Meldungen vom 3.2.2010
Verantwortlich: P. Bernd Hagenkord SJ / Stefan von Kempis
Redaktion: Veronica Pohl
Redaktionsschluss 16.00 Uhr
Die folgenden Texte basieren auf unserer
Nachrichtensendung „Treffpunkt Weltkirche“ täglich um 16 Uhr.
THEMEN DES TAGES:
Missbrauchs-Fälle an Jesuitenschulen: „Aufklären, aber Rechte der Opfer achten“
An diesem Dienstag haben sich neue Missbrauchsopfer bei der Provinz der Deutschen Jesuiten gemeldet und einen weiteren Täter benannt. Es handelt sich um einen noch im Orden befindlichen Jesuiten, der Religionslehrer in Berlin war und auch in Hannover und Hamburg als Jugendseelsorger gewirkt hat. Danach war er über 20 Jahre lang Projektleiter eines anerkannten Hilfswerkes. Der Provinzial der Deutschen Jesuiten, Stefan Dartmann, ist mit diesen jüngsten Kenntnissen am Dienstag Abend an die Öffentlichkeit getreten und hat gegenüber dem Kölner Domradio seine große Betroffenheit zum Ausdruck gebracht:
„Es ist eine sehr sehr große Tragödie, die jetzt sichtbar wird. In dem Augenblick, wo sich die Opfer gemeldet haben, an uns herangetreten sind und das Schweigen gebrochen haben, sehe ich es als meine Pflicht an, hier einzuschreiten. Ich habe den Täter, der sich zumindest in einem Fall zu der Tat bekannt hat, gebeten, sich anzuzeigen. Das hat er getan. Und ich habe ihn auch von der Ausübung des Priesteramtes suspendiert.“
Schweigen und Wegschauen seien die falschen Antworten, wenn es um die Frage nach dem richtigen Umgang mit den Missbrauchsfällen gehe, betont der Jesuit. Und dennoch müsse man mit großem Feingefühl an die Aufklärung der Fälle gehen... (domradio)
Hier finden Sie mehr über das Interview mit P. Dartmann SJ
Auch der Vatikan wird sich an der Aufklärung der Missbrauchs-Fälle beteiligen
Hildesheim: „Bistum hat Missbrauch nicht ernst genug genommen“
Vatikan: Papst ermutigt dazu, sich Gott zu weihen
Papst Benedikt XVI. hat die herausragende Bedeutung des Ordenslebens für die katholische Kirche unterstrichen. Ohne gottgeweihte Menschen wäre die Welt ärmer; sie seien ein „wertvolles Geschenk für die Kirche und für die Welt“, betonte er an diesem Dienstag bei einer Vesper vor mehreren Tausend Mitgliedern geistlicher Gemeinschaften im Petersdom. Ganz unabhängig von der oberflächlichen Frage nach Effizienz sei das gottgeweihte Leben ein Signal für die Unentgeltlichkeit der christlichen Liebe, sagte der Papst. Es sei bedeutsam gerade in einer Welt, die Gefahr laufe, im Sog von Schnelllebigkeit und Nützlichkeitsdenken zu ersticken. Die Kirche feiert den 2. Februar, Fest der Darstellung Jesu im Tempel, seit über zehn Jahren auch als Tag des gottgeweihten Lebens. (rv)
Wir dokumentieren in einer Arbeitsübersetzung die Predigt Papst Benedikt XVI. bei der Vesper zum Fest Darstellung des Herrn im Petersdom am 2. Februar. Den offiziellen Text finden Sie in Kürze im „Osservatore Romano“ und auf www.vatican.va
Deutschland: „Islamische Religionslehrer hier ausbilden!“
Der Wissenschaftsrat hat die Ausbildung von islamischen Religionslehrern und Imamen an deutschen Hochschulen gefordert und damit großes öffentliches Interesse geweckt. Auf Zustimmung ist der Vorschlag des Rates bei christlichen und islamischen Religionsvertretern gleichermaßen gestoßen. Peter Strohschneider ist Vorsitzender des Wissenschaftsrates und erläutert die Forderungen seines Gremiums im Gespräch mit Radio Vatikan:
„Was der Wissenschaftsrat dem Bund und den Ländern, aber auch den Universitäten, Kirchen und Religionsgemeinschaften vorschlägt, ist ein Institutionalisierungsmodell, das die Mitwirkung der muslimischen Gemeinschaften an der Ausgestaltung der Studiengänge und an der Berufung des professoralen Personals beschreibt. Die Zeithorizonte kann ich schwer einschätzen. Es gibt sicher zwei oder drei Universitäten in der Bundesrepublik, die schon relativ weit sind bei der universitätsseitigen Vorbereitung dieses Prozesses. Ich glaube, dass es im Grunde – bezogen auf die Eigenzeiten des Wissenschaftssystems – sehr schnell gehen wird.“ (rv)
Hier erfahren Sie mehr
Großbritannien: Bischof gegen Gleichberechtigungs-Gesetz
Der Gesetzesentwurf zur Gleichberechtigung in Großbritannien, die so genannte „Equality Bill“, wird in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert. Jede Form der Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung oder der Religionszugehörigkeit soll durch das Gesetz, das in diesem Frühjahr vom Unterhaus verabschiedet werden soll, verboten werden. Die Kirchen in England befürchten, durch die Anwendung des Gleichberechtigungsgesetzes auf kirchliche Einrichtungen in der Glaubensverkündung und der Umsetzung ihrer ethischen Prinzipien eingeschränkt zu werden. Der Erzbischof von Cardiff, Peter Smith, spricht sich für eine Neubewertung des Begriffs „Diskriminierung“ aus... (rv)
Hier finden Sie unser Gespräch mit Erzbischof Smith
Papst bei Generalaudienz: „Glaube ist nicht Sentimentalität“
Tausende von Menschen haben an diesem Mittwoch wieder an der Generalaudienz von Benedikt XVI. teilgenommen. In seiner Katechese stellte der Papst diesmal den heiligen Dominikus vor. Dabei ging er, von seinem Redetext abweichend, auch auf sein (Benedikts) Lieblingsthema ein, nämlich die Beziehung von Glaube und Vernunft: „Glaube ist nicht Sentimentalität, sondern Sache des ganzen Menschen“. Dafür stehe dieser herausragende spanische Ordensmann des 13. Jahrhunderts. (rv)
Hier finden Sie die Katechese des Papstes
DIE NACHRICHTEN:
Vatikan
Die Kongregation für das Ordensleben plant die Herausgabe eines Dokumentes über die Brüderorden und Laienbrüder voraussichtlich in diesem Herbst. Der Präfekt der Kongregation, Kardinal Franc Rode, sagte an diesem Dienstag gegenüber Radio Vatikan, mit dem Schreiben solle auf die besondere Mission der Laienbrüder in der Kirche aufmerksam gemacht werden. Ein Ordensbruder nehme eine besondere Stellung im Hinblick auf das gottgeweihte Leben ein und sei keinesfalls nur als Vorstufe zum Priesteramt zu betrachten. Die Zahl der Laienbrüder ist in den vergangenen Jahren noch stärker rückläufig als die der Priester. (rv)
Der Päpstliche Familienrat hat das Abschlussdokument des Familienkongresses verabschiedet. Das Treffen fand vor einem Jahr in Mexiko statt. In dem Text werden in zehn Punkten die Beschlüsse der Konferenz formuliert: Sie betonen vor allem die Bedeutung der traditionellen Familie, deren unverzichtbarer Kern die stabile Ehe zwischen Mann und Frau sei. Der Text wurde vom Präsident des Familienrates, Kardinal Ennio Antonelli, diese Woche unterzeichnet. (rv)
Europa
Deutschland
