Meldungen vom 12.10.2009
- Piusbrüder: „In 100 Jahren alles beim Alten“-
- Synode: „Moslems schätzen kath. Position“ -
- Indien: Albanien will Mutter Teresa-Reliquie -
Verantwortlich: P. Eberhard v. Gemmingen SJ / Stefan von Kempis
Redaktion: Stefan von Kempis
Redaktionsschluss 16.00 Uhr
Die folgenden Texte basieren auf unserer
Nachrichtensendung „Treffpunkt Weltkirche“ täglich um 16 Uhr.
AUS DER REDAKTION:
Verehrte Freundinnen und Freunde unseres Newsletters,
Vermutlich haben Sie schon erfahren, dass ich Radio Vatikan am Ende dieses Jahres verlassen werde. Nach 27 Jahren in Rom kehre ich gerne in meine deutsche Heimat zurück und übergebe das Heft einem jungen Mitbruder, Pater Bernd Hagenkord….
Eine Bitte von Pater Eberhard von Gemmingen, lesen Sie hier weiter
DIE AFRIKA-SYNODE:
Äthiopien: Nuntius bei der Afrikanischen Union?
Der Heilige Stuhl unterhält diplomatische Beziehungen mit 50 der 53 afrikanischen Staaten – aber nicht mit der Afrikanischen Union. Dabei wäre das außerordentlich wünschenswert. Das meint der Vorsitzende der äthiopischen Bischofskonferenz und Erzbischof von Addis Abeba, Berhaneyesus D. Souraphiel, in dessen Bischofsstadt auch der Sitz der panafrikanischen Organisation ist.
„Das wäre eine wichtige Sache, denn die Universalkirche hat eine starke Stimme. Papst und Heiliger Stuhl werden in Afrika geschätzt. Würde der Heilige Stuhl einen Nuntius zur Afrikanischen Union entsenden, dann wäre die Stimme der katholischen Kirche in Afrika noch besser hörbar.“
Auch die Länder mit muslimischer Mehrheit hätten damit kein Problem, glaubt der äthiopische Erzbischof:
„Denn in vielen Fällen schätzen die Moslems die katholische Position, beispielsweise was den Respekt für das Leben anlangt. Auch erziehen wir in unseren katholischen Schulen viele Moslems, die wissen also, dass wir dabei die Moslems nicht dazu zwingen, zum Christentum überzutreten. Im Gegenteil, wir sagen ihnen, dass sie lernen und studieren sollen, um für ihr Volk einzutreten. Aber in der Afrikanischen Union sind mehr als die Hälfte der Mitglieder katholisch. Ihnen könnte, denke ich, ein Nuntius bei der Afrikanischen Union helfen, ihre Positionen gemäß der Lehre der Kirche zu stärken.“
Bei der Synode äußerte sich der Erzbischof von Addis Abeba auch über Menschenhandel. Zu diesem Thema hatte er zuvor eine Erhebung durchführen lassen.
