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Meldungen vom 15.10.2009

- DBK und EKD: Wogen geglättet -
-Gespräche mit Piusbrüdern ab 26.10. -
- Papst wird luther. Kirche besuchen -


Verantwortlich: P. Eberhard v. Gemmingen SJ / Stefan von Kempis
Redaktion: Mario Galgano
Redaktionsschluss 16.00 Uhr
Die folgenden Texte basieren auf unserer
Nachrichtensendung „Treffpunkt Weltkirche“ täglich um 16 Uhr.

AUS DER REDAKTION:

Verehrte Freundinnen und Freunde unseres Newsletters,
Vermutlich haben Sie schon erfahren, dass ich Radio Vatikan am Ende dieses Jahres verlassen werde. Nach 27 Jahren in Rom kehre ich gerne in meine deutsche Heimat zurück und übergebe das Heft einem jungen Mitbruder, Pater Bernd Hagenkord….
Eine Bitte von Pater Eberhard von Gemmingen, lesen Sie hier weiter


DIE AFRIKA-SYNODE IM VATIKAN:

Erzbischof Monsengwo, Kongo: „Afrika vor vielen Herausforderungen“
Einer der afrikanischen Bischöfe, die bereits bei der ersten Afrika-Synode vor 15 Jahren im Vatikan mit dabei waren, ist Laurent Monsengwo Pasinya, Erzbischof von Kinshasa in der Demokratischen Republik Kongo. Die sozialen und gesellschaftlichen Herausforderungen für die Kirche auf dem Kontinent haben sich in diesen 15 Jahren nicht verringert, aber sehr wohl verändert, sagte uns Erzbischof Monsengwo.

„Afrika hat seine Konflikte nicht aufgegeben. Im Gegenteil, es gibt mehr mörderische Kriege als damals. Man hat einen Schlussstrich gezogen unter das Afrika der Generäle, aber statt dessen haben wir es jetzt mit einem Afrika der Kriegsherren zu tun. Im Moment haben wir viele Kindersoldaten und entsetzliche Gewalt gegen Frauen als Kriegswaffe - Dinge, die man vor 15 Jahren nicht sah. Man hat also zusätzliche Kriegsgründe geschaffen. Wenn uns das große Vorhaben Versöhnung nicht gelingt, sieht Afrika seinem Untergang entgegen.“

Gerade über den Kongo berichten westliche Medien bevorzugt dann, wenn die Unruhen im Ostteil wieder unerträglich werden. Dabei übersehen viele, dass in diesem Land, das übrigens eine der größten Bischofskonferenzen des Kontinents hat, eine gelungene kirchliche Friedensarbeit am Werk ist. Seit der letzten Afrika-Synode sind kirchliche Kommissionen für Gerechtigkeit und Frieden allgegenwärtig, so Monsengwo.

„Die Kommissionen existieren auf allen Ebenen, auf nationaler, diözesaner und Pfarrei-Ebene. Der Staat bedient sich dieser Kommissionen für die zivile und demokratische Ausbildung des Volkes. Die dort geleistete Arbeit in den letzten 15 Jahren war wirklich hervorragend: Die Leute wurden über bürgerliche Rechte und Demokratie aufgeklärt und darauf vorbereitet, zur Wahl zu gehen. Und was am schönsten ist, man hat sich bestimmter Dokumente der Bischofskonferenz bedient, um ähnliche Einrichtungen mit anderen Religionen und Konfessionen zur Ausbildung ihrer Gläubigen zu gründen. Das führte dazu, dass bei den Wahlen und den demokratischen Vorgängen im Kongo das Volk bestens instruiert war.“

Anders in anderen afrikanischen Ländern: Die Politik ist nicht allenthalben einverstanden mit dem Engagement der Kirche für Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden.

