Meldungen vom 9.10.2009
- Papst erinnert an Schrecken der Schoah -
- Vatikan begrüßt Nobelpreis für Obama -
- Synode: Über Frauen gesprochen -
Verantwortlich: P. Eberhard v. Gemmingen SJ / Stefan von Kempis
Redaktion: Mario Galgano
Redaktionsschluss 16.00 Uhr
Die folgenden Texte basieren auf unserer
Nachrichtensendung „Treffpunkt Weltkirche“ täglich um 16 Uhr.
TOP-THEMA: FRIEDENS-NOBELPREIS FÜR OBAMA:
Vatikan begrüßt Nobelpreis für Obama
Der Friedensnobelpreis 2009 geht an US-Präsident Barack Obama, der Vatikan hat diese Nachricht begrüßt. Eine Mitteilung des Pressesaals verweist auf die internationalen Friedensbemühungen Obamas und unterstreicht seinen Einsatz zur atomaren Abrüstung. Es sei zu wünschen, „dass diese hoch bedeutende Anerkennung dieses Engagement noch verstärkt“. Die Aufgabe sei schwierig, aber grundlegend für die Zukunft der Menschheit.
Der Botschafter der Vereinigten Staaten beim Heiligen Stuhl bestätigte gegenüber Radio Vatikan die Wertschätzung des Papstes für Obamas Friedensarbeit. Der aus Kuba stammende katholische Theologe Miguel Diaz hatte vor einer Woche Benedikt XVI. sein Beglaubigungsschreiben übergeben. Der Papst habe im anschließenden Gespräch dem US-Präsidenten für seine Bemühungen gedankt. Die Abschaffung der Atomwaffen sei eine Herausforderung, die man zusammen angehen müsse, zitiert der Botschafter den Papst.
US-Bischöfe: Scharfe Kritiker Obamas
Der Friedensnobelpreis für Barack Obama erwischt die US-Bischöfe auf dem falschen Fuss. Die Oberhirten haben nämlich den neuen US-Präsidenten in jüngster Zeit immer wieder heftig kritisiert. Damit setzen sie sich auch von einer vorsichtig positiven Haltung des Vatikans zu Obama ab. Der Erzbischof von Denver, Charles Chaput, erklärte vor der Entscheidung des Nobelpreis-Komitees in einem Zeitungs-Essay, man dürfe nicht so tun, „als stünde Obamas Denken mehr oder weniger im Einklang mit der katholischen Lehre“. Damit widersprach er ausdrücklich dem früheren vatikanischen Chef-Theologen, dem Schweizer Kardinal Georges Cottier. Obamas Stellung zu bioethischen Themen, darunter Abtreibung, „steht in scharfem Gegensatz zur katholischen Lehre“, so Chaput weiter. Und wörtlich: „Wer Obama eine Sympathie zur kirchlichen Soziallehre nachsagt, soll bedenken, dass es keine soziale Gerechtigkeit gibt, wenn die Jüngsten und Schwächsten von uns legal getötet werden können.“ (cns)
Offizielle Begründung: „Hoffnung auf bessere Zukunft“
Das norwegische Nobelpreiskomitee erklärte an diesem Freitag in Oslo, Obama erhalte die Auszeichnung für „seine außerordentlichen Bemühungen um eine Stärkung der internationalen Diplomatie und die Zusammenarbeit unter den Völkern“. Große Bedeutung habe das Gremium Obamas Vision und seiner Arbeit für eine Welt ohne Atomwaffen beigemessen, heißt es auch hier zur Begründung weiter.
Nur selten habe eine Person derart die weltweite Aufmerksamkeit auf sich gezogen, wie Obama, „und seinem Volk die Hoffnung auf eine bessere Zukunft geschenkt“, betont das Nobelpreiskomitee. „Seine Diplomatie beruht auf dem Konzept, dass diejenigen, die die Welt führen, dies auf der Grundlage von Werten und Haltungen tun müssen, welche von der Mehrheit der Weltbevölkerung geteilt werden."
Obamas Vision von einer atomwaffenfreien Welt habe die Abrüstungsverhandlungen stark beeinflusst, in der internationalen Politik habe der US-Präsident ein neues Klima geschaffen. Diplomatie habe wieder zentrale Bedeutung errungen; die Rolle der Vereinten Nationen und anderer internationaler Institutionen werde damit wieder betont, begründeten die fünf Komiteemitglieder ihre Entscheidung. „Dank Obamas Initiative“ spiele die USA jetzt eine konstruktivere Rolle bei den Verhandlungen über Maßnahmen gegen den weltweiten Klimawandel.