„Der Sachverhalt ist sehr sehr ernst, was den Menschenhandel mit Frauen und Kindern betrifft. Die Synode muss sich dazu klar und stark äußern. Eine der Ursachen für das Drama des Menschenhandels liegt klarerweise in Afrika selbst. Ich würde eine internationale Übereinkunft begrüßen, damit die Opfer erst gar nicht nach Europa gelangen können. Diese Sklavenhändler haben ja schon fertige Visa für ihre Opfer in der Tasche. Es ist ein internationales Business, wie Waffen und Drogen.“
In Äthiopien ist die katholische Kirche eine Minderheit, der nur ein Prozent der Bevölkerung angehören. 45 Prozent allerdings sind orthodox. Der Erzbischof von Addis Abeba beobachtet zum ersten Mal, dass die Armut seine Landsleute dazu zwingt, auf ihr christliches Bekenntnis zu verzichten:
„Viele Frauen emigrieren in den Nahen Osten. Und warum? Weil es bei uns keine Arbeit gibt. Der erste Schritt zur Auswanderung ist für sie, ihren christlichen Namen gegen einen muslimischen zu tauschen und sich muslimische Frauenkleider zuzulegen. Da die meisten dieser Frauen keine gute Bildung haben, finden sie im Ausland, wenn überhaupt, nur schlecht bezahlte Jobs. Das müssten wir hier in Afrika ändern: Wenn wir schon die Auswanderung nicht stoppen können, sollten wir die Leute wenigstens gut ausbilden, damit sie etwas verdienen und ihren Familien im Heimatland Geld schicken können.“ (rv)
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THEMEN DES TAGES:
Piusbrüder: „Gespräche mit Vatikan werden lange dauern“
Der Generalobere der schismatisch orientierten Piusbruderschaft, Bernard Fellay, rechnet mit langen Diskussionen mit dem Vatikan. Es werde bei den Gesprächen nicht nur um die Religionsfreiheit, die Ökumene und die Kollegialität in der Kirche gehen, sagte Fellay in einem auf dem Internetportal der Piusbruderschaft wiedergegebenen Interview. Zur Sprache kommen könnten auch Themen wie der Einfluss der modernen Philosophie und des Zeitgeistes auf die Kirche oder die liturgischen Erneuerungen. Ziel der Gespräche sei, die Irrtümer oder erheblichen Mehrdeutigkeiten, die sich seit dem Konzil in der Kirche verbreitet hätten, auszuräumen. Fellay erklärte, eine Rückkehr und „Wiederherstellung der Kirche“ werde mehr als eine Generation brauchen, „vielleicht sogar ein Jahrhundert“. Dabei sei mit Widerstand zu rechnen. Er glaube aber, dass es inzwischen Zeichen der Heilung gebe.
Fellay lobte, dass Papst Benedikt XVI. immer wieder betone, dass das Konzil Kontinuität bedeute, keinen Bruch mit der Vergangenheit. Der oberste Piusbruder scheint auch Gefallen daran zu finden, dass der Papst vor allem die Annäherung an die Orthodoxen sucht und – aus Fellays Sicht – nicht so sehr an die Protestanten. Mit seinem wiederholten Rückgriff auf ein „Motu Proprio“, etwa zum so genannten „Alten Ritus“ im Sommer 2007, habe Benedikt seinen Willen gezeigt, dass er die Kirche „persönlich“ und nicht etwa „kollegial“ führen wolle. Die Auseinandersetzung um die Lefebvre-Anhänger im Frühjahr habe die Autorität des Papstes geschwächt; immerhin verstehe man nun, wer wirklich die Kirche liebe und wer nicht.
Der Traditionalisten-Generalobere sagte, er habe Zweifel, ob von allen bereits begriffen werde, dass eine Rückkehr zur Tradition notwendig sei. Die Mehrheit der kirchlichen Hierarchie erwarte von dem Dialog mit der Piusbruderschaft, dass es darum gehe, sie zur Annahme der Neuerungen des Zweiten Vatikanischen Konzils zu bewegen. „Wir aber sagen, und wir belegen es durch die Fakten, dass die Lösung für die Krise eine Rückkehr zur Vergangenheit ist“, so Fellay.
