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Meldungen vom 2.2.2010


Verantwortlich: P. Bernd Hagenkord SJ / Stefan von Kempis
Redaktion: Anne Preckel
Redaktionsschluss 16.00 Uhr
Die folgenden Texte basieren auf unserer
Nachrichtensendung „Treffpunkt Weltkirche“ täglich um 16 Uhr.

THEMEN DES TAGES:

Missbrauch in Deutschland: „Professionelle Prävention“
Nach den Missbrauchsfällen am Berliner Canisius-Kolleg hat sich der deutsche Chef des Jesuitenordens bei Opfern, Lehrern und Eltern entschuldigt. „Ich bitte um Entschuldigung für das, was von Verantwortlichen des Ordens damals am notwendigen und genauen Hinschauen und angemessenen Reagieren unterlassen wurde“, sagte Provinzial Stefan Dartmann am Montag in einer Pressekonferenz. Pädophile Neigungen könne man zwar nicht aberziehen, aber in Schach halten. Darauf verweist Prof. Dr. Klaus M. Beier von der Berliner Charité. Er ist Sexualpsychologe und leitet das Hilfsprojekt „Kein Täter werden“ für pädophile Männer. Privatpersonen wie Institutionen könnten sich durch professionelle Prävention vor Missbrauchsfällen schützen. Beier:

„Das muss man sich so vorstellen, dass Betroffene eine speziell qualifizierte Gruppe von Diagnostikern und Therapeuten zur Verfügung haben, die eben in adäquater Weise mit diesen Präferenzstörungen umzugehen verstehen und auch in der Lage sind, gegebenenfalls Medikamente einzusetzen, um in Gefahrensituationen die sexuellen Impulse noch zu dämpfen, das geht und ist sehr hilfreich und dies in einem Milieu, wo diese Form der Auseinandersetzung gefördert und gewünscht wird. Manche Menschen ereilt eben dieses Schicksal, aber wir haben dafür einen speziellen Ansatz, um ihnen zu helfen und es ist das Interesse aller, dass es nicht zu Übergriffen kommt, die aus dieser Neigung resultieren.“ (rv)
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Missbrauchsfälle in Deutschland: „Kartell des Wegschauens“
„Kartell des Wegschauens“ - diese Formel findet der Jesuitenpater Bernd Hagenkord, Leiter der deutschsprachigen Abteilung von Radio Vatikan, für die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche. Er plädiert für eine strikte Umsetzung der Richtlinien der Bischofskonferenz, um Missbrauch zukünftig zu verhindern. (rv)
Lesen Sie hier unser Interview mit Pater Hagenkord

Irland: „Für katholische Schulen von hoher Qualität“
Irlands Kirche ist nach den Missbrauchsskandalen als Ausbilderin in die Kritik geraten. Eine Mehrheit der Bevölkerung will sie vor allem aus dem Bereich der Grundschulbildung verbannen: Irische Grundschulen sind zu 90 Prozent in kirchlicher Hand. Um an den wichtigen Beitrag katholischer Bildung zur gesellschaftlichen Entwicklung zu erinnern, findet in Irland gerade die Schulwoche „Catholic Schools – A Light for Every Generation“ statt. Zum Misstrauen der Menschen gegenüber kirchlichen Bildungseinrichtungen sagte Kardinal Sean Brady, Primas von Irland, im Gespräch mit Radio Vatikan:

„Es gab da eine alarmierende Abstimmung in der Irish Times. Ungefähr 60 Prozent der Bevölkerung meinten, die Kirche sollte sich aus der Erziehung raushalten. Wir aber wollen die Leute zum Nachdenken darüber bringen, was das bedeuten würde - man sollte ja schließlich nicht nur den akademischen Fortschritt der Schüler, sondern ihre Entwicklung insgesamt im Blick behalten. Was wäre denn die Alternative zum bestehenden System? Effektiv machen diese Schulen Menschen zu gewissenhaften und guten Bürgern. Das katholische Schulsystem bedient Ausbildung auf allen Ebenen und gibt eine lebendige Antwort auf die Anforderungen, die die sozialen und wirtschaftlichen Veränderungen unserer Nation mit sich bringen.“ (rv)
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Senegal: Afrikasynode trägt erste Früchte
Vor etwa vier Monaten begann im Vatikan die zweite Afrika-Synode. Rund 400 Bischöfe, Ordensleute und Laien diskutierten dort über das Thema „Die Kirche in Afrika im Dienst von Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden“. Viele Worte wurden gesprochen, viele Reden gehalten - doch wie hat sich das so wichtige Treffen bis heute auf dem afrikanischen Kontinent ausgewirkt? Im Gespräch mit Radio Vatikan erzählt Kardinal Sarr aus Dakar, was sich in seinem Erzbistum seitdem getan hat.

