Meldungen vom 27.10.2009
- Nächstes Treffen mit Piusbrüdern im Januar -
- Debatte betrifft auch Ökumene -
- UNO kritisiert Pingpong-Spiel mit Bootsflüchtlingen -
- D: Kirche fordert soziale Gerechtigkeit -
Verantwortlich: P. Eberhard v. Gemmingen SJ / Stefan von Kempis
Redaktion:
Birgit Pottler
Redaktionsschluss 16.00 Uhr
Die folgenden Texte basieren auf unserer
Nachrichtensendung „Treffpunkt Weltkirche“ täglich um 16 Uhr.
AUS DER REDAKTION:
Verehrte Freundinnen und Freunde unseres Newsletters,
Vermutlich haben Sie schon erfahren, dass ich Radio Vatikan am Ende dieses Jahres verlassen werde. Nach 27 Jahren in Rom kehre ich gerne in meine deutsche Heimat zurück und übergebe das Heft einem jungen Mitbruder, Pater Bernd Hagenkord….
Eine Bitte von Pater Eberhard von Gemmingen, lesen Sie hier weiter
THEMEN DES TAGES:
Vatikan: Nächstes Treffen mit Piusbrüdern im Januar
Am Montag haben im Vatikan die Gespräche mit der traditionalistischen Piusbruderschaft begonnen. Der Vatikan sprach anschließend von einer „herzlichen, respektvollen und konstruktiven Atmosphäre“. Man habe die Themen sowie die Marschrichtung für die weiteren Verhandlungen festgelegt. Bei den Gesprächen der kommenden Monate solle es insbesondere um die Bedeutung der Tradition in der Kirche, um die Liturgie, um das Konzilsverständnis sowie um Fragen von Ökumene, interreligiösem Dialog und Religionsfreiheit gehen.
Das Gespräch soll im Januar fortgesetzt werden. Das Presseamt des Heiligen Stuhls korrigierte auf seiner Homepage ein Kommunique vom Montag, in dem zunächst von einem 14-tägigen Rhythmus der Verhandlungen die Rede war. Die Arbeitsgruppe aus Vertretern der Kommission Ecclesia Dei und der traditionalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X. wolle alle zwei Monate zusammentreten, heißt es in der neuen Fassung.
Der Erzbischof von Paris, Kardinal André Vingt-Trois, erneuerte am Tag nach dem Gesprächsauftakt auf der Internetseite des Erzbistums die Positionen der katholischen Kirche unter anderem bezüglich Zweites Vatikanisches Konzil, Religionsfreiheit und den Verbindungen zum Judentum. Es gehe um Lehrauffassungen, die einer vollen Gemeinschaft im Wege stünden, so der Erzbischof. Die Piusbruderschaft müsse von ihrem bisher gefahrenen Kurs abrücken und nicht von der katholischen Kirche verlangen, ihre Positionen anzunehmen. (rv/kna/cns)
Deutschland: Debatte um Lefebvrianer betrifft Ökumene
Die Diskussion um die Piusbrüder habe auch ökumenische Auswirkungen, erklärte der Catholica-Beauftragte der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Landesbischof Friedrich Weber. Es stelle sich die Frage, „ob Glaubensfragen zumindest vorübergehend zur Disposition“ stünden, „wenn es um die Überwindung eines Schismas geht“.