„Unsere Sendung ist die Versöhnung. Aber wenn wir uns daran machen, dann haben wir den Eindruck, dass die Politiker das nicht wollen. In der Politik versöhnt man sich nicht, sondern man verständigt sich, trifft eine Übereinkunft. Man gibt, um damit etwas zu erreichen. Bloß: Versöhnung ist das nicht. Die geht weiter. Wir bitten also darum, uns als Kirche unsere Rolle wahrnehmen zu lassen. Das wäre hilfreich.“ (rv)
Zum Nachhören


WEITERE TOP-THEMEN DES TAGES:

Deutschland: Irritationen ausgeräumt
Katholische und evangelische Kirche in Deutschland haben die Missstimmung der vergangenen Wochen ausgeräumt. Am Mittwochabend trafen sich Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz und des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Karlsruhe zu einem klärenden Gespräch. Es fand anstelle der turnusmäßigen Sitzung des evangelisch-katholischen Kontaktgesprächskreises statt. „Das Gespräch wurde offen, konstruktiv und im Geist christlicher Geschwisterlichkeit geführt. Beide Seiten sind davon überzeugt, dass das beschädigte Vertrauen wiederhergestellt werden kann und wird“, heißt es in einer anschließend veröffentlichten gemeinsamen Erklärung.

Evangelische Kirche entschuldigt sich
„Stein des Anstoßes“ war ein Text über Vorgänge in der römisch-katholischen Kirche und das katholisch-evangelische Verhältnis, der der Kirchenkonferenz der EKD zu ihrer Sitzung am 2. Juli 2009 vorlag. Die Kirchenkonferenz habe sich diesen Text jedoch in keiner Weise zu eigen gemacht; und „ihn vielmehr klar zurückgewiesen“. Der EKD-Ratsvorsitzende, Bischof Wolfgang Huber, distanzierte sich von dem internen Thesenpapier, in dem die katholische Kirche in Deutschland als führungsschwach und verunsichert dargestellt wurde, und bezeichnete es als „Missgriff“ und „Einzelmeinung“. Das Papier von Oberkirchenrat Thies Gundlach „wurde später anonym, missbräuchlich und gezielt verbreitet“.

Huber sagte gegenüber Radio Vatikan:

„Wir haben um Entschuldigung gebeten bei allen, die sich persönlich durch einzelne anstößige Aussagen in dem Text, der zur Rede stand, angegriffen gefühlt haben. … Der Text von Thies Gundlach war ein Text zur Vorbereitung einer Diskussion. Da aber ein Text, der in einen großen Kreis hinein verschickt wird, nicht vertraulich bleibt, hätte er erst gar nicht verschickt werden dürfen. Thies Gundlach hat auch selbst eingesehen, dass man manche Dinge nicht so zugespitzt formulieren kann. Er hat sich sozusagen selbst von seinem eigenen Text distanziert.“

Intensivere Zusammenarbeit
Katholische und evangelische Seite verständigten sich auf eine noch intensivere Zusammenarbeit. In „Sorgfalt und Ruhe“ müssten die ökumenischen Entwicklungen der vergangenen zehn Jahre aufgearbeitet werden, sagte Huber.

„Es gibt auch Aspekte, bei denen ist die ökumenische Zusammenarbeit schwerer geworden. Es bietet sich zehn Jahre nach der gemeinsamen Unterzeichnung zur Erklärung der Rechtfertigungslehre am 31. Oktober 1999 in Augsburg geradezu an, eine solche Zwischenbilanz zu ziehen. In Augsburg wird es jetzt auch eine Veranstaltung in Erinnerung an dieses Datum geben. Aber damit ist es nicht getan. Wir müssen fragen, was sich zum Guten weiterentwickelt hat.“

Kein Harmoniezwang
„Das Vertrauen zwischen katholischer und evangelischer Seite ist wiederhergestellt“, sagte uns der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller. Er leitet bei der katholischen Deutschen Bischofskonferenz die Ökumenekommission. Das „klärende Gespräch“ vom Mittwochabend in Karlsruhe erlaube es, nun „freier miteinander umzugehen“.