„Im Senegal hat die Synode Signalwirkung in der katholischen Gemeinschaft gehabt. Bei uns sind Muslime ja in der Mehrheit, und die nationale Presse hat nicht viel über die Synode berichtet; aber die katholische Gemeinschaft hat die Synode gespannt über das Internet und Radio Vatikan verfolgt. Man konnte im Netz die Arbeit der Synode und die täglichen Reden miterleben. Es gab großes Interesse, vor allem an der Abschlussbotschaft.“

Die Abschlussbotschaft der Synodenväter und Benedikts „Steh’ auf, Afrika!“ sei in seiner Diözese angekommen, so der Kardinal. Unter den Gläubigen in Dakar sei eine Aufbruchsstimmung festzustellen. (rv)
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Kardinal Rodé: „Gebet braucht Raum und Zeit“
Der 2. Februar ist Fest der Darstellung des Herrn (auch Maria Lichtmess genannt) – zur Erinnerung daran, wie Jesu Eltern den Neugeborenen, dem Gesetz entsprechend, vierzig Tage nach seiner Geburt im Tempel von Jerusalem präsentierten. Außerdem begeht die Kirche weltweit am 2. Februar den Tag des geweihten Lebens. Kardinal Franc Rodé ist der Präfekt der Kongregation für die Institute geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens; er betont, dass das Gebet für die Mitglieder der Ordensgemeinschaften und Säkularinstitute im Zentrum des Festes stehen muss. Vor diesem Hintergrund hat er ein Dokument angekündigt, das derzeit in Zusammenarbeit mit der Sakramentenkongregation erarbeitet wird:

„Über das Gebet als solches und die unterschiedlichen Gebetsformen und spirituellen Dimensionen des Gebets. Aber auch über die Schwierigkeiten, vor denen die Gebetspraxis aktuell steht. Denn es muss darum gehen, das Gebet für unsere zerrüttete Welt mit neuer Kraft zu füllen. Sich auf das Gebet zu konzentrieren und regelmäßige Gebetszeiten zu finden, ist nicht einfach. Wer ein gottgeweihtes Leben führt, kann und muss hier Vorbild sein. Deswegen können wir nur nachdrücklich dazu auffordern, das Gebet als festen Bestandteil des geistlichen Lebens zu sehen und stetig zu vertiefen.“ (rv)
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HINTERGRÜNDE:

Sic non tacuisses: Pius und der Jesuit
Ja, Pius XII. hat im Wesentlichen zum Holocaust geschwiegen – für diese Feststellung braucht man noch nicht einmal eine vatikanische Archiv-Öffnung. Die wirklich spannende Frage ist doch, warum der Pacelli-Papst (für den ein Seligsprechungsverfahren in Gang ist) nicht öffentlich gegen die Judenvernichtung durch die Nazis protestierte, sondern sich – was auch nicht jeder von sich behaupten kann – auf die Rettung hunderter verfolgter Juden in Rom „beschränkte“. Zu Pius` Motiven erschien schon 1964 ein Aufsatz des Jesuitenpaters Paolo Dezza – damals Rektor der Universität Gregoriana, später Kardinal, verstorben 1999. Wir dokumentieren hier die wesentlichen Auszüge aus dem Text des Jesuiten.

