits auf nationaler Ebene in Polen, Italien und Frankreich. Das Treffen in Danzig sei das erste auf europäischer Ebene, so die Bischofskommission. Erwartet werden mehrere hundert Teilnehmer aus den EU-Staaten und den Nachbarländern. Zu den eingeladenen Rednern gehören der polnische Präsident Lech Kaczynski und sein Vorgänger Lech Walesa. Auch der EU-Innen- und Justizkommissar und Vizepräsident der Europäischen Kommission, Jacques Barrot, sowie mehrere Europaabgeordnete werden erwartet. Erzbischof Reinhard Marx nimmt als Deutschland-Vertreter daran teil. (pm/kap)
Deutschland
Die evangelische Kirche hat für Missbrauch in Waisen- und Erziehungsheimen der Nachkriegszeit um Entschuldigung gebeten. Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannover und ihr Diakonisches Werk äußerten sich in einer gemeinsamen Erklärung zu Fällen in niedersächsischen Einrichtungen zwischen 1945 und 1975. Landesbischöfin Margot Käßmann und Diakonie-Direktor Christoph Künkel äußerten ihr Beschämen über die Vergehen. Man habe bei der Erziehung und Förderung von Kindern und Jugendlicher vielfach versagt. Ihre Würde sei oft nachhaltig verletzt und ihr Leben beschädigt worden. Man wolle die Betroffenen therapeutisch und seelsorgerlich begleiten. Ihr Bedauern gilt auch den Mitarbeitern, die unter schwierigen Bedingungen gearbeitet hätten. – Von Kriegsende bis Mitte der siebziger Jahre wuchsen mehrere Hunderttausend Kinder und Jugendliche in Waisen- und Erziehungsheimen auf, davon rund 50.000 in Niedersachsen. Drei Viertel der Heime wurden von kirchlichen Trägern geführt. (idea)
Das Verfahren für die Seligsprechung von Franz Stock soll am 14. November eröffnet werden. Das gab das Erzbistum Paderborn an diesem Donnerstag bekannt. Der aus dem Sauerland stammende katholische Priester gehört zu den Wegbereitern der deutsch-französischen Freundschaft. Er betreute in den 1930er Jahren bis zum Kriegsausbruch die deutsche Gemeinde in Paris. Erzbischof Franz-Josef Becker werde am 14. November einen Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Johannes Baptist in Arnsberg-Neheim feiern. Im Anschluss daran würden die Mitglieder der Untersuchungskommission vereidigt, die das kirchenrechtliche Verfahren für die mögliche Seligsprechung durchführen. (pm)
Österreich
Die Kirche müsse eine Synode einberufen, die sich mit dem Problem des Priestermangels auseinandersetze. Das fordert der österreichisch- brasilianische Bischof Erwin Kräutler im Gespräch mit der Presseagentur APA. Die Kirche müsse sich in dieser Hinsicht etwas einfallen lassen, so der Oberhirte. In seiner Diözese Xindu in Brasilien gebe es viele Gemeinden, die nur Wortgottesdienste durchführen könnten. Kräutler wurde am Mittwoch an der Universität Salzburg die Ehrendoktorwürde verliehen. Der 70jährige Bischof lebt seit Jahren wegen Morddrohungen ständig unter Polizeischutz, da er sich für die Rechte der Indios und Kleinbauern sowie für den Erhalt des von Rodungen bedrohten Regenwalds einsetzt. (kap)
Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter soll Christen als Maßstab für den respektvollen, von Nächstenliebe geprägten Umgang mit Angehörigen anderer Religionen dienen. Das sagte Kardinal Christoph Schönborn am Mittwochabend bei einem Gespräch in der Wiener Hofburg, zu dem Bundespräsident Heinz Fischer im Rahmen der so genannten „Civis-Dialoge 2009“ eingeladen hatte. Es sei in Jesu Gleichnis ein „Ausländer“ gewesen, der dem unter die Räuber gefallenen Menschen geholfen habe, während ein Priester und ein Levit als „offizielle Religionsvertreter“ Wichtigeres zu tun hatten, erinnerte der Wiener Erzbischof. Mehr noch als gesetzliche Bestimmungen zur Sicherung der Menschenwürde brauche es mutige Menschen, die sich trauen, gegen Vorurteile und für Menschlichkeit einzustehen. Mit Fischer und Schönborn diskutierten in der Hofburg unter anderem der Wiener Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg und der slowenische Großmufti Nedzad Grabus. (kap)
