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Meldungen vom 30.10.2009 - D: 10 Jahre Ökumene-Durchbruch - Verantwortlich: P. Eberhard v. Gemmingen SJ / Stefan von Kempis Redaktion: P. Bernd Bernhard Hagenkord SJ Redaktionsschluss 16.00 Uhr Die folgenden Texte basieren auf unserer Nachrichtensendung „Treffpunkt Weltkirche“ täglich um 16 Uhr. AUS DER REDAKTION: Verehrte Freundinnen und Freunde unseres Newsletters, THEMEN DES TAGES:Deutschland: 10 Jahre Ökumene-Durchbruch: Die „Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigung“ „Denn in diesem Dokument geht es um den Glaubensartikel von der Rechtfertigungslehre, von dem Martin Luther gesagt hat: Mit ihm steht und fällt unser Glaube. Nun haben sich Lutheraner und Katholiken weitgehend darauf geeinigt, was man gemeinsam interpretieren kann, und damit sind die wesentlichen Unterschiede eigentlich entfallen. Das halte ich für einen riesengroßen Fortschritt.“ Allerdings liegen weiterhin einige Stolpersteine auf dem ökumenischen Weg, sagt uns Bischof Friedrich. „Wir haben lehrmäßige Differenzen insbesondere in der Frage des Bischofsamtes – und diese Differenzen werden wohl auch nicht so schnell zu überwinden sein. Aber ich denke, wir können auch zehn Jahre danach beobachten, dass an vielen Stellen der Dialog weiter vorangegangen ist. Ich denke dabei an die Basis und die Gemeinden: Dort findet immer mehr eine gemeinsame Arbeit statt. In den gemeinsamen Stellungnahmen der Bischöfe finden sich des weiteren zu gesellschaftspolitischen Fragen viele Übereinstimmungen. Schließlich hat die schnelle Überwindung des jüngsten Konflikts zwischen der evangelischen Kirche und den katholischen Bischöfe gezeigt, wie groß das Vertrauen auf kirchenleitender Ebene ist.“ Auch die katholische Seite weist auf Schwierigkeiten hin. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, macht besonders Differenzen im Kirchenverständnis, im Amtsverständnis und im Verständnis der Sakramente geltend. Dennoch glaubt auch Zollitsch im Interview mit uns, dass die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre ein Meilenstein der Kirchengeschichte ist. „Seit dieser Zeit ist das Gespräch mit den evangelischen und methodistischen Kirchen doch um vieles einfacher und selbstverständlicher geworden. Manchmal entdecke ich bei großen ökumenischen Versammlungen, dass Lutheraner und Methodisten sehr stark auf uns Katholiken zukommen, weil sie spüren, dass wir uns in vielem näher sind als mit anderen Konfessionen.“ Ein ökumenischer Gottesdienst im Dom beendet am Samstag die Zehn-Jahres-Feierlichkeiten. Aus Rom ist der päpstliche Ökumene-Verantwortliche Kardinal Walter Kasper nach Augsburg gereist. (rv) Zollitsch: „Frau Käßmann ist keine Päpstin“ „Nun, Frau Käßmann ist keine „Päpstin“, das wissen wir – sie ist Vorsitzende des Rates der EKD und hat insofern dort eine Sprecherfunktion, eine vermittelnde Funktion! Ich bin Frau Käßmann intensiv begegnet auf dem Katholikentag in Osnabrück – das saßen wir nicht nur nebeneinander, sondern haben auch miteinander gesprochen... Ich bin ihr auch begegnet auf dem Kirchentag in Bremen und habe von daher ein unkompliziertes Verhältnis zu ihr. Ich glaube auch, dass das helfen wird, die Dinge im Gespräch miteinander zu entwickeln. Ich bin jetzt mal gespannt, was ihre ersten Aktionen und Aussagen in nächster Zeit sein werden!