„Im Dezember 1942 hielt ich die Exerzitien für den Heiligen Vater im Vatikan. Dabei hatte ich eine lange Audienz, bei der der Papst mir seinen Schmerz und seine Bestürzung über die Nazi-Verbrechen in Deutschland und den anderen besetzten Ländern ausdrückte: „Die Leute beklagen sich, dass der Papst nichts (dazu) sagt. Aber der Papst kann nicht reden! Wenn er spräche, würde alles nur schlimmer.“ Objektiv kann man sich streiten; subjektiv gibt es aber keinen Zweifel über die Motive des Papstes: Er wollte wirklich das Beste tun.“ (rv)
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DIE NACHRICHTEN:

Vatikan

Unter dem Titel „Die Früchte ernten“ findet vom 8. bis 10. Februar ein ökumenisches Symposium in Rom statt. Es wird organisiert vom Päpstlichen Rat für die Einheit der Christen und soll sich mit den Ergebnissen der ökumenischen Zusammenarbeit in den letzten vierzig Jahren befassen. Neben vielen Vertretern der protestantischen Kirchen werden auch Beobachter des Weltkirchenrates sowie der anglikanische Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams, erwartet. Der Termin des Treffens hat auch symbolischen Wert – am 14. März wird Papst Benedikt XVI.. erstmals die lutherische Gemeinde in Rom besuchen. (apic)

Europa

Europäische Union
Die Sozialisten im Europaparlament haben den Vatikan zur Einhaltung der EU-Gleichstellungs- und Antidiskriminierungsgesetze aufgerufen. Religiöse Führer sollten Ungleichheiten abbauen helfen und nicht für ihr Fortbestehen eintreten, erklärte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Stephen Hughes. Ungleichheiten seien die Wurzel für viele soziale Probleme, sagte Hughes nach Angaben der sozialistischen Fraktion in Rom. Der britische Labour-Europaabgeordnete erklärte demnach, statt Großbritannien wegen seiner Antidiskriminierungs-Reformpläne zu kritisieren, solle der Vatikan selbst das geltende EU-Recht anwenden. In einer Ansprache an britische Bischöfe hatte sich der Papst am Montag gegen „ungerechte Einschränkungen“ für Religionsgemeinschaften in Großbritannien gewendet. (kna)

Deutschland
Die vom Wissenschaftsrat geforderte Imam-Ausbildung an deutschen Universitäten stößt auch bei den muslimischen Repräsentanten auf Unterstützung. Der Vorstoß sei „alternativlos“ und „überfällig“, sagte der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, der „Frankfurter Rundschau“. „Wir wollen Imame, die hier ausgebildet wurden und die hiesigen Verhältnisse kennen“, so Mazyek. Der Wissenschaftsrat hatte am Wochenende eine staatliche Ausbildung der Imame und islamischen Theologen gefordert, zugleich aber die Einrichtung „kompetenter Beiräte für Islamische Studien“ vorgeschlagen, um die Muslime in die Ausbildung einzubinden. (kna)
Im Streit um den Kauf von Steuersünder-Daten hat der katholische Sozialethiker und Dominikanerpater Wolfgang Ockenfels vom deutschen Staat Zurückhaltung gefordert. „Ein Rechtsstaat, der Diebstahl sonst strafrechtlich verfolgt, kann sich nicht einfach gegen Honorar eines solchen Diebesgutes bedienen“, sagte Ockenfels an diesem Dienstag dem Internetportal „Katholisch.de“. Zwar hätten die Behörden ein legitimes Interesse daran, Betrügern und Wirtschaftskriminellen das Handwerk zu legen. Das rechtfertige jedoch in keiner Weise den Kauf von Hehlerware. „Sollte sich das Ministerium zum Kauf der CD entschließen, wäre eine rechtliche und moralische Grenze überschritten“, sagte Ockenfels. Seiner Meinung nach würde ein plausibles und gerechtes Steuersystem die Zahl der Bürger, die ihre Steuern ordentlich zahlen, deutlich erhöhen. (kipa)
Unter dem Titel „Die Zehn Gebote – Mose und das Geheimnis der steinernen Tafeln“ kommt am 18. Februar ein neuer Zeichentrickfilm in die deutschen Kinos. Die Evangelische Kirche in Deutschland lobt den Film als „einen Beitrag zur Glaubens- und Wertevermittlung an Kinder“. Die Zehn Gebote gehörten zu den ’Basics’ christlicher Verkündigung und seien die unbestrittene Grundlage unserer Kultur, heißt es in der Pressemappe der EKD. Vorgestellt wird der Film, die unter anderem von der Deutschen Bibelgesellschaft und dem Fernsehsender RTL produziert wird, am 21. Februar von Bischöfin Margot Käßmann, der Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland. (kipa)