Schweiz
Die Eidgenössische Rassismuskommission übt harsche Kritik am Plakat, das für die Anti-Minarett-Initiative wirbt. Die Werbung der Minarett-Gegner könne den sozialen Zusammenhalt und den öffentlichen Frieden gefährden, so die Kommission in einer Stellungnahme. Es entstehe der Eindruck, dass die Muslime die Schweizer Bevölkerung beherrschen wollten, Frauen unterdrückten und die Grundrechte missachteten. Dies komme einer Diffamierung der friedlichen muslimischen Schweizer Bevölkerung gleich. Die Einschätzung der Rassismuskommission hat politische Relevanz, weil derzeit mehrere Schweizer Großstädte debattieren, ob sie das Plakat zulassen wollen oder nicht. Der Kanton Basel-Stadt und die Städte Lausanne und Freiburg haben bereits entschieden, dass keine Aushänge auf öffentlichem Grund angebracht werden dürfen. Luzern, St. Gallen und Zürich dagegen haben das Plakat zugelassen. (kipa)
In Bern hat ein Bündnis von 44 Organisationen die Kampagne für ein Verbot von Kriegsmaterialausfuhren gestartet. Über die Initiative wird am 29. November abgestimmt. Die Schweiz drehe an der Rüstungsspirale mit, kritisieren die Initiatoren. Mit der Abstimmung wolle man verhindern, dass „weiterhin unschuldige Menschen mit Schweizer Kriegsmaterial getötet werden“. Laut der Exportstatistik führte die Schweiz letztes Jahr Kriegsmaterial im Wert von 722 Millionen Franken – rund 477 Millionen Euro –aus. Unterstützt wird die Initiative von Friedensorganisationen und auch von vereinzelten katholischen Hilfswerken wie die „Bethlehem Mission Immensee“. Bundesrat und Parlament empfehlen die Ablehnung. (pm)
Frankreich/Honduras
Europas Bischöfe sorgen sich um die Sicherheit in Honduras. Das haben sie in einem Brief an den Vorsitzenden der honduranischen Bischofskonferenz, Kardinal Oscar Andreas Rodriguez Maradiaga ausgedrückt. Die Bischöfe beteten für eine baldige und gerechte Lösung der politischen Krise in Achtung der Gesetze des Landes und der Menschenrechte, so der Präsident der Europäischen Bischofskonferenzen, Kardinal Peter Erdö. Die Jungfrau Maria möge Honduras helfen, mit Hoffnung auf die Zukunft zu schauen. - Der Chef der Putschregierung, Roberto Micheletti, hat an diesem Donnerstag seine Bereitschaft für einen Rücktritt signalisiert. Micheletti sagte in Tegucigalpa, er wolle allerdings nur dann auf sein Amt verzichten, wenn der gestürzte Staatschef Manuel Zelaya seinerseits Forderungen nach einer Wiedereinsetzung fallen lasse. Zelaya sitzt seit seiner heimlichen Rückkehr in seine Heimat vor gut zwei Wochen in der brasilianischen Botschaft fest. Die Sicherheitskräfte trieben die Demonstranten mit Tränengas auseinander. (rv)
Irland
Die katholischen Bischöfe haben sich mit Missbrauchsopfern getroffen und die Vorfälle in den kirchlichen Heimen bis in die 80er Jahre erneut verurteilt. In dem dreistündigen Gespräch entschuldigten sie sich dafür, dass es der Kirche oft nicht gelinge, Missbrauch an Kindern, die ihr anvertraut seien, zu verhindern. Die Folgen seien qualvoll, hieß es in einer anschließenden Medienmitteilung. Die irischen Bischöfe um Primas Kardinal Sean Brady stellten vor Journalisten die Gründung einer Dialoggruppe in Aussicht, um Missbrauchsopfer zu begleiten. Das erste Treffen bezeichneten sie als guten Anfang, dem weitere Begegnungen folgen sollten. - Im Juni hatte eine unabhängige Untersuchungskommission einen Bericht zu den erzieherischen Methoden in kirchlichen Kinderheimen im 20. Jahrhundert vorgelegt. Von rund 35.000 Kindern in der Obhut von kirchlichen Erziehungsheimen, Schulen und anderen Betreuungseinrichtungen hätten der Kommission mehr als 2.000 von körperlichem und sexuellem Missbrauch berichtet. Kardinal Brady nannte den Bericht einen „beschämenden Katalog von Grausamkeiten“, aber auch als „willkommenen und wichtigen Schritt zur Aufklärung“, der den Opfern Gerechtigkeit verschaffe und ähnliche Vorfälle in Zukunft verhindern helfe. (rv)