Kommt der Preis zu früh?
Obama sei der weltweit führende Sprecher eben jener internationalen Politik und Gesinnungen, zu denen das norwegische Nobelpreiskomitee seit 108 Jahren ermuntern wolle. Die Mitteilung zur Bekanntgabe des Friedensnobelpreisträgers schließt mit den Worten: „Das Komitee pflichtet Obamas Appell bei: Jetzt ist für uns alle die Zeit gekommen, Verantwortung für eine globale Antwort auf die weltweiten Veränderungen zu übernehmen.“
Obamas Name war unter den möglichen Preisträgern für 2009, doch viele Beobachter hielten den Zeitpunkt für verfrüht. Komiteechef Thorbjörn Jagland sagte zur Auszeichnung des 48-Jährigen trotz seiner noch sehr kurzen Präsidentschaft: „Alles, was er angepackt hat, und wie sich das internationale Klima durch ihn verändert hat, ist schon mehr als Grund, ihm dem Friedensnobelpreis zu verleihen.“ Das Komitee habe schon immer versucht, noch nicht abgeschlossene Entwicklungen für den Frieden zu stimulieren und zu fördern, so Jagland weiter. Das sei auch bei den Vergaben an Bundeskanzler Willy Brandt und an den damaligen sowjetischen Parteichef Michail Gorbatschow der Fall gewesen.
Der von Alfred Nobel gestiftete Preis wird seit 1901 jedes Jahr am Todestag Nobels, dem 10. Dezember, in Oslo verliehen. Im vergangenen Jahr erhielt der ehemalige finnische Präsident Martti Ahtisaari den Friedensnobelpreis, 2007 ging die Auszeichnung an den früheren US-Vizepräsidenten Al Gore und den Weltklimarat (IPCC) der Vereinten Nationen. (pm/rv)
Hier zum Nachhören
DIE AFRIKA-SYNODE:
Synode: „Schrei des Blutes“, Hoffnung und der weibliche Beitrag
Seit fünf Tagen beraten die fast 400 Mitglieder der Sondersynode für Afrika im Vatikan. Unsere Korrespondentin Gudrun Sailer fasst zusammen:
Was wäre Afrikas Kirche ohne Frauen?
Den meisten Applaus bei der Afrika-Synode bisher erhielten drei Ordensfrauen, die als Expertinnen sprachen. Alle drei wiesen darauf hin, wie wichtig das Beispiel von Frauen in der ganz konkreten, kleinteiligen Arbeit für Versöhnung und Frieden ist. Eine Schwester aus Ruanda, die als Gefängnisseelsorgerin wirkt, berichtete in einer ergreifenden Stellungnahme davon, wie sie dem Mörder ihres Vaters verzieh und dieser Akt den Mörder in seinen Grundfesten erschütterte. Und doch: „Wir, die Mütter von euch Synodenvätern“ – so formulierte es eine der beiden anderen Schwestern – haben in der Gesellschaft und auch in der Kirche noch immer nicht den uns zustehenden Platz. Man wolle nicht Priester ersetzen, aber „gleichrangige Partner im Weinberg des Herrn sein“, sagte die Schwester in Anwesenheit Papst Benedikts. In der Kirche sollte sich keine Gruppe der anderen überlegen fühlen, mehr Zusammenarbeit zwischen Frauen und kirchlichen Autoritäten wäre schön; da sei freilich eine „Konversion der Herzen“ von allen verlangt. Abschließend bat die Ordensfrau die Synodenväter darum, heute Abend vor dem Einschlafen zwei Minuten lang zu überlegen, was die Kirche in Afrika ohne Frauen wäre.