Der Braunschweiger Landesbischof Weber sprach vor der derzeit tagenden Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Der Umgang mit den vier von Marcel Lefebvre geweihten Bischöfen habe für Irritationen gesorgt und „in der lutherischen Szene nachdenklich gestimmt“, resümiert Weber. Die Aufhebung der Exkommunikation lasse sich nicht von bestimmten politischen Haltungen oder Äußerungen trennen, so der Landesbischof:
„Leugnung des Holocaust, das ist nicht nur eine politische Äußerung, sondern das ist eine Äußerung eines Christen, die zutiefst inhuman und unmenschlich ist, und damit hat sie auch etwas mit der theologischen Haltung des Bischofs zu tun.“
„Nachsichtigkeit bis zum Äußersten“
Die lutherische Seite habe das nicht zu beurteilen, unterstreicht der Catholica-Beauftragte, auch wolle er das Verhältnis zwischen katholischer Kirche und Reformationskirchen einerseits und den Traditionalisten andererseits nicht parallelisieren. Aber es sei erstaunlich,
„dass das Streben zur Gestaltung und zur Darstellung der äußeren Einheit innerhalb der römisch-katholischen Kirche offenbar ein so hohes Gut ist, dass darüber doch Großzügigkeit und Nachsichtigkeit bis zum Äußersten gezeigt worden ist. … Wir fragen uns innerhalb der Ökumene: Müsste es dann nicht eine größere Offenheit geben, um die ökumenische Einheit aller Christen wiederherzustellen? Wie müssten dann Formulierungen in Texten aussehen, die aus dem Vatikan kommen in Richtung reformatorische Kirche, wenn wir an Dominus Iesus denken oder an die Fragen zum Kirchenbegriff - müsste da nicht auch etwas ganz anderes möglich sein um dieser größeren ökumenischen Einheit willen?“ (rv)
Hier lesen und hören Sie mehr,
u.a. zu den Aufaben der neuen EKD-Ratspräsidentschaft
Vatikan/Vereinigte Staaten: Meldungen und Hintergründe
Die Öffnung des Vatikans hin zu traditionellen Anglikanern hat vor allem in den USA zu einer Debatte in den Zeitungen geführt: Es ist der dortige Zweig der Anglikaner namens „Episcopal church“, die mit liberalen Öffnungen zu einer Zerreißprobe innerhalb der anglikanischen Weltgemeinschaft geführt hat. Die „New York Times“ deutet die Papst-Entscheidung als Hinweis, dass Benedikt die Kräfte der Christen vereinen will, um vor allem gegen den Islam und dessen Wachstum auf dem afrikanischen Kontinent vorzugehen. In Afrika dominieren traditionellere Spielarten des anglikanischen Bekenntnisses, deren längerfristige Allianz mit den Katholiken zumindest nicht unvorstellbar ist. – Die „Washington Post“ sieht in Benedikts Entscheidung hingegen ein Zeichen, dass der Papst gar nicht so konservativ sei, wie oft behauptet werde: Durch sein Entgegenkommen gegenüber anderen habe er die Dinge bei den Anglikanern in Bewegung gebracht. (rv)
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Serbien: Dreiseitiger Austausch
Er ist ein seltenes, in mancher Hinsicht sogar einmaliges Projekt: Der Trialog von Orthodoxen, römischen Katholiken und Protestanten, wie ihn seit 1999 regelmäßige Tagungen in Serbien voranbringen. Organisatoren der neunten Konferenz, die jetzt gerade bei Novi Sad stattfand, waren die serbisch-orthodoxe Diözese für Mitteleuropa, die katholische Deutsche Bischofskonferenz (DBK) und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) – in Zusammenarbeit mit der serbisch-orthodoxen Diözese Backa (Nordserbien), der katholischen Erzdiözese Belgrad und der Konrad-Adenauer-Stiftung. Die Teilnehmenden waren sich einig, dass die Kirchen und Religionsgemeinschaften weder privatisiert noch marginalisiert werden dürfen. Gerade die Erfahrungen aus Deutschland bestätigten, dass ein Dialog zwischen Kirchen, Staat und Gesellschaft für alle Beteiligten nützlich und weiterführend ist. (pm/rv)
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Vereinte Nationen/Italien: Pingpong-Spiel mit Bootsflüchtlingen
Die Vereinten Nationen fordern angesichts des Dilemmas der Boostflüchtlinge mehr Zusammenarbeit der Mittelmeerstaaten. Die Rettung von Menschenleben habe oberste Priorität, sagte gegenüber Radio Vatikan die Sprecherin des Flüchtlingshochkommissariats der UNO, Laura Boldrini.