„Wir waren uns darüber einig, dass wir nicht nur freundlich miteinander reden, sondern dass wir auch aufgelaufene Dinge klar aussprechen. Das ist auch geschehen, und es war für alle eine Befreiung. Vielleicht ist es das Positive, dass man nun freier und ohne äußerlichen Harmoniezwang miteinander umgehen kann und eine klare Linie verfolgt. Auf der Basis des Gemeinsamen muss man lernen, die Unterschiede auszuhalten und vielleicht sogar fruchtbar zu machen. So können wir uns in Zukunft gemeinsam einer größeren Fülle des Evangeliums und seiner konkreten Verwirklichung der Welt von heute stellen.“

In Zukunft: Schaden vermeiden
„Wir haben wieder eine gute Basis für die Ökumene in Deutschland gefunden“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, nach dem Gespräch. Nun gelte es, den Blick nach vorne zu richten. Das gemeinsame Zeugnis des Evangeliums für die Welt und die gemeinsame Vermittlung bestimmter Werte bleibe auch in Zukunft vordringlich, betonten die Gesprächsteilnehmer. Der Zweite Ökumenische Kirchentag in München 2010 werde dafür ein deutliches Zeichen setzen. Störfeuer wie dieses sollen künftig vermieden werden, sagte Zollitsch im Kölner Domradio:

„Wir haben vereinbart, dass wir dann, wenn Irritationen auftauchen sollten oder wir befürchten müssten, dass der andere etwas falsch versteht, wir dann möglichst bald zum Telefonhörer greifen wollen, um den Schaden von vornherein zu vermeiden. Daran hat man in der letzten Zeit vielleicht zu wenig gedacht. Wenn wir das stärker in den Blick nehmen, kann es eine gute Basis für die Arbeit in der Zukunft sein, und davon gehe ich aus.“

An dem Gespräch in Karlsruhe nahmen neben Zollitsch für die katholische Seite teil: Kardinal Karl Lehmann und Bischof Gerhard Ludwig Müller, dazu der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, P. Hans Langendörfer SJ. Auf evangelischer Seite waren vertreten: der Vorsitzende des Rates der EKD, Bischof Wolfgang Huber, Landesbischof Ulrich Fischer und Landesbischof Johannes Friedrich, dazu der Präsident des Kirchenamtes der EKD, Hermann Barth. (rv/pm)
Zum Nachhören
Hier finden Sie unser Kreuzfeuer-Magazin zum Streit: mit vielen Hintergründen
Hier hören Sie das Interview mit Bischof Müller
Und hier hören Sie das Interview mit Bischof Huber

USA: „Mit Kirche gemeinsam gegen Aids“
Die US-Regierung und die katholische Kirche sollen stärker als bisher gemeinsam bei der Bekämpfung der Aids-Plage zusammenarbeiten. Das sagte am Mittwochabend der neue US-Botschafter beim Heiligen Stuhl, Miguel H. Diaz, bei der internationalen Aids-Konferenz in Rom. Das Treffen wurde von Caritas Internationalis und der amerikanischen Botschaft beim Vatikan durchgeführt. Am Samstag geht die Konferenz zu Ende. Sie sei ein Beispiel dafür, wie Barack Obamas Regierung und der Vatikan vereint für die Aids-Kranken einstehen könnten, so Diaz. Denn Amerika sei das Land, das am meisten Geld für Aids-Kranke zur Verfügung stelle - und die katholische Kirche die aktivste Institution, die sich um die Aids-Patienten kümmere. Das sei ein Hoffnungszeichen für die rund 22 Millionen Aids-Kranke in Afrika. Der Aids-Beauftragte von Caritas Internationalis, Robert J. Vitillo, bestätigt, dass sich die Kirche zusammen mit internationalen Einrichtungen sehr um die Aids-Kranken sorge.

„Wir haben diese Konferenz u.a. deshalb organisiert, um für eine frühzeitige Diagnose zu sensibilisieren. Neben den USA wollen wir auch die UNO für unser Anliegen gewinnen. Die internationale Staatengemeinschaft muss vor allem Kindern beistehen, die HIV-infiziert sind. Die Kirche hat es ja bisher geschafft, dass in vielen Ländern der medizinische Zugang möglich ist. Leider gibt es aber viele Kinder, die davon noch nicht profitieren können. Wir müssen uns daher künftig vor allem um sie kümmern!“

Caritas Internationalis organisiert schon jetzt regelmäßig Treffen mit Pharmaunternehmen. Die katholische Organisation sieht sich als Fürsprecherin der Patienten, die aus finanziellen Gründen nicht die Möglichkeit haben, geeignete medizinische Mittel zu erwerben.

