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Meldungen vom 27.4.2010

- Kirche im Europa der Migration -
- Kardinal Bertone würdigt den Zölibat -
- Die katholische Kirche wächst -

Hier unser Podcast-/ RSS-Service
Verantwortlich: P. Bernd Hagenkord SJ / Stefan von Kempis
Redaktion: Kristina Kiauka
Redaktionsschluss 16.00 Uhr
Die folgenden Texte basieren auf unserer
Nachrichtensendung „Treffpunkt Weltkirche“ täglich um 16 Uhr.

THEMEN DES TAGES:

Spanien: Migration als menschliche und nicht soziologische Herausforderung
Bischöfe aus ganz Europa beraten ab heute über Migration und Mobilität in Europa. „Europa der Menschen in Bewegung. Ängste überwinden, Perspektiven aufzeigen“ - mit diesem Motto ist das Treffen im spanischen Malaga überschrieben. Die Bischöfe und Fachleute wollen darüber beraten, was genau Menschen zur Migration bewegt und welche Konsequenzen sich aus diesen Migrationsströmen für die Kirche ergeben. Der Generalsekretär des Rates der europäischen Bischofskonferenzen Duarte da Cunha erklärte in einem Interview mit Radio Vatikan die die Perspektive, unter der das Problem diskutiert würde:

„Wir wollen über Menschen sprechen, über Migranten als Menschen, mit Würde und nicht nur von einem soziologischen Blickpunkt aus. Wie leben Migranten genau in ihren Gemeinschaften, Familien, in der Gesellschaft. Ist ihre Lebenssituation nach der Migration besser, das wollen wir uns angucken. Also, wir gucken uns den Menschen an, die menschliche Person.“

Schätzungen nach gibt es weltweit rund 200 Millionen Migranten. Das Problem der Migration ist eine weltweite Herausforderung, meint da Cunha. Daher ist es auch ein Thema für alle Staaten in Europa und nicht nur ein Problem der Mittelmeer-Anrainer. (rv/kna)
Hier hören und lesen Sie den ganzen Beitrag

Sierra Leone: Trotz christlicher Minderheit Kirche sehr präsent
Auch in dieser Woche heißt es wieder im Vatikan Antritt zum Ad-Limina-Besuch. Und zwar statten seit Montag die Bischöfe von Gambia, Liberia und Sierra Leone pflichtgemäß dem Papst ihren Besuch ab und berichten über die Situation der Kirche in ihren Ländern. In den drei westafrikanischen Staaten herrschen, was die Kirche betrifft, sehr unterschiedliche Bedingungen. Während in Liberia rund 70 Prozent der Bevölkerung Christen sind, sind die Verhältnisse in Gambia und Sierra Leone ganz anders. In Gambia gibt es eine sehr deutliche muslimische Mehrheit. Wenn auch der Prozentsatz der Muslime nicht ganz so hoch ist, auch in Sierra Leone sind die Christen in der Minderheit. Doch das bedeute nicht, dass die katholische Kirche nicht in der Gesellschaft bemerkbar sei. Das betont der Bischof von Makeni in Sierra Leone, George Biguzzi. Mit ihm haben unsere italienischen Kollegen von Radio Vatikan über die Lage der Kirche in Westafrika gesprochen.

„Die Kirche ist auf dem gesamten nationalen Territorium präsent. Das gilt für Gambia wie auch für Sierra Leone. Und zwar durch Schulen, Sozialarbeit, die Arbeit der Caritas in den Diözesen und auch durch Projekte der Entwicklungshilfe. Es ist also eine Präsenz, die beachtet wird, die ins Gewicht fällt und vor allem sehr groß ist im Verhältnis zur Anzahl der Christen.” (rv)
Hier mehr zum Lesen und Hören

Vatikan: Markus-Evangeliar fasziniert Wissenschaft
Aquileia, das ist eine Stadt ganz im Nordosten von Italien in der Provinz Udine. Einer Überlieferung nach soll Markus dort hingereist sein und den damals neuen christlichen Glauben verkündet haben. Doch es war nicht nur die Mission, außerdem soll der Überlieferung nach Markus in Aquileia sein Evangelium selbst geschrieben haben. Das Evangeliar von Aquileia wird seit Jahrhunderten von Pilgern als Markus-Reliquie verehrt. Und es ist, ja, man muss es so sagen, eine wahre Fundgrube für die Wissenschaft. Radio Vatikan hat mit Uwe Ludwig, Professor für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Duisburg-Essen gesprochen. Er ist Mitautor von „L`Evangeliario di San Marco“, einem Buch über das Markus-Evangeliar, das in diesen Tagen in den vatikanischen Museen vorgestellt wurde.