Nach dreitägiger Irrfahrt vor der Küste Siziliens sind am Montagabend fast 300 Bootsflüchtlinge gerettet worden. Die Küstenwache der italienischen Mittelmeer-Insel brachte das Flüchtlingsboot in den Hafen von Pozzallo. 297 Menschen seien gerettet worden, in dem Boot fanden die Beamten aber auch die Leiche eines Flüchtlings, sagte ein Sprecher der Küstenwache. An Bord waren demnach auch 29 Kinder und 46 Frauen, von denen vier schwanger waren. Die Rettung hatte sich wegen schlechten Wetters und wegen Streitigkeiten über die Zuständigkeit zwischen Italien und Malta verzögert. Die Flüchtlinge hatten am Freitagmorgen die italienische Küstenwache um Hilfe gebeten, als sie sich noch in libyschen Gewässern befanden. Nach der Rettung werden sie entsprechend der jüngsten italienischen Einwanderungsbestimmungen voraussichtlich bald nach Libyen zurückgebracht.
Geschichten wie diese wiederholten sich, beklagt die UNO-Sprecherin. Der Streit um Zuständigkeiten gefährde das Leben der Menschen. 75 Prozent der Flüchtlinge kommen aus Kriegsgebieten oder leiden unter Verfolgung, das „sind also Menschen, die Anrecht auf Asyl haben und im Grunde nicht zurückgeschickt werden können“, betont Laura Boldrini.
„Das sind keine Kriminellen. Diese Menschen haben kein Verbrechen begangen, sie wollen lediglich in einem Land mit Frieden und Sicherheit leben. Wer für die Flüchtlingsboote zuständig ist und in welchen Hoheitsgewässern sie sich befinden, das ist nicht leicht festzustellen. Die Verantwortung wird hier wie beim Pingpong-Spiel hin und her geschoben. Das UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge ruft alle Regierungen des Mittelmeerraums dazu auf, der Hilfe für Menschen in Not die oberste Priorität einzuräumen. Diese Odyssee muss ein Ende haben.“ (rv)
Zum Nachhören
Brasilien: Kirche und Politik gemeinsam gegen Aids
Die Regierung bittet die Kirche um Hilfe: Das brasilianische Ministerium für Gesundheit und die katholische Bischofskonferenz haben gemeinsam eine Kampagne zur Aufklärung über die Immunschwächekrankheit Aids gestartet. Vor allem sollten mehr Menschen animiert werden, sich kostenlos auf HIV testen zu lassen. Offizielle Zahlen gehen von 630.000 infizierten Personen in Brasilien aus. Aber mehr als 200.000 sollen Schätzungen zufolge den Virus in sich tragen, ohne davon zu wissen.
Der Anteil der Kirche am Gesundheitssektor sei generell hoch, erklärte im Gespräch mit Radio Vatikan der Generalsekretär der Bischofskonferenz, Dimas Lara Barbosa. Das gemeinsame Projekt zur Vorsorge und Aufklärung ist in Brasilien bislang einzigartig. Barbosa:
„Wir haben auch wirklich historische Erfolge zu verzeichnen. Auf Drängen katholischer Ärzte ist es nach 25 Jahren nun verpflichtend, dass Blutkonserven auf den HI-Virus hin geprüft werden. Nicht nur in Brasilien sondern wohl weltweit muss man festhalten, dass ein Viertel der Hilfen im Aids-Sektor von der katholischen Kirche geleistet wird.“
Das Wissen der Missionare und pastoralen Kräfte soll durch die Regierungsinitiative besser verbreitet werden. Das Ministerium sei sich darüber im Klaren, dass die Kirche die Menschen wirksamer ansprechen könne, so die Bischöfe bei der Vorstellung der Kampagne. Denn die Politik erreiche bestimmte Gruppen in Brasilien überhaupt nicht. „Wir haben mehr Kontakt zu den Armen und den Ausgestoßenen“, formuliert es der Aids-Beauftragte der Bischofskonferenz. (rv)
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20 Jahre Mauerfall: „Revolution, auf die wir stolz sein können“
„Das geschlossene Brandenburger Tor stand da wie ein Symbol der Trennung; als es endlich geöffnet wurde, wurde es zum Symbol der Einheit“. Johannes Paul II. ließ daran keinen Zweifel, als er im Juni 1996 zum letzten Mal Deutschland besuchte. Demonstrativ stellte der Papst aus Polen, der schon mit seinem Besuch 1979 dort den Anstoß zum oppositionellen Aufbruch gab, sich vor das Brandenburger Tor.
