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Meldungen vom 22.10.2009

- Vatikan: Neues Kompendium zur Eucharistie -
- Piusbrüder halten Einigung mit Rom für möglich -
- Hilarion zweifelt an baldigem Papst-Kyrill-Treffen -


Verantwortlich: P. Eberhard v. Gemmingen SJ / Stefan von Kempis
Redaktion: Stefan von Kempis
Redaktionsschluss 16.00 Uhr
Die folgenden Texte basieren auf unserer
Nachrichtensendung „Treffpunkt Weltkirche“ täglich um 16 Uhr.

AUS DER REDAKTION:

Verehrte Freundinnen und Freunde unseres Newsletters,
Vermutlich haben Sie schon erfahren, dass ich Radio Vatikan am Ende dieses Jahres verlassen werde. Nach 27 Jahren in Rom kehre ich gerne in meine deutsche Heimat zurück und übergebe das Heft einem jungen Mitbruder, Pater Bernd Hagenkord….
Eine Bitte von Pater Eberhard von Gemmingen, lesen Sie hier weiter


DIE AFRIKA-SYNODE :

Afrika-Synode: Migration mit Kurs auf die Festung Europa
Migration von Afrika nach Europa ist eines der sozialen Themen, das den afrikanischen Bischöfen bei ihrer Synode im Vatikan besonders unter den Nägeln brennt. Ein reales Problem, das viele Facetten hat: zum einen das Drama der Boatpeople auf dem Mittelmeer mit Kurs auf die „Festung Europa“, zum anderen der Aderlass bestimmter afrikanischer Regionen an Jugendlichen und wertvollen Arbeitskräften. Viele afrikanische Synodenväter zeigten sich in ihren Stellungnahmen geradezu verärgert über die abwehrende Haltung Europas gegenüber afrikanischen Bürgern.

Ob ein Asylantrag angenommen oder abgeschmettert wird, ist derzeit für Migranten in der EU ein Hasardspiel. Jedes der 27 EU-Länder entscheidet auf eigenen Grundlagen. Nun arbeitet die Europäische Union daran, das Asylrecht zu vereinheitlichen; einen entsprechenden Vorschlag hat die EU-Kommission an diesem Mittwoch präsentiert. Was bei der Asyl-Debatte in Europa aber meistens völlig aus dem Blick bleibt: Migration ist ein Menschenrecht. Daran erinnerte bei der Afrika-Synode unter anderem Charles Palmer Buckle, Erzbischof von Accra in Ghana:

„Menschen haben das Recht, hinzuwandern wo sie wollen. Wenn Europa versucht, andere Leute aus Europa auszuschließen - und manche Regelungen sind jetzt vorgekommen, die gegen das Menschenrecht verstoßen -, dann fragen wir: Was hat das zu bedeuten für Europa, das uns in Afrika die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte gebracht und immer darauf gedrängt hat, dass unsere Regierungen hier die Menschenwürde und die Menschenrechte wahren?“ (rv)
Lesen und hören Sie hier den gesamten Beitrag von Gudrun Sailer

Vatikan: Geschenk für Synodenväter
Der Päpstliche Rat für die Pastoral im Krankendienst hat den 275 Synodenvätern eine Reiseapotheke geschenkt. Die Ausrüstung solle die Bischöfe in ihrem Missionsdienst unterstützen, so der Sekretär des Päpstlichen Rates, Bischof Jose Luis Redrado. Diese solle den Bischöfen in Gefahrsituationen für ihre Gesundheit Hilfe leisten. Das medizinische Gepäckstück enthält unter anderem ein Blutdruckmessgerät und ein Herzschlagmessgerät. (zenit)

 


WEITERE THEMEN DES TAGES:

Vatikan: Neues Kompendium über Eucharistie
Der Papst hat es schon – jetzt wird der Rest der Weltkirche damit beglückt: Die Liturgiekongregation des Vatikans hat ein Kompendium zur Eucharistie zusammengestellt und es am Mittwoch Papst Benedikt überreicht. „Compendium Eucharisticum“ heißt es auf gut Latein – der Präfekt der Behörde, Kardinal Antonio Cañizares Llovera, erklärt:

„Die Bischofssynode über die Eucharistie hatte 2005 vorgeschlagen, ein Eucharistie-Kompendium zusammenzustellen – mit den grundlegenden Quellen, Lehren und Texten zur Eucharistie. Der Papst machte sich diesen Vorschlag zu Eigen und gab ihn an die Liturgiekongregation weiter. Ziel war, eine gewisse Einheitlichkeit in den Aussagen zur Eucharistie herzustellen und Predigern zu helfen. Ein eigenes Kapitel bietet liturgische Texte, vor allem aus dem einen römischen Ritus; dabei wird auch die außerordentliche Version des römischen Ritus berücksichtigt.“

Heißt das: Liturgische Neuerungen stehen vor der Tür? Stellt das Kompendium neue Regeln auf? Nein, sagt der spanische Kurienkardinal:

„Da steht nichts Neues drin. Es wird einfach nur dargestellt, was die Kirche glaubt, feiert und lebt im eucharistischen Geheimnis. Das Kompendium wird an die Bischöfe in aller Welt geschickt und später auch in den wichtigsten Sprachen veröffentlicht. Am Freitag wollen wir die grundlegende Fassung – die lateinische – allen Bischöfen auf der Afrikasynode schenken.“ (rv)
Hier zum Nachhören

USA: „Schwimmendes Symposion“ mit Bartholomaios I.
Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. hat seinen sechsten USA-Besuch begonnen. Höhepunkt ist ein Empfang durch US-Präsident Barack Obama im Weißen Haus am 6. November. Obama trifft bereits am 29. Oktober mit dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Erdogan zusammen. Auf der Agenda dieses Treffens steht unter anderem die Aufhebung der Restriktionen gegen das Ökumenische Patriarchat.

Offizieller Anlass der USA-Reise des Ökumenischen Patriarchen ist das 8. Symposion über „Religion, Wissenschaft und Umwelt“. Thema dieses „Schwimmenden Symposions“ ist „Der große Fluss Mississippi – Das Gleichgewicht wiederherstellen“. Es dauert bis zum 25. Oktober. Der neue Erzbischof von New Orleans, Gregory Michael Aymond, hat dem Patriarchen eine Botschaft des Papstes überbracht: Darin stellt sich Benedikt hinter die grünen Anliegen von Bartholomaios. Umweltschutz ist Christenpflicht, betont auch Erzbischof Aymond – und denkt dabei vor allem an den verheerenden Hurrican „Katrina“, der Ende August 2005 New Orleans unter Wasser setzte.

„Die Wunden sind immer noch da. Wir haben damals eine Art Exodus der Menschen aus der Stadt erlebt – unglaubliche Zerstörung von Häusern und Eigentum... Das ist erst vier Jahre her, aber aus meiner Sicht werden wir noch etwa fünf Jahre brauchen, bis der Wiederaufbau abgeschlossen ist.“

Tagungsort ist ein Flussdampfer, der den Unterlauf des längsten nordamerikanischen Flusses befährt. Zahlreiche Wissenschaftler und Kirchenführer machen mit. Die vergangenen Symposien hatten an der Donau, am Amazonas, im Eismeer, in der Adria, im Schwarzen Meer, in der Ostsee und in der Ägäis stattgefunden. Erzbischof Aymond betont, dass Christen am Umwelt-Thema nicht vorbei kommen:

„Der erste Ansatz ist ein theologischer; er hat seine Wurzeln in der Schöpfungsgeschichte der Genesis. Als Gott alles schuf, ‚sah er: Es war sehr gut‘. Und er machte es dem Menschen zur Aufgabe, gute Verwalter dieser Schöpfung zu sein und ihre Gaben zu gebrauchen, nicht zu missbrauchen. Das ist in unserer Geschichte sicher nicht immer gelungen – aber es ist unsere besondere Aufgabe als Menschen Gottes und als Christen!“

Bartholomaios, der in Istanbul residiert, ist das spirituelle Oberhaupt der rund 350 Millionen orthodoxen Christen in aller Welt. Er setzt sich seit seinem Amtsantritt 1991 für die Bewahrung der Schöpfung ein. Sein ökologisches Engagement hat ihm nicht nur den Beinamen als „grüner Patriarch“ eingebracht, sondern auch einen Platz auf der Liste der hundert einflussreichsten Persönlichkeiten des US-Magazins „Time“. (kap/rv)
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Ungarn: Kardinal hält nichts von Dan Brown
Peter Erdö ist der Erzbischof von Budapest – und hält überhaupt nichts von Dan Brown. Sie wissen schon: Das ist der Autor des Weltbestsellers „Sakrileg“, wo unter anderem über eine Liebesbeziehung zwischen Jesus und, wem sonst, Maria Magdalena fabuliert wird. Im Interview mit uns fand Kardinal Erdö scharfe Worte zu dem Roman; ihm macht vor allem Sorge, dass manche Leute solche Geschichten für bare Münze nehmen.