„Heillos zerstritten“
Frieden innerhalb der afrikanischen Gesellschaften muss von innen ausgehen. Er erfordert Frieden auf kleinstem Nenner, beispielsweise innerhalb von Ordensgemeinschaften, hoben eindringlich mehrere Synodenväter hervor, die als Generalsuperioren bei der Synode vertreten sind. Ein Bischof aus der Demokratischen Republik Kongo berichtete von Massakern und Plünderungen, an denen traurigerweise Angehörige katholischer Basisgemeinden mitgewirkt hätten, die doch eigentlich als Orte der Konfliktlösung par excellence entstanden seien. Ein Oberhirte aus der Republik Zentralafrika musste einräumen, über Versöhnung und Frieden nicht im Namen seiner Bischofskonferenz sprechen zu können, sondern nur für sich selbst, weil der Episkopat heillos zerstritten sei und es in den vergangenen Monaten zu Spaltungen zwischen Priestern und Bischöfen bzw. zwischen Priestern und Laien gekommen sei. Das widerspreche ganz klar der Frohen Botschaft.
Aus Burundi kam der Vorschlag zu einem Friedenstreffen für die Region der Großen Seen. Die Regionalisierung der Konflikte erfordere mehr Zusammenarbeit auf interregionaler Ebene. Gute Erfahrungen habe man in Burundi mit der benachbarten Bischofskonferenz von Tansania bei der Betreuung von Vertriebenen und Kriegsflüchtlingen gemacht.
Warnende Töne hingegen aus dem Südsudan: Ein von dort angereister Synodenvater erinnerte an die ernsthafte Gefahr einer blutigen Spaltung zwischen Norden und Süden des Landes. Um „das schlimmste Szenario im Sudan“ zu vereiteln, sei internationale Lobbyarbeit nötig. Beide Landesteile seien dabei, ihre Waffenarsenale aufzurüsten. Der islamisch dominierte Norden wirke auf eine Spaltung hin, so der Bischof, und zwar mit einer „Missionierung“ im Süden, aber auch auf akademischem Grund, nämlich an der islamischen Universität in Khartoum.
„Dialog hat sich bewährt“
Fast alle derzeit ausgetragenen blutigen Konflikte in Afrika haben eine religiöse Dimension. Darauf wies denn auch ein weiterer Synodenvater hin. Nur Bildung, und zwar auch spirituelle Bildung helfe da weiter: „das Verlangen zu verstehen, zu wissen und zu lieben“ müsse geweckt werden. Eine Chance sah der Synodenvater auch in gemischten Ehen. Außerdem sollten die bereits existierenden Kommissionen für Gerechtigkeit und Frieden gezielt nach Personen suchen, die sich für den interreligiösen Dialog einsetzen.
Eine ungewöhnliche Kooperation von Muslimen und Katholiken stellte der Bischof von Mauretanien, Martin Happe, bei der Afrika-Synode vor: Von den rund 120 Mitarbeitern der katholischen Caritas seien mehr als 110 muslimischen Glaubens, berichtete der aus dem westfälischen Sendenhorst stammende Missionar und Bischof vor der Bischofsversammlung. Wie alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des katholischen Hilfswerks hätten auch die Muslime schriftlich erklärt, die Grundsätze der Caritas mitzutragen, etwa die gleiche Achtung aller Hilfsbedürftigen ohne Ansehen ihrer ethnischen oder religiösen Zugehörigkeit.
Auch der Erzbischof von Abuja in Nigeria, John Olorunfemi Onaiyekan, zog eine positive Bilanz des Verhältnisses zum Islam. 15 Jahre nach der ersten Afrika-Synode habe sich der Dialog zwischen Katholiken und Muslimen trotz vieler Schwierigkeiten bewährt. Die katholische Kirche könne den Kampf für Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden auf dem afrikanischen Kontinent nicht im Alleingang führen. Onaiyekan forderte die Synode auf, ein weiteres Zugehen auf die islamische Gemeinschaft von der lokalen bis zur kontinentalen Ebene zu beschließen.
Soziale und wirtschaftliche Entwicklung unterstützen
Mindestens fünf Synodenväter sprachen in der Aula von der Bedeutung der katholischen Soziallehre für die afrikanischen Gesellschaften. Der „Schrei des Blutes“ durch Krieg, neue Formen des Kolonialismus, AIDS-Waisen und Mangel an Demokratie mache dies besonders dringlich, so ein Ordensoberer. Aber Afrika sei nicht nur ein Ort des Leidens und der Ausbeutung. Die Kirche habe eine wichtige Chance, die schnelle soziale und wirtschaftliche Entwicklung Afrikas durch die Heranbildung guter und ehrlicher politischer Führer zu leiten. Kurienkardinal Renato Raffaele Martino, päpstlicher „Friedensminister“, regte an, dass besonders afrikanische Parlamentarier, Politiker und Richter mit der katholischen Soziallehre in Berührung kommen sollten. Dazu schlug er die Gründung eines speziellen katholischen Instituts in Afrika vor, das sich um die Verbreitung der Soziallehre kümmern solle.