Der Vatikan hatte mitgeteilt, die Gespräche mit der von Rom getrennten Piusbruderschaft sollten in der zweiten Oktoberhälfte beginnen. Im Auftrag von Papst Benedikt XVI. sollen drei Experten den Dialog über theologische Differenzen führen. Es handelt sich um den Schweizer Dominikaner Charles Morerod, den Opus-Dei-Generalvikar Fernando Ocariz Brana und den deutschen Jesuiten Karl Josef Becker. Alle drei sitzen bereits im Beraterkreis der Glaubenskongregation. (kna/rv)
Polen: Erste Katholische Sozialtage für Europa
Die Katholische Soziallehre heute für Europa fruchtbar machen: Diesem Ziel dienten die Ersten Katholischen Sozialtage für Europa, die am Sonntag im polnischen Danzig zu Ende gingen. Organisiert wurden sie von der EU-Bischofskommission (ComECE); Teilnehmer waren rund 400 Männer und Frauen vom ganzen europäischen Kontinent, darunter auch vierzig Bischöfe. Die Abschlusserklärung ruft nach „Solidarität“ und einer „Strategie des Gemeinwohls“. Familien müssten gestärkt werden; in ganz Europa sollte es möglich sein, dass Eltern die Erziehung von Kindern mit ihrem Berufsleben vereinbaren können. Eine einheitliche europäische Immigrations- und Asylpolitik sei nötig, die die Menschenwürde eines jeden Migranten achte und klar Rechte und Pflichten als Grundlage für die Integration regle. Die Wirtschaft müsse sich als „Dienst an allen Menschen“ verstehen.
„Diese Sozialtage sind ja die ersten ihrer Art“, sagte uns in Danzig der Mailänder Kardinal Dionigi Tettamanzi. „Ich finde, sie sind eine gute Idee – da kann was draus werden! Auf die Dauer müssen wir eine Strategie finden, um sicherzustellen, dass Europa weiter christlich inspiriert wird, gerade im sozialen Bereich. Politiker reden da immer gerne von Solidarität, Subsidiarität, der Sorge für den Nächsten – und das sind ja nun gerade die Kernwerte der katholischen Soziallehre!“ (rv)
Wir dokumentieren hier die Erklärung von Danzig im vollen Wortlaut
Deutschland: 1.000 Jahre Mainzer Dom
Mehr als tausend Menschen haben am Sonntag mit einer Pontifikalvesper den 1.000 Geburtstag des Mainzer Domes gefeiert. Die Feier, an der auch Bundespräsident Horst Köhler teilnahm, war der Höhepunkt des Domjubiläums, das unter der Überschrift steht: „Denn der Tempel Gottes ist heilig – und das seid ihr“.
Kardinal Karl Lehmann von Mainz hob in seiner Predigt die spirituelle Bedeutung des Domes für die Gesellschaft hervor. Der romanische Bau diene „von vornherein, zuerst und zuletzt der Gottesverehrung“. Diese „Sinnbestimmung“ bilde seine „tiefste Kontinuität“. Gleichzeitig reiche er aber nicht „wie ein Fremdkörper“ in unsere Gegenwart hinein, so Lehmann weiter: „Der Dom geht wie die Kirche mit den Zeiten und mit den Menschen. Er ist tief eingesenkt in unsere Geschichte, die er auch entscheidend mitgestaltet hat.“ Es sei wichtig, eine lebendige Erinnerung daran zu haben, „auf welchen Schultern wir stehen, wie viele Schätze der Geschichte uns geschenkt sind und wie beispielhaft die Menschen der vergangenen Jahrhunderte ihre jeweiligen Nöte überwunden, die Gunst der geschichtlichen Stunde ergriffen und Großes, Bleibendes geschaffen haben“.
In seinem Grußwort nannte Bundespräsident Horst Köhler den Dom „ein Stück Heimat“ für Mainz. Es sei wichtig, in ein Bauwerk wie den Mainzer Dom zu investieren. „Wer nicht in die Erinnerung investiert, der spart an der Zukunft. Wir aber wollen Zukunft, eine Zukunft, die Orientierung auch aus der Herkunft gewinnt“, so Köhler. Er appellierte an die Kirchen, sich „immer wieder auf ihr Eigentliches zu besinnen“. Dies seien „die letzten Fragen“, die Fragen nach dem Woher und Wohin des Menschseins, nach dem Sinn des Lebens und dem Grund für Hoffnung. Dass diese Fragen nicht aus der Welt verschwänden, dafür ständen die christlichen Kirchen und ihre Dome.