„Das Problem ist, dass man die Herkunft der Handschrift ja nicht aufgrund einer urkundlichen Dokumentation beschreiben kann, sondern nur aufgrund von die Schrift betreffenden stilistischen Hinweisen und da sagen die Spezialisten, dass diese Handschrift wahrscheinlich in Bereich Ravenna entstanden ist im 6. Jahrhundert. Dann wissen wir aber, aufgrund der Namen, die in dem Codex enthalten sind, dass das Buch im 9. Jahrhundert und im 10. Jahrhundert im Raum Aquileia verwendet wurde.“ (rv)
Der Beitrag zum Evangeliar in voller Länge


DIE NACHRICHTEN:

Vatikan

Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone würdigt den Zölibat. Er sei eine positive und fruchtbare Tradition in der Geschichte der Kirche, meinte er im Gespräch mit einem spanischen Fernsehsender. Allerdings sei die Zölibatspflicht auch „nicht unantastbar“. Mit Blick auf die Missbrauchsskandale beklagte Bertone eine gewisse „Verbissenheit“ bei einigen Medien gegenüber der Kirche; allerdings glaube er nicht an „eine Verschwörung“. (apic)
Wegen der großen Nachfrage hat der Vatikan die Anmeldefrist für das Internationale Priestertreffen in Rom verlängert. Interessenten können ihre Teilnahme für das vom 9. bis zum 11. Juni stattfindende Treffen nun noch bis zum 17. Mai beim römischen Pilgerwerk vormerken lassen. Das teilte die vatikanische Kleruskongregation am Montag auf der Internetseite zum Priesterjahr www.annussacerdotalis.org mit. Nach Angaben des römischen Pilgerwerks haben sich bislang rund 5.000 Priester aus aller Welt für die Veranstaltung angemeldet. Das Priestertreffen bildet den Abschluss des internationalen Priesterjahres, das Papst Benedikt XVI. am 19. Juni 2009 ausgerufen hat. Höhepunkte der Schlussveranstaltung sind eine Zusammenkunft mit dem Papst auf dem Petersplatz am Abend des 10. Juni sowie eine Messe mit dem Kirchenoberhaupt am gleichen Ort am folgenden Tag. (kipa)
Die Zahl der Katholiken ist weltweit leicht angestiegen. Das geht aus dem neuesten „Statistischen Jahrbuch der katholischen Kirche“ hervor, dass der Vatikan an diesem Dienstag veröffentlicht hat. Danach zählte die katholische Kirche 2008 rund 1,166 Milliarden Mitglieder, das sind 19 Millionen mehr als im Jahr zuvor. Prozentual erhöhte sich der Anteil der Katholiken an der Weltbevölkerung somit von 17,33 auf 17,40 Prozent. Der größte Anteil der Katholiken, 49,4 Prozent, entfällt demnach auf Nord- und Südamerika. In Europa leben 24,3 Prozent der Gläubigen. Zugenommen hat nach Angaben des Statistischen Büros des Heiligen Stuhls auch die Zahl der katholischen Priester. Sie stieg von 405.178 im Jahr 2000 auf 409.166 im Jahr 2008 an. Die Entwicklungen auf den verschiedenen Kontinenten weisen jedoch erhebliche Unterschiede auf. In Afrika stieg die Zahl der Priester von 2000 bis 2008 um 31,09 Prozent auf rund 35.600; hingegen wirkten in Europa 2008 rund 193.000 Priester - also 7,5 Prozent weniger als acht Jahre zuvor. Stark rückläufig ist hingegen die Mitgliederentwicklung der Frauenorden. (kipa)

