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Meldungen vom 23.10.2009

- Synoden-Botschaft: Sieben Teile für Afrika -
- Österreich: Leben im Jetzt der Kirche -
- 20 Jahre Mauerfall: Bischof Feige erinnert sich -


Verantwortlich: P. Eberhard v. Gemmingen SJ / Stefan von Kempis
Redaktion: Birgit Pottler
Redaktionsschluss 16.00 Uhr
Die folgenden Texte basieren auf unserer
Nachrichtensendung „Treffpunkt Weltkirche“ täglich um 16 Uhr.

AUS DER REDAKTION:

Verehrte Freundinnen und Freunde unseres Newsletters,
Vermutlich haben Sie schon erfahren, dass ich Radio Vatikan am Ende dieses Jahres verlassen werde. Nach 27 Jahren in Rom kehre ich gerne in meine deutsche Heimat zurück und übergebe das Heft einem jungen Mitbruder, Pater Bernd Hagenkord….
Eine Bitte von Pater Eberhard von Gemmingen, lesen Sie hier weiter


DIE AFRIKA-SYNODE :

Afrika-Synode: Schlussbotschaft an die Welt
Die Botschaft zum Abschluss der Afrika-Synode liegt in ihren Grundzügen vor. Mehrere Synodenväter präsentierten das Dokument an diesem Freitag im Vatikan. Einige Kernpunkte: Religionsfreiheit für afrikanische Christen in Ländern mit muslimischer Mehrheit, bessere Ausbildung von Laien für die Sache von Gerechtigkeit und Frieden, Schluss mit korrupter Politik, mehr Raum für Frauen, Ja zur Strategie der Enthaltsamkeit gegen die Ausbreitung von Aids.

In sieben Teilen wendet sich die Afrika-Synode an die Gläubigen in Afrika, aber auch an internationale Partner. Der erste Punkt bietet ein Standbild von Afrika heute: Tragik, aber auch Licht. Medien bevorzugen oft die schlechte Nachricht und übersehen, dass einige afrikanische Nationen nach langen Kriegsjahren den Weg zur Demokratie gefunden haben.

Am Samstag übergeben die Synodenväter Papst Benedikt die so genannten Propositiones. Sie sind eine Art erweiterte Fassung der heute präsentierten Synoden-Botschaft und sollen dem Papst als Grundlage für das postsynodale Schreiben dienen, das in mehreren Monaten erscheinen wird. An diesem Sonntag findet die Afrika-Synode zum Thema „Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden“ mit einem Papstgottesdienst in Sankt Peter ihren offiziellen Abschluss. (rv)
Lesen Sie hier die Zusammenfassung der Schlussbotschaft

Vatikan: Kritik an einseitigem Afrikabild
Der südafrikanische Kardinal Wilfrid Fox Napier hat eine einseitige Berichterstattung über Afrika kritisiert. Manche Medien sähen nur die Übel des Kontinents, gute Dinge seien keine Nachricht wert, sagte Napier im Interview mit der Vatikanzeitung „L´Osservatore Romano“. In der Berichterstattung über die Kirche und die Ausbreitung von HIV und Aids werde dem kirchlichen Verbot von Kondomen der ausbleibende Erfolg im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit zugeschrieben. Die Hilfe für Kranke und die Präventionsmaßnahmen würden in den Medien ausgeblendet, so der Erzbischof von Durban. – Bei der derzeit tagenden Afrika-Synode im Vatikan ist Napier einer der drei vom Papst ernannten Vize-Präsidenten. Die Debatten der Synodenväter hätten in den Medien zu wenig Resonanz gefunden. In Südafrika habe sich nur die katholische Zeitung damit befasst. Auch die Bischöfe hätten Konflikte und Schwierigkeiten in Afrika angeprangert. Doch die Synode versuche, „die afrikanische Realität“ abzubilden und müsse folglich anerkennen, dass es in vielen Teilen des Kontinents „schwerwiegende Probleme“ gebe. Doch in vielen Ländern schreite auch der Demokratisierungs-Prozess voran, so Napier. Positive Beispiele für Versöhnung unter der Bevölkerung seien Ruanda und Burundi. Die Journalisten sollten einen Beitrag leisten, die kirchlichen Hilfsmaßnahmen und die Debatten der Bischöfe an die Öffentlichkeit zu bringen, forderte der Kardinal im Interview mit der Vatikanzeitung. „Das ergebe ein besseres Afrikabild.“ (or)