Im schleswig-holsteinischen Rendsburg ist ab sofort der öffentliche Ruf zum muslimischen Gebet erlaubt. Die Stadtverwaltung genehmigte jetzt den Antrag des Islamzentrums, an den beiden Minaretten der Moschee jeweils Lautsprecher anbringen zu dürfen. Gegen die Anbringung der Lautsprecher hatte sich eine Bürgerinitiative formiert, die zunächst ein Gutachten über die tatsächliche Lärmbelastung gefordert hatte. Der Bürgermeister von Rendsburg, Andreas Breitner, erklärte, dass er zu Gunsten eines friedlichen nachbarschaftlichen Miteinanders auf einen maßvollen Einsatz des Gebetsrufes seitens der muslimischen Gemeinde hoffe. (kipa)
Frankreich/Europäische Union
Die Konferenz der Europäischen Justitia et Pax Kommissionen fordert die Schaffung einer „Entwicklungssteuer“. Angesichts der Weltwirtschaftskrise brauche es mehr internationale Solidarität: Deshalb solle bei jeder Finanztransaktion eine 5-Promille-Steuer erhoben werden. Mit diesem Geld müssten die Staaten den Armen und Benachteiligten eine Chance geben, so die Konferenz bei ihrem derzeitigen Treffen in Paris. Justitia-et-Pax-Europa fordert die europäischen Staaten auf, nicht nur das Finanzsystem zu schützen, sondern auch Armut und soziale Ausgrenzung wirkungsvoller zu bekämpfen. Dem Zusammenschluss gehören 31 nationale Justitia et Pax Kommissionen an. (rv)
Russland
Der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I. ist in vielen Fragen einer Meinung mit dem Papst. Das sagte Kyrill am Dienstag bei einem Bischofstreffen in Moskau. Gemeinsame Standpunkte habe er mit Benedikt vor allem in Sachen Säkularisierung und zu moralischen Werten. Zu einem möglichen Treffen mit dem katholischen Kirchenoberhaupt nahm der Moskauer Patriarch nicht Stellung. (rv)
Türkei
Die Angabe der Religionszugehörigkeit auf türkischen Personalausweisen verstößt gegen die Europäische Menschenrechtskonvention. Das hat der Europäische Menschenrechtsgerichtshof an diesem Dienstag in Strassburg entschieden. Die Richter gaben damit einem Kläger Recht, der den Aleviten angehört. Der Mann hatte 2004 vergeblich verlangt, beim Eintrag der Religionszugehörigkeit „islamisch“ durch „alevitisch“ zu ersetzen. Türkische Gerichte hatten den Antrag des Mannes damit abgelehnt, dass sie erklärten, die Aleviten stellten nur eine Untergruppe des Islam dar. Diese Anschauung hat der Menschenrechtsgerichtshof nun verworfen. Die Richter betonten weiter, dass die seit 2006 vorhandene Möglichkeit, das Feld „Religionszugehörigkeit“ in den Personaldokumenten frei zu lassen, nicht ausreiche. Auch damit müssten die Ausweisinhaber auf unzulässige Weise eine Angabe über ihre Glaubensrichtung machen. (kipa)
Afrika
Südafrika
Zwei christliche Parteien fordern den Rücktritt des Präsidenten Jacob Zuma. Er unternehme zu wenig gegen die Bekämpfung der Aids-Plage, erklären sie zur Begründung. Zwar steht Zuma - anders als sein Vorgänger Thabo Mbeki - offiziell für eine verantwortliche Sexualität und den Gebrauch von Kondomen ein. Privat handelt er aber anders: So hat er kürzlich eine Drittfrau geheiratet, spart bereits für eine weitere Partnerin und hat kürzlich die Geburt eines außerehelichen Sohnes bekannt gegeben. (apic)
Asien
Turkmenistan