In unserem Audio-Angebot: ein kurzer Gedanke von Kardinal Lehmann zur Bedeutung des Mainzer Doms. Quelle: Bistum Mainz. (rv/kna/pm)
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Türkei: Patriarch sieht Hoffnungszeichen
Vorsichtig optimistisch über die Zukunft des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel in der Türkei ist Patriarch Bartholomaios I. Vor Journalisten in Istanbul sprach das Ehrenoberhaupt der orthodoxen Christen in aller Welt von einigen kleinen Schritten, die ihn hoffen ließen, dass sich die Situation für die Minderheiten in der Türkei langsam bessern werde. Die Förderung der Menschenrechte in der Türkei und die Schritte in Richtung EU gingen sehr langsam, aber stetig voran. Zugleich stellte Bartholomaios I. aber auch klar: Was immer passieren wird und mit welchen Schwierigkeiten das Patriarchat auch immer konfrontiert wird, man werde am Bosporus bleiben.
Bartholomaios sieht u.a. im Stiftungsrecht einige Verbesserungen für die Kirchen im Land: Rechte, die den Kirchen vor Jahren entzogen wurden, seien nun wieder vorhanden. So etwa das Recht, Schenkungen anzunehmen. Früher sei es auch nicht möglich gewesen, dass Metropoliten ohne türkische Staatsbürgerschaft Mitglieder des Heiligen Synods des Patriarchats sind.
Aktuell verwies der Patriarch auf den aus seiner Sicht sehr konstruktiven Besuch des neuen griechischen Ministerpräsidenten Georgios Papandreou in der Türkei am Freitag und auf die Unterzeichnung des türkisch-armenischen Abkommens in Zürich. Beides seien Zeichen, dass Ankara einen Kurs der politischen Entspannung fahren wolle. Vor allem die vielen Auseinandersetzungen mit Griechenland, bestimmt durch den Zypern-Konflikt, hätten dem Patriarchat sehr geschadet, da es zwischen die Fronten geraten sei, sagte der Patriarch. Bartholomaios wörtlich: „Die Zeche für den Konflikt haben wir bezahlt.“
Im Menschenrechtsbereich sieht Bartholomaios I. es als eine leichte Verbesserung, dass sich die Stellung der Armee in den vergangenen Jahren etwas gewandelt habe. So seien inzwischen Armeeangehörige auch Zivilgerichten unterstellt und der Armeekommandant unterstehe dem Ministerpräsidenten. Die aufgezeigten Reformen, so Bartholomaios I., seien für Europa selbstverständlich, für die Türkei aber eine elementare Herausforderung. Die Türkei brauche aber nicht nur Reformen von oben, sondern vor allem auch einen Mentalitätswechsel. Immer wieder versuche er im Gespräch mit Politikern die weit verbreitete Einstellung zu entkräften, dass das Ökumenische Patriarchat gegen die Türkei arbeite. Das Gegenteil sei der Fall. (kap)
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DIE NACHRICHTEN:
Vatikan
Der diesjährige Weihnachtsbaum auf dem Petersplatz ist gefunden. Die Forstbehörden im belgischen Landesteil Wallonien hätten ein passendes Exemplar ausgesucht, berichteten belgische Medien an diesem Montag. Noch wachse der Baum. Ende November soll er gefällt und auf den Weg gebracht werden. Der vatikanische Weihnachtsbaum ist ein Geschenk an den Papst und kommt jedes Jahr aus einem anderen Land. Im Jahr 2008 zierte eine Fichte aus Niederösterreich den Petersplatz. (kna)