„Wir spielen mit dem Feuer. Angesichts des kulturellen Zusammenbruchs fehlen der jungen Generation allmählich die historischen Kategorien. Dann hat so ein phantasievoller historischer Roman über Jesus, über Maria Magdalena und so weiter Erfolg; wir kennen ja alle diese Bestseller. Aber sie haben in der Regel so gut wie keine Beziehung zur historischen Wahrheit! Warum sind sie so populär? Weil viele sich heute schon nicht mehr fragen: Was ist denn die historische Wahrheit eigentlich? Sie sehen einfach nur eine interessante „Story“. Wir brauchen also ein neues historisches Bewusstsein – vor allem bei uns selbst, in unseren Gemeinschaften!“ (rv)
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Österreich: Ständige Diakone tagen
Sie sind 588 in ganz Österreich – und ab Freitag tagen sie übers Wochenende in Feldkirch: Die Rede ist von Ständigen Diakonen. Thema ihrer Tagung: Das Verhältnis von Gottesdienst und Nächstenliebe. Mehrere hundert Diakone werden kommen; ihre Frauen bringen sie mit. Ein Thesenpapier vorab spricht von einem „prekären Verhältnis“ zwischen Diakonie und Liturgie: Durch die Konzentration auf die Liturgie werde das Leben einer Pfarrgemeinde auf den Sonntagsgottesdienst reduziert. Es drohe die Entfremdung der Liturgie vom Alltag der Menschen. Franz Ferstl leitet die Arbeitsgemeinschaft für die Ständigen Diakone. Er betont: „Wir sind der einzige wachsende Berufs- und Berufungszweig in der Kirche.“ Die meisten Diakone wirkten ehrenamtlich in Gemeinden zur Unterstützung der Pfarrer, etliche hätten aber auch Aufgabenbereiche in der Krankenseelsorge, in der Altenpastoral oder in Bildungshäusern übernommen.

Diakone können Trauungsfeiern leiten, Taufen spenden, Begräbnisse leiten und bei Gottesdiensten predigen, weshalb Gläubige in ihnen manchmal „Ersatzpriester“ sehen. „Das wollen wir aber eigentlich nicht sein“, sagt Ferstl. Aufgabe der Diakone sei, die Nächstenliebe in Pfarren lebendig zu halten und auf die Menschen zuzugehen. Gerade in Pfarrverbänden mit mehreren Pfarrgemeinden könnten Diakone den Kontakt zur Pfarrbevölkerung sicherstellen.

Für den Dienst als Ständiger Diakon kommt nur in Frage, wer sich bereits in Ehe und Familie, in Kirche und Berufswelt bewährt hat. Bei verheirateten Männern, die bei der Weihe mindestens 35 Jahre alt sein müssen, muss auch die Ehefrau ihr Einverständnis zur Ausbildung und Weihe geben. Die Diakone nahmen bereits in der Antike eine wichtige Rolle in der Kirche ein. Ab dem Mittelalter wurde der Diakonat zu einem bloßen Durchgangsstadium zum Priesterberuf. Erst das Zweite Vatikanische Konzil hat das Dienstamt des Ständigen Diakonats in der heutigen Form wieder eingeführt. (kap)
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DIE NACHRICHTEN:

Vatikan

Der Obere der schismatisch orientierten Piusbruderschaft, Bernard Fellay, hält eine Einigung seiner Gemeinschaft mit der katholischen Kirche für möglich. Er glaube, dass der Vatikan in Richtung der Lösung einer Personalprälatur gehe, sagte Fellay einer chilenischen Zeitung. Am nächsten Montag starten Verhandlungen zwischen Vatikan und Piusbrüdern in der Glaubenskongregation. Fellay wörtlich: „Wir haben alles, was notwendig ist, um Mitglieder der katholischen Kirche zu sein“. Als Beispiele nannte er den Glauben und die Liturgie. Papst Benedikt XVI. habe mit der allgemeinen Wiederzulassung der vorkonziliaren Messe deutlich gemacht, dass diese Form des Ritus nie abgeschafft gewesen sei. Zudem erkenne die Bruderschaft das Papstamt als Autorität an. Benedikt XVI. sei „sehr viel offener als einige Bischöfe“ der katholischen Kirche. Zwar gebe es „Probleme“, aber diese bedeuteten keine Gehorsamsverweigerung gegenüber dem Papst. Die Piusbrüder sähen sich als „Symptom eines internen Problems der Kirche“, die in „Progressive“ und „Konservative“ gespalten sei. Fellay wörtlich: „Wir sind eine Art Thermometer dieser Lage, die zeigt, dass es ein ernsthaftes Problem in der Kirche gibt.“ – Fellay ist einer der vier Bischöfe der von Rom getrennten Piusbruderschaft, deren Exkommunikation der Vatikan Anfang des Jahres aufgehoben hat. (kna/agi)
Benedikt XVI. hat an diesem Donnerstag zwei wichtige Neuernennungen im Vatikan vorgenommen. Den Franzosen Jean Laffitte, bisher Vize-Präsident der Päpstlichen Akademie für das Leben, macht er zum Sekretär des Familienrates; Laffitte wird in nächster Zeit auch Bischof. Im Päpstlichen Friedensrat hingegen wird Mario Toso der neue Sekretär; er war bislang Rektor der Päpstlichen Salesianer-Universität in Rom. Auch Toso wird Bischof. Nachrichtenagenturen rechnen jetzt auch bald mit einem neuen Präsidenten des Friedensrates; der bisherige Amtsinhaber, Kardinal Renato Raffaele Martino, hat die Altersgrenze erreicht. Manche spekulieren, dass Kardinal Peter Turkson aus Ghana neuer „Friedensminister“ des Papstes werden könnte. Turkson spielt derzeit auf der Afrika-Synode im Vatikan eine wichtige Rolle. (rv)
Der Präsident des kroatischen Parlaments, Luka Bebil, hat Papst Benedikt XVI. in seine Heimat eingeladen. Bei einem gemeinsamen Treffen im Vatikan an diesem Mittwoch hat Bebil dem Papst für seine Unterstützung gedankt. Papst Benedikt sei in Kroatien herzlich willkommen, so Bebil. Der Heilige Stuhl habe den Kroaten in der Vergangenheit geholfen und unterstütze sie auch heute beim Eintritt in die Europäische Union. Dies berichtet die Vatikanzeitung „L’Osservatore Romano“. (agi)