Auf konkrete Situation achten
Auch andere vatikanische Kurienchefs brachten Aspekte aus ihren Arbeitsbereichen ein. Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone würdigte die unermüdliche diplomatische Arbeit der Nuntien in Afrika, besonders beim Schutz grundlegender Menschenrechte. 50 der 53 afrikanischen Staaten unterhalten heute diplomatische Beziehungen zum Heiligen Stuhl. Erzbischof Claudio Maria Celli, Präsident des Päpstlichen Medienrates, zeigte sich erfreut über den Boom katholischer Radiosender, heute 163 in allen Teilen des Kontinents.
Interessant der Impuls von Erzbischof Francesco Coccopalmerio, Präsident des Päpstlichen Rates für die Interpretation von Gesetzestexten: Er mahnte die afrikanischen Ortskirchen dazu, ihre eigenen juristischen Kulturen und normativen Traditionen ins kanonische Recht einzubringen. Das kirchliche Gesetzbuch von 1983 lasse Raum dafür. „Wir dürfen den Kirchen in Afrika keine Dinge auferlegen, die unwesentlich sind“, so Coccopalmerio. Allerdings: Von 34 afrikanischen Bischofskonferenzen hätten bisher 20 noch keine so genannte Ausführungsdekrete verabschiedet. Diese bestimmen die Anwendung der allgemeinen kirchlichen Gesetzgebung auf die konkrete Situation in den jeweiligen Ortskirchen. (rv/kna)
Hier zum Nachhören
WEITERE THEMEN DES TAGES:
Papst: „Krieg und Schoah sind Mahnung an künftige Generationen“
Papst Benedikt XVI. hat an die Tragödie des Zweiten Weltkriegs und der Schoah erinnert. Das Andenken an diese schrecklichen Begebenheiten müsse eine Mahnung an künftige Generationen sein, nie der Versuchung zum Krieg nachzugeben. Das sagte der Papst am Donnerstagabend anlässlich eines Konzertes in Rom, das zum Gedenken an den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs vor 70 Jahren organisiert wurde.
Das Interregionale Jugendsinfonieorchester aus Baden-Württemberg spielte Werke jüdischstämmiger Künstler wie Felix Mendelssohn-Bartholdy und Gustav Mahler, deren Aufführungen während des „Dritten Reiches“ verboten waren. Der österreichische Schauspieler Klaus Maria Brandauer trug Texte von Goethe, Heine, Brecht und Celan vor, sowie zwei Gedichte von Kindern aus dem Konzentrationslager Theresienstadt. Das Konzert in Anwesenheit von Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano stand unter dem Motto „Jugend gegen den Krieg“.
Papst Benedikt sagte im Anschluss:
„Liebe Freunde! Mit diesem Konzert erinnern wir uns an die Tragödie des Zweiten Weltkriegs, eines von Gewalt und Unmenschlichkeit gekennzeichneten traurigen Augenblickes. Millionen von Menschen starben und hinterließen ein geteiltes Europa. Der vom Nationalsozialismus gewollte Krieg hat viele unschuldige Bevölkerungen Europas und anderer Kontinente geschadet. Das Drama der Schoah traf insbesondere das jüdische Volk -– Objekt einer geplanten Vernichtung. Und doch fehlte es nicht an Stimmen, die für den Frieden warben. Hier in Rom erklang die sorgenvolle Stimme meines verehrten Vorgängers Pius XII. Leider gelang es aber niemanden die Katastrophe zu verhindern. Die Logik des Egoismus und der Gewalt gewannen die Überhand.“
Europa und die gesamte Welt dürsten nach Freiheit und Frieden, so Benedikt XVI. Er verwies auf den Fall der Mauer und den Zusammenbruch der totalitären kommunistischen Regime vor zwanzig Jahren und zitierte Johannes Paul II.