WEITERE THEMEN DES TAGES:

Deutschland: Der Schwarze Freitag und der Schattenhaushalt
24. Oktober 1929. Mit dem Schwarzen Donnerstag, aufgrund der Zeitverschiebung in Europa der Schwarze Freitag, verbindet man den bis dahin schlimmsten Börsencrash der Geschichte. Nachdem der Dow-Jones-Index schon in den Vorwochen einen deutlichen Rückgang hinnehmen musste, brach am 24. Oktober 1929 Panik unter den Anlegern aus. Die Börsenkurse brachen stark ein und viele Anleger waren nach Börsenschluss hoch verschuldet.

Birgit Pottler hat anlässlich des Jahrestags mit Bernhard Emunds gesprochen. Er ist Leiter des Instituts für Wirtschafts- und Gesellschaftsethik an der Jesuiten-Hochschule in Frankfurt/Sankt Georgen. 1929 sei konsequent ein Umbau des Finanzsystems betrieben worden. Heute sei er sich nicht so sicher, dass es einen grundlegenden Umbau des Finanzsystems gebe, der einen ähnlichen Absturz wie vor 80 Jahren an der New Yorker Börse verhindern würde.

Von der künftigen Regierung fordert Emunds klare Maßnahmen, die Erwägungen des Schattenhaushalts seien insofern verwerflich, da der Staat Vorbild im Wirtschaften sein müsse. (rv)
Hier lesen und hören Sie das gesamte Interview von Birgit Pottler

Österreich: Abschied von scheinbar Unersetzlichem
Mit einer programmatischen Ansprache hat der Wiener Kardinal Christoph Schönborn die Diözesanversammlung der Erzdiözese eröffnet. Christen müssten die derzeitige Situation akzeptieren und „manches loslassen, was uns unersetzlich scheint“, sagte Schönborn vor mehr als 1.000 Menschen im Stephansdom. „Eine neue Epoche des Christentums“ war der Titel seines Referats.
Der Kardinal wörtlich:

„Wir leben nicht in den kirchenboomenden fünfziger Jahren, in den konzilsbegeisterten sechziger Jahren, in den stürmischen Jahren nach 1968. Wir leben heute. Sehen wir diese Zeit mit den Augen Jesu und lieben wir sie.“

Nostalgie sei die falsche Reaktion, man müsse „Ja“ sagen zur konkreten Situation. Die Kirche sei, besonders in Wien, gewaltig geschrumpft und werde allein aufgrund der demographischen Situation weiter schrumpfen.

„Wir müssen Abschied nehmen, von vielem was uns lieb, wichtig und heilig war und ist. Es wird vieles sterben. Wir müssen manches loslassen, was uns unersetzlich scheint.“

Christen müssten neu fragen, was „Gottes Weg in dieser Zeit“ sei und auch „Ja“ sagen zu dem, „was Förderung braucht“. Kirchliche Gemeinden und Einrichtungen bildeten ein Netz und leisteten gemeinsam Beeindruckendes, so Schönborn. Die Kirche - und auch die Gesellschaft - erlebe heute die „größten Veränderungen und Umbrüche“ seit langem.