Portugal
Portugals Bischöfe erwarten von dem für Mai geplanten Papstbesuch in ihrem Land eine weitere Klärung zu den „Geheimnissen“ von Fatima. Niemand kenne „die Wahrheit und die Tragweite“ der Marienbotschaft besser als Papst Benedikt XVI., heißt es in einer Stellungnahme des Ständigen Rates der Portugiesischen Bischofskonferenz, aus der der kirchliche Pressedienst SIR an diesem Donnerstag zitiert. Die Oberhirten verwiesen auf die Kommentierung zum so genannten dritten Geheimnis von Fatima, die der damalige Präfekt der Glaubenskongregation und Kurienkardinal Joseph Ratzinger im Jahr 2000 vorlegte. Der Besuch des Papstes in dem Marienheiligtum solle im Kirchenvolk die Entwicklung „von einer traditionellen Frömmigkeit zu einem erwachseneren und durchdachteren Glauben“ voranbringen, so die portugiesischen Bischöfe. Es gelte, einem verbreiteten Relativismus in Lehre und Moral entgegenzutreten. – Anlass der Pilgerfahrt des Papstes nach Fatima am 12. und 13. Mai 2010 ist der zehnte Jahrestag der Seligsprechung der Seherkinder Jacinta und Francisco Marto. Gemeinsam mit Lucia dos Santos hatten die beiden 1917 mehrere Marienerscheinungen erlebt, bei denen sie nach eigenen Angaben Botschaften der Gottesmutter empfingen. Die dritte Seherin, Lucia dos Santos, starb 2005. (kna/sir)
Afrika
Demokratische Republik Kongo
Die Bischöfe des afrikanischen Landes haben die jüngsten Angriffe auf kirchliche Einrichtungen in Bukavu scharf verurteilt. Vergangene Woche haben Männer in Militärkleidung zwei Priester und einen Seminaristen entführt. Wenige Tage später wurde 25 Kilometer südlich der Stadt Bukavu ein Kloster geplündert. Wer hinter diesen Angriffen stecke, sei nicht klar, so die Bischöfe. Es sei aber verwerflich, dass Menschen attackiert werden, die ihr Leben ihren Nächsten widmen. (misna)
Amerika
Brasilien
Auch der Senat hat jetzt dem Grundlagenvertrag mit dem Vatikan zugestimmt. Das Abkommen stellt die rechtliche Situation der katholischen Kirche in Brasilien auf ein neues Fundament. Das 20 Artikel umfassende Abkommen sieht vor, dass die katholische Kirche als öffentlich-rechtliche Körperschaft anerkannt wird; damit wird Religionsunterricht an staatlichen Schulen möglich. Des Weiteren soll künftig die kirchliche Eheschließung auch für den zivilen Bereich gelten. Für die Erhaltung von denkmalgeschützten Gotteshäusern und Klöstern erhält die Kirche steuerliche Vergünstigungen und staatliche Hilfen. Das Abkommen, das kürzlich bereits vom Abgeordnetenhaus gebilligt wurde, bedarf noch der Zustimmung von Präsident Luiz Inacio „Lula“ da Silva, die als sicher gilt. Er hatte den Grundlagenvertrag im November 2008 im Vatikan mit Papst Benedikt XVI. unterschrieben. – Die katholische Kirche hatte in Brasilien seit der Proklamation der Republik 1891 in einem ungeklärten juridischen Zustand existiert. (rv/kap)
Die obigen Texte basieren auf unserer Nachrichtensendung „Treffpunkt Weltkirche” täglich um 16 Uhr. Die Quellen unserer Nachrichtensendung sind u.a. die Agenturen Kna, Kathpress, Ansa, Efe, Afp, Kipa, Reuters, Ap, ADN-Kronos, Upi, Cns, Uca, Misna, Osservatore Romano – die Vatikanzeitung in deutscher Sprache, sowie vatikaninterne Quellen. Der Newsletter ist nur zur persönlichen Information bestimmt. Grundlage für Zitate oder Übernahmen aus unserem Programm kann nicht unser Internetauftritt oder der Newsletter, sondern nur unser Radio-Programm sein. Die jeweils aktuelle Nachrichten- oder Magazinsendung von Radio Vatikan können Sie u.a. auf unserer Internetseite hören