„Wir müssen gemeinsam die wahre Gesellschaft errichten, die nicht auf Kraft baut, ,sondern Frucht des Sieges über uns selbst ist, des Sieges über Ungerechtigkeit, Egoismus und Hass’ (Insegnamenti XII). Die ökumenische Bewegung, die nach dem Zweiten Weltkrieg einen Schub erlebte, kann dazu dienen, eine solche freie Gesellschaft zu errichten, indem wir gemeinsam mit Juden und allen Christen hierfür zusammenarbeiten.“
Organisiert wurde das Konzert vom Päpstlichen Einheitsrat, von der Kommission für die religiösen Beziehungen mit dem Judentum, der deutschen Botschaft beim Heiligen Stuhl und dem Europäischen Kulturforum Mainau. Die rund 100 Musiker des Jugendsinfonieorchesters mit Sitz in Ochsenhausen kamen aus mehr als einem Dutzend Nationen. Als Solistin wirkte die südafrikanische Mezzosopranistin Michelle Breedt mit. Die musikalische Leitung des Abends hatte Jochem Hochstenbach. (rv)
Hier zum Nachhören
Deutschland: Cap Anamur-Gründer fordert neue Flüchtlingspolitik
Nach dem Cap-Anamur-Freispruch vom Vorwurf der Beihilfe zur illegalen Einwanderung hat Rupert Neudeck die Politik vor den Folgen ihrer Flüchtlingspolitik gewarnt. Im Interview mit dem Kölner Domradio forderte der Gründer der Hilfsorganisation, weiter in Afrika zu investieren. Der Freispruch bestätige und festige das „uralte Menschenrechtsgesetz“, nämlich dass man Menschen helfen müsse, die auf der See und in Gefahr seien, so Neudeck.
„Ich habe die große Erwartung an eine neue Bundesregierung, dass sie etwas tut, damit Kapitäne der Handelsschiffe ermutigt werden, dieser alten menschenrechtlichen Pflicht nachzukommen. Denn die Handelsschiffe sind ja die viel wichtigeren als das ein oder andere humanitäre Rettungsschiff. Und das kann man dadurch tun, dass man in der Europäischen Union vereinbart, dass sofort, wenn ein Kapitän eines Handelsschiffes Flüchtlinge gerettet hat, ihm diese Flüchtlinge im nächstliegenden Hafen Europas abgenommen werden. Das muss jetzt unbedingt in der EU besprochen und entschieden werden. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass solche Kapitäne ganz besonders ausgezeichnet werden. Denn die haben wirklich eine Entscheidung zu fällen und sind dafür wirklich zu loben.“
Das Urteil sei nur ein Ausgangspunkt, so Neudeck weiter. Europa müsse nun begreifen, dass die Flüchtlingspolitik die nächsten Jahre stärker als bisher prägen werde.
„Das ist die Frage der nächste fünf Jahre, die wird uns in Europa nicht mehr ruhen lassen. Wir haben sie noch gar nicht begriffen. Im Wahlkampf ist sie nicht vorgekommen, bei den Koalitionsverhandlungen kommt sie auch nicht vor. Erst wenn diese jungen afrikanischen Migranten die kanarischen Ferieninseln Gran Canaria, Teneriffa und Lanzerote überrennen, wird uns klar werden: Wir müssen unsere Politik ändern. Wir müssen versuchen, dem Kontinent Afrika, dem es so dreckig geht, Leuchttürme zu schaffen, mit einzelnen Ländern gute Verhältnisse zu schaffen, wirtschaftlichen Aufbau zu schaffen, Mikrokredite dort hinzubringen, damit junge Menschen dort ihr Auskommen und ihre Perspektive haben. Das ist die wichtigere Aufgabe gegenüber allen See-Notrettungsaktionen.“
Der ehemalige Cap-Anamur-Chef Elias Bierdel und der Kapitän des Schiffes „Cap Anamur III“, Stefan Schmidt, standen in Italien drei Jahre vor Gericht. Ihnen wurde vorgeworfen, im Juli 2004 afrikanische Bootsflüchtlinge unerlaubt an Land gebracht zu haben. Sie hatten vor der italienischen Küste 37 Flüchtlinge aus Seenot gerettet und nach Sizilien gebracht. Die italienischen Behörden vertraten damals den Standpunkt, die Flüchtlinge hätten in Malta an Land gehen müssen, da sie in maltesischen Gewässern aufgegriffen worden seien. (domradio/rv)
Hier zum Nachhören
AUS UNSEREM ABENDPROGRAMM:
Zum Gedenken an den 9. Oktober: „Wir wollen nicht schießen“