Die Nachrichtenagentur „Asianews“ berichtet von einer richtiggehenden Christenverfolgung in Turkmenistan. Sie beruft sich dabei auf die Agentur „Forum 18“. Unter Zwang müssten Christen ihrem Glauben abschwören; turkmenische Imame verfolgten Christen systematisch mit Hilfe der Polizei. Muslimische Bürger seien bereits im Dezember in christliche Häuser eingedrungen, hätten Bibeln beschlagnahmt und Gläubige gewaltsam zur Polizei gebracht, hieß es weiter. In Turkmenistan herrscht ein Versammlungs- und Betverbot für Christen. In Turkmenistan leben nur knapp zehn Prozent Christen, 90 Prozent der Bevölkerung sind Muslime. (asianews)
Amerika
Vereinigte Staaten
Europa und Amerika sollten nicht erlauben, dass sich die Kluft zwischen ihnen vertieft. Dazu hat der Erzbischof von Wien, Kardinal Christoph Schönborn, zum Auftakt seiner USA-Reise aufgerufen. Bei einer Begegnung im Erzbistum Kansas City mahnte er zugleich an, dass Europäer und Amerikaner viel voneinander lernen könnten. Schönborn nahm bei dem Treffen auch zur Frage der Schöpfungstheologie Stellung. Christlicher Glaube, so der Kardinal, sei weder dem Evolutionismus noch dem Kreationismus verpflichtet. Gegen jeden wissenschaftlichen Fundamentalismus sei Widerstand zu leisten. (pm)
Präsident Barack Obama will trotz Warnungen aus Peking den Dalai Lama treffen. Wie die Neue Zürcher Zeitung unter Berufung auf das Weiße Haus berichtet, sei die Begegnung fest geplant, ein genauer Termin aber noch nicht bekannt. Regierungsvertreter in Peking haben unterdessen gewarnt, dass ein Treffen das Vertrauen und die Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und China ernstlich beschädigen würde. Für den Fall, dass das Treffen stattfinde, plane man in Peking bereits entsprechende Maßnahmen, so ein Sprecher weiter. Die Beziehungen zwischen beiden Ländern können auch abseits der Frage Tibet und Dalai Lama als gespannt gelten: Ein amerikanisches Rüstungsgeschäft mit Taiwan hat in den vergangenen Tagen zu harschen Tönen aus China geführt. (nzz)
Kolumbien
Unbekannte haben in Kolumbien einen Gottesdienstbesucher erschossen. Nach Angaben des Radiosenders „RCN“ stürmten die Täter an diesem Dienstag die vollbesetzte Kirche der Pfarrgemeinde San Jose de Neiva rund 200 Kilometer südlich der Hauptstadt Bogota und eröffneten sofort das Feuer. Nach Zeugenaussagen wurde das 37 Jahre alte Opfer offenbar gezielt ermordet. Der schwer verletzte Mann sei zwar noch in ein nahe gelegenes Krankenhaus gebracht worden. Dort erlag er aber seinen Schussverletzungen. Der Gottesdienst hatte im Gedenken an einen Unternehmer stattgefunden, der wenige Tage zuvor in Bogota ermordet worden war. (kna)
Die obigen Texte basieren auf unserer Nachrichtensendung „Treffpunkt Weltkirche” täglich um 16 Uhr. Die Quellen unserer Nachrichtensendung sind u.a. die Agenturen Kna, Kathpress, Ansa, Efe, Afp, Kipa, Reuters, Ap, Adnkronos, Upi, Cns, Uca, Misna, Osservatore Romano – die Vatikanzeitung in deutscher Sprache, sowie vatikaninterne Quellen. Der Newsletter ist nur zur persönlichen Information bestimmt. Grundlage für Zitate oder Übernahmen aus unserem Programm kann nicht unser Internetauftritt oder der Newsletter, sondern nur unser Radio-Programm sein. Die jeweils aktuelle Nachrichten- oder Magazinsendung von Radio Vatikan können Sie u.a. auf unserer Internetseite hören