Europa

Deutschland
Wir müssen unsere Gemeinsamkeiten mehr betonen. Das hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, zum 10. Jahrestag der Unterzeichnung der „Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ gesagt. Katholische und evangelische Christen müssten sich mehr auf gemeinsame Errungenschaften in der Ökumene besinnen, so der Erzbischof. Die Rechtfertigungslehre ist in Augsburg im Jahre 1999 unterzeichnet worden. Darin erklärten sich die Protestanten damit einverstanden, dass der Mensch nicht nur durch die Gnade Gottes, sondern auch durch gute Taten gerettet werden könne. Die gemeinsame Rechtfertigungslehre hat immer wieder Kritik hervorgerufen. Er bedauere, dass es so heftige Kritik daran gebe, so Erzbischof Zollitsch in einem Interview mit dem „Rheinischen Merkur“. (pm)
„200 Tage vor dem Zweiten Ökumenischen Kirchentag in München ist keine Vorwärtsbewegung im ökumenischen Prozess erkennbar.“
Stattdessen prägten „Schuldzuweisungen und Bremsmanöver von beiden Seiten“ die Ökumene. Das kritisiert die „Initiative Kirche von unten“, ein ökumenisches Netzwerk von Basisgemeinden sowie kirchen- und gesellschaftskritischen Gruppen. München müsse „Zeichen setzen“ – „sonst kann man sich den Kirchentag sparen“. Das Christentreffen von 2010 solle „ökumenisch schwungvoll die aggressiven Abgrenzungsstrategien von oben überspringen“. Noch sei Zeit, um in München „auch gegen das Trendsetting einiger lautstarker Kirchenleitungen Zeichen zu setzen“. Das formelhafte Beschwören von ökumenischen Fortschritten lenke im Grunde nur von faktischen Rückschritten ab, moniert Herbert Koch, der frühere evangelische Superintendent des Kirchenkreises Wolfsburg. Die Ökumene auf der Ebene der Kirchenleitungen werde „als Ausklammerungsökumene praktiziert“. Die wirklich kontroversen Fragen seien tabu: „Man weiß, dass man sich angesichts der vatikanischen Haltung nicht verständigen kann – zum Beispiel über die Abendmahlslehre.“ (pm)
Der katholischen Sozialethik droht nach Ansicht des Bonner Theologen Elmar Nass ein Identitätsverlust.
Es gebe nicht mehr „die eine katholische Sozialethik“, sagte er am Donnerstag im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur. Vielmehr wollten die Fachvertreter an die modernen Sozialwissenschaften anknüpfen und ließen sich entsprechend von deren unterschiedlichen Ansätzen leiten. Dabei suchten die Menschen in der Postmoderne auch nach dem, was die Kirche aus ihrer spezifischen Glaubensperspektive heraus im Unterschied zum Mainstream zu sagen habe. Wörtlich sagte er: „Wir sollten als katholische Kirche unsere Position mit erkennbar eigenem Profil vorstellen.“ (kna)
Vor einem Bedeutungsverlust der Volksparteien warnt der scheidende EKD-Ratsvorsitzende, Bischof Wolfgang Huber aus Berlin. „Was sich mit der SPD abspielt, ist ein großes Unglück. Darüber kann niemand froh sein“, sagte er in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP. Die Demokratie sei auf stabile Volksparteien angewiesen, die unterschiedliche Gruppen von Menschen unter einem politischen Dach zusammenführten. Bevor Huber 1994 berlin-brandenburgischer Bischof wurde, hatte er erwogen, sich als SPD-Kandidat um ein Bundestagsmandat zu bewerben. Kritik übte Huber an der Partei „Die Linke“. Er glaubt nicht, dass sie bessere Antworten auf Fragen der sozialen Gerechtigkeit hat als die SPD. Die Linkspartei drücke die Kritik an dem, „was viele Menschen belastet, populistischer aus“, als es andere Parteien zu tun bereit seien. Huber wirft der Linken auch eine mangelhafte Auseinandersetzung mit der Vergangenheit vor: „Die Linkspartei hat die Unterdrückung und Verfolgung von Christen unter der Herrschaft der SED, ihrer Vorgängerpartei also, bisher nicht angemessen aufgearbeitet.“ – Huber ist seit 2003 Vorsitzender des Rates der evangelischen Kirche Deutschlands, kurz EKD. Am 28. Oktober soll in Ulm ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin gewählt werden. Zu den 22 evangelischen Landeskirchen in Deutschland gehören 24,8 Millionen Mitglieder. (idea)
Der Münchner Theologe Friedrich Wilhelm Graf kritisiert die bekannten Intellektuellen Peter Sloterdijk, Jan Assmann und Wolf Lepenies. Sie zeigten „mangelnde Präzision“ in der Analyse von Religionskonflikten. Ihre Ausführungen zur Gewaltbereitschaft der verschiedenen Religionen seien zum Teil „banalisierend“ und „pauschalierend“. Wer als „akademischer Religionsdeuter“ ungenau analysiere, trage „ungewollt zur Verschärfung der Konflikte bei“. Das sagte der evangelische Theologe am Mittwochabend in Münster. Graf bezog sich in seiner Kritik auf das Buch des Philosophen Peter Sloterdijk „Gottes Eifer. Vom Kampf der drei Monotheismen“ von 2007; außerdem auf die Monotheismus-Kritik des Ägyptologen Jan Assmann, nach der nur polytheistische Religionen friedliebend und tolerant seien, sowie auf die Friedenspreisrede des Soziologen Wolf Lepenies 2006. Dessen damalige „pauschalierende Rede vom Weltbürgerkrieg“ mit Blick auf islamistisch geprägten Terror verhindere eine genaue Analyse, sagte der Theologe. Auch Assmanns und Sloterdijks Modell „vom guten Polytheismus und schlechten Monotheismus“ sei „alles andere als hilfreich“. Es leiste der Produktion von Feindbildern Vorschub. Weder in der Vergangenheit noch in der Gegenwart seien Hinduismus oder Buddhismus friedliebender als Christentum, Islam und Judentum, unterstrich Graf. Hindus und Buddhisten übten bedauerlicherweise genauso Gewalt im Namen ihrer Religionen aus wie Christen, Muslime und Juden. Jede religiöse Symbolsprache biete Ansatzpunkte, solche Gewalt zu rechtfertigen. Umso wichtiger sei es, dies präzise zu analysieren. So werde der Islam heute „viel zu statisch gesehen, obwohl wir auch aus der Geschichte des Christentums wissen, wie wandelbar religiöse Akteure sind“. Außerdem müsse stets unterschieden werden, in welchen Konflikten es tatsächlich um religiöse Inhalte gehe und in welchen die Sprache der Religionen für machtpolitische Interessen benutzt werde. (kap)