Papst Benedikt hat sich am Sonntag kurz mit dem spanischen Außenminister Miguel Angel Moratinos getroffen. Dieser war zu einer Heiligsprechung nach Rom gekommen. Der Minister der sozialistischen Madrider Regierung besprach mit dem Papst u.a. die Vorbereitungen zum nächsten großen Weltjugendtag; dieser findet im August 2011 in der spanischen Hauptstadt statt. Moratinos führte auch noch weitere Gespräche im Vatikan. Dabei ging es nach Auskunft spanischer Diplomaten um die Prioritäten der spanischen EU-Ratspräsidentschaft ab Januar 2010 und um die spanisch-türkische Initiative der „Allianz der Zivilisationen“. (apic)
Europa
Deutschland
Der Religionsunterricht darf nicht abgeschafft werden. So sagt das die Bundesvorsitzende der Katholischen Elternschaft Deutschlands, Marie Therese Kastner. Sie kritisiert den Programmentwurf der Linken in Nordrhein-Westfalen, den Religionsunterricht generell durch Ethik zu ersetzen und Schulen in privater Trägerschaft nicht mehr zu finanzieren. Damit verlasse die Linke den Boden der Verfassung der Bundesrepublik, so Kastner. Die katholischen Schulen in privater Trägerschaft erfüllten verbindliche Standards und Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach sei im Grundgesetz garantiert. (pm)
Österreich
Der Bischof von St. Pölten, Klaus Küng, weist einen Bericht des österreichischen Nachrichtenmagazins „Profil“ zurück. Das Blatt hatte behauptet, dass der „Familien-Bischof“ für die Bestrafung von Frauen nach einer Abtreibung eintrete. In einem Brief an „profil“ hält Küng dem Magazin eine verzerrende Wiedergabe von Interviewaussagen vor. Er habe in seinen Antworten „vielmehr Milde für Frauen, die abgetrieben haben“, gefordert. Der Kirche gehe es um den Schutz wehrloser Kinder und auch um den Schutz schwangerer Frauen vor dem Druck außenstehender Personen, die sie zu einer Abtreibung drängen wollen. Sein „erstes und wichtigstes Anliegen“ sei Hilfe für Schwangere in Not. Bischof Küng wirft in dem Brief dem Nachrichtenmagazin zudem „schweren Vertrauensbruch“ vor. Er habe einem Interview nur unter der Bedingung zugestimmt, dass der von ihm autorisierte Text des Interviews in vollem Wortlaut erscheint, hält der Bischof fest. Von Seiten der Redaktion sei diese Abmachung nicht eingehalten worden. Offensichtlich hätten seine – Küngs – Aussagen in dem Interview „nicht in ein vorgefertigtes Konzept von strafenden Bischöfen“ gepasst. (kap)
Für eine neue „Theologie des Laienchristen“ plädiert der emeritierte Grazer Kirchenhistoriker Maximilian Liebmann. Die entsprechenden Vorgaben des Zweiten Vatikanischen Konzils seien bisher „auch in Österreich“ nicht richtig begriffen worden, sagte Liebmann jetzt in Wien. Rolle und Mitverantwortung der Laienchristen in der katholischen Kirche seien neu zu definieren. Die Grundstruktur der Kirche in Österreich sei bis heute vom in der Zwischenkriegszeit entstandenen „Pastoralkatholizismus“ geprägt. Die nach dem Zustandekommen des Konkordats 1933 von den Bischöfen beschlossene völlige Abkehr von der Politik und Konzentration auf die Seelsorge samt Neustrukturierung des Laienbereichs mit dem Aufgehen zahlreicher katholischer Vereine in der neu organisierten „Katholischen Aktion“ wirke sich bis heute aus, so der Kirchenhistoriker. Die Einführung der diözesanen Pastoralräte und der Pfarrgemeinderäte nach dem Zweiten Vatikanum empfinde er zwar als wichtig; die Räte seien aber nicht „der große Wurf“ der Laientheologie beim Konzil gewesen. Zentral sei vielmehr der Aufruf an die Laien gewesen, selbst und auf eigene Verantwortung hin initiativ zu werden, wobei die Bischöfe diese Initiativen fördern sollten. Liebmann: „Diese Umsetzung fehlt noch, die echte Laientheologie ist in der Zeit nach dem Konzil noch nicht zum Tragen gekommen.“ (kap)