„Wir setzen uns beispielsweise dafür ein, dass die Pharmaunternehmen auch Anti-Aids-Medizin herstellen, die spezifisch für Kinder gedacht ist. Man kann ja nicht einfach dieselben Pillen für Erwachsene an kleine Patienten verabreichen. Ein großes Problem ist übrigens die Lagerung dieser Medizin: In vielen ärmeren Ländern gibt es keine Möglichkeit, sie gekühlt aufzubewahren. Das ist eine weitere Benachteiligung für die Aids-Kranken, um die wir uns kümmern.“ (rv/asca/ansa)
Zum Nachhören

UNO: Welthunger könnte besiegt werden
Erstmals hat die Zahl der hungernden Menschen weltweit die Milliarden-Grenze überschritten. Das gab das Welternährungsprogramm und die UNO-Organisation für Ernährung FAO in Rom im Vorfeld des Welternährungstages bekannt. Die Kirche und christliche Hilfswerke sind deshalb besorgt: Der bedrohliche Aufwärtstrend sei seit über zehn Jahren ungebrochen. Die Lage habe sich auch wegen der Wirtschaftskrise, Kriege und hohe Lebensmittelpreise in vielen Ländern verschlimmert, stellen die UNO-Organisationen fest. In 29 – vor allem in Afrika und Südasien gelegenen – Ländern sei das Ausmaß besonders besorgniserregend. Das sagt gegenüber Radio Vatikan einer der Wirtschaftsexperten der FAO, Alberto Zezza.

„Die Staatsmänner der reichen Länder und die öffentliche Meinung sollten sich dieses Problems bewusster werden als bisher. Im übrigen gibt es viele positive Beispiele, wie man den Hunger in Krisengebieten lösen könnte. Solche Resultate haben wir vor allem in jenen Regionen festgestellt, in denen sich die Politiker konkret eingesetzt haben. Das ist der Beweis dafür, dass man mit geeigneten Maßnahmen das Problem durchaus lösen kann und dass die Bekämpfung des weltweiten Hungers nicht unlösbar ist.“

Weil die Entwicklungsländer stärker in die Weltwirtschaft integriert seien als noch vor 20 Jahren, seien sie heute auch viel anfälliger für Krisen als früher, erläutert der FAO-Experte. Besonders der Landwirtschaft kommt eine Schlüsselrolle zu, so Zezza.

„Zum Glück scheint es, dass sich die Investitionen in die Landwirtschaft endlich verbessert haben. US-Präsident Barack Obama oder auch die Weltbank haben in jüngster Zeit wichtige Beschlüsse in dieser Hinsicht gefasst, indem sie ein besonderes Augenmerk auf die Finanzierung der Landwirtschaft gerichtet haben. Denn um dem Hunger und der Armut auf der Welt entgegenzutreten, müssen die Staaten vor allem die Bauern unterstützen.“ (rv/ap)
Zum Nachhören

Vatikan: Gespräche mit Piusbruderschaft beginnen am 26. Oktober
Die bereits angekündigten Gespräche des Vatikans mit der Piusbruderschaft beginnen am Montag, 26. Oktober. Das gab Vatikansprecher Pater Federico Lombardi an diesem Donnerstag bekannt. Auch bestätigte er die Teilnehmer, die sich an den Gesprächen beteiligen werden. Es sind dies der Sekretär der Kommission „Ecclesia Dei“, Guido Pozzo, und der Sekretär der Glaubenskongregation, Erzbischof Luis F. Ladaria Ferrer, sowie die Experten P. Charles Morerod OP von der internationalen Theologienkommission und der Generalvikar des Opus Dei, Fernando Ocáriz. Ebenfalls dabei ist der deutsche Jesuitenpater und Mitglied der Glaubenkongregation, Karl Josef Becker. Die Gespräche finden im Sitz der Glaubenkongregation statt. Über Inhalte der Gespräche soll nichts bekannt gegeben werden. Es gehe aber um „doktrinelle Fragen“, ließ Lombardi wissen.