Italien
Die so genannten Comboni-Missionare haben einen neuen Oberen: Es ist der Mexikaner Enrique Sanchez Gonzalez. Er wurde auf dem derzeitigen Generalkapitel der Afrika-Missionare oder „Weißen Väter“ in Rom gewählt. Sanchez Gonzalez hat in Paris studiert und bis vor kurzem als Missionar in Kongo und Guatemala gearbeitet. (rv)
Der Generalsekretär der italienischen Bischofskonferenz warnt vor innerkirchlichem Fanatismus. Vor Jugendlichen in der süditalienischen Stadt Metaponto meinte Mariano Crociata, auch in der Kirche sei derzeit eine gewisse „Wahrheitsleere“ spürbar, die manche mit Fundamentalismus zu füllen suchten. Jesus sei aber „kein Fanatiker und kein Exaltierter“ gewesen. (ansa)

Zypern
Ein Treffen zwischen Papst Benedikt und dem russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill sei auch auf längere Sicht „unmöglich“. Das sagt der russisch-orthodoxe „Außenminister“ Hilarion. Erst müssten in den Beziehungen zwischen beiden Kirchen „positive Fortschritte“ erreicht werden, zitiert ihn die russische Nachrichtenagentur Itar-Tass. Solche Fortschritte beträfen vor allem die kirchliche und ökumenische Lage im Westen der Ukraine, so Hilarion. Er äußerte sich am Rand der Gespräche zwischen katholischen und orthodoxen Theologen, die derzeit auf Zypern stattfinden. Der griechisch-orthodoxe Metropolit Ioannis Zizioulas von Pergamon wandte sich derweil in einem Interview gegen Kritik konservativer Teile der orthodoxen Welt am katholisch-orthodoxen Dialog. Orthodoxe Geistliche, darunter Mönche vom Berg Athos, werfen dem Ökumenischen Patriarchat vor, in der Frage des petrinischen Primats gegenüber Rom nachzugeben. „Der Widerstand gegen den Dialog ist unverständlich“, so der Metropolit. – Am 16. Oktober hat die „Gemischte Internationale Kommission für den theologischen Dialog zwischen der katholischen Kirche und den orthodoxen Kirchen“ ihre Arbeit wieder aufgenommen. Das Treffen auf Zypern setzt die Begegnung in Ravenna 2007 fort. Bis 23. Oktober tagt die Kommission in Paphos zum Thema: „Die Rolle des Bischofs von Rom in der Gemeinschaft der Kirche im ersten Jahrtausend“. Orthodoxe Geistliche hatten am Samstag die in Paphos auf Zypern tagende Sitzung der Kommission gestört. Weil sie eine Unterwerfung der Orthodoxen durch den Papst in Rom fürchten, verlangten sie einen Abbruch der Gespräche. In dem zitierten Interview bezeichnete Metropolit Ioannis Zizioulas die Vorgänge als Signal dafür, dass der ökumenische Dialog noch einen weiten Weg vor sich habe. Zizioulas gilt als Schlüsselfigur in den anberaumten Gesprächen. (itar-tass/zenit)