Schweiz
Im Bistum Chur hat Bischof Vitus Huonder Richtlinien zum Kirchenaustritt in Kraft gesetzt. Dabei geht es um Personen, die aus den staatskirchenrechtlichen Institutionen austreten und gleichzeitig erklären, katholisch bleiben zu wollen. Durch einen solchen Austritt erlösche die Pflicht zur Leistung der Kirchensteuer, was jedoch nicht davon entbinde, „die kirchliche Beitragspflicht in einer anderen Form zu konkretisieren“, heißt es in den Richtlinien. Für solche Fälle wird ein diözesaner Solidaritätsfonds eingerichtet. Das Bistum Chur bemühe sich, „so gearteten Austritten präventiv zu begegnen und mit dennoch erfolgten Austritten sachgerecht umzugehen, indem sie problematische Verhältnisse zu bereinigen versucht, die zu Austritten der erwähnten Art führen“, heißt es in den Richtlinien. „Wünschenswert“ sei es, wenn dieses Anliegen von den staatskirchenrechtlichen Organisationen im Bistum mitgetragen werde. Über den diözesanen Solidaritätsfonds, über die Höhe und die Verwendung der Einnahmen werden die staatskirchenrechtlichen Kantonalorganisationen jährlich informiert. Die Richtlinien halten fest, dass im Zusammenhang mit einem solchen Austritt „kein Eintrag in das Taufbuch vorgenommen werden“ darf – außer es handle sich um Glaubensabfall, die Verbreitung von Irrlehren oder um Kirchenspaltung. Die Churer Richtlinien sind die Umsetzung von Empfehlungen der Schweizer Bischofskonferenz, die im Juni 2009 an die Schweizer Bistümer ergingen. (kipa)
Der Weltkirchenrat „entdeckt“ die alte Kirche wieder. Seine Kommission für Glauben und Kirchenverfassung diskutiert derzeit auf Kreta ein Studienprojekt über „Quellen der Autorität“. Darin geht es um die Lehre der Kirchenväter ab dem 4. Jahrhundert, die vor allem für die orthodoxen Christen wichtig sind. „Damit geht die ökumenische Bewegung auf jenen Teil der weltweiten Christenheit zu, der sich in jüngster Zeit benachteiligt gefühlt hatte im Kirchen-Dialog“, heißt es in einem Statement des Kirchenrates, dessen Sitz Genf ist. Archimandrit Cyril Hovorun von der Russisch-Orthodoxen Kirche betonte vor dem Plenum, dass das Denken der Kirchenväter und das biblische Denken eng mit einander verknüpft seien. Er empfahl der Kommission, eine Studie auf den Weg zu bringen, die sich genau mit dieser Verbindung zwischen Bibeltext und früher Kirche beschäftigen soll. Zudem regte der Experte für Patristik an, ob nicht künftig „jedes wesentliche ökumenische Dokument in Verbindung mit relevanten patristischen Studien vorgelegt“ werden könnte. Das erhöhe die Bedeutung ökumenischer Äußerungen für Orthodoxe und traditionelle Katholiken, so Hovorun. (pm)
„Christen lieben das Leben“: Unter diesem Motto stand am Wochenende die neunte Einsiedler Junge Wallfahrt (Juwa). Von unterschiedlichen Startpunkten kamen die Teilnehmer auch diesmal zu Fuß nach Einsiedeln. Zum Wallfahrtsprogramm gehörten neben Katechesen auch Rosenkranzknüpfen, Basketballspielen und offenes Singen. (kipa)