Europa

Deutschland
Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann hat Bedenken gegen eine „generelle finanzielle Entschädigung“ von Opfern sexuellen Missbrauchs in katholischen Einrichtungen. Wenn diese Taten schwerste Schäden anrichten, woran kein Zweifel bestehe, dann sei eine vor allem auf Geld zielende Entschädigung eine grundlegende Verkennung des „ethischen Schwergewichts“ einer solchen Verfehlung und auch der Formen möglicher Wiedergutmachung, schreibt Lehmann in einem am Dienstag vorab veröffentlichten Beitrag für seine Bistumszeitung „Glaube und Leben“. Scharf kritisiert der Kardinal, dass in der Diskussion über eine Entschädigung von Opfern mit einer erstaunlichen Konstanz die unübersehbare Verantwortlichkeit der Täter ignoriert werde, gerade auch im Blick auf jede Form von Wiedergutmachung. Das sei ein kapitaler Fehler. Zudem könne es, so Lehmann, keine pauschale Abfindung geben, bei der die Vergehen wie auf einer Preisliste aufgezählt würden. Auch dürfe die „Begehrlichkeit nach Geld“ nicht übersehen werden. (kna)
Die katholischen Laien bedauern die Äußerungen von Niedersachsens designierter Sozial- und Integrationsministerin Aygül Özkan. „Ich halte die Position in der Sache für falsch und ich bedauere die Aussage sehr, denn diese Benennung war durchaus ein interessantes Signal in Richtung Integration“, sagte der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück, am Montag zu „FOCUS Online“. Mit ihren Äußerungen gegen Kreuze an öffentlichen Schulen sei der Start der Muslimin als Ministerin „schwer belastet. Die Worte wirken gegen Integration.“ Glück sieht generell die Präsenz von Religion im öffentlichen Raum in Frage gestellt, nicht nur die Kruzifixe in Klassenzimmern. „Das geht gegen die Grundprägungen unserer Kultur“, meint er. Die Einschätzung, Özkan habe sich durch ihre Äußerungen als Ministerin diskreditiert, hält er allerdings für überzogen. (kna)

Österreich
Eine neue Kommission zum Schutz der Opfer sexuellen Missbrauchs in der Kirche hat in Österreich ihre Arbeit aufgenommen. Die unabhängige Opferschutzanwältin und Leiterin des Gremiums, Waltraud Klasnic, hat am Montag in Wien die acht weiteren Mitglieder ihres Teams vorgestellt. Es handelt sich vor allem um Juristen, Psychologen, Mediziner und Pädagogen. Der Kommission gehören unter anderen die Vizepräsidentin des Verfassungsgerichtshofes, Brigitte Bierlein, der Präsident der Opferhilfsorganisation „Weißer Ring“, Udo Jesionek, sowie die Präsidentin des Berufsverbandes Österreichischer Psychologinnen und Psychologen, Ulla Konrad, an. Die Arbeit der Opferanwaltschaft wird von der Kirche finanziert. Von Seiten des Wiener Kardinals Christoph Schönborn sei einerseits die absolute Unabhängigkeit der Opferanwaltschaft und andererseits die volle Kooperation aller Stellen der katholischen Kirche in Österreich zugesichert worden, „insbesondere was notwendige Informationen und die Umsetzung der Empfehlungen betrifft“. Klasnic berichtete, dass es seit ihrer Ernennung zur Opferschutzanwältin rund 500 Kontakte gegeben habe und bereits mit Gesprächen und Dokumentation der Fälle begonnen worden sei. Absoluter Vertrauensschutz sei dabei selbstverständlich. Jesionek erläuterte, dass die Kommission nur dann Fälle zur Anzeige bringen werde, wenn es das Opfer wolle. „Nichts passiert ohne den Willen des Opfers. Es braucht diese Vertraulichkeit.“ (kipa)
Die Katholische Frauenbewegung protestiert gegen die drohenden Kürzungen bei den staatlichen Ausgaben für Entwicklungshilfe. Diese Kürzungen könnten „katastrophale Auswirkungen“ vor allem auf Frauen in den ärmsten Ländern der Welt haben, so die Delegierten des Verbands bei ihrer Vollversammlung in Linz. Eine „Politik zu Lasten der ärmsten Menschen“ sei „absolut abzulehnen“. (kap)
Der Verein „Klösterreich“ hat erstmals auch ein polnisches Kloster aufgenommen. Die Benediktinerabtei Tyniec am Stadtrand von Krakau ist dem österreichischen Verband beigetreten, der die kulturellen und touristischen Aktivitäten der Köster, Orden und Stifte in Österreich koordiniert. Bei der Aufnahme Tyniecs spielte auch eine gewisse „altösterreichische Reminiszenz“ eine Rolle, sagte Vereinsvorsitzender Abt Christian Haidinger aus dem Benediktinerstift Altenburg. Auch eine tschechische und zwei ungarische Abteien gehören bereits zu „Klösterreich“. (kap)