Neben Johannes Paul II. stand Eberhard Diepgen. Der gebürtige Berliner war 15 Jahre lang Regierender Bürgermeister Berlins - bis zum Jahr des Mauerfalls in Westberlin, nach gut einem Jahr Pause dann ab 1991 im wiedervereinigten Berlin. Diepgen sagt heute rückblickend:
„Der Papst hat meiner Meinung nach in der Gesamtentwicklung in Polen eine hervorragende Rolle gespielt. Und ohne die Entwicklung in Polen wäre auch die Entwicklung in Deutschland wahrscheinlich nicht so gelaufen, weil es eine Fülle von Ermunterungen gegeben hat. Das hat Rückwirkungen gehabt für die Hoffnungen und die Erwartungen der Menschen auch in der der damaligen DDR. Sie sagten, wenn die dort das können, müssen wir mal sehen, dass wir auch ein Stückchen Handlungsspielraum haben, wenigstens für die Reform des Sozialismus.“ (rv)
„Wende“ oder „Revolution“? Eberhard Diepgen hat eine klare Position.
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AUS UNSEREM ABENDPROGRAMM:
Zwischen Freiheit und Bindung
Johannes Paul II. war es ein Anliegen, das Verhältnis von Theologie und Lehramt bei seinem Deutschlandbesuch 1980 anzusprechen. Am 18. November hielt dazu er eine Rede vor katholischen Theologinnen und Theologen.
„Seien sie erfinderisch im Glauben, damit wir alle zusammen mit einer neuen Sprache Christus den Menschen wieder näherbringen können.“ Mit dem Gedanken aus dieser Rede des Papstes beenden wir unsere kleine Reihe mit Ansprachen von Johannes Paul II.
Nachlesen können Sie die Rede hier
DIE NACHRICHTEN:
Vatikan
Papst Benedikt XVI. hat dem Armenischen Patriarchen Karekin II. zum zehnjährigen Amtsjubiläum gratuliert. In einer Botschaft würdigte er die Bemühungen des Kirchenoberhaupts um die Zusammenarbeit und die Freundschaft zwischen der armenischen und der katholischen Kirche. Insbesondere die mehrfachen Begegnungen und gemeinsamen Gespräche zeugten von diesem persönlichen Engagement des Patriarchen, heißt es in dem Schreiben an Karekin II., das an diesem Dienstag vom Vatikan veröffentlicht wurde. Die armenische Kirche habe nach der Wiedererlangung ihrer Freiheit mit dem Untergang der Sowjetunion in kurzer Zeit bemerkenswerte institutionelle und geistliche Fortschritte erzielt. Als Beispiele nennt der Papst die christliche Erziehung der Jugend, die Priesterausbildung, die Einrichtung neuer Pfarreien und den Kirchenbau. - Karekin II. war am 27. Oktober 1999 zum 132. „Obersten Patriarchen und Katholikos aller Armenier“ gewählt worden. Die armenische Kirche, die sich mit dem Konzil von Chalcedon 451 von der Universalkirche trennte, zählt heute rund sechs Millionen Mitglieder in Armenien sowie in weiteren Ländern des Nahen Ostens, in Europa und Amerika. (rv/kna)
Vatikan/Italien