Italien
Die Apennin-Halbinsel hat weniger Probleme als viele andere europäische Länder. Das sagte Kardinal Camillo Ruini an diesem Montag in einem Gespräch mit der italienischen Tageszeitung „La Repubblica“. Der langjährige Präsident der Italienischen Bischofskonferenz blickt zuversichtlich auf die Zukunft Italiens. Der Kardinal betonte allerdings, dass Italien das Bildungssystem verbessern und Geburtenraten erhöhen müsse. Dies seien die schwächsten Punkte und Schuld an einem Abstieg des Landes. Für die Zukunft sei es wichtig, unbegründete Ängste zu überwinden. Das Bedürfnis nach zu Sicherheit etwa, lähme ein Volk, so der 78-jährige Norditaliener. (ansa)
Albanien/Indien
Zwischen dem kleinen Albanien und dem großen Indien bahnt sich ein Streit an um die Heilige, die die beiden Länder miteinander verbindet. Albanien fordert offiziell die sterblichen Überreste von Mutter Teresa zurück. Die selige Ordensgründerin, die als „Engel der Armen“ bekannt wurde und auch den Friedensnobelpreis erhielt, stammte aus einer albanischen Familie; vor hundert Jahren wurde sie in einem Dorf des heutigen Mazedonien geboren. Bestattet ist sie allerdings im indischen Kalkutta, wo sie jahrzehntelang wirkte. Die indische Kirche mauert angesichts der Forderung aus Albanien: Zuständig für eine mögliche „Rückgabe“ der sterblichen Überreste sei nicht Indiens Kirche, sondern die von ihr gegründete Gemeinschaft namens „Missionarinnen der Nächstenliebe“. (asca)
Russland
In der orthodoxen Kirche in Russland ist eine Debatte über die Einschätzung des Diktators Joseph Stalin entbrannt. Anlass ist das Buch eines orthodoxen Priesters und Historikers aus St. Petersburg über einen sowjetischen Überläufer zu den Nazis, General Andrei Wlassow. Das Buch hat die Grundthese: Russland wird der Weg in die Zukunft nicht gelingen, wenn es sich nicht klar seiner jüngeren Vergangenheit und damit auch der Stalin-Zeit stellt. Viele orthodoxe Prominente haben das Buch scharf angegriffen. Der neue Moskauer Patriarch Kyrill I. und sein „Außenminister“ Erzbischof Hilarion haben in diesem Sommer die Verbrechen der Stalin-Ära deutlich verurteilt. Das Außenamt des Moskauer Patriarchats kritisierte auch offen zwei neue Inschriften in der Moskauer Metro, die Stalin verherrlichen. (apic)
Irland
Trotz der schweren Vertrauenskrise der Kirche in Irland gibt es dieses Jahr so viele neue Priesteramts-Kandidaten wie seit zehn Jahren nicht mehr. Das berichtet die ökumenische Nachrichtenagentur „Eni“. Allein 2009 hätten 36 junge Leute das Theologiestudium mit dem Ziel des Priesteramts in Angriff genommen. Die Zahl von Neu-Seminaristen liegt doppelt so hoch als noch 2003. (apic)
Afrika
Ruanda
Präsident Paul Kagame plädiert für einen Kurswechsel in der europäischen Entwicklungspolitik. Konkrete Investitionen in bereits bestehende Unternehmen der Privatwirtschaft seien für Afrika oft wichtiger als vom Westen finanzierte Entwicklungsprojekte, sagte Kagame dem „Handelsblatt“. Andernfalls wachse nur die Gefahr von Abhängigkeiten zwischen Geber- und Nehmerländern. Der ruandische Staatschef nannte als Beispiel die Tätigkeit von Nichtregierungsorganisationen beim Brunnenbau. In vielen Ländern bohrten Entwicklungshelfer kostenlos nach Wasser. „Das