„Wir sind in einer sehr spannungsreichen Situation: Auf der einen Seite werden wir weniger. Aber die Anforderungen werden mehr, die Not wird größer. Je dünner die sozialen Netze werden, desto mehr ist unsere christliche Phantasie der Nächstenliebe gefordert.“

Eindringlich appellierte der Wiener Erzbischof an Priester und Laien, im Sinn des Zweiten Vatikanischen Konzils „Ja“ zu sagen zur „gemeinsamen Berufung als getaufte und gefirmte Christen“. Die persönliche Begegnung stehe dabei an erster Stelle, so Schönborn. Mission gehe nur „face to face“, von Angesicht zu Angesicht. So solle auch die Diözesanversammlung verstanden werden: nicht zuerst Papiere produzieren, sondern einander „face to face“ begegnen. (pm/rv)
Hier zum Nachhören

Österreich: Runder Tisch gegen Menschenhandel
Vier Millionen Menschen pro Jahr werden weltweit Opfer von Menschenhandel. 80 Prozent davon sind Frauen. Allein in Europa fallen 500.000 Frauen und Mädchen jährlich in die Hände von Schlepperbanden. In Wien, so schätzt die OSZE, sind rund 50 bis 70 Prozent der Prostituierten Opfer von Menschenhandel. – Bei einem Podiumsgespräch in Wien auf Initiative der Österreichischen Bischofskonferenz wurde auf das Schicksal dieser Frauen und Mädchen aufmerksam gemacht und nach Auswegen für die Betroffenen gesucht.

In Wien sei Prostitution eine der wenigen legalen Arbeiten für Asylwerberinnen, kritisierte Joana Adesuwa Reiterer, selbst Opfer von Frauenhandel. Sie gründete 2006 den Verein „Exit“ und bemüht sich seither um Aufklärungsarbeit in Österreich und in Nigeria. „Wien ist ein Paradies für Menschenhändler“, so Reiterer wörtlich.

„In manchen Bundesländern haben Asylbewerberinnen keinen Zugang zum Arbeitsmarkt, können also nicht etwa als Kassiererin arbeiten. Aber sie dürfen als Prostituierte arbeiten.“

Auch die aus dem Sudan stammende Ishraga M. Hamid, die in der Interventionsstelle für Betroffene von Frauenhandel arbeitet, forderte mehr Aufklärungsarbeit. Hamid kritisierte die derzeitige Rechtslage, wonach Opfer von Frauenhandel nur dann eine Aufenthaltsbewilligung erhalten, wenn sie gegen die Schlepper Aussagen. Diese Bestimmung müsse dringend geändert werden.

Klare Forderungen formulierten die Podiumsgäste an die Kirchen, diese müssten Multiplikatoren der Aufklärung sein. Menschenhandel dürfe nicht weiter als Tabuthema unter den Tisch fallen.

Die Österreichische Bischofskonferenz beschloss bei ihrer Frühjahrskonferenz 2009, aufgrund der Dringlichkeit einen Runden Tisch zum Thema „Menschenhandel/Frauenhandel“ einzusetzen. Vorsitzender des Runden Tisches war der Wiener Weihbischof Franz Scharl. Am Runden Tisch waren die Caritas Österreich, die Katholische Aktion Österreich, die Arbeitsgemeinschaft Afro-Asiatischer Gemeinden, die Fremdsprachige Seelsorge, die Österreichische Kommission Iustitia et Pax sowie die Frauenorden der Salvatorianerinnen und der Schwestern vom Guten Hirten beteiligt.