Derweil ist aus dem Vatikan zu hören, Papst Benedikt XVI. sei sehr enttäuscht gewesen über die Antisemitismus-Vorwürfe, die ihm nach der Aufhebung der Exkommunikation der vier Lefebvre-Bischöfe gemacht wurden. Das schreibt der Direktor der Vatikanzeitung, Giovanni Maria Vian, in einem Gastkommentar für eine jüdische Zeitschrift. Benedikt wolle deshalb mit dem baldigen Besuch bei der römischen Synagoge seine Verbundenheit mit der jüdischen Gemeinschaft kundtun. Benedikt wird die Synagoge am 11. Januar besuchen. Diese Visite führe die Ehrerbietung des Papstes für die Opfer der Shoah fort, die Benedikt mit den Besuchen in Auschwitz und in den Synagogen in Köln und New York bewiesen habe. Dem Papst sei der Dialog mit den Juden ein besonderes Anliegen, fügte Vian an. (rv/agi)


DIE NACHRICHTEN:

Vatikan

Papst Benedikt XVI. wird demnächst die lutherische Kirche in Rom besuchen. Das bestätigte an diesem Donnerstag der vatikanische Ökumene-Verantwortliche, Kurienkardinal Walter Kasper. Er stellte im Pressesaal des Vatikans sein neuestes Buch über Ökumene vor. Ein konkretes Datum der Papst-Visite sei noch nicht bekannt, fügte Kasper an. Johannes Paul II. hatte das Gotteshaus in der Nähe der römischen Via Veneto 1983 besucht und dort einen Wortgottesdienst gefeiert. Die Christuskirche wurde 1922 eingeweiht. Sie ist eines der wenigen erhaltenen spätwilhelminischen Kirchengebäude. (agi/rv)
Der Direktor von Radio Vatikan, Jesuitenpater Federico Lombardi, ist unzufrieden mit dem Urteilsspruch eines Berufungsgerichts im Streitfall um die Antennenanlagen von Santa Maria di Galeria. Die Richter haben den Vorgänger Lombardis, Pater Pasquale Borgomeo, und den ehemaligen Geschäftsführer des Papst-Senders, Kardinal Roberto Tucci, nicht freigesprochen sondern den Prozess aufgehoben. Gründe hierfür seien der Tod von Pater Borgomeo und die Verjährung für Kardinal Tucci. Lombardi hatte hingegen einen Freispruch für die Angeklagten erwartet. Die beiden ehemaligen Radio Vatikan-Verantwortlichen wurden wegen angeblichem Elektrosmog der Sendeanlagen angezeigt. (rv)