Italien
Die päpstliche Universität Gregoriana bekommt einen neuen Rektor. Wie an diesem Montag bekannt wurde, hat Papst Benedikt der XVI. den französischen Jesuitenpater und Philosophieprofessor Francois-Xavier Dumortier zum neuen akademischen Leiter der Institution bestellt. Dumortier war bislang Dozent für Philosophie und besonders philosophische Ethik an der katholischen Hochschule Centre Sèvres in Paris, zuletzt für dreizehn Jahre als deren Rektor. Er wird sein Amt am 1. September antreten und den bisherigen Rektor Gianfranco Ghirlanda ablösen, der das Amt seit 2004 ausübte. (rv)

Naher Osten

Irak
Menschenrechtsaktivisten, Angehörige religiöser Minderheiten, Frauen, Homosexuelle, Flüchtlinge und kritische Journalisten sind nach einem Bericht von Amnesty International (AI) im Irak besonders gefährdet. Das geht aus dem am Dienstag in Berlin veröffentlichten Bericht der Menschenrechtsorganisation unter dem Titel „Iraq: Civilians Under Fire“ (Irak: Zivilisten unter Beschuss) hervor. Nach Einschätzung des Irak-Experten von AI, Carsten Jürgensen, leben die Iraker „in einem Klima ständiger Angst“. Die meisten Anschläge auf Zivilisten gehen dem Bericht zufolge von bewaffnete Gruppen und Milizen religiöser Parteien aus. Aber auch Polizisten, Gefängnispersonal und US-Soldaten seien für Menschenrechtsverletzungen verantwortlich. Frauen und Mädchen seien im Irak besonders bedroht, heißt es weiter. „Wenn Frauen gegen traditionelle Moralvorstellungen verstoßen, kommt es immer wieder zu sogenannten Ehren-Verbrechen - bis hin zum Mord durch Familienmitglieder“, erläuterte der Irak-Experte. Christen und Angehörige anderer religiöser Minderheiten würden nicht ausreichend geschützt. Die Menschenrechtsorganisation forderte von der irakischen Regierung wirksame Maßnahmen zum Schutz der gefährdeten Personengruppen: „Alle Milizen müssen entwaffnet und gesetzliche Ausnahmeregelungen wegen 'ehrenhafter Motive' abgeschafft werden. Auch die Problematik der Angabe der religiösen Zugehörigkeit auf irakischen Ausweisen solle geprüft werden, so Irak-Experte Jürgensen. (kna)

Asien

Thailand
Ein Gebet für den Frieden, jeden Abend um Punkt 18 Uhr – dazu rufen in Thailand die Verantwortlichen der buddhistischen, der islamischen und der katholischen Gemeinschaft auf. Die Initiative geht vom nationalen Menschenrechtsrat aus; von katholischer Seite trägt sie der Erzbischof von Bangkok mit, Francis Xavier Kriengsak Kovitvanit. „Wir wollen keine Gewalt in unserem Land“, sagt der Erzbischof, und er zeigte sich bestürzt über die 25 Todesopfer in den vergangenen sechs Wochen. (apic)

Amerika

Vereinigte Staaten
Die Bischöfe drängen den Kongress, den neuen Start-Vertrag zur nuklearen Abrüstung zu ratifizieren. Erzbischof Edwin O`Brien von Baltimore begrüßte bei einem Vortrag in Washington am Montag auch die überarbeitete Sicherheitsstrategie von US-Präsident Barack Obama. Er sehe da einen „wichtigen, wenn auch noch bescheidenen, Schritt zu einer Welt ohne Atomwaffen“, so der Erzbischof. Der neue Start-Vertrag, der USA und Russland zu einem Abbau ihrer Atomarsenale verpflichtet, setze „den Rahmen für künftige Reduzierungen“. Langfristig sollten die USA allerdings festlegen, „dass die einzige Rechtfertigung des US-Atomarsenals die Abschreckung eines Atomangriffs auf uns oder unsere Verbündeten“ sei. (rv)


Die obigen Texte basieren auf unserer Nachrichtensendung Treffpunkt Weltkirche” täglich um 16 Uhr. Die Quellen unserer Nachrichtensendung sind u.a. die Agenturen Kna, Kathpress, Ansa, Efe, Afp, Kipa, Reuters, Ap, Adnkronos, Upi, Cns, Uca, Misna, Osservatore Romano – die Vatikanzeitung in deutscher Sprache, sowie vatikaninterne Quellen. Der Newsletter ist nur zur persönlichen Information bestimmt. Grundlage für Zitate oder Übernahmen aus unserem Programm kann nicht unser Internetauftritt oder der Newsletter, sondern nur unser Radio-Programm sein. Die jeweils aktuelle Nachrichten- oder Magazinsendung von Radio Vatikan können Sie u.a. auf unserer Internetseite hören

 






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