Weihbischof Scharl erläuterte die Ziele der Initiative: Man wolle über die Dimension des Menschenhandels im österreichischen Kontext informieren und für dieses Problem sensibilisieren. Zudem sollen kirchliche Einrichtungen und Gemeinschaften ermutigt werden, konkret Ausstiegshilfen zu schaffen und den Betroffenen beizustehen. Schließlich wolle man sich auch gemeinsam mit anderen Initiativen und Organisationen für eine Verbesserung der rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen in Österreich einsetzen. (kap)
Hier zum Nachhören 


SONDERTHEMA 20 JAHRE MAUERFALL:

Bischof Feige: „Unglaublich, makaber und lächerlich“
Der Magdeburger Bischof Gerhard Feige ist heute 57. Aufgewachsen in Halle, 1978 in Erfurt zum Priester geweiht, lebte er fast 40 Jahre in der DDR. Sein Rückblick ist schonungslos:

„Je mehr ich mich persönlich von der DDR entferne, umso unglaublicher, makabrer und lächerlicher erscheinen mir diese Verhältnisse, die da gewesen sind.“

Kopfschüttelnd schaut Feige auf die politischen und öffentlichen Debatten, die von der Anfangseuphorie über Wende und Einheit abgesehen, bis heute nicht abgerissen sind.

„Da kann nur helfen, dass man sich immer wieder begegnet, miteinander beschäftigt und ein aufrichtiges und ehrliches Interesse füreinander hat. Ich weiß, dass es nicht nur im Osten, sondern auch im Westen Probleme gibt, und wir müssen auch diese wahrnehmen und uns solidarisch damit zeigen.“

Ist die innere Einheit gescheitert? Ist Ostalgie für viele der einzige Ausweg? Feige warnt:

„Das sind sehr einfache Fluchtreaktionen in eine angeblich heile Vergangenheit. Ich selber bin fast 40 Jahre in der DDR groß geworden. Ich weiß, was es bedeutet hat, dort zu leben. Es gab durchaus würdevolles Leben und ein herzliches Miteinander, aber das ist auch in einem Gefängnis möglich. Die Rahmenbedingungen und die menschenverachtende Weise dieses Regimes sollte man auch ganz deutlich in Erinnerung behalten, um nicht in eine phantastische euphorische Ostalgie zu verfallen.“

Ein Wunder wie das von 1989 scheint heute vielen unwirklich, in Zeiten von Kurzarbeitergeld und Hartz IV, von Landflucht, Abwanderung der jungen Generation und Ärztemangel schier unmöglich; selbst das Sommermärchen, das erst vor drei Jahren zumindest im Geiste noch einmal einen Großteil der Deutschen vor dem Brandenburger Tor vereinte, ist nicht mehr greifbar.

„Alles hat seine Zeit“, meint Bischof Feige:

„Alles hat seinen Kairos und momentan ist die Stimmung nicht so, dass eine solche Aufbruchsbewegung denkbar wäre. Wir bräuchten tatsächlich innerlich und äußerlich einen Mentalitätswandel in unserer Gesellschaft.“ (rv)
Hier zum Nachhören

Meisner sieht Rolle der Katholiken unterbewertet
Kölns Kardinal Joachim Meisner sieht die Rolle der katholischen Kirche für das Ende der DDR völlig unterbewertet. In vielen Erklärungen, Reden, Interviews und Büchern zum 20. Jahrestag des Mauerfalls werde der Weg der Kirche durch 40 Jahre DDR selbst von Katholiken oberflächlich beschrieben und bewertet, schreibt der Erzbischof und frühere Vorsitzende der Berliner Bischofskonferenz in einem Beitrag für die Tageszeitung „Die Welt“ (Freitag). Die katholische Kirche habe sich in der sozialistischen Gesellschaft immer als „Teil gegen das Ganze“ und als „Protest gegen die gleichgeschaltete Masse“ verstanden und in den 40 Jahren DDR das „biblische Zeugnis des Nicht-Mitmachens“ abgelegt. „Diesen theologischen Widerspruch in Theorie und Praxis 40 Jahre lang bis zum Schluss durchgehalten zu haben, ist das Wunder Gottes“, so Meisner. Die katholische Kirche habe sich nicht als „Kirche im Sozialismus definieren“ können, schreibt Meisner. Aus ihrem Selbstverständnis heraus habe sie auch nicht wie die evangelischen Kirchen organisatorische Konsequenzen aus der Gründung der DDR ziehen müssen. „Die Staatsgrenzen der DDR waren nie katholische Kirchengrenzen“, betonte der Kardinal. Das völlige Ausbleiben von Bischöfen oder eine gelegentliche Repräsentanz durch untergeordnete kirchliche Vertreter bei politischen Großveranstaltungen sei stets „als Relativierung des Systems“ empfunden worden. Diplomatische Vertreter im damaligen Ost-Berlin hätten diesen Kurs und den „lebendigen Protest gegen das ganze System“ bewundert. – Meisner war von 1980 bis 1988 Bischof von Berlin. Den Vorsitz der Berliner Bischofskonferenz übernahm er 1982. Im Februar 1989 wechselte der Kardinal nach Köln. (kna)