ist gut gemeint, aber damit ruinieren sie lokale kleine Firmen, die das auch versuchen“, so Kagame. Besser sei es, eben diese Unternehmen bei ihrer Tätigkeit zu unterstützen. Dabei helfe es wenig weiter, Gelder mit dem Hinweis auf eine schlechte Menschenrechtslage in den jeweiligen Empfängerländern zurückzuhalten. Kagame räumte zugleich ein, dass ein Grund für die Probleme des Kontinents auch schwache Regierungen in den afrikanischen Staaten selbst seien. Diese müssten stärker gegen Korruption vorgehen und ein System installieren, das „Knebel- und Ausbeutungsverträge“ von Firmen verhindere, die die Rohstoffvorkommen einzelner Länder ausbeuten wollten. Die im Westen umstrittene Rolle Chinas bewertete der Politiker positiv. „Die Chinesen bringen mit, was Afrika braucht: Investitionen und Geld für Regierungen und Unternehmen“. Den dadurch entstehenden Wettbewerb bezeichnete Kagame als sehr gesund. (kna)
Asien
Indonesien
Der Päpstliche Gesundheitsrat schickt 10.000 Dollar an ein katholisches Krankenhaus in Padang. Das Geld soll zur Nothilfe für die Erdbebenopfer von Ende September dienen. Bei dem Beben sind mehr als 800 Menschen ums Leben gekommen; ebenso viele trugen schwere Verletzungen davon. Ein Vatikan-Kommuniqué hält fest, das Geld sei für alle Opfer bestimmt, ganz gleich, welcher Religion, ethnischen Zugehörigkeit oder welchen Geschlechts sie seien. (rv)
Amerika
Kolumbien
Jeder vierte „Kämpfer“ in Kolumbien ist unter 18 Jahre alt. Das ergibt eine neue Studie von zwei kolumbianischen Menschenrechts-Organisationen. In den Reihen der Guerilla, der Paramilitärs und krimineller Gruppen kämpften mindestens 14.000 Kinder mit. Das Büro des nationalen Ombudsmanns schätzt, dass bis zu zwanzig Prozent aller Kolumbianer unter 18 Jahren direkt oder indirekt in den bewaffneten Konflikt verwickelt sind. (apic)
Vereinte Nationen
Die internationale Gemeinschaft muss für Entwicklungshilfe im Agrarsektor mehr Geld ausgeben. Das sagte der Generaldirektor der UNO-Welternährungsorganisation, Jacques Diouf, an diesem Montag in Rom. Eine Steigerung des Bruttoinlandsprodukts in der Landwirtschaft trage doppelt so viel zum Kampf gegen die Armut bei wie in anderen Bereichen, sagte der Senegalese bei der Eröffnung eines Expertenforums zur Hungerbekämpfung. In den vergangenen Jahren sei die finanzielle Unterstützung der Landwirtschaft aber stark gesunken. Man müsse die Nahrungsmittelproduktion in den nächsten vierzig Jahren um siebzig Prozent erhöhen, um die Weltbevölkerung ernähren zu können. Im Jahr 2050 lebten vorrausichtlich 9,1 Milliarden Menschen auf der Erde. (ansa)
Die obigen Texte basieren auf unserer Nachrichtensendung „Treffpunkt Weltkirche” täglich um 16 Uhr. Die Quellen unserer Nachrichtensendung sind u.a. die Agenturen Kna, Kathpress, Ansa, Efe, Afp, Kipa, Reuters, Ap, ADN-Kronos, Upi, Cns, Uca, Misna, Osservatore Romano – die Vatikanzeitung in deutscher Sprache, sowie vatikaninterne Quellen. Der Newsletter ist nur zur persönlichen Information bestimmt. Grundlage für Zitate oder Übernahmen aus unserem Programm kann nicht unser Internetauftritt oder der Newsletter, sondern nur unser Radio-Programm sein. Die jeweils aktuelle Nachrichten- oder Magazinsendung von Radio Vatikan können Sie u.a. auf unserer Internetseite hören