Papst Benedikt XVI. besucht am 8. November das norditalienische Brescia, die Heimat von Papst Paul VI. (1963-78). Der Vatikan veröffentlichte an diesem Dienstag das Programm. Die 17. inneritalienische Pastoralreise Benedikts beginnt mit einem Besuch am Grab des Priesters Arcangelo Tadini, den Benedikt erst kürzlich heilig gesprochen hatte. Höhepunkt der Visite ist die Messfeier auf dem nach Paul VI. benannten Domplatz. Am Nachmittag wird Benedikt XVI. das Geburtshaus und die Taufkirche des Montini-Papstes im zehn Kilometer entfernten Concesio besuchen. Zur Einweihung des neuen Sitzes des „Istituto Paolo VI“ und der Verleihung des nach dem Konzilspapst benannten internationalen Preises wird eine Ansprache Benedikts XVI. erwartet. (rv)
Papst Benedikt XVI. pilgert am 2. Mai nächsten Jahres zum „Turiner Grabtuch“. Das teilte der Erzbischof von Turin, Kardinal Severino Poletto, an diesem Dienstag mit. Das Leinentuch ist vom 10. April bis 23. Mai im Dom der norditalienischen Stadt ausgestellt. Normalerweise wird es in einer Seitenkapelle verwahrt. Für den Besuch Benedikts XVI. ist nach den Angaben des Kardinals vorerst ein stilles Gebet des Papstes vor dem Tuch geplant. Auf dem Platz vor dem Dom folgen Messfeier und Angelusgebet. Für den Nachmittag stehen eine Begegnung mit Jugendlichen und die Segnung Kranker auf dem Programm. Mit seinem Besuch wolle der Papst vor allem die Leidenden trösten, erklärte der Erzbischof in einem Brief an sein Bistum. Turin habe stets als „Arbeits- und Industriestadt“ gegolten. Derzeit leide sie unter den Folgen der Finanz- und Wirtschaftkrise, die alle Befürchtungen übersteige. Mit Verweis auf die Sozialenzyklika Benedikts XVI. betonte Poletto, der Papst werde diejenigen ermutigen, die um ihren Arbeitsplatz zittern. (rv)
Europa
Deutschland
Die künftige Regierung muss bei allen Entscheidungen die soziale Gerechtigkeit im Blick haben. Daran appellierte angesichts von Wirtschaftskrise und Staatsverschuldung der Leiter des Katholischen Büros bei der Bundesregierung, Karl Jüsten. Im Interview mit der Katholischen Nachrichtenagentur sagte Jüsten, dazu gehöre auch eine nachhaltige Finanzpolitik, die ihre Verantwortung gegenüber kommenden Generationen wahrnehme. Es dürfe keine „Steuererleichterungen auf Pump“ geben. Bei der Steuerreform sei auf die soziale Symmetrie zu achten. Erfreut äußerte sich Jüsten, dass der Koalitionsvertrag die gesellschaftliche Bedeutung der Kirchen hervorhebe. Das Angebot von Union und FDP, den Dialog mit den Kirchen und Glaubensgemeinschaften zu intensiveren, nehme er dankbar auf. Der politische Kontaktmann der deutschen Bischöfe begrüßte zugleich die geplante Einführung eines Betreuungsgeldes ab 2013 und den Schwerpunkt in der Bildungspolitik. Am Vormittag sprach Jüsten in Berlin bei einem ökumenischen Gottesdienst zum Auftakt der neuen Legislaturperiode. Anlässlich der konstituierenden Sitzung des 17. Deutschen Bundestages fanden sich am Dienstag Bundespräsident Horst Köhler, Bundestagspräsident Norbert Lammert und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der Sankt-Hedwigs-Kathedrale ein. An der Feier nahmen die meisten designierten Minister sowie zahlreiche Bundestagsabgeordnete aller Fraktionen teil. Von den künftigen FDP-Ministern war allerdings nur Philipp Rösler anwesend. (kna)