Schweden
Die lutherische Kirche Schwedens sagt Ja zur kirchlichen Trauung Homosexueller. Eine Synode in Stockholm segnete am Donnerstag den schon im Mai gefassten Beschluss endgültig ab. Dabei gab es eine Mehrheit von 70 Prozent der Stimmen. Pastoren können aber die Schließung einer solchen Trauung auch verweigern; in diesem Fall will die Kirche für die Feier einen anderen Geistlichen zur Verfügung stellen. Schweden hat homosexuellen Paaren auch schon die Adoption von Kindern erlaubt. Etwa 73 Prozent der Schweden gehören zur lutherischen Kirche, die erst seit wenigen Jahren vom Staat getrennt ist. (afp)

Asien

China
In der Provinz Hebei sind drei romtreue Priester verschwunden. Das meldet der Nachrichtendienst „Eglises d’Asie“. Die drei Priester gehörten zum Bistum Xuanhua; sie seien vor mehreren Monaten von der Polizei festgenommen worden. Offenbar versuchten die Behörden, die Priester zu zwingen, sich der offiziellen, regimetreuen Katholiken-Vereinigung anzuschließen. (apic)

Indien
Die Polizei im Bundesstaat Orissa hat den Führer einer radikalen Hindugruppe verhaftet. Madhu Baba vom so genannten „Hindu-Weltrat“ (VHP) soll für die anti-christliche Gewalt in Orissa im letzten Jahr mitverantwortlich sein. Anti-christliche Pogrome hatten im August 2008 begonnen, nachdem der damalige Leiter des VHP ermordet worden war. Madhu Baba soll sich schon einen Monat zuvor an einem Angriff auf christliche „Unberührbare“ (Dalit) im Dorf Malipara beteiligt haben. Nach offiziellen Schätzungen fielen der anti-christlichen Gewalt etwa hundert Menschen zum Opfer; 50.000 Menschen mussten fliehen, Tausende von Häusern und Geschäften wurden zerstört. Die Polizei gibt jetzt allerdings an, Babas Festnahme habe nichts mit der damaligen anti-christlichen Gewalt zu tun. Der Hindu-Führer habe in jüngster Zeit Todesdrohungen aus Kreisen der Minderheiten erhalten. (apic)

Ozeanien

Australien
Eine Gruppe traditioneller Anglikaner, die gegen die Bischofsweihe von Frauen ist, will auf den Vatikan zugehen. Das meldet die Londoner „Times“. Der anglikanische Erzbischof John Hepworth werde versuchen, die von ihm geleitete Gruppe geschlossen in die katholische Kirche zu überführen. Die Gruppierung heißt „Traditional Anglican Community“, kurz TAC, und hat mehr als 400.000 Mitglieder. Hepworth hat in den letzten Monaten an entsprechenden Verhandlungen mit der päpstlichen Glaubenskongregation teilgenommen; der Vatikan will für Anglikaner, die in die katholische Kirche streben, eine eigene Struktur namens „Personal-Ordinariat“ schaffen. An diesem Wochenende will eine traditionelle anglikanische Gruppierung namens „Forward in Faith“ über dieses Angebot aus Rom beraten. Gleichzeitig betonen die anglikanischen Bischöfe von Ebbsfleet und Richborough, auch Anglikaner, die sich zur katholischen Tradition bekennen, wollten „weiterhin Teil der anglikanischen Weltgemeinschaft“ bleiben. (efe/times)


Die obigen Texte basieren auf unserer Nachrichtensendung Treffpunkt Weltkirche” täglich um 16 Uhr. Die Quellen unserer Nachrichtensendung sind u.a. die Agenturen Kna, Kathpress, Ansa, Efe, Afp, Kipa, Reuters, Ap, ADN-Kronos, Upi, Cns, Uca, Misna, Osservatore Romano – die Vatikanzeitung in deutscher Sprache, sowie vatikaninterne Quellen. Der Newsletter ist nur zur persönlichen Information bestimmt. Grundlage für Zitate oder Übernahmen aus unserem Programm kann nicht unser Internetauftritt oder der Newsletter, sondern nur unser Radio-Programm sein. Die jeweils aktuelle Nachrichten- oder Magazinsendung von Radio Vatikan können Sie u.a. auf unserer Internetseite hören

 






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