“ Käßmanns Vorgänger an der EKD-Spitze, der lutherische Bischof Wolfgang Huber, hatte in den letzten Jahren durch eine Schärfung des Profils der evangelischen Kirche von sich reden gemacht. Frau Käßmann meinte unmittelbar nach ihrer Wahl, sie könne verstehen, dass Katholiken damit manchmal ihre Schwierigkeiten gehabt hätten. Zollitsch: „Sie hat sich bis jetzt immer mit Blick auf die Ökumene sehr offen gezeigt und ist auch interessiert daran, dass wir in Deutschland zwischen der katholischen und der evangelischen Kirche das Gemeinsame stärker sehen, vor allem mit Blick auf die Wirkung in die Öffentlichkeit hinein. Da wird spätestens der Ökumenische Kirchentag nächstes Jahr in München eine große Chance sein, die wir gemeinsam nutzen sollten.“ (rv) Käßmann: „Habe keine Bedenken“ „Drei Themen sind im Moment wichtig. Ich möchte den Reformprozess in Deutschland weiterführen, der in der Zeit von Wolfgang Huber begonnen wurde. Mit Blick auf das Reformationsjubiläum 2017 möchte ich unsere evangelische Kirche ermutigen, auch in einer schwierigen Zeit fröhlich und selbstbewusst Kirche zu sein. Auch dort, wo die Gemeinden kleiner werden, können wir doch unser kirchliches Leben als Christen zeigen. Dann gibt es große soziale Fragen wie Kinderarmut in Deutschland und Bildungschancen für Kinder – dabei wird sich unsere Kirche weiterhin stark engagieren. Ein weiterer Aspekt ist die Ökumene. Ich möchte sehr gerne deutlich machen, dass wir als christliche Kirchen wesentlich mehr gemeinsam haben, als uns trennt.“ Wie sehen Sie die künftige Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche und mit der Deutschen Bischofskonferenz? „Ich habe keine Bedenken. Manche Leute dachten, es könnte Schwierigkeiten geben, weil ich eine Frau bin. Ich bin aber nun schon mehr als zehn Jahren Bischöfin der größten lutherischen Kirche in Deutschland und habe guten Kontakt mit den katholischen Bischöfen in Niedersachsen. Seit sechs Jahren bin ich im Kontaktgesprächskreis zwischen evangelischer und katholischer Kirche. Es gibt bestimmt genügend Vertrauen. Wir sind verschieden, und unser Amtsverständnis ist verschieden, aber ein vertrauensvolles Miteinander gibt es trotzdem.“ (rv) Deutschland: Neues Thesenpapier zur Ökumene veröffentlicht Wie viel Verschiedenheit ist in der Ökumene möglich, wie viel Einheit ist nötig? Auf diese Fragen antworten Katholiken und Protestanten immer noch zu unterschiedlich, resümiert Feige. „Momentan haben wir keine gemeinsame Vision einer anzustrebenden Kircheneinheit“, schreibt der Magdeburger Oberhirte. So habe sich die katholische Kirche auf der einen Seite schon lange von einer „Rückkehrökumene“ verabschiedet und strebe eine sichtbare Einheit an, meint Feige. Voraussetzung sei freilich die Klärung von klassischen Kontroversthemen, wie das Kirchen- und Amtsverständnis. Dagegen propagiere die evangelische Kirche auf der anderen Seite immer stärker „eine wechselseitige Anerkennung bei bleibenden Differenzen“. Während die Verschiedenheit neuerdings als Ideal gepriesen werde, erscheine die Einheit fast schon als „Schreckgespenst“ und stehe unter dem Generalverdacht von Uniformierung, Zentralismus und Entmündigung. (rv/pm) Vatikan: „Emigration ist ein Menschenrecht!“ „Niemand darf an einen Staat ausgewiesen oder ausgeliefert werden, wo die ernsthafte Gefahr besteht, dass die Person dort zum Tod verurteilt, gefoltert oder anderen Formen degradierender, unmenschlicher Behandlung unterzogen wird. Aber die italienische Regierung hat 2003 dafür gesorgt, dass Flüchtlinge aus Sri Lanka, die nach Italien wollten, in ihr Land zurückgebracht wurden... Und im September dieses Jahres hat „Human Rights Watch“ darauf aufmerksam gemacht, dass die italienische Küstenwache Migranten und Asylbewerber aus Afrika im Mittelmeer gewaltsam nach Libyen zurückschickt, wie das ein bilateraler Vertrag mit der dortigen Regierung vorsieht – ohne die Möglichkeit zu prüfen, ob es unter ihnen Flüchtlinge oder in irgendeiner Hinsicht verwundbare Personen gibt. In Libyen allerdings gibt es Lager, in denen die Bedingungen von akzeptabel bis zu unmenschlich und entwürdigend schwanken!