Die Entchristlichung der Gesellschaft spiegelt sich auch im neuen Deutschen Bundestag wider. Nach Angaben der Nachrichtenagentur idea nimmt die Zahl der Abgeordneten, die sich zu einer Kirche bekennen, weiter stetig ab. Von den neuen 622 Abgeordneten sind 195 evangelisch; das sind 14 weniger als in der abgelaufenen Wahlperiode. 176 bezeichnen sich als katholisch – drei weniger als in der letzten Wahlperiode. Insgesamt gehören damit fast sechzig Prozent der Abgeordneten einer Kirche an; 246 Parlamentarier machten allerdings keine Angaben. Die meisten Kirchenmitglieder finden sich in der Union; dort liegt ihr Anteil bei fast 94 Prozent. (faz/idea)
Der Würzburger Diözesanrat hat an die Bischöfe appelliert, den Zölibat bei der Kirchenleitung in Rom „zur Debatte“ zu stellen. In den Ortskirchen und auch auf Ebene der Weltkirche müsse ernsthaft über die Verknüpfung eines ehelosen Lebens mit der Zulassung zum Priesteramt nachgedacht werden, sagte der Vorsitzende Karl-Peter Büttner bei der Herbstvollversammlung des Gremiums am Wochenende in Würzburg. Bischof Friedhelm Hofmann sicherte den Delegierten zu, darüber in der Deutschen Bischofskonferenz zu sprechen. Hofmann unterstrich, dass ihn das Ausscheiden von drei Würzburger Diözesanpriestern in diesem Jahr, die den Zölibat nicht mehr leben konnten und sich für Ehe und Familie entschieden, sehr bedrücke und schmerze. Von den kirchlichen Vorgaben her sei aber kein anderer Weg möglich als die sofortige Entpflichtung von den priesterlichen Aufgaben. Einen ehrlichen Umgang mit dem Scheitern des ehelosen Lebens eines Priesters halte er für den einzig wahren. Deutlich widersprach der Bischof Unwahrheiten im Zusammenhang mit dem jüngsten Fall der Suspendierung des Pfarrers von Hammelburg. Sie sei nicht augrund anonymer Denunziation erfolgt. Solche Anzeigen würden „weder beachtet noch bearbeitet, sondern vernichtet“. Auch die bei dieser Gelegenheit wiederholte „Stammtischparole“, wonach bis zu drei Priesterkinder aus Kirchensteuermitteln alimentiert würden, sofern sie nur verschwiegen blieben, sei „unverschämt und unwahr“. (pm/kap)
Asien
Philippinen
Der Anfang Oktober von Unbekannten entführte irische Priester Michael Sinnott lebt. Allerdings sei der Gesundheitszustand des 79-jährigen Missionars bedenklich. Das sagte jetzt ein Sprecher der Diözese Pagadian auf der südphilippinischen Inselgruppe Mindanao gegenüber örtlichen Medien. Nach mehr als zwei Wochen hätten die Entführer am Montag erstmals Kontakt mit den Behörden aufgenommen. Lösegeldforderungen hätten die Entführer bisher aber nicht gestellt. - Sinnott war am 10. Oktober aus seinem Ordenshaus in Pagadian im muslimischen Süden der Philippinen entführt worden. Aufgrund von Augenzeugenberichtet geht die Polizei davon aus, dass die Entführer Sinnott in der Provinz Lanao gefangen halten, rund 800 Kilometer südlich von Manila. Laut Angaben der philippinischen Sicherheitskräfte werde hinter der Tat die so genannte „Pentagon“-Bande vermutet. Die Gruppe setze sich aus abtrünnigen Kämpfern der muslimischen Moro-Befreiungsfront zusammen, so der Sprecher. Sie gelte als reine kriminelle Vereinigung, die einzig auf Lösegeld aus sei. Zunächst hatte die Polizei angenommen, der Missionar könne in die Hände der Terrororganisation Abu Sayyaf gefallen sein. Die Region ist eine ihrer Hochburgen. (misna/asianews)