Mit einem Festakt wird an diesem Freitag in Leipzig an die friedliche Revolution in der DDR vor 20 Jahren erinnert. Im Beisein von Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzlerin Angela Merkel soll die entscheidende Montagsdemonstration am 9. Oktober 1989 gewürdigt werden. Damals waren in Leipzig rund 70.000 Menschen für mehr Freiheit und Demokratie auf die Straße gegangen. Vier Wochen später fiel die Mauer. - Gut 100 Kilometer von Leipzig entfernt, in Dresden, war am 9. Oktober 1989 etwas ganz anderes geschehen, nicht weniger außergewöhnlich und ebenso bahnbrechend: Ein SED-Funktionär wurde zum Bittsteller bei der katholischen Kirche. Sein Anliegen betraf auch Leipzig. (rv)
Hier hören und lesen Sie den Beitrag von Birgit Pottler
DIE NACHRICHTEN:
Vatikan
Die vatikanische Kleruskongregation hat eine Visitation beim Internationen Hilfswerk „Kirche in Not“ (KIN) angekündigt. Damit komme die Kurie einer Bitte des Hilfswerks um Beratung in kirchenrechtlich-organisatorischen Fragen nach. Das teilte das katholische Hilfswerk am Freitag in Rom mit. Als Visitator ab Dezember sei der Paderborner Weihbischof Manfred Grothe nominiert. Der in Rom tagende Generalrat des Hilfswerks habe die Entscheidung der Kongregation begrüßt. „Kirche in Not“ hatte den Vatikan im Juni um Unterstützung in strittigen Fragen seiner kirchenrechtlichen Grundlagen wie seiner Organisation und Struktur gebeten. Deren Beantwortung sei entscheidend für die künftige Arbeit, so das Hilfswerk. – Das Werk mit nationalen Sektionen in 17 Ländern auf drei Kontinenten unterstützt Hilfsmaßnahmen in rund 150 Ländern. (pm)
Vatikan/Vereinte Nationen
Waffen seien keine Güter, die man wie andere Wirtschaftsprodukte behandeln könnte. Das sagte der Ständige Beobachter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen in New York, Erzbischof Celestino Migliore. Vor der UNO-Versammlung zum Thema „Abrüstung“ sagte er, es sei moralisch verwerflich, dass Waffen wie andere Produkte ver- und gekauft werden können. Um Konflikte vorzubeugen, müsse die Weltgemeinschaft den Waffenhandel auch international regeln. Bei einer Versammlung zum Thema „Internationale Drogenbekämpfung“ erinnerte Migliore an die Bedeutung der Familie. Nur in einer Gesellschaft, in der die Familie geschützt und gefördert werde, könne das Drogenproblem gelöst werde, sagte der Vatikan-Vertreter. Die meisten Probleme mit Drogen entstünden gerade dadurch, dass Familien zerstört oder vernachlässigt würden. Auch könne eine familiäre Gemeinschaft Drogenabhängige besser unterstützen, dem Kreislauf der Drogen zu entkommen, so Migliore. (rv)
Europa
Deutschland
Der Münchner Erzbischof Reinhard Marx hat Mut- und Ideenlosigkeit der Politik beklagt. Vor dem Hintergrund der schwarz-gelben Koalitionsverhandlungen in Berlin forderte Marx, es müsse um mehr gehen als um persönliche Interessen und Vorteile. In Politik und Gesellschaft seien die großen Ideen und die faszinierenden Projekte nicht mehr im Blick, so Marx in einem Beitrag für das Hörfunkprogramm des Bayrischen Rundfunks. „Wirkliche Veränderungen, die dann auch die Weltgeschichte und die Geschichte eines Volkes nachhaltig prägen“ bräuchten jedoch den emotionalen Aufbrauch und die große Idee genauso wie die den langen Atem und die Disziplin, „die notwendigen Schritte zu gehen, auch durch Kompromisse und Umwege hindurch“. Marx erinnerte in diesem Zusammenhang an den Fall der Mauer und die bewegenden Ereignisse im Herbst 1989. „Nach 20 Jahren spüren wir aber auch, dass die Stimmung und die Begeisterung solcher Wochen und Monate nicht festgehalten werden kann. In der alltäglichen Arbeit müssen sich die großen Ideen bewähren.“ (pm)