AUS UNSEREM ABENDPROGRAMM:

Vatikan: Kirchenverständnis prägt Gespräche mit Piusbrüdern
In der Glaubenskongregation ist alles bereit, um die Gespräche mit der Piusbruderschaft in Angriff zu nehmen. Am Montag treffen sich die beiden Delegationen hinter den vatikanischen Mauern. Dabei wird es um Lehrfragen gehen. Falls es zu einer Einigung kommen wird, rechnen Beobachter mit der Errichtung einer so genannten Personalprälatur für die Piusbrüder. Für den Lefebvre-Experten und Professor an der katholischen Universität Eichstätt, Alois Schifferle, dreht sich die Auseinandersetzung auf beiden Seiten vor allem um das entsprechende Kirchenverständnis. Mario Galgano hat den Piusbruder-Fachmann gefragt, mit welcher Haltung die Lefebvre-Anhänger an die Gespräche teilnehmen werden. (rv)
Hören Sie hier das gesamte Interview mit Alois Schifferle von Mario Galgano


WEITERE NACHRICHTEN:

Vatikan

Vatikan/Vereinte Nationen
„Die wahre Krise derzeit ist nicht die derzeitige Schwächung in den wirtschaftlichen Strukturen, sondern die Verschlimmerung der Armut.“ Das meinte der Ständige Vatikan-Vertreter bei der UNO am Donnerstag auf einer Sitzung in New York. Erzbischof Celestino Migliore kritisierte, „dass die, die den größten Teil der Zeche für die derzeitige Krise zahlen müssen, im öffentlichen Diskurs kaum erwähnt werden“. Damit meint der Vatikanmann nicht nur die Menschen in der Dritten Welt, sondern auch die Arbeitslosen in den Industrieländern. „Selbst wenn eine wirtschaftliche Erholung wirklich unmittelbar bevorstehen sollte – für die, die ihre Arbeit verloren haben, ist die Krise nicht vorbei, und es bleibt bei den hohen sozialen und menschlichen Kosten.“ (rv)