Europa

Deutschland
Die drei Lübecker Priester, die während der Nazi-Zeit wegen ihrer Äußerungen am 10. November 1943 enthauptet wurden, sollen 2011 seliggesprochen werden. Das gab der Hamburger Erzbischof Werner Thissen bekannt. Er sei „hocherfreut“ über den Fortgang des Verfahrens, nachdem Thissen vergangene Woche in Rom mit der zuständigen Kongregation gesprochen habe. Die Lübecker Kapläne Johannes Prassek, Hermann Lange und Eduard Müller wurden zusammen mit dem evangelischen Pastor Karl-Friedrich Stellbrink wegen ihrer regimekritischen Aktivitäten wie der Verbreitung der Predigten Kardinal von Galens zum Tode verurteilt. (pm)
Der Rottenburg-Stuttgarter Bischof Gebhard Fürst hat die Hoffnung auf einen intensiveren Dialog zwischen den Kirchen und den EU-Institutionen geäußert. Er erwarte, dass die Regelungen im Lissabon-Vertrag zum Dialog mit den Religionsgemeinschaften nicht bloße Kosmetik blieben, sagte Fürst am Mittwochabend in Brüssel. Es wäre ein großer Fortschritt, wenn die Kirchen tatsächlich in die Gesetzgebungsverfahren einbezogen würden. Der Bischof unterstrich, ihrerseits müssten sich die Kirchen durch ihre Sachkompetenz unentbehrlich machen und auf den Dialog so vorbereitet sein, dass man an ihren Argumenten nicht vorbeikomme. Fürst setzte sich zugleich für eine Stärkung der sozialen Dimension Europas ein. Es dürfe nicht dazu kommen, dass durch die EU soziale Standards nach unten nivelliert würden. – Fürst hielt sich gemeinsam mit dem Diözesanrat der Diözese Rottenburg-Stuttgart zu einer Studienfahrt in Brüssel auf. (kna)
Die Staatsanwaltschaft Regensburg hat gegen den britischen Traditionalisten-Bischof und Holocaust-Leugner Richard Williamson einen Strafbefehl wegen Volksverhetzung beantragt. Dieser sei am Mittwoch beim Amtsgericht eingegangen. Das bestätigte dessen Präsident Johann Plöd am Donnerstag auf Anfrage. Der Antrag werde nun geprüft. Mit einer Entscheidung rechnet Plöd binnen einer Woche. Der Strafrahmen sieht in diesem Fall Bewährungsstrafen oder Geldbußen vor. Auf eine mündliche Verhandlung vor Gericht kann verzichtet werden. Erst im September hatte die Staatsanwaltschaft erklärt, dass es unverhältnismäßig sei, von Großbritannien eine Auslieferung des Bischofs der Piusbruderschaft zu beantragen. Der Brite Williamson hatte in einem Interview die Zahl der von den Nazis ermordeten Juden auf höchstes 300.000 beziffert und die Existenz von Gaskammern bestritten. Das Gespräch mit dem schwedischen Fernsehen, in dem diese Äußerungen fielen, wurde in einem Priesterseminar der Piusbrüder im bayerischen Zaitzkofen geführt. Nach Veröffentlichung des Interviews wurde bei der Staatsanwaltschaft in Regensburg im Januar ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. (kna)

Schweiz/Vatikan
Papst Benedikt XVI. hat den Rücktritt des Churer Weihbischofs Paul Vollmar angenommen. Das bestätigt an diesem Donnerstag der vatikanische Pressesaal. Der 75-jährige Weihbischof war seit 1993 und nach der Ernennung von Bischof Wolfgang Haas zum Churer Oberhirten vor allem für die so genannte Urschweiz zuständig, während der zweite Churer Weihbischof Peter Henrici seinen Sitz in Zürich hatte. Im Juli 2003 trat Jesuitenpater Henrici mit 75 Jahren als Generalvikar für die Kantone Zürich und Glarus zurück. Umgehend rückte Weihbischof Vollmar nach. (rv)

Polen
Die katholische Kirche gedenkt in diesen Tagen der Ermordung des Warschauer Priesters und Wegbegleiters der Gewerkschaftsbewegung „Solidarnosc“, Jerzy Popieluszko. Er wurde vor genau 25 Jahren durch Agenten des damaligen kommunistischen Regimes ermordet. Am 19. Oktober 1984 entführten sie Popieluszko, später wurde er in einem Stausee tot aufgefunden. Er hatte die ihm von Geheimpolizisten zugefügten Qualen nicht überlebt. Popieluszko war schon vor seinem Tod eine Symbolfigur des antikommunistischen kirchlichen Widerstands nach dem Verbot der „Solidarnosc“, der ersten freien Gewerkschaft im Ostblock, gewesen. Immer wieder werden Rufe nach einer Seligsprechung Popieluszkos laut. (kap)

Griechenland
Die christlichen Kirchen suchen weiterhin einen Konsens darüber, was das genaue Wesen und der Auftrag der Kirche sei. Das wurde nach Ende der Vollversammlung der Weltkirchenrats-Kommission für Glaube und Kirchenverfassung bekannt. Das Treffen fand in der Orthodoxen Akademie in Kreta statt. Auch die katholische Kirche - die dem Weltkirchenrat nicht angehört - ist Mitglied dieser Kommission. Im Mittelpunkt der Beratungen stand das seit 1988 diskutierte Dokument „Wesen und Auftrag der Kirche“. Die Schrift soll bündeln, was in den verschiedenen christlichen Traditionen verstanden wird, wenn von „Kirche“ die Rede ist. Ziel ist es, eine weitere „Konvergenzerklärung“ zu schaffen, wie sie die Kommission bereits 1982 mit dem so genannten „Lima-Dokument“ über Taufe, Eucharistie und Amt vorgelegt hatte. (kap)