“ Marchetto fand auch harte Worte für eine ähnliche Abmachung zwischen Spanien und Marokko – auch in diesem Fall komme es zu keiner wirklichen Prüfung, ob unter den Zurückgeschickten nicht legitime Asylbewerber seien. Und er kritisierte die Praxis, dass auf europäisches Betreiben immer mehr Bootsflüchtlinge schon, bevor sie in Afrika in See stechen, kontrolliert werden. „Man muss darauf hinweisen, dass es die europäischen Behörden damit oft Tausenden von Menschen unmöglich machen, die Nordküste des Mittelmeers zu erreichen oder auch nur ihr Ursprungs- bzw. Transitland zu verlassen. Das ist schwerwiegend, denn das Recht auf Emigration ist sogar in der UNO-Menschenrechtserklärung von 1948 aufgeführt! ... Das Paradox ist, dass viele europäische Länder Personen, die nicht übers Meer kommen, als Flüchtlinge anerkennen – aber Menschen aus denselben Ländern werden auf dem Mittelmeer abgefangen und wieder nach Afrika geschickt! Ich verurteile alle, die sich nicht an das Prinzip des Nicht-Zurückschickens (non-refoulement) halten – es ist eine Grundlage in der Behandlung von Menschen, die vor Verfolgung flüchten. Und ich frage mich: Wenn man in Friedenszeiten nicht imstande ist, dieses grundlegende Prinzip des humanitären Menschenrechts zu respektieren, wie will man denn dann seine Beachtung in Kriegszeiten durchsetzen? Und wie will man dann den Schutz von Zivilisten in kriegerischen Konflikten durchsetzen? Er wird auf diese Weise an der gemeinsamen humanitären Wurzel geschwächt!“ (rv) Vatikan: Papst bedankt sich für die Aufarbeitung des Falles Galilei „Ich möchte mich bei dieser Gelegenheit bedanken; nicht nur für die sorgfältigen Studien, die die historischen Umstände der Verurteilung Galileis geklärt haben, sondern auch für die Bemühungen all derjenigen, die sich diesem Dialog und der Reflexion des Verhältnisses von Glaube und Vernunft gewidmet haben und damit dem Dienst an einem vollständigen Verstehen des Menschen und seiner Rolle im Universum.“ Benedikt beließ es aber nicht nur bei einem Dank, er zog auch eine inhaltliche Linie von den Forschern der Zeit Galileis zu den Herausforderungen, vor denen die Wissenschaft heute steht: „Unser eigenes Zeitalter, in dem uns vielleicht noch viel größere und bedeutsamere Entdeckungen bevorstehen, würde sehr profitieren von diesem Sinn für das Staunen und von dem Anspruch, eine wirklich humane Synthese von Wissen zu schaffen, die die Väter der modernen Wissenschaft angetrieben haben.“ (rv) AUS UNSEREM ABENDPROGRAMM: Nach der Afrikasynode: „Jetzt sind wir dran!“ Halloween – Ein heiliger Tag? DIE NACHRICHTEN:VatikanVatikan/Ungarn AfrikaSimbabwe Südafrika Asien China AmerikaBolivien Die obigen Texte basieren auf unserer Nachrichtensendung „Treffpunkt Weltkirche” täglich um 16 Uhr. Die Quellen unserer Nachrichtensendung sind u.a. die Agenturen Kna, Kathpress, Ansa, Efe, Afp, Kipa, Reuters, Ap, ADN-Kronos, Upi, Cns, Uca, Misna, Osservatore Romano – die Vatikanzeitung in deutscher Sprache, sowie vatikaninterne Quellen. Der Newsletter ist nur zur persönlichen Information bestimmt. Grundlage für Zitate oder Übernahmen aus unserem Programm kann nicht unser Internetauftritt oder der Newsletter, sondern nur unser Radio-Programm sein. Die jeweils aktuelle Nachrichten- oder Magazinsendung von Radio Vatikan können Sie u.a. auf unserer Internetseite hören
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