Europa

Deutschland
Die künftige schwarz-gelbe Koalition will die Möglichkeit für so genannte vertrauliche Geburten schaffen und damit schwangeren Frauen in Notlagen helfen. Dies geht aus dem Entwurf des Koalitionsvertrags hervor, der der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Berlin vorliegt. An zwei Stellen beschäftigt sich das Papier mit der Lage von werdenden Müttern. Bei der „vertraulichen Geburt“ sollen Frauen künftig in einem Krankenhaus entbinden können, ohne dass ihre persönlichen Daten an die Behörden weitergeleitet werden müssen. Dazu muss eine neue Rechtsgrundlage geschaffen werden. Befasst mit dieser Thematik waren die Arbeitsgruppen Justiz und Familie. Ferner ist im Entwurf des Koalitionsvertrags davon die Rede, die Schwangerenberatung finanziell besser zu fördern. Dabei sollen die Gelder „gleichmäßig vergeben“ werden, um ein „plurales Trägerangebot“ zu gewährleisten, heißt es im Text. (kna)
Der „Friedensdienst“ im Auslandseinsatz der Bundeswehr wird nach Auffassung von Militärbischof Walter Mixa in der deutschen Öffentlichkeit zu wenig anerkannt. Er habe in Gesprächen mit Soldaten durchaus Enttäuschung über einen mangelnden Rückhalt in der Bevölkerung vernommen, sagte Mixa zum Abschluss der Gesamtkonferenz der Militärseelsorge am Donnerstag vor Journalisten in Berlin. Der Wert des Einsatzes werde zu wenig beachtet. An der viertägigen Gesamtkonferenz der katholischen Militärseelsorger zum Thema Leben und Sterben, Hoffnung und Angst, Tod und Totengedenken nahmen 140 Seelsorger teil. Mixa zeigte sich persönlich überzeugt, dass eine Weiterführung des Einsatzes in Afghanistan derzeit sinnvoll sei. Es gebe durchaus Fortschritte. Das zeige sich nicht zuletzt in der Errichtung von Kindergärten und Schulen. Sollte sich die Bundeswehr jetzt zurückziehen, wäre auch ihr Einsatz für mehr Menschlichkeit umsonst gewesen. Zugleich mahnte der Bischof aber Parlament und Regierung, sich kritisch zu informieren, um verantwortungsvoll über eine Fortsetzung des Einsatzes entscheiden zu können. (kna)
Die Gemeinschaft von Taizé hat den Ökumenischen Preis der Katholischen Akademie in Bayern erhalten. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung wurde am Donnerstagabend in München an den aus Deutschland stammenden Prior der Bruderschaft im französischen Burgund, Frère Alois Löser, und einen seiner Mitbrüder überreicht. Die Akademie ehre damit im Vorfeld des Zweiten Ökumenischen Kirchentags 2010 Taizé als einen „zeichenhaften Ort der Versöhnung unter gespaltenen Christen und getrennten Völkern“, heißt es in der Begründung. Die Taizé-Bewegung verbinde in vorbildlicher Weise ökumenische Offenheit mit dem Bekenntnis zur je eigenen Glaubenstradition. Zudem unterstütze die Gemeinschaft Jugendliche auf ihrer Suche nach Sinn, religiöser Erfahrung und gesellschaftlichem Engagement. Der Ökumene-Preis wird seit 1995 in unregelmäßigen Abständen an Einzelpersonen oder Institutionen vergeben. Frühere Preisträger waren unter anderen Kurienkardinal Walter Kasper, die Theologen Franz Mußner, Ulrich Wilckens und Otto Hermann Pesch sowie der Münchner Una-Sancta-Kreis. (kna/pm)

Schweiz
Die bischöfliche Kommission Justitia et Pax lehnt die Anti-Minarett-Initiative ab. Sie bedrohe grundlegende Menschenrechte, die durch die Bundesverfassung und internationales Recht garantiert sind, heißt es in einer Pressemitteilung vom Donnerstag. Das Komitee für die Anti-Minarett-Initiative teilte ebenfalls am Donnerstag mit, in der Hauptstadt Bern den Abstimmungskampf offiziell eröffnet zu haben. – Der Bau von Minaretten stehe klar unter dem Schutz der Religionsfreiheit, betonte Justitia et Pax. Menschenrechtsverletzungen in anderen Ländern rechtfertigen zudem in keinem Fall eine Einschränkung der Religionsfreiheit in der Schweiz. Die Initiative biete auch keine Lösung für den Fall, dass „fundamentalistische Muslime eine Gefahr für die Menschenrechte oder die schweizerische Rechtsordnung darstellen“ sollten. Sie erhöhe im Gegenteil die Spannungen und bedrohe so den religiösen Frieden und Bemühungen um Integration. Nach Meinung von Justitia et Pax genüge das bestehende Baurecht. Bei Projekten für sakrale Bauten hätten sowohl die Behörden als auch die lokale Bevölkerung die Möglichkeit der Mitsprache. (pm/kipa)
Mit einer positiven Schlussbilanz enden die Feierlichkeiten anlässlich des 500. Geburtstags des Reformators Johannes Calvin.
„Wir entschuldigen uns nicht mehr für Calvin“, erklärte der Präsident des Patronatskomitees des Jubiläumsjahres, Clifton Kirkpatrick, am Donnerstag. Viele Aspekte in Calvins Gedanken und Taten seien „wahrhaft Leben spendend für unsere Zeit“. Das Jubiläumsjahr habe in verschiedenen Kulturen und Sprachen die Wirkung Calvins zum Ausdruck gebracht, ziehen der Reformierte Weltbund und der Schweizerische Evangelische Kirchenbund in ihrer Pressemitteilung gemeinsam Bilanz. „Wir haben mit dem Jubiläumsjahr ein gutes Fundament gelegt, mit dem wir neu zur ökumenischen Diskussion beitragen können.“ (kipa)