Asien

Pakistan
Die Bischöfe des Landes haben die jüngsten Anschläge auf Sicherheitskräfte verurteilt. Bei einer Serie von Terroranschlägen sind fast 40 Menschen getötet worden. In der ostpakistanischen Stadt Lahore griffen schwer bewaffnete Männer fast gleichzeitig mindestens drei Polizeigebäude an. Bei Selbstmordanschlägen in Pakistan sind allein in den vergangenen zwei Wochen mehr als 100 Menschen ums Leben gekommen. Viele Zivilisten seien auf der Flucht, erklärt die pakistanische Bischofskonferenz. (asianews)

Indien/Albanien
Indien will Mutter Teresa behalten. Das stellte ein Sprecher des indischen Außenministeriums, Vishnu Prakash, in einem Gespräch mit einer Tageszeitung fest. Vor kurzem hatte Albanien die sterblichen Überreste der Friedensnobelpreisträgerin zum hundertsten Jahrestag ihrer Geburt zurückgefordert. Mutter Teresa kam aus einer albanischen Familie, wirkte aber die längste Zeit ihres Lebens in Indien. Ihr Leichnam liegt in Kalkutta, im Stammsitz der von ihr gegründeten Gemeinschaft der Missionarinnen der Nächstenliebe. (asca)

Indien
Vor einem „Liebes-Djihad“ warnt die katholische Kirche im indischen Bundesstaat Kerala. Radikale islamische Gruppen setzten Männer auf christliche Mädchen an, um sie zur Hochzeit zu überreden und anschließend zum Religionsübertritt zu zwingen, melden indische Medien am Mittwoch. Die „Liebes-Kämpfer“ seien vor allem an Universitäten unterwegs, zitiert die asiatische katholische Nachrichtenagentur „UCA News“ einen zuständigen Mitarbeiter der Bischofskonferenz. Die Kirche müsse das Phänomen aufmerksam beobachten. Seit 2005 seien etwa 4.000 Mädchen auf diese Weise zum Islam übergetreten. Den Berichten zufolge sind sowohl christliche als auch hinduistische Frauen betroffen. Es handle sich um eine „weit verzweigte organisierte Bewegung“, wird ein Polizeisprecher zitiert. Beschuldigte muslimische Organisationen wiesen die Vorwürfe dagegen zurück. Religionswechsel sei kein Verbrechen und im Christentum und Hinduismus bekannt. Man könne nicht aus jeder Liebesgeschichte einen Fall von erzwungener Konversion machen. (kap/ucanews)

Amerika

Honduras
Die Bischöfe des zentralamerikanischen Landes sind weiterhin besorgt über die unklare Lage in Honduras. Die Putschregierung sperrt sich gegen eine Rückkehr des gestürzten Präsidenten Manuel Zelaya ins Amt. Im Moment gebe es noch kein endgültiges Abkommen, sagte Übergangspräsident Roberto Micheletti am Mittwoch. Knackpunkt der Verhandlungen, an denen auch ein Weihbischof beteiligt ist, ist offenbar die Frage, ob das Parlament oder das Oberste Gericht über eine Wiedereinsetzung Zelayas entscheiden soll. (ap/reuters)


Die obigen Texte basieren auf unserer Nachrichtensendung Treffpunkt Weltkirche” täglich um 16 Uhr. Die Quellen unserer Nachrichtensendung sind u.a. die Agenturen Kna, Kathpress, Ansa, Efe, Afp, Kipa, Reuters, Ap, ADN-Kronos, Upi, Cns, Uca, Misna, Osservatore Romano – die Vatikanzeitung in deutscher Sprache, sowie vatikaninterne Quellen. Der Newsletter ist nur zur persönlichen Information bestimmt. Grundlage für Zitate oder Übernahmen aus unserem Programm kann nicht unser Internetauftritt oder der Newsletter, sondern nur unser Radio-Programm sein. Die jeweils aktuelle Nachrichten- oder Magazinsendung von Radio Vatikan können Sie u.a. auf unserer Internetseite hören

 






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