Ein verzögert bekannt gewordenes EKD-Papier zur Lage der katholischen Kirche sorgt in katholischen und evangelischen Kreisen gleichermaßen für Unruhe. Nachdem zunächst die Katholische Nachrichten-Agentur in ihrem Ökumenischen Fachdienst am 1. September darüber berichtet hatte, wurden in dieser Woche weitere Details in der Berliner „TAZ“ sowie in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ veröffentlicht. Nun wird unter anderem darüber spekuliert, wer das Papier des EKD-Kirchenamts-Funktionärs Thies Gundlach den Medien zugespielt hat und mit welcher Absicht dies getan wurde. In dem Papier - einer Vorlage für die Kirchenkonferenz der EKD zu deren Sitzung am 2. Juli - wird die Lage der katholischen Kirche in Deutschland unter Papst Benedikt XVI. in vergleichsweise düsteren Farben beschrieben. Zugleich reklamiert es eine intellektuelle Meinungsführerschaft für die evangelische Kirche. Offizielle Stellen wie die Deutsche Bischofskonferenz in Bonn und das EKD-Kirchenamt in Hannover erinnern daran , dass es sich um ein internes Diskussionspapier ohne offiziellen Wert handele. Doch der Text - und die Umstände seiner Veröffentlichung - sagen einiges über den Zustand der Ökumene in Deutschland, schreibt an diesem Freitag die Katholische Nachrichtenagentur. Neben der offiziellen Ebene der Festreden und gemeinsamen Erklärungen beider Kirchen habe sich offenbar im Zeitalter der „Ökumene der Profile“ ein Stil des Redens „hinter vorgehaltener Hand“ über den jeweils anderen herausgebildet, der einem zuvor über viele Jahrzehnte gepflegten Geist der Ökumene widerspricht, so die KNA. Auch die bewährte Zusammenarbeit der Kirchen im politischen Berlin musste in der vergangenen Legislaturperiode einen Dämpfer hinnehmen: In der Diskussion um das Stammzell-Gesetz preschte Huber mit einem unabgestimmten liberalen Kompromissvorschlag vor und düpierte damit die Katholiken. Auf katholischer Seite wird auch mit Missvergnügen die Ankündigung aufgenommen, dass Huber in zwei Wochen beim Festakt zum zehnjährigen Bestehen der Schwangerenberatungs-Organisation „Donum Vitae“ sprechen wird, die von katholischen Laien gegen den Willen der Bischöfe gegründet wurde. Am 30. und 31. Oktober treffen sich hochrangige Vertreter der katholischen Kirche und des Lutherischen Weltbunds in Augsburg zur Feier des zehnten Jahrestags der Unterzeichnung der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre. Für die Katholische Nachrichtenagentur „wieder ein ökumenisches Highlight“, an dessen Rande Gelegenheit sein werde, „die gegenwärtigen Verstimmungen anzusprechen“. (kna)
Die neue Literatur-Nobelpreisträgerin Herta Müller sei eine unermüdliche Mahnerin gegen Diktatur und Unterdrückung. Das sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber. Müller stammt aus dem rumänischen Banat. Der Autorin sei es gelungen, den Lesern die Erfahrungen eines Unrechtsregimes wie das des kommunistischen Diktators Nicolae Ceausescu nahezubringen. Deshalb sei es ein besonderes Zeichen, dass die Autorin mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde, so Huber. Die Warnung vor der Unmenschlichkeit totalitärer Regime stehe im Vordergrund ihres Schaffens. (idea)
Österreich/Türkei
Der Menschenrechtsausschuss des österreichischen Nationalrats tritt für die Rechte der syrischen Christen in Ostanatolien und für den Schutz des berühmten Klosters Mar Gabriel im Tur Abdin ein. Ein entsprechender Antrag wurde in Wien einstimmig angenommen. Das syrisch-orthodoxe Kloster Mar Gabriel sei eines der wichtigsten verbliebenen christlichen Zentren in der Türkei und trage dazu bei, dass die aramäische Sprache nicht aussterbe, heißt es in den Erläuterungen. Die Lage der syrischen Christen in Ostanatolien sei trotz der Verbesserungen der letzten Jahre nach wie vor prekär. In der Auseinandersetzung zwischen der türkischen Staatsmacht und den kurdischen Freiheitskämpfern gerieten die Christen zwischen die Fronten. (kap)