Italien
Apotheker können nicht gezwungen werden, gegen ihr Gewissen Mittel oder Medikamente herauszugeben, mit denen sie zu einer Abtreibung oder zu Euthanasie beitragen. Auch Apotheker müssen sich also in solchen Fällen auf ihr Gewissen berufen können. Das hat der Generalsekretär der italienischen Bischofskonferenz an diesem Freitag gefordert. Mariano Crociata sprach auf einem Kongress katholischer Apotheker in Rom. In der Regel gibt es in Italien bislang eine Verweigerung aus Gewissensgründen nur beim Wehrdienst oder bei der Beteiligung an einer Abtreibung. „Aber der pharmazeutische Bereich gehört in diesen Rahmen hinein“, so Crociata. (asca)
Die Comboni-Missionare haben einen neuen Oberen: Es ist der Mexikaner Enrique Sanchez Gonzalez. Er wurde auf dem derzeitigen Generalkapitel der Gemeinschaft in Rom gewählt. Sanchez Gonzalez hat in Paris studiert und bis vor kurzem als Missionar in Kongo und Guatemala gearbeitet. Irrtümlich haben wir gestern die Comboni-Missionare mit den Afrikamissionaren (Weiße Väter) gleichgesetzt; für dieses Versehen bitten wir uns zu entschuldigen. (rv)

Frankreich
Der Priesterrat des Erzbistums von Lyon lädt alle Priester dazu ein, auf ein Monatsgehalt zu verzichten. Das Geld sollten sie an einen karitativen Verein überweisen, um Opfern der derzeitigen Wirtschaftskrise zu helfen. Dem Priesterrat schwebt eine Summe von mindestens 900 Euro vor; er schiebt aber gleich hinterher, die Sache sei natürlich freiwillig. (rv)

Afrika

Uganda/Afrikanische Union
Die Afrikanische Union (AU)hat sich auf die erste internationale Flüchtlingskonvention geeinigt. Beim Sondergipfel in der ugandischen Hauptstadt Kampala beschlossen die Teilnehmer mehr Schutz und Hilfe für die rund 17 Millionen Binnenvertrieben und Flüchtlinge auf dem Kontinent. Die Konvention verpflichtet die 53 Mitgliedsstaaten der Afrikanischen Union, Vertreibungen zu verhindern und Binnenvertriebenen die grundlegenden Menschenrechte zu gewähren. Mindestens 15 Länder müssen sie unterzeichnen, damit sie in Kraft treten kann. 46 der Mitgliedsstaaten der Afrikanischen Union sind seit Donnerstag in Kampala versammelt. Einzelfragen bezüglich bewaffneter Gruppen seien noch zu klären, sagte ein Sprecher der Nachrichtenagentur AFP. Doch die rechtlich bindende Konvention und eine nicht bindende Erklärung seien angenommen worden. (afp)