Russland
Der Moskauer Patriarch Kyrill I. hat eine positive Bilanz seines ersten Jahres an der Spitze der russisch-orthodoxen Kirche gezogen. Es sei ein „echter gemeinsamer Sieg“, dass immer mehr Menschen die Bedeutung der Kirche begriffen, sagte er an diesem Montag bei einem Festgottesdienst zum ersten Jahrestag seines Amtsantritts. Viele Russen wollten heute Gott näher kommen. Auch von katholischer Seite erhielt Kyrill Zustimmung. Der Vorsitzende der katholischen Russischen Bischofskonferenz, Bischof Joseph Werth von Nowosibirsk, würdigte in einem Glückwunschschreiben Kyrills „wertvollen Beitrag zur Stärkung der geistigen und moralischen Werte in der Gesellschaft“. (kipa)

Frankreich
Unbekannte haben in der Nacht auf Sonntag in der Stadt L`Oise eine Moschee geschändet. Sie sprühten islamfeindliche Parolen auf das Gebäude und die Straße.. Unterdessen hat sich der Französische Islamrat an die Regierung in Paris gewandt. In einem Schreiben fordert er die Verantwortlichen dazu auf, die Gewalt gegen muslimische Gebäude zu stoppen. Im vergangenen Dezember war eine Moschee in der Stadt Castres angegriffen worden. (apic)

Afrika

Nigeria
Der Anführer des nordafrikanischen Ablegers der Terrororganisation „El Kaida“ hat den Muslimen in Nigeria Waffenhilfe angeboten. Gerne wolle man im Kampf gegen die Christen muslimische Jugendliche ausbilden und sie mit Waffen ausstatten, teilte eine islamische Internetseite am Montag mit. Gegen den Kreuzzug der Christen müsse man das muslimische Blut verteidigen. In den vergangenen Wochen waren bei Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen in Zentralnigeria mindestens 326 Menschen ums Leben gekommen. (ap)

Asien                                     

Malaysia
Die Regierung in Kuala Lumpur will keinen staatlichen „Rat der Religionen“ einrichten. Derzeit gebe es im Land keine größeren religiösen Probleme, die eine solche Einrichtung notwendig machten, sagte ein Regierungsvertreter. Vor allem Hindus und Christen hatten nach den Anschlägen auf Kirchen und Moscheen einen Runden Tisch gefordert, der in Konfliktfällen vermitteln solle. Unterdessen sind an diesem Dienstag vier weitere Muslime wegen ihrer Beteiligung an den Anschlägen angeklagt worden. Nach Angaben der Nachrichtenagentur ap droht den jungen Männern eine Höchststrafe von 20 Jahren. Im Hintergrund steht in Malaysia derzeit die Frage nach der Verwendung des Wortes „Allah“. Nachdem ein Gericht erlaubt hatte, damit auch den christlichen Gott zu bezeichnen, hatten radikale Moslems protestiert. (kipa/ap)

Indien
Mehr als 2.000 Christen haben in der Stadt Karnataka einen Gedenkmarsch veranstaltet, um auf die zunehmende Verfolgung von Christen in Teilen Indiens aufmerksam zu machen. Das Datum des Protestes war dabei symbolisch gewählt – der 30. Januar ist der Todestag Mahatma Gandhis. Die Teilnehmer forderten die Regierung dazu auf, die Angriffe zu stoppen. Nach Angaben des indischen Kirchenrates gab es allein im Jahr 2009 fast 160 Angriffe auf Angehörige der christlichen Minderheit. (asianews)


Die obigen Texte basieren auf unserer Nachrichtensendung Treffpunkt Weltkirche” täglich um 16 Uhr. Die Quellen unserer Nachrichtensendung sind u.a. die Agenturen Kna, Kathpress, Ansa, Efe, Afp, Kipa, Reuters, Ap, Adnkronos, Upi, Cns, Uca, Misna, Osservatore Romano – die Vatikanzeitung in deutscher Sprache, sowie vatikaninterne Quellen. Der Newsletter ist nur zur persönlichen Information bestimmt. Grundlage für Zitate oder Übernahmen aus unserem Programm kann nicht unser Internetauftritt oder der Newsletter, sondern nur unser Radio-Programm sein. Die jeweils aktuelle Nachrichten- oder Magazinsendung von Radio Vatikan können Sie u.a. auf unserer Internetseite hören

 






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