Schweiz
Christen sagen Nein zur Anti-Minarett-Initiative. Jeweils mehr als fünfzig Prozent der Katholiken und der reformierten Christen würden gegen die Initiative stimmen, müssten sie sich bereits heute entscheiden. Das zeigt eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts „Isopublic“, die im Auftrag des Zürcher Tagesanzeigers durchgeführt wurde. Insgesamt zeichnet sich ein knappes Resultat zugunsten der Gegner der Initiative ab. Bei Frauen kommt das Minarett-Verbot besser an, zeigt die Umfrage. Den Angaben zufolge lehnt die Mehrheit der Schweizer Christen das Tragen von Kopftüchern von Lehrern sowie von Burkas klar ab. Die öffentlich-rechtliche Anerkennung des Islam stößt hingegen bei Katholiken und Reformierten mehrheitlich auf positives Echo. (kipa)
Türkei
Das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel lässt sich nicht zum Spielball der Politik machen. Das betonte der Wiener orthodoxe Metropolit Michael Staikos vor den Teilnehmern einer „Kathpress“-Journalistenreise in Istanbul. Erst kürzlich hatte der türkische Europaminister Egemen Bagis in Tirol erklärt, dass eine Besserstellung der türkischen Minderheit im griechischen Westthrakien für die Wiedereröffnung des orthodoxen Priesterseminars und der Theologischen Hochschule auf der Prinzeninsel Chalki sehr hilfreich wäre. Solche Geschäfte seien aber inakzeptabel, so Metropolit Staikos bei der Begegnung mit den Journalisten im Phanar. – Der Staat hatte die theologische Hochschule des Patriarchats 1971 im Zuge eines Verbots privater Hochschulen geschlossen. Seither wurde eine Wiedereröffnung stets abgelehnt, obwohl private Universitäten inzwischen wieder erlaubt und weit verbreitet sind. (kap)
Asien
Indien
Christen in Orissa fassen neuen Mut, so einige Hilfskräfte der „Lebendigen Briefe“ des Ökumenischen Rates der Kirchen. Bei einem Besuch in der Region haben sie ihre Solidarität mit den Opfern der Gewalt bekundet. Vor einem Jahr hatten hinduistische Extremisten Anschläge auf christliche Gemeinden verübt. Auslöser der Gewaltakte war die Ermordung des radikalen Hinduführers Swami Saraswati durch Maoisten. Nun bauen die Bewohner des ostindischen Bundesstaats ihre Häuser wieder auf. Das Vereinigte Christliche Orissa Forum hat den Opfern 30 000 Rupien für jedes Haus zugesichert. Die Kirche habe mit am meisten für die Heimatlosen getan, so Rama Hansraj vom Katholischen Hilfsdienst. (rv)
Amerika
Honduras
Die Bischöfe des zentralamerikanischen Landes fordern einen neuen politischen Stil. Die Politiker sollten das Gemeinwohl der Bevölkerung im Blick haben und den gegenwärtigen Dialog weiterführen, so die Oberhirten. Ihr Aufruf steht im Zusammenhang mit der Aufnahme der Verhandlungen zwischen dem gestürzten Präsidenten Manuel Zelaya und Interims-Präsident Roberto Micheletti vor zwei Tagen. Die Vermittlung einer Delegation der Organisation Amerikanischer Staaten war jedoch zunächst erfolglos. Beide Konfliktparteien bekräftigten zunächst ihre unvereinbaren Positionen; inzwischen einigten sie sich auf weitere Gesprächstermine. (rv/ansa)
Die obigen Texte basieren auf unserer Nachrichtensendung „Treffpunkt Weltkirche” täglich um 16 Uhr. Die Quellen unserer Nachrichtensendung sind u.a. die Agenturen Kna, Kathpress, Ansa, Efe, Afp, Kipa, Reuters, Ap, ADN-Kronos, Upi, Cns, Uca, Misna, Osservatore Romano – die Vatikanzeitung in deutscher Sprache, sowie vatikaninterne Quellen. Der Newsletter ist nur zur persönlichen Information bestimmt. Grundlage für Zitate oder Übernahmen aus unserem Programm kann nicht unser Internetauftritt oder der Newsletter, sondern nur unser Radio-Programm sein. Die jeweils aktuelle Nachrichten- oder Magazinsendung von Radio Vatikan können Sie u.a. auf unserer Internetseite hören