Das Strafvollzugssystem des Inselstaates muss reformiert werden. Das hat der Verantwortliche für die Gefängnisseelsorge bei der philippinischen Bischofskonferenz, Rodolfo Diamante, gefordert. Konkret gelte es, Häftlinge besser zu betreuen, um ihnen die Reintegration in die Gesellschaft nach abgesessener Strafe zu erleichtern, sagte Diamante zum Abschluss der „Woche für die Gefängnisseelsorge“ der philippinischen Kirche. Auch gelte es, die Seelsorge insbesondere für jugendliche Strafgefangene auszubauen. (rv)
Amerika
Vereinigte Staaten
Ein US-Bischof hat Vorwürfe zurückgewiesen, die katholische Kirche säe Zwietracht im Bezug auf die geplante Gesundheitsreform. Grundsätzlich befürworteten die Bischöfe eine solche Reform, stellte Bischof Thomas Tobin von Providence im Bundesstaat Massachusetts auf der Website seiner Diözese klar. Allerdings könnten die US-Oberhirten keinen Gesetzesentwurf billigen, der Abtreibungen in die staatlich finanzierte medizinische Grundversorgung aufnehmen wolle. Damit reagierte der Bischof auf Anschuldigungen eines demokratischen Abgeordneten. Dieser hatte behauptet, die katholische Kirche nähre im Tauziehen um die Gesundheitsreform „die Flammen des Streits und der Zerrissenheit“. Solche Äußerungen seien „enttäuschend und unverantwortlich“, reagierte Bischof Tobin. Der Abgeordnete solle sich bei der Kirche und der katholischen Bevölkerung entschuldigen. (cna)
Venezuela
Die Bischöfe des Landes wollen gegen ein neues Bildungsgesetz der sozialistischen Regierung von Hugo Chavez vorgehen. Zum Abschluss ihrer außerordentlichen Versammlung am Wochenende kündigte die Bischofskonferenz breit angelegten Widerstand an. Das Gesetz erschwere religiöse Erziehung und benachteilige kirchliche Schulen, lauten die Kritikpunkte. Der Vorsitzende der Venezolanischen Bischofskonferenz, Erzbischof Ubaldo Santana Sequera von Maracaibo, kritisierte laut Bericht des regierungskritischen TV-Senders Globovision eine wachsende Kontrolle des Staates über Schulen und Universitäten. Katholische Bildungsverbände, der Nationale Laienrat und der Bund der religiösen Glaubensgemeinschaften wollten gemeinsam mit der Kirchenleitung eine Initiative gegen das bereits vor einigen Monaten erlassene Gesetz starten, hieß es. (kna)
Die obigen Texte basieren auf unserer Nachrichtensendung „Treffpunkt Weltkirche” täglich um 16 Uhr. Die Quellen unserer Nachrichtensendung sind u.a. die Agenturen Kna, Kathpress, Ansa, Efe, Afp, Kipa, Reuters, Ap, ADN-Kronos, Upi, Cns, Uca, Misna, Osservatore Romano – die Vatikanzeitung in deutscher Sprache, sowie vatikaninterne Quellen. Der Newsletter ist nur zur persönlichen Information bestimmt. Grundlage für Zitate oder Übernahmen aus unserem Programm kann nicht unser Internetauftritt oder der Newsletter, sondern nur unser Radio-Programm sein. Die jeweils aktuelle Nachrichten- oder Magazinsendung von Radio Vatikan können Sie u.a. auf unserer Internetseite hören