Nigeria
Die Reformen der Regierung, die den Armen zugute kommen sollten, sind in ihrer Wirkung gleich null. Das moniert ein führender Vertreter der bischöflichen Friedens-Kommission. Entgegen allen hehren Absichten sei die Zahl der Armen nach den Reformen sogar noch gestiegen, statt zu fallen; sie liege jetzt bei über 70 Prozent der Bevölkerung. Nigerias Schlüsselprobleme blieben weiterhin Kindersterblichkeit, Aids, Analphabetismus und Arbeitslosigkeit. (rv)

Amerika

Argentinien
Die Bischöfe sind erschrocken über das Ausmaß der Gewalt in Argentinien. Anlass ist der Fall eines Senators der Opposition; er wurde vor kurzem in Mar del Plata plötzlich und auf offener Straße angegriffen. „Wir bräuchten dringend eine Kultur des Dialogs“, sagt dazu der argentinische „Sozialbischof“ Jorge Casaretto. Und weiter: „Man kann doch zivilisiert über alles reden...“ (rv)

Vereinte Nationen

Die internationale Caritas fordert die bevorstehende Welt-Klimakonferenz zu „Klimagerechtigkeit“ auf. Der Kampf gegen die Folgen des Klimawandels habe viel mit einer nötigen, „neuen globalen Ethik“ zu tun, so Caritas Internationalis in einem Bericht. Es gelte, auch moralische und sogar theologische Gesichtspunkte zu berücksichtigen. Eine absolute Priorität sieht die Caritas darin, dass die Industrienationen ihre CO2-Emmissionen um mehr als 40 Prozent senken – und zwar bis 2020. Gleichzeitig müsse das „nachhaltige Wachstum der ärmeren Staaten“ gefördert werden. Die UNO-Konferenz zum Thema Klimawandel tagt vom 7. bis zum 18. Dezember in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen. (rv)
Radovan Karadzic will die Eröffnungssitzung seines Prozesses vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal boykottieren. Er werde zum Auftakt am Montag nicht vor Gericht in Den Haag erscheinen, sagte der frühere bosnische Serbenführer in einem Schreiben an den Gerichtshof. Der 64-Jährige begründete diese Entscheidung damit, dass er nicht genug Zeit gehabt habe, um seine Verteidigung vorzubereiten. Zudem sagte er, das Gerichtsverfahren sei längst nicht so fair wie 1933 der Prozess in Nazi-Deutschland um den Reichstagsbrand. – Karadzic werden Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnienkrieges von 1992 bis
1995 in elf umfangreichen Fällen vorgeworfen, darunter zwei Fälle von Völkermord. Im Mittelpunkt stehen das Massaker von Srebrenica, bei dem 1995 rund 8.000 Muslime getötet wurden, und die 43 Monate dauernde Belagerung der bosnischen Hauptstadt Sarajevo. Karadzic war im vergangenen Jahr nach elfjähriger Flucht verhaftet worden. Zu diesem Zeitpunkt arbeitete er unter falschem Namen als Heilpraktiker in Serbien. (afp)


Die obigen Texte basieren auf unserer Nachrichtensendung Treffpunkt Weltkirche” täglich um 16 Uhr. Die Quellen unserer Nachrichtensendung sind u.a. die Agenturen Kna, Kathpress, Ansa, Efe, Afp, Kipa, Reuters, Ap, ADN-Kronos, Upi, Cns, Uca, Misna, Osservatore Romano – die Vatikanzeitung in deutscher Sprache, sowie vatikaninterne Quellen. Der Newsletter ist nur zur persönlichen Information bestimmt. Grundlage für Zitate oder Übernahmen aus unserem Programm kann nicht unser Internetauftritt oder der Newsletter, sondern nur unser Radio-Programm sein. Die jeweils aktuelle Nachrichten- oder Magazinsendung von Radio Vatikan können Sie u.a. auf unserer Internetseite hören

 






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